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SEA HARRIER

Seit April 1969 steht das VSTOL-Kampfflugzeug Hawker Siddeley Harrier im aktiven Truppendienst bei der Royal Air Force und dem US Marine Corps. Beide haben mit der Indienststellung dieses Flugzeugs auf dem Gebiet des Einsatzes von VSTOL-Waffensystemen wertvolle Pionierarbeit geleistet. Wir berichten über den neuen Sea Harrier, der ab 1980 bei der Royal Navy in Dienst gestellt werden soll.

Zu den außergewöhnlichsten und gleichzeitig erfolgreichsten Flugzeugentwicklungen der letzten zwanzig Jahre gehört die des Harrier von Hawker Siddeley. Sie geht praktisch bis in das Jahr 1954 zurück, als der französische Ingenieur Michel Wibault das Projekt eines neuartigen VTOL-Jagdflugzeugs vorlegte, dessen Triebwerk Bristol Orion mit Schubvektorsteuerung arbeitete. Es fand jedoch in Frankreich nicht die für eine Realisierung notwendige Beachtung. In England hatte Wibault dagegen mehr Glück und fand in Sidney Camm, dem Chefkonstrukteur von Hawker, einen Fürsprecher. Hinzu kam noch die Firma Bristol Engines, die allerdings einige Änderungen vorschlug.

Sea Harrier

Nachdem man alle technischen Probleme gelöst hatte, wurde die Maschine gebaut und unternahm im Oktober 1960 als Hawker P.1127 (XP831) erste Fesselflüge. Ihnen folgte am 18. November 1960 der erste freie Schwebeflug und danach die Erprobung beim RAE in Farnborough. Forderungen der NATO nach einem VTOL-Überschalljäger (NBMR 3) schienen der als Unterschallflugzeug ausgelegten P. 1127 einen schweren Schlag zu versetzen. Aufgrund eines Abkommens zwischen Großbritannien, den USA und der Bundesrepublik Deutschland konnte die vielversprechende Entwicklung jedoch weitergeführt werden.

Sie führte zu der in West Raynham stationierten trinationalen VTOL-Versuchsstaffel. Diese war mit neun Maschinen des verbesserten Typs Kestrel FGA Mk. 1 ausgerüstet und konnte bis Ende November 1965 wertvolle Erfahrungen sammeln. Schon im Frühjahr 1965 erhielt Hawker Siddeley den Auftrag zur Fertigung von sechs Vorserienflugzeugen eines für die RAF geeigneten Einsatzmusters. Parallel dazu lief natürlich auch die Weiterentwicklung des Triebwerks Pegasus, dessen Leistungspotential im Laufe der Zeit ständig erhöht werden konnte. Das erste der sechs Vorserienflugzeuge startete am 31. August 1966 zu seinem Jungfernflug. Die nachfolgende Erprobung verlief erfolgreich, und am 28. Dezember 1967 flog auch die erste, aus der Serienfertigung stammende Maschine mit der RAF-Bezeichnung Harrier GR Mk. 1.

Hinzu kam für das Besatzungstraining noch der Doppelsitzer Harrier T Mk. 2. Beide wurden bis heute durch den Einbau schubstärkerer Triebwerke ständig verbessert und führen gegenwärtig die Bezeichnungen Harrier GR Mk. 3 und T Mk. 4. Vier Squadrons der RAF sind mit dem Harrier ausgerüstet, von denen drei in Deutschland stationiert sind.

Seit Februar 1971 steht dieses moderne VSTOL-Kampfflugzeug auch im aktiven Truppendiepst beim US Marine Corps, das insgesamt 102 AV-8A (Harrier Mk. 50) und acht TAV-8A (Harrier Mk. 54) in Dienst stellen wird. Zusätzlich wird auch die spanische Marine den Harrier einführen, und zwar sechs AV-8A sowie zwei TAV-8A mit der Bezeichnung Matador.

Aufgrund der außergewöhnlichen Start- und Landeeigenschaften des Harriers untersuchte man auch dessen Verwendbarkeit als bordgestütztes Flugzeug. Umfangreiche Studien und interessante Versuche ließen keinen Zweifel daran, daß der Harrier auch diesbezüglich einsetzbar ist. Schon im Sommer 1966 erprobte mit einer Kestrel an Bord einiger Flugzeugträger der Royal Navy und US Navy die Möglichkeit solcher Einsätze. Es folgten weitere Versuche und Übungen unter Einsatzbedingungen an Bord anderer Schiffe.

Sie alle führten zu erfolgversprechenden Ergebnissen und im Laufe der Zeit zur Entwicklung eines völlig neuen Konzepts. Entsprechende Pläne der Royal Navy fanden jedoch seinerzeit bei der britischen Regierung wenig Beachtung. Der sogenannte Maritime Harrier schien über seine Entwurfsphase nicht hinauszukommen, bis man sich im Mai 1975 endgültig für seine Entwicklung entschied. Gleichzeitig wurde bekanntgegeben, daß die Royal Navy in diesem Zusammenhang drei Flugzeugkreuzer erhalten wird, von denen einer - die HMS lnvincible -bereits im Bau ist.

24 Sea Harrier in den nächsten Jahren

Die Royal Navy will innerhalb der nächsten Jahre 24 Einsitzer mit der Bezeichnung Sea Harrier FRS Mk. 1 beschaffen. Aus finanziellen Gründen verzichtet man auf eine zweisitzige Version des Sea Harrier und führt dafür einen RAF-Trainer ein. Hinzu kommen noch zwei zweisitzige Radartrainer HS Hunter T Mk. 8M, die aus eingemotteten Maschinen entsprechend umgerüstet werden. Mit dem Jungfernflug des ersten Sea Harriers ist im Sommer 1977 zu rechnen, und 1979 soll dann die erste Staffel aufgestellt werden.

Hauptunterschied des Sea Harriers gegenüber der RAF- und USMC-Standardversion ist ein neues Rumpfvorderteil mit erhöhtem Cockpit. Damit werden nicht nur die Sichtverhältnisse des Piloten bei Trägereinsätzen verbessert, sondern es steht auch mehr Raum für zusätzliche Geräte der Ausrüstung zur Verfügung. Unter dem Radome wird das von Ferranti entwickelte und ursprünglich für den Sea Lynx-Hubschrauber vorgesehene Luft-Luft-Radar Blue Fox eingebaut. Das vom RAF- und USMC-Harrier her bekannte Trägheits-Navigationssystern Ferranti INAS wird beim Sea Harrier durch das neue Heading Attitude and Reference System (HARS) ersetzt. Bei diesem handelt es sich um ein kombiniertes Doppler-Trägheits-Navigationssystem, ebenfalls von Ferranti.

Als Triebwerkanlage kommt beim Sea Harrier das geringfügig verbesserte Rolls-Royce Pegasus Mk. 104 zum Einbau, das einen VSTOL-Schub von 9750 kp abgibt. Über die Bewaffnung des Sea Harriers liegen noch keine detaillierten Angaben vor. Außer zwei 30-mm-Kanonen kann er über 3600 kg Kampfmittel mitführen. Dazu wird sicher auch die von McDonnell Douglas entwickelte, neue Lenkwaffe Sub Harpoon gehören. Allerdings bietet sich zur Bekämpfung von Land- und Seezielen auch die britisch-französische Lenkwaffe Martel an. Beide können, wie zwei abwerfbare 455-l-Zusatztanks, an den inneren Unterflügelstationen mitgeführt werden. Hans Redemann


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Last updated 5 April 2001
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