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LRI Fakten

Informationen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie (LRI)

September/Oktober 1996



BDLI-Präsident Bischoff: Eurofighter-Entscheidung überfällig

Vor einer weiteren Verschiebung der Serienvorbereitung des Eurofighters hat der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Dr. Manfred Bischoff, auf der BDLI-Mitgliederversammlung am 15. Oktober 1996 auf dem Petersberg bei Bonn gewarnt: "Ohne einen raschen Anschluß an die Entwicklungsphase sind in den betroffenen Bereichen der Industrie Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Know-how-Verluste unvermeidbar." Erhebliche Kostensteigerungen und eine deutliche Verzögerung der Serienauslieferung wären die unmittelbare Folge. Eine Leerlaufzeit zwischen Entwicklungs- und Serienphase könne eine privatwirtschaftlich organisierte Industrie weder personell noch technologisch überbrücken. Dies gelte insbesondere auch für die überwiegend kleinen und mittelständischen Ausrüstungsunternehmen im BDLI, die insgesamt über 250 Millionen Mark aus Eigenmitteln in die Entwicklung von Komponenten und Subsystemen für den Eurofighter investiert hätten. Viele von ihnen seien existentiell auf den Beginn der Serienvorbereitung angewiesen. Daß die europäischen Luftstreitkräfte ein neues Kampfflugzeug benötigten, werde "von niemandem ernsthaft bestritten", sagte Bischoff. Der Leistungsnachweis für dieses Flugzeug sei erbracht. Noch im November müßten nun die politischen Gremien in Bonn über den Anlauf der Serienproduktion und damit über die zeitgerechte Auslieferung des Eurofighters an die Bundeswehr entscheiden.

Großbritannien beschließt Serienfertigung des Eurofighters

Großbritannien will mit der Serienproduktion des neuen europäischen Jagdflugzeugs Eurofighter 2000 beginnen. Verteidigungsminister Michael Portillo erklärte Anfang September anläßlich der Eröffnung der englischen Luftfahrtausstellung in Farnborough, die britische Regierung habe entschieden, in die Serienvorbereitung des Eurofighter 2000 einzusteigen und zunächst 232 Maschinen zu bestellen. Bis Anfang 1997 sollten die entsprechenden Verträge gemeinsam mit den Programmpartnern Deutschland (180 Flugzeuge), Italien (121) und Spanien (87) unterschrieben werden. Portillo forderte die Bundesregierung auf, rasch dem Beispiel Großbritanniens zu folgen. Deutschland könne es sich weder verteidigungspolitisch noch technologisch leisten, auf den Eurofighter zu verzichten.

Arbeitnehmer-Vertreter warnen vor Arbeitsplatzverlusten

Auf eine baldige Entscheidung des Bundestages über die Beschaffung des Jagdflugzeugs Eurofighter drängen die im Arbeitskreis Wehrtechnik, Luft- und Raumfahrt zusammengeschlossenen Betriebsräte. Andernfalls drohe ein substantieller Arbeitsplatzabbau. Die Fähigkeit, in Deutschland militärische Hochleistungsflugzeuge zu bauen, gehe unwiederbringlich verloren. In der Serienfertigung würden bis zu 18.000 Mitarbeiter in 100 deutschen Unternehmen beschäftigt sein.

BDLI stellt Memorandum zur Bedeutung der Wehrtechnik vor

"Neue und kräftige Impulse sowie mutige politische Entscheidungen" forderte der Vorsitzende des Forums Wehrtechnik im BDLI, Werner Heinzmann, auf einer Pressekonferenz am 24. September 1996 in Bonn. Die wehrtechnische Luft- und Raumfahrtindustrie Deutschlands stehe am Scheideweg, sagte Heinzmann bei der Vorstellung des BDLI-Memorandums "Die Bedeutung der wehrtechnischen Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland und Europa". Neben dem Kernvorhaben Eurofighter dürfe man in der aktuellen Haushaltssituation aber auch die anderen militärischen Zukunftsprogramme nicht aus den Augen verlieren, mahnte Heinzmann. Die strategischen Aufklärungssatelliten Helios 2 und Horus stünden mehr denn je auf der politischen Tagesordnung. Ohne die strategische Auf-klärung verliere die heimische Industrie die Fähigkeit zur industriellen Führerschaft im Bereich der Radartechnologie. Deutschland würde sich damit aus wich-tigen Zukunftsmärkten verabschieden. Weitere wichtige Großprogramme, die auf den Weg gebracht werden müßten, seien der Kampfhubschrauber Tiger so-wie der Transporthelikopter NH90 einschließlich Bewaffnung.

Airbus treibt Erweiterung der Produktpalette rasch voran

Mit neuen Modellen der A330/340-Familie will Airbus Industrie im Wettbewerb mit dem US-Konkurrenten Boeing seine Position weiter ausbauen. Die A340-600 kann 376 Passagiere 13.700 Kilometer weit transportieren. Sie gilt als idealer Ersatz für die veralteten Boeing 747-100 und -200, die ab dem Jahr 2000 verstärkt ausgemustert werden. Die A340-500, mit 316 Sitzplätzen für eine Reichweite von 15.400 Kilometer ausgelegt, steht in direkter Konkurrenz zur Boeing 777. Bis Ende 1996 soll bei Airbus auch die Entscheidung über den Bau eines völlig neuen und hochflexibel einsetzbaren Großraumflugzeugs mit über 400 Passagieren fallen, das ab 2003 einsatzbereit sein würde. Allein die Erwartung dieses Projekts hat bislang alle an Flugzeugen dieser Größe interessierten Fluggesellschaften von Bestellungen der weiterentwickelten Boeing 747-500/600/700 abgehalten. Sie basiert auf dem 747-Konzept aus den 60er Jahren. Bestätigt wird der zukunftsgerichtete Kurs von Airbus auch von US-Analysten.

BMW Rolls-Royce fliegt mit dem BR 700 weiter auf Erfolgskurs

Nur wenige Wochen nach der Zertifizierung des Basistriebwerks durch die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA fliegen BMW Rolls-Royce BR710 Triebwerke nach der Gulfstream V nun bereits auf einem zweiten Flugzeugtyp. Am 13. Oktober startete das zweistrahlige Geschäftsreiseflugzeug Bombardier Global Express mit BR710 Triebwerken zu seinem fast dreistündigen Erstflug. BMW Rolls-Royce hat damit alle Meilensteine des im August 1992 gestarteten BR710 Triebwerkprogramms pünktlich erreicht. Unterdessen haben BMW Rolls-Royce und die MTU Ludwigsfelde eine enge Zusammenarbeit bei den Abnahmetests der Serientriebwerke vereinbart. Die am BMW Rolls-Royce-Standort Dahlewitz endmontierten Triebwerke werden demnach ab kommendem Jahr Abnahmetests auf einem Prüfstand der benachbarten MTU Ludwigsfelde durchlaufen. Anschließend erfolgt die Auslieferung der Antriebssysteme an die Kunden.

Schlankere Strukturen für die deutsche Raumfahrt

Ein "Deutsches Forschungs- und Managementzentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)" soll künftig für ein effizienteres staatliches Raumfahrtmanagement in Deutschland sorgen. Dies sieht ein Konzept für die Zusammenführung von DLR und Dara vor, das von Dara-Generaldirektor Mennicken und DLR-Vorstandschef Kröll Bundesforschungsminister Rüttgers übergeben wurde. Im Zuge der Zusam-menlegung kann die ehemalige Dara-Belegschaft um bis zu 30 Prozent verringert werden. Um Interessenkonflikte zwischen dem bisher von der Dara betriebenen Raumfahrtmanagement und der DLR-Raumfahrtforschung innerhalb der neuen Organisation zu vermeiden, sollen die direkten Verantwortlichkeiten des BMBF im Raumfahrtmanagement deutlich verstärkt werden.

ESA zeichnet Carl Zeiss für XMM-Optik aus

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA hat Carl Zeiss für die besondere Leistungsfähigkeit der Optik und Meßtechnik des Röntgenastronomie-Satelliten XMM (X-Ray Multi Mirror Mission) ausgezeichnet. Zeiss hatte für die Herstellung der hochgenauen Spiegelmodule des bisher größten Wissenschaftssatelliten der ESA ein neues Abformkörper-Verfahren entwickelt. XMM, der die Mission des deutschen Röntgensatelliten ROSAT fortsetzt, soll im August 1999 mit der Trägerrakete Ariane 5 gestartet werden und während seiner mehrjährigen Betriebszeit eine bisher unerreichte Fülle von Meßdaten von Röntgenquellen im Universum liefern.

Dasa baut Lebenserhaltungssystem für die Raumstation

Die Daimler-Benz Aerospace (Dasa) wird das Lebenserhaltungssystem für das eu-ropäische Raumlabor Columbus der Internationalen Raumstation entwickeln und bauen. Einen entsprechenden, über vier Jahre laufenden Auftrag hat die italienische Alenia Spazio dem Dasa-Produktbereich Raumfahrt-Infrastruktur erteilt. Am gesamten Auftragsvolumen von 108 Millionen DM sind zu einem Viertel kleine und mittelständische Raumfahrtunternehmen in Deutschland beteiligt.

Kurz berichtet: Nachrichten aus Luft- und Raumfahrt

Konzentration in der französischen Rüstungselektronik: Mit der von der französischen Regierung geplanten Übernahme von Matra durch Thomson entsteht der weltweit zweitgrößte Hersteller von Rüstungselektronik. Thomson Matra soll künftig eng mit europäischen Partnern zusammenarbeiten.
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Höhere Navigationsgenauigkeit für den Tornado: Mit der Entwicklung eines kombinierten Intertial/GPS-Navigationssystems hat Panavia das Luftfahrtausrüstungsunternehmen Litef bauftragt. Die Entwicklungsphase läuft bis Ende 1997, anschließend erwartet Litef einen Produktionsauftrag über mindestens 400 Geräte.
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The Future of the European Aerospace Industry: Ein Symposium zu diesem Thema veranstalten am 05.11.96 in Brüssel EU-Kommission, Europaparlament so-wie die European Association of Aerospace Industries (AECMA). Zu den Rednern zählen Jacques Santers, Martin Bangemann sowie führende Industrievertreter.



Zitate des Monats

"Die finanziellen Zwänge, in denen sich die Bundesregierung befindet, müssen mit den Realisierungsmöglichkeiten der Industrie in Einklang gebracht werden... Fast jeder weiß, wieviel für alle - Bundeswehr, Industrie und unsere Volkswirtschaft - davon [die Red.: vom Eurofighter] abhängt."
Staatssekretär Gunnar Simon, Bundesministerium der Verteidigung, anläßlich der BDLI-Mitgliederversammlung am 15. Oktober 1996 auf dem Petersberg

"Wer ja sagt zu einem effizienten privatwirtschaftlichen Militärflugzeugbau, muß auch ja sagen zu Kapazitätsauslastung, Planungssicherheit und Rendite. Andernfalls gibt es nur die Alternative ineffizienter Staatsunternehmen."
BDLI-Präsident Dr. Manfred Bischoff anläßlich der BDLI-Mitgliederversammlung am 15. Oktober 1996 auf dem Petersberg



"LRI Fakten" wird monatlich von der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BDLI herausgegeben. V.i.S.d.P.: Michael K.E. Hauger. Redaktionsschluß dieser Ausgabe (II. Jahrgang, Nr. 9/10): 18.10.96. - Nähere Informationen zu den Themen dieser Ausgabe stellt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BDLI, Fax: (02 28) 8 49 07-35, gerne zur Verfügung.


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Last updated October 21, 1996