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F-16: VON DER USAF UND VIER NATO-STAATEN BESTELLT

In der Starfighter-Nachfolge-Diskussion überwogen bisher politische Argumente. Hier die Entwicklungsgeschichte und technische Analyse des Gewinners General Dynamics F-16.

Der US Air Force-Entscheidung zur Beschaffung des neuen Luftkampfjägers F-16A/B von General Dynamics ging ein intensives Flugerprobungsprogramm in Edwards AFB, Kalifornien, voraus. Dieses erstreckte sich über einen Zeitraum von zehn Monaten und beinhaltete auch Vergleichsflüge unter Einsatzbedingungen mit der von Northrop entwickelten YF-17.

YF-16

Die Entwicklungsgeschichte dieser beiden Muster geht zurück bis in das Jahr 1971, als die USAF einen einfachen Hochleistungsjäger forderte. Primäres Entwurtsmerkmal der neuen Flugzeuggeneration waren überlegene Manövriereigenschaften. Nach einem Vorwettbewerb erhielten die Firmen General Dynamics und Northrop im April 1972 einen Auftrag zur Fertigung und Flugerprobung von je zwei Musterflugzeugen ihrer Vorschläge Model 401 und P-600.

Im Gegensatz zur Northrop P-600, deren Konzeption weitgehend auf dem Projekt P-530 Cobra basiert, stellt das Modell 401 einen völlig neuen Entwurf dar. Es erhielt die USAF-Bezeichnung F-16, und sein Musterbau erfolgte bei der Convair Aerospace Division in Fort Worth, Texas. Ende Oktober 1973 konnte die Endmontage des ersten Prototyps abgeschlossen werden. Nach der Funktionsprüfung aller Bordsysteme und Bodentests wurde die erste YF-16 (70-1567) an Bord einer C-5A Galaxy nach Edwards AFB überführt.

Am 2. Februar 1974 startete sie unter der Führung von Phil Oestricher, dem Cheftestpiloten für das YF-16-Programm, zu ihrem Jungfernflug. Ihr folgte am 9. Mai 1974 der zweite Prototyp (70-1568). Bis zum 15. Mai 1975 hatten beide Maschinen insgesamt 428 Flüge mit einer Dauer von 515 Stunden absolviert. Zu ihnen gehörten auch Flüge mit doppelter Schallgeschwindigkeit und 86 Luftbetankungen. Im letzteren Fall betrug die längste Flugdauer 5 h 30 min. Die letzte Phase der ACF-Erprobung in Edwards AFB bestand in erster Linie aus Waffenversuchen. Dabei wurden nicht nur die Vulcan-Kanone und Sidewinder-Lenkwaffen abgefeuert, sondern auch Mk.-82- und Mk.84-Bomben abgeworfen. Während der gesamten Flugerprobung, die für die YF-16 ein voller Erfolg war, wurden beide Maschinen von elf Piloten geflogen.

Anläßlich des diesjährigen Pariser Aero-Salons in Le Bourgel wurde die YF-16 (70-1567) erstmals auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Sie beeindruckte dabei durch ihre außergewöhnlichen Manövriereigenschaften und gehörte in der statischen Schau zu den am meisten umlagerten Flugzeugen des.Salons.

Ihr inoffizielles europäisches Debut hattedieYF-16 jedoch schon eine Woche vorher. Sie unternahm eine Demonstrationstour in den Ländern, die seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Starfighter-Nachfolgemuster waren: Norwegen, Dänemark, Belgien und die Niederlande. Hier konnte sie sich schließlich gegen stärkste Konkurrenz in Form der Mirage F.1E und der Viggen durchsetzen und den sogenannten"Auftrag des Jahrhunderts" für sich verbuchen.

Die vier erwähnten Länder werden insgesamt 348 Serienflugzeuge der Versionen F-16A und B beschaffen, deren erste Anfang 1979 ausgeliefert werden sollen. Von der amerikanischenStandardversionwird sich die europäische F-16 nur wenig unterscheiden. Sie wird z. B. nicht über einen Anschluß für Luftbetankungen verfügen, allerdings einen Bremsschirm im hinteren Seitenflossenauslauf erhalten. Außerdem will man einige Geräte der Ausrüstung und Avionik dem europäischen Standard anpassen. Bezogen auf eine mögliche Gesamtfertigung von 2000 Flugzeugen soll der Stückpreis einer europäischen F-16 bei $ 5,2 Mio. liegen.

Doch zurück zu General Dynamics, der Herstellerfirma der F-16, der nach Ansicht zahlreicher Fachleute nunmehr der Weg zu einem großen, weltweiten Markt geöffnet ist. Weitere sechs Länder interessieren sich ebenfalls für dieses Flugzeug, mit dem die USA wieder konkurrenzfähig wurden. Nach amerikanischen Angaben soll auch die Bundesrepublik Deutschland zu ihnen gehören. Die angestrebte und immer wieder diskutierte Standardisierung von Waffen und Gerät in der NATO-Ausrüstung sei erst dann sinnvoll, wenn auch die deutsche Luftwaffe die F-16 beschaffe.

Gleichzeitig mit ihrer Entscheidung zugunsten der F-16 bestellte die US Air Force eine Vorserie von acht Maschinen, deren Fertigung in Fort Worth bereits angelaufen ist. Mit diesen acht F-16, zu denen auch zwei zweisitzige F-16B gehören, will man ab Dezember 1976 eine zweijährige gründliche Truppenerprobung unter Einsatzbedingungen durchführen. Die ersten von insgesamt 650 Serienflugzeugen sollen dann wie in Europa ab Anfang 1979 zur Verfügung stehen. Aller Voraussicht nach wird es jedoch nicht bei diesen 650 F-16A/B für die USAF bleiben, denn man spricht schon heute von weiteren 750 Maschinen. Darüber hinaus wird bei General Dynamics an neuen Rumpfspitzenauslegungen für größere Radarantennen gearbeitet, die mit den beiden Prototypen erprobt werden sollen. Dies bedeutet, daß man schon heute an die Weiterentwicklung und damit auch an neue Versionen der F-16 denkt.

Technische Beschreibung

Hinsichtlich der Forderung nach extrem guten Flugeigenschaften im Kurvenkampf weist die F-16 einige aerodynamische Besonderheiten auf. Besonders ins Auge fallen die weit nach vorn gezogenen, scharfkantigen Flügelwurzeln. Sie erzeugen wirbelzopfartige Strömungen und sorgen zusammen mit automatischen Nasenklappen für optimale Auftriebsverhältnisse des Tragwerks. Dies gilt nicht nur bei großen Anstellwinkeln, sondern auch im Überschallbereich.

Auffallend großflächig ist die Seitenflosse ausgelegt, die ebenfalls einen hohen Anteil an den guten Kurvenkampfeigenschaften hat. Hinzu kommen an der Unterseite des Rumpfhecks noch zwei nach außen geneigte Kielflossen, zwischen denen ein Fanghaken angeordnet ist. Das Rumpfheck ist beiderseits der Schubdüse als oberes und unteres Bremsklappenpaar mit einem Öffnungswinkel von 60 Grad ausgebildet. Die beiden Pendelhöhenruder sind untereinander austauschbar.

Außer einem elektrischen Flugsteuerungssystem (fly-by-wire) in vierfacher ausfallsicherer Ausführung zählt auch das Cockpit zu den technischen Neuheiten der F-16. Es ist mit einem Zero-Zero-Schleudersitz des MDO-Typs Escapac IH-8 ausgerüstet, der um 30 grad nach hinten geneigt ist und den Piloten die hohen Beschieunigungskräfte im Dogfight besser ertragen läßt. Für die Verglasung der Cockpithaube wählte man einen von Sierracin entwickelten Plastikwerkstoff auf Polycarbonat-Basis. Die blasenförmige Haube ist einteilig und gestattet beste Rundumsichtverhältpisse.

Als TriebwerkwähltemanfürdieF-16 den Turbofan Fl00-PW-100 von Pratt & Whitney, der bekanntlich auch als Antrieb des zweistrahligen Kampfflugzeugs F-15 Eagle dient. Sein maulförmiger Lufteinlauf ohne Regelklappen befindet sich an der Unterseite des Rumpfes, dessen elliptischer Querschnitt in diesem Bereich unten abgeflacht ist und somit der Einlaufströmung angepaßt wurde.

Die beiden nach vorn einziehbaren Einheiten des Hauptfahrwerks mit ihren 66 x 20,7-cm-Rädern haben eine Spurweite von 2,66 m. Das Bugrad (45,7 x 14,5 cm) wird dagegen nach hinten eingezogen und unterhalb des Lufteinlaufkanals verriegelt.

Das normale Startgewicht der F-1 6 als Air Superiority-Jäger liegt bei 10200 kg. Dies konnte ohne die größere Verwendung moderner Faserwerkstoffe erreicht werden. 78 % der gesamten Struktur bestehen aus Leichtmetall, während sich der Rest aus Titan, Stahl und exotischen Werkstoffen zusammensetzt. Als Erdkämpfer bringt die F-16 mit fast 15000 kg allerdings schon erheblich mehr auf die Waage. An ihren insgesamt neun Rumpf- und Flügelstationen kann sie eine beachtliche Zahl verschiedenster Außenlasten mitführen., und zwar bis zu einem Gesamtgewicht von 6880 kg. Dazu gehören neben Sprengbomben und Lenkwaffen auch abwerfbare Zusatztanks und ECM-Behälter. Für den Luftkampf und den Beschuß von Erdzielen ist die F-16 mit einer 20-mm-Kanone des Gatling-Typs M61A-1 Vulcan bewaffnet. Sie ist im linken Flügel-Rumpf-Übergangsbereich starr eingebaut. Der trommelförmige Munitionsbehälter (515 Schuß) befindet sich im oberen Rumpfbereich unmittelbar hinter dem vorderen Kraftstoffbehälter.

Bei der Gesamtentwicklung der F-16 stand die Kostenwirksamkeit eindeutig im Vordergrund. Sicher hat diese Tatsache bei der Entscheidung der US Air Force zugunsten der F-16 eine große Rolle gespielt. - um die Kosten niedrig zu halten, legte man mehrere Baugruppen der Zelle und Ausrüstung untereinander austauschbar aus.

Hans Redemann


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Last updated 9 October 2000
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