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INTERNATIONALES RAUMFLUGTREFFEN APOLLO-SOJUS

Als das Apollo-Programm vor mehr als einem Jahrzehnt ins Leben gerufen wurde, standen sich die zwei Raumflugnationen Sowjetunion und USA in scharfer Konkurrenz um die führende Rolle im Raumflug gegenüber. Ob der damalige Konkurrenzkampf berechtigt war oder nicht, ist heute nicht mehr von Bedeutung. Aber eines ist klar: Die Technik des Raumfluges erlebte dadurch enormen Aufschwung und gipfelte 1969 in der Landung der ersten Menschen auf dem Mond.

Schon damals war in diesem Ereignis die völkerverbindende Wirkung des Raumfluges erkennbar geworden. Das Mondflugprogramm erfuhr jedoch bald Kürzungen, die wiederum das Skylab-Programm und nun das Apollo-Sojus-Projekt zur Folge hatten. Weil durch die Kürzungen Gerät verfügbar wurde, konnten diese beiden Unternehmungen erst verwirklicht werden.

Daß das Apollo-Gerät, das aus einem Konkurrenzkampf heraus entstand, nun zu einem Bindeglied der zwei Konkurrenten wurde, bildet den interessanten Abschluß einer der erfolgreichsten Etappen in der technischen Entwicklung des Erdbewohners.

Sojus-Kapsel von Apollo aus gesehen

Das Apollo-Sojus-Projekt nahm seinen Anfang in Gesprächen zwischen leitenden Persönlichkeiten der National Aeronautics and Space Administration (NASA) der USA und Mitgliedern der russischen Raumflugbehörden während Besuchen in den USA und UdSSR. Als aus Gesprächen Pläne entstanden, wurde die Idee von Apollo-Sojus von Politikern aufgegriffen und unterstützt. Hinter den völkerverbindenden Vorteilen eines derartigen gemeinsamen Unternehmens mußten die technischen Aspekte zeitweilig zurückstehen.

Die Erwartungen, die man in das Unternehmen gesetzt hatte, wurden voll erfüllt:

  • Gerät wurde entwickelt, um das Docking und den Austausch der Mannschaften von zwei verschiedenen Raumflugkörpern zu ermöglichen.
  • Die Zweckdienlichkeit dieses Gerätes wurde nachgewiesen, im besonderen in bezug auf mögliche zukünftige Verwendung zur Rettung im Raum.
  • Die Durchführbarkeit der Zusammenarbeit von Bodenstellen zweier Nationen wurde nachgewiesen.
  • Die Durchführbarkeit von wissenschaftlichen Aufgaben durch Zusammenarbeit von Raumfahrzeugen und Mannschaften zweier Nationen wurde unter Beweis gestellt.
  • Es wurde nachgewiesen, daß gemeinsame Aufgaben unweigerlich zu einem freieren Austausch an Informationen führen.
  • Die internationale Natur des Raumes hat völkerverbindende Wirkung.

Seit der Inangriffnahme des Projekts wurden viele Konferenzen der beiden Partner sowie ein Austausch von Technikern und Gerät notwendig, um die erforderlichen Vorbereitungen zu koordinieren. Das Training der Astronauten mußte ebenfalls in Zusammenarbeit beider Partner erfolgen, und dabei kam es dazu, daß arstmalig die Russen Englisch und die Amerikaner Russisch lernen mußten.

Die Experimente des Fluges wurden gemeinsam geplant und entwickelt. Diese Tätigkeit erstreckte sich über Jahre und kulminierte in dem gemeinsamen Raumflug. Apollo mit seiner höheren Kapazität an Treibstoff sollte der aktive Partner sein, d. h. Sojus sollte einen zweckdienlichen Orbit einnehmen und Apollo sollte sich dann an Sojus zum Rendezvous "heranarbeiten". Daher mußte Sojus zuerst starten.

Die Startvorbereitungen an beiden Startorten (Tyuratam, UdSSR, und Cape Canaveral, USA) verliefen ohne besondere Probleme. Besonders in den USA schienen die Startvorbereitungen besser als bei vorhergehenden Starts zu laufen. Sogar die sonst zu dieser Jahreszeit üblichen Gewitter, die bisher so manchen Start verzögert hatten, blieben aus. Vielleicht, weil man erstmalig einen Blitzschutz für die Startanlage angelegt hatte.

Am 15. Juli 1975, zehn Sekunden nach 08.20 Uhr OAZ (ostamerikanischer Zeit), erfolgte zunächst der Start von Sojus. Es war der siebzehnte bemannte Sojus-Start; an Bord waren die Kosmonauten Alexej Leonow und Valeri Kubasow.

Die SL-4-Startrakete funktionierte einwandfrei. Erstmalig wurde der Start eines russischen Raumfluges über Fernsehen weltweit direkt übertragen. Etwa neun Minuten später befand sich Sojus (6818 kg Nutzlast) in einem Orbit von 217,6 km x 184 km mit einer Inklination von 51,78 Grad  geplant waren 228 km x 188 km und 51,48 Grad. Die Umlaufperiode betrug 88,1 Minuten. Dieser Inklinationswinkel schafft eine Orbitebene, die wegen der Rotation der Erde alle 23 Stunden und 35 Minuten CapeCanaveral einschließt. Sofort nach dem Einsatz in den Orbit wurden die Solartafeln entfaltet.

Während des vierten Umlaufes wurde der Orbit durch eine Geschwindigkeitserhöhung von 2,8 m/s auf 230,4 km x 190,4 km gebracht.Da Apollo genügend Treibstoff mit sich führte, wäre auch ohne diese oder ohne weitere Korrekturen ein Rendezvous durchführbar gewesen.

Um 15.50 Uhr OAZ wurde - ebenfalls pünktlich - Apollo gestartet. Es war der fünfzehnte bemannte Apollo-Flug. Die Mannschaft bestand aus den Astronauten Thomas Stafford, Vance Brand und Donald Slayton. Stafford hatte bereits mehr als 290 Stunden an Bord von Gemini 6 und 9 und Apollo 10 im Raum zugebracht. Die beiden anderen waren "Neulinge". Slayton war zeitweilig wegen eines Herzproblems nicht zum Raumflug zugelassen gewesen.

Die Saturn-1B-Startrakete funktionierte einwandfrei, und 10 Minuten später befand sich Apollo nebst der SIVB-Stufe in einem Orbit von 169,6 km x 152 km - geplantwaren 167 km x 150 km - mit einer Inklination von ebenfalls 51,8 Grad. Die Nutzlast wog 17000 kg.

Etwa eine Stunde später wurden die Kommandokapsel und das Gerätemodul von der Startstufe getrennt, um 180 Grad gedreht und dann an das Dockingmodul gekoppelt, wie dieses während der Mondflüge mit dem Mondlander getan wurde. Dann wurde Apollo nebst dem Dockingmodul endgültig von der Stufe getrennt und aus deren Bereich entfernt.

Als der Dockingmechanismus, der zum Docking der Kommandokapsei an das Dockingmodul verwendet wurde, aus dem Übergangstunnel entfernt werden sollte, stellte man fest, daß dies nicht möglich war. Ohne daß dieser Mechanismus entfernt wurde, konnte natürlich ein Mannschaftsaustausch nicht erfolgen. Es stellte sich heraus, daß ein Stecker falsch montiert worden war, so daß das notwendige Werkzeug zum Entfernen des Mechanismus nicht angewandt werden konnte. Mit Hilfe von Bordmitteln und Anweisungen der Bodenstelle konnte dieses Problem jedoch überwunden werden.

Bei Skylab, das in einem höheren Orbit operierte, war nur für 16 Prozent der Umlaufperiode Verbindung mit den Bodenstellen möglich. Diesmal wurde daher erstmalig ein Nachrichtensatellit (ATS-6) in das Nachrichtennetz einbezogen. Dadurch konnte die Nachrichtenverbindung während mehr als 60 Prozent der Umlaufperiode aufrechterhalten werden. Zunächst wies dieses "Bindeglied" Geräuschstörungen auf, aber nachdem einige Senderteile der Bodenstelle Madrid ausgetauscht worden waren, war die Verbindung einwandfrei. Der Orbit von Apollo wurde dann noch auf einen Kreisorbit von 169 km gebracht. Damit war der erste Tag des Apollo-Sojus-Unternehmens zu Ende.

Der zweite Tag war hauptsächlich Experimenten gewidmet. Dabei wurden auch die Experimente im Dockingmodul in Betrieb genommen, insbesondere der Schmelzofen. Zeitmangel brachte die ursprüngliche Planung durcheinander, und die Tatsache, daß Apollo nicht wie Skylab einen Fernschreiber an Bord hatte, machte Änderungen im Tagesplan schwierig.

Die Sojus-Kosmonauten hatten eine Konversation mit den Kosmonauten des Saljut-Raumlabors, die schon seit Wochen im Erdorbit waren. Dabei wurde hervorgehoben, daß sich erstmalig sieben Menschen gleichzeitig im Erdorbit befanden.

Rendezvous und Docking

Um 08.01 Uhr OAZ am 17. Juli meldete Astronaut Brand, daß Sojus gesichtet worden sei. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Flugkörper noch mehr als 400 km voneinander getrennt. Der Orbit von Sojus betrug 225 km x 228 km und derjenige von Apollo 170 km x 228 km. Kurz nachdem die beiden Flugkörper in Sichtbereich kamen, wurde die Nachrichtenverbindung zwischen ihnen aufgenommen.

Das letzte von Apollo vorzunehmende Rendezvous-Manöverwurde um 10.15 Uhr OAZ durch Zünden des Haupttriebwerks durchgeführt. Durch eine Erhöhung der Geschwindigkeit um 6,7 m/s wurde Apollo aus einer Position hinter Sojus zu einer Position etwa 1,6 km vor Sojus gebracht. Dann wurde ein langsames Annäherungsverfahren durch Apollo eingeleitet,das während des Gemini-Programmes entwickelt worden war und die beiden Flugkörper auf etwa 20 bis 50 m zusammenführte. Beide Raumflugkörper befanden sich somit im gleichen Orbit.

Kurz darauf erteilten die Bodenstellen Kalinin und Houston die Genehmigung, das Docking vorzunehmen. Mit einer Geschwindigkeit von 0,1 bis 0,12 m/s näherte sich Apollo mit dem Dockingmodul der Koppelvorrichtung von Sojus, und um 11.09 Uhr OAZ fand das "weiche" Docking statt. Das endgültige starre Docking erfolgte etwa 3 _ Minuten später.

Das Docking, das ursprünglich über Westdeutschland erfolgen sollte, fand weiter im Westen statt, da es 6 Minuten früher stattfand als ursprünglich geplant. Der genaue Standort war 992 km westlich von Portugal.

Gemeinsame Tätigkeit

Kurze Zeit nach dem "starren" Docking begann Stafford die Luke zwischen der Kommandokapsel und dem Dockingmodul zu öffnen. Die freudige Erwartung der beiden Mannschaften wurde gedämpft, als Stafford meldete, daß die Atmosphäre in dem Dockingadapter unangenehm roch, und zwar so schlimm, daß die Apollo-Mannschaft Sauerstoffmasken anlegte und die Luke wieder schloß. Genau wurde nicht ermittelt, woher der Geruch stammte, aber es wurde vermutet, daß es sich um Ausdünstungen von Reinigungsmitteln handelte, die vorher bei Experimenten im Dockingmodul zur Anwendung gekommen waren. Das Lebenserhaltungsgerät der Kommandokapsel aber entfernte den Geruch innerhalb kurzer Zeit, und Stafford und Slayton begaben sich nun in das Dockingmodul, das gleichzeitig als Schleuse diente. Diese Schleuse war notwendig, da Apollo und Sojus nicht nur zwei verschiedene Gase enthielten, sondern auch unter verschiedenen Drücken standen.

Apollo verwendete reinen Sauerstoff bei einem Druck von 258 mm Hg und Sojus ein Stickstoff/Sauerstoffgemisch von 518 mm Hg. Der Druck wurde in Sojus für diesen Flug von 760 mm Hg auf 518 mm Hg gesenkt, um Embolie durch Stickstoffbläschen im Blut beim Umsteigen von Sojus in Apollo zu vermeiden. Um 14.15 Uhr OAZ wurde die letzte Luke geöffnet. Stafford und Slayton begaben sich in die Sojus-Kapsel, und die beiden Mannschaften begrüßten sich. Zunächst wurden Geschenke und Dokumente ausgetauscht. Dann folgten Begrüßungsansprachen des sowjetischen Parteisekretärs Breschnew und des US-Präsidenten Ford. Ford unterhielt sich etwa 10 Minuten mit den Astronauten und Kosmonauten. Im Anschluß daran wurde im Dockingmodul ein internationales Schmelzofenexperiment durchgeführt, und kurz vor 19.00 Uhr OAZ kehrten die beiden Astronauten zu Apollo zurück.

Am nächsten Tag, dem 18. Juli, begaben sich zunächst Brand in die Sojus- und Leonow in die Apollo-Kapsel. Gemeinsame Mahlzeiten wurden eingenommen. Dann stiegen Leonow und Stafford in die Sojus- und Brand und Kubasow in die Apollo-Kapsel um. Neben einer Pressekonferenz wurden auch verschiedene gemeinsame Experimente durchgeführt. Zum Abschluß dieses Mannschaftsaustausches begab sich dann noch Slayton in die Sojus-Kapsel. Dann kehrten Stafford und Slayton zu Apollo und Kubasow zu Sojus zurück. Damit war diese Phase der gemeinsamen Tätigkeit beendet.

Am nächsten Morgen, nachdem die beiden Raumkörper 47 Stunden und 17 Minuten gekoppelt gewesen waren, wurden sie voneinander getrennt. Damit begann die zweite Phase der gemeinsamen Tätigkeit, wobei Apollo durch besondere Manöver um Sojus herum eine Reihe von gemeinsamen Sonderexperimenten vornahm.Um der Mannschaft von Sojus Gelegenheit zu geben, besondere Sonnenaufnahmen zu machen, erzeugte Apollo eine künstliche Sonnenfinsternis. Außerdem wurde ein Ultraviolett-Absorptions-Experiment durchgeführt, wobei Apollo aus verschiedenen Entfernungen einen Lichtstrahl von einem an Sojus angebrachten Reflektor zurückstrahlen ließ.

Dabei verbrauchte Apollo 190 kg an Fluglagentreibstoff. Man hatte einen derartigen Verbrauch vorausgesehen und deshalb zusätzliche 685 kg Treibstoff an Bord, so daß der Gesamtvorrat auf 1293 kg anstieg. Diese Reserven waren sehr willkommen, da Versuche oft mehr als die vorgesehene Treibstoff menge verbrauchten. So wurde z. B. ein zusätzlicher Docking versuch vorgenommen. Dabei sollte der Sojus-Dockingmechanismus eine aktive Rolle spielen, Apollo aber die notwendigen Geschwindigkeits- und Fluglagenänderungen vornehmen. Beim Versuch hatte Slayton, der Apollo lenkte, den Flugkörper bis auf 50 m von Sojus entfernt und war gerade dabei, zum Versuch anzusetzen. Da meldete er, daß die Sojus-Fluglage zum Docking ungünstig war. Außerdem wurde das Sonnenlicht von Sojus reflektiert, was genaues Zielen schwierig machte.

Daher berührte Apolio leicht seitlich versetzt die gespreizte Abfangvorrichtung des Sojus-Dockingmechanismus, was dem gekoppelten Raumkörper eine Drehung von 0,3 bis 0,5 Grad/s verleihen sollte. Bevor man recht wußte, was los war, hatte sich der gekoppelte Raumkörper um 286 Grad gedreht. Um die ursprüngliche Fluglage wiederherzustellen - es handelt sich jetzt um die vereinte Masse beider Körper -, wurden etwa 145 kg Treibstoff verbraucht (etwa 90 kg mehr, als ursprünglich für dieses Docking vorgesehen war).

Nachdem diese Experimente beendet waren, wurde Apollo durch Zünden des Haupttriebwerks für 5,8 Sekunden in einen Orbit gebracht, der 1000 m höher lag als der von Sojus. Dadurch blieb Apollo hinter Sojus zurück. Die Distanz zwischen beiden Raumkörpern erhöhte sich fortlaufend und erreichte am 24. Juli, als Sojus zum Wiedereintritt in die Atmosphäre ansetzte, 1265 km. Beide Mannschaften setzten am 20. Juli die eigenen Experimente fort.

Rückkehr von Sojus

Am 21. Juli um 13.00 Uhr Moskauer Zeit wurde das Triebwerk von Sojus gezündet, um den Wiedereintritt in die Atmosphäre einzuleiten. Durch eine Brenndauer von 105 s wurde die Geschwindigkeit um 65 m/s vermindert. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Sojus fast 13000 km vom Landeort entfernt. Etwa 10 Minuten nach Brennschluß wurde das Orbit- und Gerätemodul von der Wiedereintrittskapsel getrennt. Weitere 8 Minuten später - etwa über Ägypten - trat die Kapsel in die Atmosphäre ein.

Erstmalig sollte die Landung direkt durch Fernsehen übertragen werden. Zu diesem Zweck wurden zwei Hubschrauber mit Kameras eingesetzt und etwa 48 km beiderseits des Landeortes stationiert. Die Aufnahmen wurden zu einer transportablen Empfangsstation und dann über einen russischen Nachrichten-Satelliten nach Moskau übertragen. Von dort erfolgte die Übertragung über Landleitungen nach Raisting bei München und dann über den Intelsat-Satelliten nach den USA und um die Welt.

Die Verbindung mit Sojus war während des Wiedereintritts für 7 Minuten durch das Plasma um den Flugkörper unterbrochen. In einer Höhe von 10000 m wurde der Fallschirm entfaltet, und kurz danach wurde die Kapsel von einem der Hubschrauber gesichtet. In etwa 3000 m Höhe wurde das Hitzeschild abgeworfen, um die Landeraketen freizulegen. Die Fallgeschwindigkeit betrug etwa 8 m/s, bis etwa 2 m über dem Boden die Landeraketen gezündet wurden, wodurch die Fallgeschwindigkeit beim Aufsetzen auf etwa 1 m/s vermindert wurde. Der gesamte Landevorgang (ab etwa 2000 m Höhe) sowie die darauffolgende Bergung wurden durch Fernsehen übertragen.

Innerhalb einer Minute nach dem Aufsetzen landete ein Bergungshubschrauber neben der Kapsel, und bald danach wurde diese von Kubasow und Leonow verlassen. Der Landeort wurde mit 67 Grad 32 Minuten östlicher Länge und 50 Grad 15 Minuten nördlicher Breite angegeben - etwa 9 km vom festsetzten Ziel entfernt. Sojus hatte damit seinen Anteil an der gemeinsamen Mission erfolgreich beendet.

Apollo verblieb dagegen noch fast 3 1/2 weitere Tage im Orbit und führte weitere Experimente durch. Eines dieser Experimente, das Wellenlängen im extrem ultravioletten Spektrum feststellen sollte, führte zu einer Sensation: Während verschiedene Astronomen im Zweifel waren, ob diese Wellenlängen im Raum überhaupt existieren, konnten tatsächlich mehrere Quellen im Raum ermittelt werden. Ein Objekt unbekannten Ursprunges in der Konstellation Coma Berenices strahlte einwandfrei in den Meßbereich von 60 bis 250, 113 bis 250 und 180 pis 400 Angström.

Bis jetzt war das Docking-Modul noch immer an Apollo gekoppelt, da es noch für ein Doppler-Experiment Verwendung finden sollte. Dabei sollten kleine Veränderungen in den Orbitbahnen von zwei Satelliten gemessen werden, die durch Massenanomalien der Erde hervorgerufen werden. Das Experimentiergerät sollte in der Lage sein, Geschwindigkeitsänderungen zwischen zwei Körpern von 0,5 mm/s festzustellen. Apollo stellte den einen Satelliten dar, während als zweiter das abgetrennte Dockingmodul und der ATS-6-Satellit im Synchronorbit Verwendung fanden.

Vor deni Abtrennen des Dockingmoduls am 23. Juli wurde der Gesamtkörper um 360 Grad um die Querachse gedreht, und am Ende der Drehung, als eine Drehgeschwindigkeit von 5 Grad/Sekunde erreicht war, wurde das Dockingmodul abgetrennt, so daß es nach dem Abtrennen drehstabilisiert war. Vorher hatten die Astronauten sämtlichen Abfall und alles Gerät, das nicht geborgen werden mußte, im Dockingmodul untergebracht, Für den Abtrennprozeß wurden wieder die Druckanzüge angelegt, die seit dem Start nicht mehr benutzt worden waren. Durch eine. Anzahl von Orbitkorrekturen setzte sich Apollo etwa 300 km hinter das Modul zur Durchführung des Doppler-Experiments.

Am 23. Juli wurde auch noch eine Pressekonferenz anberaumt, wobei erstmalig die Übertragung direkt von Apollo über den ATS-6 Nachrichtensatelliten statt über das Raumflugnetz erfolgte. Damit war auch der letzte Experimententag für Apollo zu Ende.

Dies sollte die letzte Apollo-Bergung sein, und auch das letzte Mal, daß ein bemannter Raumflugkörper durch Fallschirme zurückgebracht wurde: Die nächsten bemannten Flüge der USA werden mit dem Space Shuttle durchgeführt, das ja wie ein Flugzeug landen wird.

Am 24. Juli wurde um 15.37 Uhr OAZ nach 138 Erdumläufen der Wiedereintritt in die Atmosphäre eingeleitet. Das Triebwerk wurde für 7 Sekunden gezündet, was zu einer Geschwindigkeitssenkung um 57,3 m/s führte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Apollo über dem südlichen indischen Ozean.

7 Minuten später wurde das Gerätemodul abgetrennt. Apollo setzte um 16.18 OAZ 556 km nordwestlich von Honolulu - etwa 7,3 km vom Bergungsschiff entfernt - auf dem Wasser auf.

Zunächst kenterte die Kapsel und wurde durch die Ballons erst nach 5 Minuten in die normale Schwimmlage gebracht. Alles schien in Ordnung zu sein, und doch entstand anhand der ersten Fernsehaufnahmen der Eindruck, als ob sich die Fallschirme zu spät geöffnet hatten. Außerdem war es nicht normal, daß die Fallschirme nachdem Aufsetzen nicht von der Kapsel getrennt wurden. Hätte man die Stimmen der Astronauten gehört, so hätte man gewußt, daß es noch kurz zuvor um Leben und Tod gegangen war. Was war geschehen? Am Tage nach der Rückkehr wurde zunächst nur bekanntgegeben, daß ein "mysteriöses" Gas während des Eintritts in die Atmosphäre in die Kapsel eingedrungen war und daß die Astronauten unter Beobachtung stünden. Dies war nur ein erstes Anzeichen eines noch kritischeren Problems gewesen:

Im normalen Ablauf eines Wiedereintritts werden in etwa 10000 m Höhe zwei Schalter umgelegt, die den automatischen Landeverlauf einleiten. Dadurch wird das automatische Abschalten der Fluglagenraketen (7300 m), das Abwerfen des die Fallschirme schützenden Hitzeschildes (7000 m) und das automatische Auslösen der Fallschirme eingeleitet. Aus bisher nicht einwandfrei geklärtem Grund hatte Brand trotz der Checkliste diese Schalter nicht umgelegt. Zu diesem Zeitpunkt war in der Kapsel ein Kreischton zu hören gewesen, der ihn anscheinend ablenkte. Es besteht aber auch die Möglichkeit, daß diese Handhabung aus Versehen nicht von der Checkliste abgelesen wurde.

Als die Astronauten in einer Höhe von 7300 m auf das Auslösen des Bremsfalischirmes warteten und nichts geschah, wußten sie, daß etwas nicht in Ordnung war: Die Notauslösung wurde betätigt. Sie sahen laut Tonbandwiedergabe der Gespräche das Hitzeschild abfliegen und dann den Bremsfallschirm ausfahren. Da die Fluglagenraketen aber nicht abgeschaltet waren, versuchten diese eine vorgeschriebene Fluglage beizubehalten, die jedoch nicht mit der Fluglage übereinstimmte, die durch den Bremsfallschirm bestimmt wurde: Der Flugkörper kam ins Schwingen.

Stafford merkte, daß die Fluglagenraketen noch immer zündeten und schaltete die Treibstoffzufuhr ab. Dadurch wurde nun eine weitere Gefahr ausgelöst. In etwa 7000 m Höhe öffnet sich nämlich auch ein Druckausgleichventil, das Luft von außen in die Kapsel strömen läßt. Dieses Ventil aber befindet sich nur etwa 30 cm .von einer der Raketendüsen entfernt. Treibstoff, der sich noch in

den Leitungen zwischen Ventil und Düse befand, floß in die Düse und verdampfte - insbesondere Wasserstofftetroxyd. Diese Dämpfe wurden nun durch das Ausgleichsventil in die Kapsel gesaugt. Sofort fingen die Astronauten zu husten an; da diese Dämpfe in Verbindung mit Feuchtigkeit sofort Salpetersäure bilden und die Schleimhäute angreifen.

In etwa 3500 m Höhe sollten die Hilfsfallschirme und dann die Hauptfallschirme ausgelöst werden, aber als nichts geschah, wurde wiederum die Notauslösung betätigt. Dies erfolgte jedoch statt in 3500 m Höhe in etwa 3000 m Höhe, etwa 6 Sekunden später als normal. Der Aufprall auf dem Wasser war daher etwas härter als normal, laut Staffords Schätzung erfolgte er mit etwa 10 G. Die Astronauten waren etwa 5 Minuten lang den Dämpfen ausgesetzt.

Nach dem Aufsetzen auf dem Wasser verteilte Stafford Sauerstoffmasken, da im gekenterten Zustand keine Frischluft in die Kapsel gebracht werden konnte. Brand war für etwa 40 Sekunden ohnmächtig. Sobald sich die Kapsel aufgerichtet hatte und die Luke geöffnet worden war, wurde genügend Frischluft zugeführt, so daß Stafford entschied, daß man in der Kaspel beiben konnte, bis diese auf das Deck des Bergungsschiffes gehoben wurde.

Der Grund für das Versagen der Astronauten wird wohl nie genau ermittelt werden, da keiner der Astronauten eine Erklärung dafür geben konnte. Laut Beurteilung durch Experten haben die Astronauten keinen Schaden gelitten, da die Konzentration der Dämpfe niedrig war.

So wurde der Anteil von Apollo an dieser internationalen Mission trotz der gefahrvollen letzten Minuten ebenfalls ein Erfolg.

Dipl.-Ing. Rolf Dutzmann


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Last updated 9 October 2000
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