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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 6/76 PANAVIA 200 TORNADOAm 7. April 1976 fiel im Bundeskabinett die endgültige Entscheidung über die Zukunft des bisher größten und gleichzeitig kostspieligsten Verteidigungsprogramms in Europa - MRCA. Die Entwicklung dieses Mehrzweck-Kampfflugzeugs der achtziger Jahre, dessen ofizielle Typenbezeichnung nunmehr Tornado lautet, begann 1967. Nach etwa drei Jahren liefen Konstruktion und Fertigung von insgesamt neun Prototypen an, deren erster am 14. August 1974 zu seinem Jungfernflug startete. Seitdem sind nun zwei Jahre vergangen und es dürfte an der Zeit sein, wieder einmal Bilanz zu ziehen. Nachfolgend ein Überblick über den jüngsten Stand der Tornado-Entwicklung. Bereits Ende Oktober 1975 nahm die Luftwaffe die erste entscheidende Hürde über die Weiterführung der Entwicklung des europäischen Mehrzweck-Kampfflugzeugs Panavia 200, auch Tornado genannt. Auf deutscher Seite wünschte man seinerzeit u. a. auch das Einfrieren aller militärisch-technischen Forderungen. Außerdem sollte der sogenannte Flyaway-Preis einer Maschine den Betrag von DM 21,0 Mio. möglichst nicht überschreiten. Nun, mittlerweile ist einiges geschehen, denn der erwähnte Preis stieg aufgrund der allgemeinen Teuerungslage und nach jüngsten Angaben offiziell auf über DM 26,0 Mio. an. Einschließlich aller Nebenkosten - Bewaffnung, Ersatzteil-Grundausstattung, technische Beratung usw. - wird der Systempreis einer Tornado letztlich bei DM 48,3 Mio. liegen.
Die Bundesrepublik Deutschland plant die Beschaffung von 322 Serienflugzeugen, von denen 210 für die Luftwaffe und die restlichen 112 für die Marineflieger vorgesehen sind. Hinzu kommen noch 385 Maschinen für Großbritannien und 100 weitere für Italien. Daraus ergibt sich ein Kostenvolumen von insgesamt ca. DM 40,0 Mrd. für alle drei MRCA-Partner. Außer einer schon längst fälligen Rüstungs-Standardisierung innerhalb der NATO sind allerdings für die drei Länder auch volkswirtschaftliche Faktoren von größter Bedeutung. immerhin werden nach Erreichen der vollen Fertigungsrate ca. 70000 Arbeitskräfte bis weit in die achtziger Jahre hinein im MRCA-Programm beschäftigt sein. Gegenwärtig wird die Serienfertigung vorbereitet, die am 1. Juli 1976 anlaufen soll. Mit der Auslieferung der ersten Maschinen ist Anfang 1979 zu rechnen. Die beiden Marinefliegergeschwader 1 (Jagel) und 2 (Eggebek) werden dann als erste Einheiten vom Starfighter auf die neue Tornado umrüsten. Ihnen folgen die Jagdbombergeschwader 31 Boelcke (Nörvenich), 32 (Lechfeld), 33 (Büchel) und 34 (Memmingen). Die Umrüstung dieser Verbände soll bis 1985 abgeschlossen sein. Bei der Royal Air Force wird der Tornado zuerst die Buccaneer und später auch die Phantom II ablösen. Doch zurück zum eigentlichen Objekt, der Tornado, deren Mustererprobung weiterhin auf vollen Touren läuft. Seit dem Jungfernflug der P.01 am 14. August 1974 fliegen nunmehr sieben Prototypen, die bis Ende März d. J. insgesamt 310 Testflüge absolviert haben. Die P. 01 (D-9591) diente anfangs in erster Linie der Flugeigenschaftserprobung sowie dem Nachweis der Funktionstüchtigkeit der wichtigsten Bordsysteme. Außerdem wurden mit dieser Maschine im Sommer 1975 vorläufige Leistungsmessungen vorgenommen. Am 30. Oktober 1974 startete auf dem Werkflugplatz der Briti sh Aircraft Corporation in Warton/Lancashire der zweite Prototyp (XX946) zu seinem Erstflug. Plangemäß wurden mit der P. 02 alle vorgegebenen Erprobungsziele erreicht. Dazu gehörte neben Flatterversuchen zur Erweiterung des zulässigen Flugbereichs auch die Erprobung mit Außenlasten sowie die Flugbetankung durch eine Victor K Mk. 2. Ergänzend zu ihren normalen Aufgaben dient die P. 02 aber gleichzeitig noch als fliegender Prüfstand fürdas schubstärkere Triebwerk RB.199-34R-2. Der dritte Prototyp wurde ebenfalls in Warton endmontiert. Er erhielt den Tarnanstrich der Royal Air Force und flog erstmals am 5. August 1975. Die P. 03 (XX947) verfügt als erstes MRCA über die Doppelsteuerung der Trainerversion. Sie dient zur Erprobung der Überzieh- und Trudeleigenschaften und weist einen weitaus höheren Ausrüstungsgrad auf. Schon die ersten Testflüge zeigten, daß die P. 03 auch vom zweiten Sitz einwandfrei zu steuern ist. Als erster Erprobungsträger für die MRCA-Avionik gilt die P. 04 (D-9592), die am 2. September 1975 in Manching zu ihrem Erstflug startete. Die fortschrittliche Elektronikausrüstung, die der Tornado Allwetter-Kampfeinsätze im geländefolgenden Tiefstflug überhaupt erst ermöglicht, wurde von mehreren Firmen in den drei Partnerländern entwickelt. Das Terrainfolgeradar stammt von der amerikanischen Herstellerfirma Texas Instruments, die mit einer entsprechend modifizierten Convair 240 eingehende Versuche durchführte. Die Funktionstüchtigkeit des Avioniksystems konnte die vierte Tornado schon nach ihren ersten Terrainfolgeflügen nachweisen. Am 5. Dezember 1975 absolvierte die bei der Aeritalia endmontierte P. 05 (X-586) in Caselle/Turin ihren 45-minütigen Erstflug. Sie ist zur umfangreichen Erprobung der Tornado mit Außenlasten vorgesehen, die sie jedoch erst nach ihrer Reparatur fortsetzen kann. Die P. 05 wurde nämlich am 23. Januar 1976 bei einer harten Landung schwer beschädigt und fällt vorerst aus. Ihre Erprobungsaufgaben übertrug man größtenteils der P. 02. Der sechste Tornado-Prototyp, die P. 06 (XX 948), startete am 20. Dezember 1975 in Warton zu seinem Jungfernflug. Er ist mit zwei 27 mm Maschinenkanonen von IWKA-Mauser bewaffnet, die unterhalb des Cockpitbodens eingebaut sind. Erste Schießversuche mit diesen neuentwickelten Bordwaffen fanden bereits in England statt. Bis Ende März 1976 konnte die P.06 insgesamt vierzehn Testflüge absolvieren, die alle der Waffenerprobung dienten. Darunter befanden sich auch Abwürfe von 1000 lb-Bomben. Am 30. März 1976 flog in Manching die P. 07 (98+06), die als drittes deutsches MRCA gilt und mit dem neuen Tarnanstrich der Luftwaffe versehen ist. Ihre Hauptaufgabe ist der Nachweis von Leistungsdaten des Avioniksystems, während es bei der P. 04 lediglich um Funktionsnachweise ging. Damit tritt die GesamterprobungderTornado bereits in ihre entscheidende Phase ein, denn die Fähigkeit zum automatischen TF-Flug ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Allwettereinsatz des MRCA. Zwei weitere Prototypen gehen in Warton und Caselle ihrer Fertigstellung entgegen. Die P. 08 ist als dritte Maschine für die Avionik-Erprobung vorgesehen, die P. 09 gilt dagegen als zweites Musterflugzeug für weitere Waffenversuche. Beide werden in Kürze mit ihren Erstflügen die Tornado-Erprobung fortsetzen und später auch zu einem vorläufigen Abschluß bringen. Den erwähnten neun Prototypen folgen sechs Vorserienflugzeuge, die in erster Linie für trinationale Truppenversuche unter Einsatzbedingungen vorgesehen sind. Für das Besatzungstraining plant man auf einem Stützpunkt in Nordschottland die Aufstellung einer Einheit, die in ihrer Funktion den seit langem bewährten Operational Conversion Units (OCU) der Royal Air Force gleichen soll. Außerdem will man in Schottland eine Tiefstflugstrecke einrichten und auch den Luftstützpunkt Decimomannu/Sardinien in die Ausbildung und das spätere Routine-Training der Tornado-Piloten mit einbeziehen. Entsprechende Verhandlungen sind bereits im Gang. Erwähnenswert dürfte diesbezüglich ferner sein, daß die US Air Force ihre anfängliche Abneigung gegenüber dem europäischen Mehrzweck-Kampfflugzeug Tornado aufgegeben hat. Sie bietet nunmehr sogar gemeinsame TF-Trainingsflüge mit den in Upper Heyford/ England stationierten F-111E der 20th Tactical Fighter Wing und auch die Benutzung des dort befindlichen Simulators an.
Zusammenfassend muß man feststellen, daß bisher alles getan wurde, um den Luftstreitkräften der drei am MRCA-Programm beteiligten Länder ab 1979/1980 ein "maßgeschneidertes" Mehrzweck-Kampfflugzeug übergeben, zu können, das sie zur Erfüllung ihrer Verteidigungsaufgaben dringend benötigen. Mit der Tornado wurde auf europäischer Ebene ein Hochleistungs-Waffensystem entwickelt, das bereits in seinem Prototypenstadium eine relativ hohe Zuverlässigkeit aufweist. Über die technische Konzeption der Tornado haben wir in FR 5/1975 ausführlich berichtet. Wir werden allerdings auch ihre Weiterentwicklung nicht aus dem Auge verlieren. Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 6/76 Copyright 1976/2001 by Motor-Presse Stuttgart. All rights reserved. Last updated 5 Juni 2001 FLUG REVUE, Ubierstr. 83, 53173 Bonn, Germany |