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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 11/76 RAUMFLUG SOJUS 22 MIT BETEILIGUNG DER DDRFür Kontrolle, Studium und rationelle Nutzung von Naturressourcen in der UdSSR und DDR führte die Sowjetunion im September 1976 den Raumflug Sojus22 durch. Das mit dem erfahrenen Wostok-5Piloten Waleri Bykowski (42 Jahre) und dem erstmals im All fliegenden Raumfahrttechniker Wladimir Aksjonow (41) bemannte Fahrzeug machte dabei aus der Erdumlaufbahn Aufnahmen von verschiedenen Gebieten beider Länder für mehrere Volkswirtschaftszweige, wie Geologie, Kartographie, Hydrologie, Land-, Forst- und Fischwirtschaft. Sie sollen Staaten- und Waldzustand, Gewässerverschmutzung, Fischvorräte, Brüche in Erdmantel und Erdrinde und somit Bodenschatzvorkommen zeigen sowie Karten und die Beurteilung von Wasserressourcen ermöglichen. Sojus 22 verfügte dazu über das von der UdSSR und DDR gemeinsam entwickelte und in der DDR vom VEB Carl Zeiss Jena hergestellte Multispektral-Fotokamerasystem MKF-6 mit 6 in verschiedenen Wellenbereichen arbeitenden Objektiven: Vier im sichtbaren und zwei im unsichtbaren Infrarot-Bereich. Dieses System befand sich in einer am vorderen Ende der Orbitalsektion montierten 1,3 m im Durchmesser großen Fotosektion. Die durch eine 42 cm große Öffnung gemachten Schwarzweiß-Aufnahmen von etwa 30 zuvor festgelegten Gebieten zeigen Details ab 20 m Größe und ermög1ichen bei der Auswertung synthetisierte Farbbilder. Jede Aufnahme hielt auf einem 55 x 80 mm großen Filmstück 115 x 165 km oder etwa 19 000 qkm Erdoberfläche fest. Binnen jeweils 10 min lieferte die von Aksjonow von einem Steuerungspult aus bediente Kamera Stereobildpaare von 500000 qkm Erdoberfläche bzw. in 8 Tagen Bildmaterial von etwa 50 Mio qkm . Eine Vorrichtung zum Ausgleichen der Raumfahrzeugbewegung verhinderte ungenaue, verwischte Aufnahmen. Ihr Informationsgehalt ist bedeutend größer als jener normaler Fotos. Parallel dazu erfolgten in einigen Gebieten für die Bildinterpretation nötige bodengebundene Messungen sowie Multispektral-Luftbildaufnahmen in etwa 7 km Höhe aus einem sowjetischen Flugzeuglabor An-30. Der Start von Sojus 22 erfolgte am 15. 9. Um 10h:48m:30s MEZ in Baikonur in Anwesenheit einer DDR-Regierungsdelegation. Zwei kleinere Korrekturen führten zu einem planmäßigen, nur 2,3 km vom Idealwert abweichenden Orbit mit den Daten T =89,6 min, P = 250 km, A = 280 km und einer für Sojus erstmaligen Inklination von 65 Grad. Die Aufnahmeserie begann in der 14. Runde über Sibirien. Im weiteren Verlauf folgten Fotos von verschiedenen Gegenden der UdSSR vom europäischen Teil über Mittelasien bis zur Pazifikküste, darunter von Gebieten an der zur Zeit in Bau befindlichen 3000 km langen Eisenbahn Baikal - Amur. Erste Aufnahmen der DDR folgten am 19. 9. in der 67. Runde ab 13.22 h auf der 230 km langen SW-NO-Strecke von Bad Brambach-Plauen bis Eisenhüttenstadt bei zunächst starker, dann wechselnder Bewölkung. Bessere Sicht herrschte beim 2. DDR-Überflug am 20. 9. ab 13.18 h in der 83. Runde entlang der 500-km-Linie Eisenach, Ruhla, Aschersleben, Magdeburg, Prenzlau, wobei alle 3 sec eine Aufnahme gemacht wurde. Der 3. Überflug fand am 21. 9. ab 13.10 h auf der Linie Schwerin - Rostock - Kap Arkona statt. Weitere Aufnahmen erfolgten vom Erdhorizont, vom Mond und der Wolkendecke der Erde u. a. für Meteorologie. Die Flugüberwachung besorgten das Kontrollzentrum Kaliningrad bei Moskau unter Mitarbeit einer Konsultativgruppe aus der DDR, Bodenstationen in der UdSSR sowie Bahnverfolgungsschiffe im Atlantik. Die mit Solarzellen betriebene Sojus 22 war ursprünglich die Reserve-Sojus des vorjährigen Sojus 19-Apollo-Unternehmens. Anstelle des Kopplungsaggregats trug sie nunmehr die neue Fotosektion. Außerdem enthielt das Flugprogramm wissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Versuche, darunter zur Aufzucht von Pflanzenkeimen. Der am 23. 9. erfolgreich beendete Flug erfolgte im Rahmen des lnterkosmos-Programms der neun RGW-Länder. Als erstes Interkosmos-Land war dabei die DDR erstmals an einem bemannten Raumflug beteiligt.
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