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BDLI-Präsident Dr. Manfred Bischoff sieht die deutsche Luft- und Raumfahrt in einer industriell günstigen Ausgangsposition

Luftfahrtindustrie: Jetzt politische Voraussetzungen für globale Wettbewerbsfähigkeit schaffen

Bonn, 16. Oktober 1996. Zu einer mutigen Politik für eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft der Luft- und Raumfahrt am Standort Deutschland hat der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. (BDLI), Dr. Manfred Bischoff, die Entscheidungsträger der Bonner Politik aufgerufen. Anläßlich der diesjährigen BDLI-Mitgliederversammlung sagte Bischoff am Dienstagabend auf dem Petersberg vor über 500 hochrangigen Vertretern aus Politik und Wirtschaft: "Wenn die Politik die Kraft aufbringt, dieser Industrie die notwendigen rechtlichen, technologie-, wirtschafts- und beschaffungspolitischen Rahmenbedingungen zu geben, dann können die Luft- und Raumfahrtunternehmen auch dem Industrie- und Sozialstandort Deutschland geben, was er für seine Zukunft dringend braucht: Investitionen, Innovationen und sichere, qualifizierte Arbeitsplätze."

Die industriellen Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie seien klar gegeben, sagte Bischoff. Nun gehe es darum, rasch auch die unabdingbaren politischen Voraussetzungen für die globale Wettbewerbsfähigkeit der Branche in Deutschland zu schaffen.

Die stark rückläufige Attraktivität Deutschlands für ausländische Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen läßt bei Bischoff die "Alarmglocken schrillen". Die Ursachen hierfür gelte es nun nicht mehr lange zu diskutieren, sondern zu bekämpfen. Ein strikter Kurs der Konsolidierung in den öffentlichen Haushalten sei wichtig - nicht nur als Voraussetzung für die europäische Wirtschafts- und Währungsunion. Gleichzeitig müsse aber Forschung und Entwicklung bei den Staatsausgaben wieder eine prioritäre Position eingeräumt werden. "Forschung und Entwicklung sind Zukunftsvorsorge", sagte Bischoff. "Das muß sich in Deutschland endlich herumsprechen."

Ein falsches Signal, so der BDLI-Präsident, sei es auch, wenn sich die Investitionen des Bundes vom Verkehrshaushalt bis hin zur Verteidigung weiterhin "auf breiter Front im freien Fall" befänden. Gerade 22 Prozent sieht der Bundeswehr-etat 1997 für investive Ausgaben vor. Geplant waren vor wenigen Monaten noch 25,4 Prozent mit dem Ziel, bis zum Jahr 2000 wieder 30 Prozent zu erreichen - und das bei einem deutlich höheren Gesamtetat.

Daß die europäischen Luftstreitkräfte ein neues Kampfflugzeug benötigten, werde "von niemandem ernsthaft bestritten", erinnerte Bischoff in der aktuellen Diskussion um die Beschaffung des Eurofighter 2000. Der Leistungsnachweis für dieses Flugzeug sei erbracht. Nachdem sich Großbritannien bereits vor einiger Zeit zur Beschaffung des Eurofighters erklärt habe, seien es nunmehr die politischen Gremien in Deutschland, die für den Anlauf der Serienproduktion und damit für die zeitgerechte Bereitstellung maßgeblich seien.

Bischoff warnte nachdrücklich vor einer weiteren Verschiebung des Beginns der Serienvorbereitungsphase: "Ohne einen raschen Anschluß an die Entwicklungsphase sind in den betroffenen Bereichen der Industrie Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Know-how-Verluste unvermeidbar." Erhebliche Kostensteigerungen und eine deutliche Verzögerung der Serienauslieferung wären die unmittelbare Folge.

Eine Leerlaufzeit zwischen Entwicklungs- und Serienphase könne eine privatwirtschaftlich organisierte Industrie weder personell noch technologisch überbrücken, unterstrich Bischoff mit aller Deutlichkeit: "Wer ja sagt zu einem effizienten privatwirtschaftlichen Militärflugzeugbau, muß auch ja sagen zu Kapazitätsauslastung, Planungssicherheit und Rendite. Andernfalls gibt es nur die Alternative ineffizienter Staatsunternehmen."

Neben dem dominierenden Kernvorhaben Eurofighter dürfe man in der aktuellen Haushaltssituation aber auch die anderen Zukunftsprogramme, wie den Unterstützungshubschrauber Tiger, die strategischen Aufklärungssatelliten Helios 2 und Horus oder den Transall-Nachfolger FTA, nicht aus den Augen verlieren. Ansonsten würde die europäische und angesichts der Globalisierung immer wichtigere transatlantische Kooperationsfähigkeit der deutschen Industrie nachhaltig in Frage gestellt.

Die Branche, so Bischoff, meine es "ernst" mit ihrem Bekenntnis zum Standort Deutschland. Seit 1991 hätten die BDLI-Unternehmen aus Eigenmitteln zusammengenommen weit über vier Milliarden DM zur Restrukturierung und Effizienzsteigerung aufgewendet. "Gleichzeitig mit diesem Kurs der nationalen Konsolidierung haben wir in der System- wie in der Ausrüstungsindustrie die entscheidenden technologischen Kernkompetenzen gefestigt", hob der BDLI-Präsident hervor.

Hamburg, das bereits heute über die weltweit modernste und effizienteste Endmontagelinie für Verkehrsflugzeuge verfüge, könne "bis zur Jahrtausendwende zum Zentrum für die Endmontage aller Standardrumpfflugzeuge" ausgebaut werden, kündigte Bischoff an: "Neben Toulouse entsteht damit ein dauerhafter zweiter Standort für den europäischen Zivilflugzeugbau."

Forschung und Entwicklung machten in den BDLI-Unternehmen gut ein Viertel des Umsatzes aus, ein Mehrfaches anderer Branchen. Im vergangenen Jahr seien dies 3,6 Milliarden DM gewesen. Auf der Basis eines unternehmensübergreifenden Forschungs- und Technologie-Konzepts des BDLI werde die Branche dieses klare Engagement für die Zukunft weiter intensivieren. Sie trage damit - auch in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft - ganz entscheidend zur technologischen Positionierung der Industrienation Deutschland bei.

Auch in die Aus- und kontinuierliche Weiterbildung ihrer vielfach hochspezialisierten Mitarbeiter würden die Unternehmen wie in der Vergangenheit auf hohem Niveau investieren. Nach Abschluß der vom BDLI betriebenen Neuordnung der luftfahrttechnischen Ausbildungsberufe könnten junge Menschen künftig noch besser auf ihren Beruf vorbereitet werden.

Die Unternehmen hätten sich damit aus eigener Kraft "eine günstige industrielle Ausgangsposition für die Wahrung der nationalen Interessen Deutschlands im europäischen Integrationsprozeß" geschaffen, unterstrich Bischoff. Ob in Deutschland auf Dauer hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Luft- und Raumfahrt gesichert werden könnten, hänge nunmehr "in höchstem Maße von der Kontinuität und Verläßlichkeit und nicht zuletzt vom Mut und der Durchhaltekraft der politischen Entscheidungsträger in Deutschland und Europa ab".

Weitere Informationen (Additional Infos):

BDLI (Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie)
Michael K.E. Hauger
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Phone: (02 28) 8 49 07-30, Fax: (02 28) 8 49 07-35


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Last updated October 21, 1996