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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 5/76 COLANISSIMODer Designer Luigi Colani hat große Pläne. Er schlägt ein Rekordflugzeug vor, mit dem der GeschwindigkeitsWeitrekord für Propellerflugzeuge wieder nach Deutschland zurückgeholt werden soll. Sein utopisch anmutendes Projekt mit liegendem Piloten und zwei Wankelmotoren wird zweifellos lebhafte Diskussionen auslösen. "Das ist kein Colani-Witz", kommentierte der Designer Luigi Colani seine neueste Kreation - das ungewöhnliche Projekt eines Rekordflugzeuges. Auf manchen anderen Gebieten, hauptsächlich im Automobilbau, hatte sich der phantasievolle Gestalter in den vergangenen Jahren tatsächlich als Enfant terrible betätigt. Manche seiner Gags brachte er zugegebenermaßen nur unter die Leute, um ins Gerede zu kommen. Hier aber ist es ihm ernst: "Ein lange von mir gehegter Traum, den Geschwindigkeits-Weltrekord für Propellerflugzeuge wieder nach Deutschland zurückzuholen, fand hier Form in einem ersten Windkanalmodell, mit dem das konstruktionsphilosophische Layout vorgestellt wurde."
Das Ziel ist wahrhaftig hoch gesteckt. Der GeschwindigkeitsWeltrekord für Propellerflugzeuge steht seit 16. August 1969 auf 776,449 km/h, geflogen von dem Amerikaner Darryl Greenamyer auf einer frisierten Weltkrieg-2-Maschine vom Typ Grumman F8F-2 Bearcat (3200 PS Pratt & Whitney R-2800). Davor war der Rekord 30 Jahre lang in deutscher Hand gewesen: Fritz Wendel hatte auf der Messerschmitt Me 209 V1 (2300 PS DB 601 V10) am 26. April 1939 eine Geschwindigkeit von 755,138 erreicht. Klein, leicht und Wankelantrieb Der brutalen PS-Leistung dieser Renn-Boliden will Luigi Colani mit lächerlichen 360 PS, dafür aber extrem reduziertem Widerstand und Gewicht begegnen. "Kleinste Abmessungen, geringstes Gewicht, kleinstes F und ein Leistungsgewicht um 1 kg/PS'', so umreißt er das Rezept für seinen Renner. Und in figura sieht das dann so aus, wie die Abbildungen zeigen: Ein schlanker, spindelförmiger Rumpf mit einer Länge von etwa vier Metern; um den liegenden Piloten sind zwei Wankelmotoren, eine Zug- und eine Druckschraube gruppiert, die beiden Wankelmotoren leisten etwa 360 PS. Welche Wankelmotoren? "Mit Herrn Prof. E. Fiala von VW und Herrn Piech von Audi NSU sind bereits Gespräche im Gange; mit Mazda korrespondiere ich ebenfalls zur Zeit, sollte die Leistung der NSU-Rotaries nicht ausreichen", so Colani. Zum konstruktiven Aufbau erklärt der Designer: "Ein reizvolles Detail ist der Titanrohrrahmen mit nur einem, ventral gelegenen Strongpoint, aus dem heraus nach unten das Seitenruder herauswächst, das gleichzeitig Träger des Hauptfahrwerks ist, sowie der Anlenkungspunkt des weit nach vorne herausklappbaren Bugrades mit der interessanten Gabelstabilisierung, die um die Bodenverglasung herum ausklappt."Durch eine negative V-Stellung der nur vier Meter spannenden Flügel werden kleine Stützräder an den Randbogen ermöglicht. Colani sucht Rat und Tat Auf den ersten Blick ist Colanis Rekordflugzeug-Projekt ein utopisch anmutendes Gebilde - aber nach Meinung von Fachleuten nicht unbedingt unrealistisch. So äußerte Prof. Dr.-Ing. Fred Thomas, Direktor des Braunschweiger Instituts für Aerodynamik der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR), dieses Konzept sei durchaus nicht unvernünftig (Colanis Version: "Prof. Thomas hat sofort Feuer gefaßt!"), jedoch reichten die vorliegenden Entwurfs- und Konstruktionsunterlagen für eine endgültige Beurteilung noch nicht aus. Die DFVLR stehe aber auf Anfrage gerne mit Beratung zur Verfügung. Dies trifft sich offenbar auch mit Colanis Intentionen, denn "ich halte mich nicht für so kompetent", stellt er fest, wenn es um qualifizierte aerodynamische Untersuchungen geht. Mit der Vorstellung seines Konzeptes hofft er überhaupt auf ein breites Echo aus der Fachbranche - er sucht Sponsoren. Und zwar aus allen in Frage kommenden Bereichen: Material, Triebwerke, Propeller, Fahrwerk, Instrumente etc., etc. Neben fachlichem Rat erwartet er auch die Tat - Material, Windkanalmodelle und Geld. Wenn man Colani nach Namen fragt, bekommt man, was z. B. die Propeller betrifft, eine Reihe von Firmen genannt wie Ratier, Dowty-Rotol und Hofmann/Rosenheim. Aber auch der Name Dornier fällt. "Mein Rekordflugzeug wäre doch ein würdiger Nachfolger für die Do 335!" In der Tat wurde das Tandemmotorprinzip seit der Do 335 nicht mehr so kompromißlos angewandt. Damals allerdings war es das Ziel, für ein zweimotoriges Hochleistungskampfflugzeug das Letzte an Möglichkeiten aus dem Propellerkonzept herauszuholen - bevor die Strahlflugzeuge kamen. Aber nur für das Wiederzurückholen eines Weltrekordes, der längst im Schatten der Strahlflugzeuge versunken ist, die Fachweit zu begeistern, wird schwer sein. Es sei denn, man entdeckte in Colanis Projekt ein brauchbares Konzept für unbemannte Ziel- und Aufklärungsdrohnen. DerRekordversuch wäre dann nur spektakulärer Auftakt für ein Gerät, das zweifellos auf der Prioritätenliste vieler westlicher Verteidiger steht. Daß sich schon so manche etablierte Luftfahrtfirma ihre Ideen und Impulse für neue Drohnenkonzepte auf unkonventionellen Wegen, nicht zu letzt von Modellbauern, geholt hat, ist ein offenes Geheimnis. Wie und von wem auch immer, Colani braucht zwei Millionen Mark, um sein Rekordflugzeug-Projekt zu realisieren. Oder reicht seine Begeisterung (und sein Geld) so weit, daß er es auch alleine schafft? "Jawohl, ich kann es auch alleine! Dann dauert es zwar einige Jahre, aber ich kann aus eigenen Mitteln 300000 bis 400000 Mark jährlich da hineinstecken." Angefangen hat er schon: Eine 1:1-Attrappe für Einbaustudien wird in den nächsten Wochen bereits fertig! Man darf auf das Echo und die Diskussionen zu diesem Konzept gespannt sein. Pl Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 5/76 Copyright 1976/2001 by Motor-Presse Stuttgart. All rights reserved. Last updated 2 Mai 2001 FLUG REVUE, Ubierstr. 83, 53173 Bonn, Germany |