F
R

7
-
7
6


Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 7/76

LEARSTAR 600

Wie bereits in Heft 6/76 kurz berichtet, hat das kanadische Unternehmen Canadair Ltd. in Montreal die weltweiten Exklusivrechte für den neuen zweistrahligen Zubringer- und Geschäftsreise-Jet LearStar 600 erworben. Das Konzept für dieses Flugzeug stammt von dem bekannten Konstrukteur William P. Lear, der mit seiner mittlerweile in über 600 Stück produzierten Learjet-Baureihe einen Meilenstein im strahlgetriebenen Geschäftsreiseflug gesetzt hat. Nachdem Bill Lear mit der LearStar 600 -, in der Hoffnung, das Flugzeug in die Produktion zu bekommen - an die Firmen Gates Learjet und Vought Corporation sowie an andere US-Unternehmen herangetreten, aber zu keinem positiven Ergebnis gelangt war, kam nun die "Ehe" mit Canadair zustande. - Eine erste Kurzbeschreibung der LearStar 600.

Canadair-Chef F. R. Kearns erklärte, sein Unternehmen werde sich vornehmlich um das Marketing für die neue LearStar 600 kümmern, während Bill Lear seinerseits zusätzliche Windkanalversuche durchführen wird, um den Entwurf zu verfeinern und verschiedene Modifikationen zu realisieren.

LearStar 600: Modell

Auf die Frage, ab welcher Auftragszahl die Entscheidung zur Serienfertigung fallen werde, antwortete Kearns: "Bei einer Zahl von 40 bis 50 Festbestellungen. Wir glauben, daß wir keine Probleme haben werden, um diese Zahl zu erreichen. Zahlreiche Operators von Geschäftsreiseflugzeugen haben bereits Interesse an diesem Flugzeug bekundet. Die LearStar wird auch unter Part 26 zugelassen, so daß wir mitanderen potentiellen Kunden wie Fracht- und Post-Carriern rechnen können."

Auf der Pressekonferenz in New York, die von Canadair abgehalten wurde, sagte Bill Lear, er glaube an den Verkauf von ca. 2500 LearStar 600 in den nächsten 25 Jahren. Als Terminziel für die Erstauslieferung des Serienflugzeugs nannte Lear das Jahr 1979 ist aber fest davon überzeugt: den ersten Prototyp innerhalb von einem Jahr "in der Luft'' zu haben; die Musterzulassung soll dann ein halbes Jahr später erteilt werden.

Das Marketing-Programm steht unter der Leitung von James Taylor, der bereits große Erfolge bei der Vermarktung der Fan Jet Falcon von Dassault und der Citation von Cessna verzeichnen konnte. Zum Sales-Team gehören aber auch so bewährte Leute wie Sandor "Alex" Kvassay und Alexandre Couvelaire: Kvassay ist für seine internationale Verkaufstätigkeit für das Learjet-Programm bekannt, Couvelaire ist Präsident und Generaldirektor der Firma Euralair auf dem Flughafen Bourget.

Einige Worte zum Entwurf der LearStar 600 (je nach Fortschritt der Entwicklungsarbeiten werden wir auch in Zukunft über dieses Vorhaben berichten):

Der Entwurf der LearStar 600 zielt auf eine Geschwindigkeitsleistung von Mach 0,90 ab, wobei die Höchstgeschwindigkeit auf Mach 0,95 ausgelegt ist. Nach Angaben von Bill Lear lassen die bisher gefahrenen Windkanalversuche darauf schließen, daß diese rechnerischen Geschwindigkeiten auch de facto erreicht werden.

Falls die FAA zustimmt, will ma die Gipfelhöhe auf maximal 49000 ft schrauben (14935 m). Das Abfluggewicht der von zwei Turbofantriebwerken des Typs Lycoming ALF 502D von je 5897 kp maximaler Schubleistung angetriebenen Flugzeugs wird mit 11790 kg angegeben, die maximale Nutzlast soll 3400 kg betragen.

Die Entwicklungsarbeiten an der LearStar 600 laufen jetzt seit zwei Jahren. Wie in New York auf der Pressekonferenz verlautete, konzentrierte man sich zuerst auf einen dreistrahligen Entwurf, aber Lear vertritt die Meinung, mit dieser Konfiguration und unter Zugrundelegung sämtlicher dafür in Frage kommender, auf dem Weltmarkt verfügbarer Triebwerktypen hätte sich die von den Kunden benötigte maximale Reichweite von 8500 km nonstop nicht erzielen lassen. Lear fügte hinzu, auch mit der jetzigen Triebwerkauslegung wäre dieses Ziel nicht erreichbar gewesen, hätte man nicht auf die Technologien des superkritischen Flügels und der Flächenregel zurückgegriffen, die von Dr. John Whitcomb von der NASA entwickelt wurden.

Allerdings fand die Flächenregel nicht am Rumpf, sondern an den Triebwerkgondeln und -streben Anwendung. Wie Lear behauptet, werden die aerodynamischen Verbesserungen dadurch jenen Ergebnissen gleichkommen, die man ansonsten durch Einschnüren des Rumpfes im Tragflächenbereich ("Wespentaille") erzielen würde - bei wesentlich höherem konstruktivem Aufwand.

Zur Zeit sind folgende Versionen der LearStar 600 vorgesehen: eine Langstrecken-Exekutive-Ausführung, die mit acht Passagieren an Bord eine Reichweite von ca. 6400 km erzielt; eine Zubringerversion für 30 Passagiere und 450 kg Gepäck (fünf Streckensegmente von je 160 km Länge ohne Auftanken bei einer Fluggeschwindigkeit von Mach 0,80); und schließlich eine reine Frachtausführung mit 3400 kg Nutzlast (Reichweite 3200 km, Reisegeschwindigkeit Mach 0.75).

Als Preis für die LearStar 600 wurde auf der Pressekonferenz in New York ein Betrag zwischen $ 3 und 4 Mio. genannt, "aber eher an der unteren Grenze dieses Bereichs". Zum Verkauf gelangt die LearStar 600 ohne Kabinen-Ausstattung als sogenanntes "grünes Flugzeug". Die FAA-Zulassung für das Triebwerk dürfte bei Erscheinen dieser Ausgabe bereits vorliegen. Howard Levy


Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 7/76
Copyright 1976/2001 by Motor-Presse Stuttgart. All rights reserved.
Last updated 2 Juli 2001
FLUG REVUE, Ubierstr. 83, 53173 Bonn, Germany