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EUROPÄISCHE GEMEINSCHAFT SCHLÄGT LUFTFAHRT-AKTIONSPROGRAMM VOR

Die Regierungen der Europäischen Gemeinschaft stehen im Luft- und Raumfahrtbereich am Scheideweg. Das hat die Kommission der EG in einem sogenannten Aktionsprogramm zur Zukunft der europäischen Luft- und Raumfahrt festgestellt, das Anfang Oktober dem Rat vorgelegt wurde. Sollten die europäischen Regierungen weiter eine "divergente'' nationale Politik verfolgen, heißt es, so könnte dies zum Verschwinden einer selbständigen europäischen Luftfahrtindustrie führen, was wiederum geradezu zerstörische Auswirkungen auf die wirtschaftliche und politische Zukunft der Gemeinschaft haben könnte.

Andererseits ließe sich durch eine in den Händen der Gemeinschaft zusammengefaßte gemeinsame industrielle und kommerzielle Politik auf diesem Sektor das Steuer noch herumreißen. Auch die in vergangenen Jahren geübte Methode der Zusammenarbeit der Regierungen und der betreffenden Industrien an verschiedenen binationalen bzw. trinationalen Programmen hält die Kommission für nicht ausreichend.

Acht wichtige Vorschläge werden unterbreitet:

1. Ein gemeinsames Programm für die Entwicklung, die Produktion und das Marketing großer Zivilflugzeuge soll gebildet werden.

2. Dieses Programm soll von der Gemeinschaft finanziert werden.

3. Die Gemeinschaft soll "Sponsor" der Industrien sein und als Programm-Manager auftreten, während seine Durchführung soweit wie möglich Aufgabe der Mitgliedstaaten sein soll.

4. Eine gemeinsame Politik nach außen soll gebildet werden - im Hinblick auf eine industrielle Zusammenarbeit mit nicht der EG angehörenden Staaten.

5. Schaffung einer Ad Hoc-Agentur, die sich mit der Beschaff ung und Entwicklung von Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Lenkwaffen beschäftigt. Aufgaben dieser Agentur wären die Koordinierung der Beschaffung, die Standardisierung bei bestehenden europäischen Flugzeugen und die "Identifizierung" gemeinsamer Entwicklungsgebiete, so z. B. für ein europäisches Kampfflugzeug der Zukunft.

7. Aufstellung eines gemeinsamen Programms für Grundlagenforschung, in etwa vergleichbar mit der NASA, was die stimulierende Wirkung neuer Technologien angeht.

8. Erstellung eines Systems der gemeinsamen Exportfinanzierung (die Kommission hat hier bereits eine europäische Exportbank vorgeschlagen).

Die Kommission verharrt aber in ihrem Aktionsprogramm nicht nur im Theoretischen: Ein gemeinsames Programm unter dem Sponsor EG müßte folgende Schwerpunkte aufweisen, was den zivilen Bereich angeht: In der Verkehrsflugzeug-Klasse unter 100 bis 110 Sitzen schlägt man eine Unterstützung der existierenden Programme vor, vor allem der Fokker-VFW F.28 und der Weiterentwicklungen daraus.

Darüber - in der Klasse l20 bis 180 Passagiere -wird ein zweistrahliges Muster empfohlen, das auf Ableitungen aus der Breguet-Dassault Mercure,der Hawker Siddeley Trident oder der BAC 111 basiert. Weiterentwicklungen des europäischen AirbusA300, so die Version B 10, sieht man als geeignet in der Kategorie von 180 bis 220 Sitzplätzen an,während zwischen 250 und 300 Sitzen die Airbus-Versionen A300 B 2 und B 4 starke Unterstützung finden sollen.

Auf dem Langstrecken-Sektor schließlich empfiehlt die EG-Kommission - wobei sie das Thema Concorde äusklammert - das Studium der Möglichkeiten hinsichtlich der Entwicklung einer vierstrahligen Version des Airbus (die Variante A300 B 11).


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Last updated 2 November 2000
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