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Neuer Mehrzweckhubschrauber der US Army
YUH-60 ODER YUH-61

Ganz ohne Zweifel ist das UTTAS-Programm der US Army von größter Bedeutung für die Hubschrauberindustrie der USA: Einer der beiden Entwürfe Sikorsky YUH-60 oder Boeing YUH-61 wird der Standard-Hubschrauber der US Army in den achtziger Jahren sein. Dem Gewinner der UTTAS-Ausschreibung winkt ein lukratives Geschäft: Schon ab 1978 sollen über 1100 Stück beschafft wer en.

Im Februar dieses Jahres hat das Vergleichsfliegen der beiden UTTAS-Prototypen begonnen (UTTAS = Utility Tactical Transport Aircraft System = taktisches Mehrzweck-Transportflugzeugsystem). Wenn es zum Abschluß kommt, dann wird es sich zeigen, welcher der beiden Konkurrenzentwürfe Boeing Vertol YUH-61 und Sikorsky YUH-60 die zur Zeit über 4000 in US Army-Einsatz befindlichen Bell UH-1-Mehrzweckhubschrauberablösen wird. Ohne Zweifel wird das UTTASProgramm das bedeutendste Hubschrauber-Produktionsprogramm der nächsten Dekade sein - und zwar weltweit gesehen.

Verglichen mit dem UH-1, den sie ablösen sollen, erscheinen die UTTAS-Entwürfe von Boeing Vertol und Sikorsky auf den ersten Blick keinen großen technischen Schritt nach vorn zu repräsentieren, und auch die Transportkapazität ist mit 14 Mann (11 Soldaten und 3 Mann Besatzung) die gleiche.

Aber der Fortschritt blüht gerade im Hubschrauberbau oft im verborgenen: So unterliegt sowohl der YUH-60 als auch der YUH-61 nicht den Beschränkungen im Flugbetrieb in großen Höhen und unter hohen Temperaturen wie beispielsweise der UH-1. Ferner bieten beide Entwürfe wesentlich bessere Zuverlässigkeit, Wartbarkeit und Lebensdauer. Werden beim Bell UH-1H beispielsweise pro Flugstunde noch 6,7 Wartungs-Mannstunden benötigt, so wurde diese Zahl beim UTTAS-Hubschrauber auf 3,8 Stunden gesenkt, und die Komponenten-Lebensdauer wurde gar von 480 Stunden (UH-1H) auf 1500 Stunden angehoben.

Sikorsky YUH-60
Sikorsky YUH-60

Beide Unternehmen haben inzwischen je drei Prototypen unter einem Vertrag von seiten des US Army Aviation Systems Command gebaut, wogegen je ein weiterer Prototyp aus Firmenmitteln finanziert wurde (Typenbezeichnungen Boeing Vertol Model 179 bzw. Sikorsky S-70).

Infolge der sehr detailliert ausgearbeiteten Ausschreibungsbedingungen der US Army ähneln die UTTAS-Konkurrenzentwürfe einander stark. Beide sind mit Vierblatt-Hauptrotoren ausgerüstet, beide verwenden zwei Triebwerke des Typs General Electric T 700-GE-700 von je 1536 Wellen-PS Startleistung, die beiderseits des hinteren Kabinenbereichs angebracht sind, und beide verfügen über ein Radfahrwerk, keine Kufen.

Dennoch gibt es viele Unterschiede im Detail: Während der Boeing YUH-61 ein Bugrad-Fahrwerk besitzt, weist der Sikorsky-Entwurf YUH-60 ein Spornrad-Fahrwerk auf, und schließlich ist der Vierblatt-Heckrotor beim YUH-61 auf der linken und beim YUH-60 auf der rechten Seite des Heckrotorpylons angeordnet.

Hat man bei Boeing bisher auf das Tandem-Hauptrotor-Konzept gebaut, so beschritt man - erstmals in der Firmengeschichte überhaupt - mit dem YUH-61 den Lösungsweg mit nur einem Hauptrotor. Interessant: Basierend auf einem Zusammenarbeitsvertrag mit MBB griff man auf das Prinzip des halbstarren, gelenklosen Rotors zurück, wie es im MBB BO 105 zur Anwendung gelangt. Dagegen konnte sich Sikorsky des reichen Erfahrungsschatzes im eigenen Hause bedienen, der insbesondere durch verschiedene Forschungsprogramme mit S-61 Hubschraubern zur Verfügung stand.

Der erste Sikorsky YUH-60-Prototyp hatte am 17. Oktober 1974 Erstflug, während der Boeing YUH-61 etwas später, am 29. November 1974, zum Jungfernflug startete. Inzwischen haben alle in das Flugerprobungsprogramm eingeschalteten Prototypen die wichtigsten Test-Meilensteine erflogen. Zwar war der erste YUH-61-Prototyp von Boeing Vertol am 19. November 1975 wegen eines Fehlers an der Heckrotorwelle abgestürzt, aber der Schaden war nur geringfügig, und die Erprobung konnte Mitte Februar dieses Jahres wieder aufgenommen werden.

Nach der Übergabe von je drei UTTAS-Prototypen durch Boeing und Sikorsky an die US Army im Februar ist nun das Vergleichsfliegen in vollem Gange. Die US Army wird jedes der beiden Konkurrenzmuster 790 Flugstunden lang untersuchen und die endgültigeWahl im August dieses Jahres treffen.   Dietrich Seidl


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Last updated 5 April 2001
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