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SALJUT 5 - SOJUS 21

Am 22. Juni 1976 setze die UdSSR ihr Raumstationsprogramm mit dem Start der Station Saljut 5 fort. Ihr folgte zwei Wochen später am 6. Juli das bemannte Raumfahrzeug Sojus 21 mit Boris Wolynow und Witali Scholobow. Tags darauf erfolgte die Kopplung der beiden Flugkörper und der Umstieg der Piloten in die Station. Das 25 t schwere, 23 m lange und 4,15 m breite System fliegt in einer Bahn mit rund 275 km Erdentfernung. Saljut 5 verfügt erstmals über zwei Andockeinheiten. In den ersten vier Flugwochen bis Ende Juli erfüllte die Besatzung an Bord ein umfangreiches Programm in den Gebieten Erderkundung, Weltraumphysik, Technologie, Medizin und Biologie.

Zur Erderkundung benutzte die Crew den Hand-Spektrographen RSS-2M. Dieses erst im Orbit geeichte Gerät machte Spektrogramme von Naturobjekten der Erdoberfläche im Wolgagebiet, der Nichtschwarzerdezone und Mittelasien zum Studium von Naturressourcen, für Geologie, Wasser- und Forstwirtschaft.

Umweltschutz- und Klimaforschung dienen dagegen Aufnahmen von Erscheinungen in der Erdatmosphäre. So machte z. B. Scholobow über Afrika zwei Minuten lang alle fünf Sekunden Aufnahmen von der horizontnahen Sonne. Die durch die Lufthülle verminderte Sonnenhelligkeit läßt Rückschlüsse auf die Verunreinigung der Atmosphäre durch Aerosole zu. Diese Staubteilchen entstehen durch Vulkanausbrüche, Staubstürme, Industrieabgase und Flugzeuge und beeinflussen die Sonneneinstrahlung. Aufnahmen erfolgten auch von den rätselhaften sog. Silberwolken und vom Erdhorizont bei Dämmerung. Ein 40 km breites Querschnittprofil der Atmosphäre ermöglicht dabei die Bestimmung ihres Wasserdampfund Ozongehaltes.

Der Programmpunkt Technologie enthielt u. a. ein Metallurgie-Experiment. Dabei erforschte man den Prozeß des Schmelzens und Erstarrens von Flüssigmetall-Rohlingen im Raum. Bei dem "Sphäre" genannten Versuch schmolz die Crew in einem Ofen bei 600 C sieben Wood-Legierungen aus Wismut, Blei, Zinn und Kadmium. Die flüssigen Tropfen gelangten dann in einen luftgefüllten Lawsan-Sack. Hier formten sie sich in der Schwerelosigkeit zu kleinen ideal runden Kugeln mit glatter Oberfläche. Später wurden die erstarrten Kugeln eingesammelt. Nach der Landung wird man sie im Labor metallographisch untersuchen. So im Raum erzeugte superreine Metalle sind Z . B. für die Radioelektronik wich tig.

Dem Studium von Flüssigkeitsbewegungen im Raum diente die Anlage "Potek" aus zwei durch einen Kanal verbundenen Kolben. Kapillarkräfte zogen dabei Flüssigkeit aus einem Kolben in den anderen. Beim Versuch "Kristall" wurde dagegen das Wachstum von Saphir-Kristallen in der Schwerelosigkeit erforscht. Dazu setzte man in eine Kaliumalaun-Lösung dreier Kristallisationsgefäße eines Thermostaten kleine Impfkristalle ein. In der Folge bildeten sich daraus zwei blaue und ein durchsichtiger Einkristall. Die großen, harten, reinen und für die Elektronik wichtigen Kristalle sollen auf der Erde gründlich analysiert werden.

Im Programm Biologie untersuchte man die Auswirkungen von Schwerelosigkeit und Strahlung auf Mikroorganismen, Tiere und Pflanzen. In einem Aquarium befand sich dazu ein Pärchen GuppyFische. Film- und TV-Kameras nahmen ihr Verhalten zueinander sowie ihre Reaktion auf Blinksignale einer Lampe auf. Das Weibchen brachte Nachkommen zur Welt. Die Fische orientierten sich visuell nach einer Luftblase am oberen Wasserrand. In einem 23 Grad C warmen Brutkasten entwickelte sich ferner 12 Tage lang völlig normal befruchteter Fischlaich. Aus den Eiern schlüpften Jungfische. Ihr Gleichgewichtsorgan will man auf der Erde mit jenem von Kontrolltieren vergleichen. Ähnlichen Studien von Erbmutationen dienten auch Versuche mit Taufliegen, dem Unkraut Krepis und trockenem Samen.


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Last updated 3. September 2001
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