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FLUGHAFEN-TEST

Sind unsere Flughäfen tatsächlich so passagierunfreundlich, wie es in der Tagespresse vielfach dargestellt wird? Haben sich Flughafenarchitekten und -erbauer wirklich verplant und die "humane Seite", die für den Passagier auch sehr wichtig ist, vergessen? Haben Flughafendirektoren nur an die wirtschaftlichen Vorteile der großen Airlines gedacht?

Fragen über Fragen, auf die wir eine Antwort haben wollten. FLUG REVUE + flugweit hat deshalb auf elf deutschen Flughäfen einen Test gemacht. Wir wollten wissen, welche Zeit beispielsweise ein Fluggast benötigt, um an die Gepäckausgabe zu kommen, und wie lange seine Koffer brauchen, bis er sie nach dem Flug in Empfang nehmen kann.

Natürlich handelt es sich um Momentaufnahmen. Die gestoppten Zeiten können sich von Tag zu Tag und von Flughafen zu Flughafen ändern. Dennoch beweist dieser Test, daß die deutschen Flughäfen viel passagierfreundlicher sind, als allgemein geschildert wird. Daß sie nicht durchweg ideal sind, dem Passagier nicht immer die gewünschte Annehmlichkeit bieten, bleibt unbestritten.

Natürlich wird der Fluggast bei einer Verkehrsspitze länger auf sein Gepäck warten müssen. Das ist jedoch von den Flughafengesellschaften beim besten Willen betriebswirtschaftlich nicht besser zu lösen. Es ist schon ein Unterschied, ob Geschäftsleute mit dem Aktenkoffer oder Urlauber mit Übergepäck mit in der Maschine sitzen.

Natürlich - und das kommt hinzu -ist der internationale Airport Frankfurt nur bedingt mit dem nationalen Flughafen Saarbrücken zu vergleichen. Die Anzahl der Flugbewegungen und die zu transportierenden Gepäckmassen auf Rhein-Main sind andere als auf Ensheim. Der Fachmann weiß dies, und der Flugreisende sollte es auch berücksichtigen.

Doch nun zu den Ergebnissen: Die Tester von FLUG REVUE + flugwelt haben 1. die Zeit gestoppt, die der Passagier normalerweise vom Verlassen des Flugzeuges bis zur Gepäckausgabe braucht, und 2. wurde festgestellt, wie lange es vom öffnen der Kabinentür und der Ladeluken an dauert, bis der erste Koffer zum Abholen auf der Gepäckrampe oder auf dem Förderband erscheint.

Natürlich wollen wir die Ergebnisse, die aui den folgenden Seiten zu lesen sind, nicht vorwegnehmen. Aber ein Fazit muß schon in dieser Spalte gezogen werden: Hamburg-Fuhlsbüttel gehört zu den "ganz schnellen". Dafür gibt es auf dem Flughafen Bremen das preiswerteste Bier. In Hannover-Langenhagen kostet, wohl nach der Devise "non olet", die Toilettenbenutzung 40 Pfennig, und München-Riem kann sich freundlicher Dienstmänner rühmen.

Hamburg

Hier ist nichts von hanseatischer Bedächtigkeit zu spüren. Pünktlich landet Flugkapitän Seib mit seiner Boeing 737. Die Gangway wird herangefahren - 48 Passagiere steigen aus, fahren mit dem Bus über das Rollfeld und müssen dann noch ein paar Meter zu Fuß durch das Flughafengebäude. Nach genau einer Minute und 56 Sekunden sind wir am Gepäckförderband. Die Koffer der Passagiere des Lufthansa-Fluges LH 781 liegen zwei Minuten und 55 Sekunden, nachdem Flughafenbedienstete mit dem Entladen der Maschine begonnen haben, zum Abholen bereit. Aber es gibt zu wenig Kofferkulis. Erfreulich hingegen, daß abreisende Fluggäste, nachdem sie die Kontrollen schon passiert haben, in der Snackbar des Wartesaals noch etwas trinken oder eine Kleinigkeit essen können.

Düsseldorf

Nach einem Flug bei etwas böigem Wetter landet Flugkapitän Gollnick mit seinem City-Jet, der lediglich mit 24 Passagieren besetzt ist; allem Anschein nach fast ausschließlich Geschäftsreisende. Für die Strecke vom Flugzeug bis zum Gepäckförderband brauchen wir zwei Minuten und 40 Sekunden. Nach insgesamt drei Minuten und 15 Sekunden nimmt der erste Passagier seinen Koffer auf. Aber dann wird es kritisch: Kofferkulis sind in Düsseldorf-Lohausen, wo man sie der langen Wege halber gut gebrauchen kann, kaum zu finden. Gut geschätzt, müßten rund 200 Kofferkulis mehr vorhanden sein, um den Flughafen im Ansehen der Passagiere steigen zu lassen.

Saarbrücken

Fast auf die Minute pünktlich setzt Flugkapitän Plattner seine Boeing 737 auf die Landebahn. Die 28 Passagiere des Fluges LH 899 verlassen die Maschine. Die Stoppuhr läuft. Nach einem kurzen Gang über das Rollfeld, ungefähr 60 Meter, stehen wir innerhalb von zwei Minuten und 32 Sekunden am Förderband, wo schließlich nach genau drei Minuten und 50 Sekunden der erste Passagier sein Gepäck in Empfang nimmt. Ansonsten gibt sich der saarländische Flughafen gemütlich: wenige Reisende, kaum Lautsprecheransagen und eine anheimelnde Flugplatzkneipe.

Bremen

Von dem Zeitpunkt, zu dem die Gangway an den Rumpf des CityJets angelegt wird, bis zu der Halle, in der das Gepäckförderband steht, vergehen eine Minute und 10 Sekunden. Und bis der erste der 15 Passagiere, welche die nach London weiterfliegende Boeing 737 in Bremen verlassen, sein Gepäck in den Händen hat, stoppe ich eine Gesamtzeit von vier Minuten 15 Sekunden. Auch hier sind Kofferkulis Mangelware. Dafür gibt es in Bremen unter allen deutschen Airports das billigste Bier, preislich gesehen. 0,33 Liter kosten DM 2,20. Sehr lobenswert.

Köln

Trotz eines unruhigen Fluges durch eine Wetterfront setzt Flugkapitän Wassmuth seine Boeing 737 pünktlich auf die Rollbahn. Die Fingerbrücke wird aus dem Terminal herausgefahren, und die 31 Passagiere des Fluges LH 878 verlassen die Maschine. Bis zur Gepäckausgabe vergehen zwei Minuten und 26 Sekunden. Als der erste Fluggast seinen Koffer vom Band nimmt, zeigt die Stoppuhr fünf Minuten und 11 Sekunden. Kofferkulis sind ausreichend vorhanden. Im Wartesaal, nur für Fluggäste zugänglich, gibt es eine wohlbestückte Bar und gemütliche, gepolsterte Sitzbänke, auf denen es sich, mit dezenter Musik im Ohr, gut warten läßt.

Hannover

Pünktlich wie bei allen anderen Flügen für diesen Test landen wir. Die 49 Gäste des Fluges LH 127 gehen durch die Fingerbrücke ins Empfangsgebäude. Schon eine Minute und 32 Sekunden, nachdem wir die Boeing 737 verlassen haben, stehen wir am Gepäckförderband. Nach insgesamt fünf Minuten und 20 Sekunden kann der erste Passagier sein Gepäck schnappen. Aber auch hier gibt es zu wenig Kofferkulis. Und noch etwas: Mit einem Preis von 40 Pfennig für dieToilettenbenutzung hält Langenhagen den traurigen Rekord unter Deutschlands Verkehrsflughäfen. Andererseits wirken bequeme gepolsterte Bänke überall und dezente Hintergrundmusik auf den Passagier sehr angenehm.

München

Nach einer pünktlichen Landung des City-Jets aus Hamburg können die 40 Passagiere des Fluges LH 972 kurze Zeit später ihr Gepäck in Empfang nehmen. Doch zunächst stoppe ich vier Minuten, und 38 Sekunden für die Fahrt mit dem Flughafen-Bus und ein paar Meter zu Fuß. Genau sechs Minuten und fünf Sekunden, nachdem mit dem Entladen der Maschine begonnen worden ist, hebt der erste Fluggast seinen Koffer vom Förderband. Danach beginnt die Suche nach den Kofferkulis; sie sind schwer zu finden. Dafür ibt es aber hier freundliche Dienstmänner. Befremdend wirkt wiederum, daß die Anzeigetafeln des Airports nicht die Flugziele, sondern nur die Flugnummern anzeigen.

Stuttgart

Kurz vor dem Empfangsgebäude rollt die Boeing 737 aus, die Gangway wird herangefahren, Bedienstete des Flughafens beginnen mit dem Entladen der Maschine. Als ich auf die Gangway gehe, schalte ich die Stoppuhr ein. Vier Minuten und 2 Sekunden später stehe ich nach einem kurzen Weg durch das Flughafengebäude am Gepäckförderband. Wenig später werden die ersten Gepäckstücke herangefahren. Nach genau sechs Minuten und 25 Sekunden kann der erste der 25 Passagiere seinen Koffer vom Transportband herunternehmen. Doch wie anderswo ebenfalls müssen die meisten Fluggäste auch hier ihre Koffer tragen: Kulis sind Mangelware.

Berlin

Ab Frankfurt Rhein-Main mit der PanAm, Flug-Nummer 649, um 14.20 Uhr nach Berlin-Tegel - bei sehr schönem Wetter und mit 46 Passagieren an Bord. Im Luftkorridor keine besonderen Vorkommnisse. Pünktliche Landung. Der Airport ist brandneu und entsprechend modern - ein Flugplatz der extrem kurzen Wege. Kein Wunder, daß vom öffnen der Kabinentür bis zum Gepäckschalter nur 51 Sekunden vergehen. Nun dauert es allerdings ein bißchen. Immerhin: nach sechs Minuten und 31 Sekunden erscheint der erste Koffer. Vom vielgerühmten Berliner Tempo läßt sich da wohl nicht sprechen.

Nürnberg

Mit rund zehn Minuten Verspätung landet unsere Boeing 727. Die 80 Passagiere des Fluges LH 881 von Frankfurt nach Nürnberg verlassen den Europa-Jet. Für den kurzen Gang vom Flugzeug zum Gepäckförderband, das in einer neuerbauten Halle steht, lese ich zwei Minuten und 20 Sekunden ab. Die Zeiger laufen weiter. Sechs Minuten und 45 Sekunden, nachdem das Flughafenpersonal begonnen hat, die Lufthansa-Boeing zu entladen, fährt der erste Koffer seinem Besitzer entgegen. Und dann - es scheint wie ein Wunder - stellen die Passagiere fest, daß es hier in Nürnberg Kofferkulis in ausreichender Menge gibt.

Frankfurt

Beim Flug LH 716 von Bremen nach Frankfurt sind 81 Passagiere an Bord des Europa-Jets. Flugkapitän Kueipers hat die Boeing 727 pünktlich gelandet und sie zum Terminal B gerollt. Die Fingerbrücke wird angelegt, gleichzeitig beginnt das Entladen der Maschine. Ein Blick auf die Stoppuhr: vier Minuten und 30 Sekunden, nachdem ich die Boeing verlassen habe, stehe ich dank der gut funktionierenden Personenförderbänder am Gepäckförderband, und sieben Minuten 12 Sekunden nach dem Entladen ergreift der erste Passagier sein Gepäck. Bei den Entfernungen, die die Fluggäste auf dem größten deutschen Flughafen zurücklegen müssen, immer noch respektabel.

Frankfurt

Zurück im Berlin-Flugverkehr von Tegel nach Rhein-Main in einer knappen Stunde. An Bord der PanAm-Maschine sind 122 Passagiere. Der Flug wird fast auf die Sekunde genau beendet. Doch vom Aufschwingen der Kabinentür, durch die Fingerbrücke, über das Personenförderband, nach einem beachtlichen Fußmarsch, den Hinweisschilder in die erforderliche Richtung dirigieren, über Steinstufen und Rolltreppen hinab, vergehen sieben Minuten und 45 Sekunden, bis der Fluggast an der Gepäckförderanlage steht. Er tut gut daran, sich mit Geduld zu wappnen: der erste Koffer des Berlinfluges Nummer 699 erscheint erst nach 25 Minuten und 45 Sekunden auf dem Förderband. Dieter Riwola, Andreas Kroemer


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Last updated 2. Oktober 2001
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