F
R

1
2
-
7
6


Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 12/76

MIG-25 IN JAPAN

Es war zu erwarten, daß die Ergebnisse der MiG-25-Untersuchung in Japan nicht voll veröffentlicht würden. Trotzdem gab und gibt es natürlich diverse Quellen, aus denen sich allmählich ein detaillierteres Bild über diese Maschine ergibt. Die Geheimniskrämerei führte aber auch zu manchen Fehlinformationen in der westlichen Presse, so z.B. als ein amerikanisches Nachrichtenmagazin zu berichten wußte, daß die MiG-25 angeblich keinen Schleudersitz habe. Wie wir schon in FR 11/76 geschrieben haben, trifft dies nicht zu: Die MiG-25 hat einen Schleudersitz. Viel Furore hat in Japan ein Katalog zur Luftfahrtschau in Tokio gemacht, in dem technische Daten und eine Phantomzeichnung der MiG-25 veröffentlicht wurden. Wir wollen unseren Lesern diese Informationen nicht vorenthalten.

Die detailierten Untersuchungen der nach Japan entführten MiG-25 (FR 10 und 11/76) stehen nahezu.vor dem Abschluß. Natürlich wurden über die Ergebnisse der Untersuchung nur sehr wenige Informationen bekannt. Unser Japan-Korrespondent Eiichiro Sekigawa teilte uns jedoch mit, daß am 2. Oktober 1976 auf dem Militärflugplatz Hyakuri, wohin die Maschine per Lufttransport gebracht worden war-, eine Reihe von Triebwerksläufen durchgeführt wurden, die insgesamt 1 h und 20 Minuten dauerten. Dabei stellte man u. a. fest, daß die beiden Tumansky R-266 sehr wenig Rauch erzeugten. Zwei RF-4EJ der japanischen Luftstreitkräfte überflogen während der Triebwerksläufe das Testgelände, um präzise Aufnahmen der Infrarot-Abstrahlung der MiG-25-Triebwerke zu machen.

Zu den neuen Informationen gehört auch, daß zu den vier Flügelstationen keine Treibstoffleitungen verlegt sind, so daß die MiG-25 keine Zusatztanks an den Flügeln aufnehmen kann. Die MiG-25 hat auch keinerlei Luftbremsen oder Spoiler.

Eine Reihe von technischen Daten war überraschenderweise im Katalog für die japanische Luftfahrtschau in Tokio veröffentlicht, dessen Verkauf jedoch auf Einspruch des japanischen Außenministeriums schon nach dem ersten Tag eingestellt, und erst nach Entfernung der betreffenden Seiten zu reduziertem Preis weitergeführt worden war. Aus dieser Quelle stammen die folgenden Daten und Leistungsangaben.

Als Abmessungen werden genannt: Spannweite 14,00 m, Länge 21,00 m und Höhe 5,60 m. Aus der Flügelfläche von 56,00 qm und dem Fluggewicht von 37,0 t ergibt sich eine Flächenbelastung von 660 kg/ qm. Der Schub liegt pro Triebwerk bei 7,6 t trocken und 11,0 t mit Nachbrenner. Als Höchstgeschwindigkeit nennt der Katalog Mach 3,2 (3400 km/h), als Dienstgipfelhöhe 22000 m und als maximale Reichweite 2700 km. Ebenfalls aus dieser Quelle stammt die auf diesen Seiten gezeigte Durchsicht-Zeichnung der MiG-25. Wenn man sie auch mit großem Vorbehalt beurteilen muß, da der Zeichner Suzuki keinen vollen Einblick in die Untersuchungsunterlagen hatte, so gibt sie doch einen ersten Eindruck vom strukturellen Aufbau.

Im Zusammenhang mit der MiG-25-Entführung sei an einige Fälle erinnert, als Flugzeuge des Warschauer Pakts seit 1955 in der Bundesrepublik notgelandet sind. Auf Anfrage teilte uns das Bundesverteidigungsministerium mit, daß 1967 eine MiG-15 und 1969 eine MIG-21, beide in Bayern, und 1974 eine Su-7 in Niedersachsen "abgestürzt" seien. Zu unseren Fragen, ob diese Maschinen von deutschen und/oder amerikanischen Experten untersucht, und unter weichen Umständen wieder zurückgegeben wurden, lehnte das BMVg eine Auskunft ab.

Zurück zur MiG-25 - die durch Belenkos Flucht ermöglichte Inspektion dieses lange Zeit geheimnisumwitterten Flugzeugtyps hat nicht nur die Schwächen dieser Maschine aufgezeigt, sondern die Fähigkeit der sowjetischen Flugzeugbauer, mit zwar oft primitiv wirkenden Mitteln höchste Leistungen zu erzielen - und das schon vor mehr als zehn Jahren.


Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 12/76
Copyright 1976/2001 by Motor-Presse Stuttgart. All rights reserved.
Last updated 12 December 2001
FLUG REVUE, Ubierstr. 83, 53173 Bonn, Germany