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Alisarda DC-9 am Boden

PORTRÄT EINER AIRLINE: ALISARDA

Die kleine italienische Fluggesellschaft Allsarda ist nicht ohne Grund Gegenstand unserer Airline-Porträt-Serie: Sie hat im Entwicklungsgebiet Sardinien einen leistungsfähigen Luftverkehr aufgebaut.

Der Gründungstag der Fluggesellschaft Alisarda am 24. März 1963 war für einen Teil der Bevölkerung Sardiniens ein wichtiges Datum: Die Wirtschaft und der Tourismus waren auf dieser schönen Insel - besonders in der Nordostregion - lange Zeit rückständig. Neue und schnelle Flugverbindungen sollten Sardinien als touristisches Ziel attraktiver machen und der Industrie helfen, neue Standorte besser zu erreichen. Bis 1963 konnte man zum Nordosten der Insel praktisch nur mit dem Schiff kommen: Die Fahrt mit dem Dampfer dauerte von Rom aus acht Stunden. Heute braucht ein Strahlverkehrsflugzeug für diese Verbindung zwanzig Minuten.

Die damalige politische Aufgabenstellung an die jungen Airline-Manager hieß: im Entwicklungsland Sardinien einen leistungsfähigen, gut funktionierenden Luftverkehr aufzubauen. Beschlossen wurde dies im Jahre 1961, nachdem Prinz Aga Khan zum ersten Mal die Insel besucht hatte. Sardische Politiker und reiche Industrielle aus der ganzen Welt einigten sich dahingehend, aus dem abgelegenen Landstrich eines der schönsten und attraktivsten touristischen Ziele in der Welt zu machen. Fähige Architekten wurden gebeten, eine optimale Ferienlandschaft zu entwickeln. Ein Teil dieser Aufgabe ist bereits mit großem Erfolg bewältigt.

Das damals gegründete "Konsortium Costa Smeralda" wurde dann auch Initiator und Eigner der Fluggesellschaft Alisarda. Wer genau die Finanziers dieses Konsortiums sind, also auch Finanzier der Alisarda, blieb trotz intensivster Recherche für den Reporter ein Geheimnis. Es ist sicherlich nicht falsch anzunehmen, daß neben den sardischen Regionalbehörden Prinz Aga Khan sowie der englische Bierverleger und Multimillionär Guinness die eigentlichen Geldgeber für das millionenschwere Entwicklungsprojekt "Costa Smeralda" sind.

Vom kurzen historischen Rückblick nun zu aktuellen Zahlen, Daten und einigen Hintergründen: Die Alisarda beschäftigt heute, nach zehnjähriger Aufbauarbeit, 189 Mitarbeiter und ist mit einem Kapital von einer Milliarde und 200000 Millionen Lire ausgestattet. Der Advokat Paolo Riccardi ist Präsident der Gesellschaft, Olbia der Heimatflughafen der sardischen Airline. Lange Zeit war der alte Flughafen Olbia berüchtigt für seine problematischen Anflüge; heute ist auf Initiative der Alisarda hin ein neuer, sehr guter Flughafen gebaut worden. Die Länge der Landebahn beträgt 2500 Meter, und bis hin zum Jumbo kann alles dort starten und landen.

Die Alisarda selbst besitzt heute drei Fokker F.27 und zwei, von der amerikanischen Fluggesellschaft Delta gebraucht gekaufte McDonnell Douglas DC-9-14. Vierzehn Kapitäne, vierzehn Copiloten und einundzwanzig Stewardessen wickeln den Betrieb im Cockpit und in der Kabine ab. Die Schulung für alle Kapitäne und Copiloten wird bei der KLM in Amsterdam durchgeführt, Wartung und Reparatur der Triebwerke der DC-9-14 erfolgt bei Alfa Romeo. Ein eigenes Werftgebäude wird in diesen Monaten für 600 Millionen Lire am Flughafen Olbia errichtet.

In diesem Jahr wurden 310 000 Plätze auf den verschiedenen Strecken angeboten. Rückblickend hatte die Alisarda, die hauptsächlich in den Sommermonaten ihre sehr gute Buchungslage hat, über das ganze Jahr gesehen eine fünfzigprozentige Auslastung. Ihr Streckennetz ist 3400 km lang.

Vom Heimatflughafen Olbia werden sieben Flughäfen in Italien und Frankreich angesteuert: Rom, Mailand, Turin, Nizza, Bologna, Pisa und das sardische Cagliari. Mit diesen Flugverbindungen hat die sardische Bevölkerung Anschluß an das Weltstreckennetz der internationalen Luftfahrt. Im Jahre 1975 hoffen Management und Mitarbeiter auf ein Umsatzvolumen von fünf Milliarden Lire - und auch auf einen Gewinn.

Die Alisarda ist ohne staatliche Subventionen, ohne staatlichen Protektionismus und ohne Beteiligung anderer Fluggesellschaften erfolgreich geführt worden. Das Gründungskomitee kann nach zehn Jahren seinen Mitarbeitern für die geleistete solide Arbeit danken.

In einer Ecke von Europa ist eine Fluggesellschaft entstanden, die der Entwicklung eines Landstriches, seinen Menschen und seiner Wirtschaft gedient hat. Das große Rätsel, ob Sardinien darüber hinaus ein massentouristisches Feriengebiet wird oder als exklusives Sommerrefugium für Reiche gilt, wird in den nächsten Jahren die Ausbauphilosophie der Alisarda weitgehend bestimmen. Sollte das Startzeichen für den Massentourismus auf Sardinien gegeben werden, würde sich die Alisarda dann zwei zusätzliche neue DC-9 kaufen, um Urlauber aus London, Frankfurt, Paris und Zürich an- und abfliegen zu können.

Dieter Riwola


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Last updated 1. December 1999
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