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Grob Twin Astir

Der lange erwartete GFK-Doppelsitzer aus dem Stall des Grob-Flugzeugbaues im bayerischen Mindelheim ist da. Diesem Twin Astir sollte der längst überfällige Einbruch der GFK-Technik in die Schul- und Trainingsfliegerei gelingen. Der Preis von unter DM 40000 ist eine gute Ausgangsbasis. Angekündigt wurde von Grob darüber hinaus eine zusätzliche Astir-Version, die CS 77.

Silvester 1976: Auf dem Flugplatz Mindelheim startet ein Schleppzug, hinter einer Robin Remorqueur hebt der brandneue GFK-Doppelsitzer Twin Astir zu seinem Erstflug ab. Der Pilot berichtet über seine ersten Eindrücke:

„Nach dem Anschleppen ließ sich die Querlage sofort stabilisieren. Bei etwa 60 km/h hob der Sporn ab. Ab 75 km/h hob die Maschine selbständig ab. Der Schlepp bis 1200 m Höhe verlief bei 130 km/h ruhig, wobei die angenehme Ruderabstimmung und die geringen Steuerdrücke auffielen. Nach dem Ausklinken verringerte ich Geschwindigkeit auf 70 km/h, hier begann die Fahrtanzeige leicht zu zittern. Bei weiterem Ziehen ging die Fahrtanzeige auf 60 und dann auf 50 km/h zurück. Deutliches Schütteln des Flugzeuges zeigte den Sackflugzustand an. Die Maschine ließ sich hierbei in ihrer Fluglage einwandfrei halten.

Im Schnellflug bis 170 km/h traten keine Vibrationen oder Schüttelerscheinungen auf. Das Flugzeug hielt bei eingetrimmter Geschwindigkeit und losgelassener Steuerung Schräglage und Flugrichtung bei. Die Kurvenwendezeit wird bei ca. 6 Sekunden liegen. Die leichtgängige Steuerung, die Wendigkeit und die ausgezeichnete Sicht nach allen Seiten ergaben schon beim Erstflug eine rasche Eingewöhnung in die Handhabung des Flugzeuges.

Die Bremsklappen erzeugen einen steilen Gleitwinkel. Der Slip bei voll ausgeschlagenem Seitenruder scheint äußerst wirksam und führt zu Schiebewinkeln bis 50 Grad. Landeanflug und Landung verliefen dementsprechend harmlos. Das Aufsetzverhalten der Twin Astir ist mit dem von Übungsdoppelsitzern vergleichbar."

Eigentlich hätte der Erstflug des Twin Astir schon im März 1976 stattfinden sollen (siehe FR 11/75). Aber nachdem damals in der Serie des Astir CS noch eine Reihe von Verbesserungen zur Einführung anstanden, stellte man bei Grob den Twin Astir noch zurück, um alle neuen Erkenntnisse auch in diesem Doppelsitzer verwirklichen zu können. So wurden, um die Leichtgängigkeit aller Ruder zu gewährleisten, konsequent Drehhebel verwendet und Führungshülsen für Schubstangen auf ein Minimum reduziert.

Die Steuerungs- und Fahrwerksbaugruppen wurden - wie auch im Astir CS - fast ausschließlich in Aluminium-Guß hergestellt. Der Clou des Twin Astir ist das Einziehfahrwerk, das bei einem Doppelsitzer wesentlich schwieriger zu realisieren ist als bei einem Einsitzer. Denn sowohl der hintere Sitz als auch das Fahrwerk müssen in Schwerpunktnähe liegen, so daß erhebliche Platzprobleme entstehen, wenn man von einer annehmbaren Gestaltung der Rumpfform ausgeht. Grob hat dieses Problem dadurch gelöst, daß das Rad beim Einfahren um 90 Grad gedreht wird und somit flach unter dem hinteren Sitz zu liegen kommt.

Durch das Einziehfahrwerk sind nach Angaben des Herstellers etwa zwei Gleitzahlpunkte zu holen, was die Möglichkeiten zum doppelsitzigen Leistungsflug verbessert. Abgesehen davon kann sich der Schüler frühzeitig an ein Einziehfahrwerk gewöhnen, mit dem er als „Aufsteiger" in einer Leistungsmaschine ohnehin zurechtkommen muß.

Im übrigen ist das vordere Cockpit des Twin Astir weitestgehend dem des Astir CS in der Version 77 (siehe unten) angeglichen, so daß das Umsteigen vom Doppel- auf den Leistungseinsitzer sehr leichtfällt. Überdies hat Grob das Ziel verfolgt, die gutmütigen Flugeigenschaften des Astir voll auf den Twin Astir zu übertragen, so daß man eigentlich nur durch die etwas größere Massenträgheit der Maschine daran erinnert wird, daß man einen Doppelsitzer fliegt.

Auf den Preis angesprochen, stellt Grob fest: „Wir haben im vergangenen Jahr den Preis mit unter DM 40000,- angegeben. Dieses Versprechen wollen wir halten, und wir haben den Preis auf DM 39500,- (o. MWSt) festgelegt, komplett mit Wassertanks und Standardinstrumentierung im vorderen Cockpit im Wert von ca. DM 1400,-, und dieser Preis wird für ein Jahr gehalten."

Natürlich ist die Anschaffung teurer als bei, einer herkömmlichen Gemischbaumaschine, aber Grob stellt nicht zu Unrecht fest, daß die GFK-Maschinen praktisch wartungsfrei sind, während Gemischbaumaschinen etwa alle zwei bis vier Jahre eine Grundüberholung brauchen. Die Lieferungen des Twin Astir werden ab 1. September 1977 erfolgen, und man ist bei Grob auf eine Fertigungskapazität von einer Maschine pro Tag eingerichtet.

Astir CS 77

Ab 1. April liefert Grob eine neue Version der Astir CS mit der Bezeichnung Astir CS 77 aus. Während die generelle Auslegung, die Leistungen und Eigenschaften der bisherigen Ausführung entsprechen, wurde die Rumpfnase um 25 cm länger und 4 cm flacher gestaltet. Große Aufmerksamkeit widmet man bei Grob der Schwerpunktlage (durch geringfügige Rückpfeilung etwas nach vorne gerückt) und den Einzelgewichten (neue Verfahren zur gewichtsoptimalen Harzeintränkung der Glasgewebe werden vorbereitet).

Den Ausbau des Cockpits haben erfahrene Designer aus der Autobranche übernommen. Die Reaktionen der Kunden werden zeigen, ob, wie zunächst geplant, der Astir CS 77 neben der bisherigen Version Astir CS produziert wird, oder ob man sich auf die neue Version völlig umstellen kann. Prinzipiell sind bei Grob in Zukunft die Standardinstrumente werkseitig im Preis inbegriffen, da sich herausgestellt hat, daß Kundeninstrumente oft zu lange auf sich warten lassen und den Einflugbetrieb von durchschnittlich zwei Maschinen pro Tag erheblich verzögern.

Bei der Astir CS gibt es ab Mitte März eine Preiserhöhung um 10% (von DM 22500,- auf 24750,-), wobei allerdings die Instrumente im Wert von ca. DM 1400 eingeschlossen sind, so daß der Preis nur 4 % steigt. Die neue Version Astir CS 77 soll, ebenfalls mit Instrumentierung, DM 26500,- kosten.

So umfaßt das 77er Programm bei Grob nun bereits drei Maschinen, für deren Produktion durch großzügige Hallenerweiterungen Platz geschaffen wurde. Allein von der Astir CS konnten bis Ende 1976 401 Maschinen ausgeliefert werden, und bis Ende dieses Jahres rechnet man mit rund 800. Damit hat sich dieses junge Unternehmen einen beachtlichen Marktanteil gesichert, und man kann davon ausgehen, daß die Typenfamilie in Zukunft noch erweitert wird.   pl


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Last updated 4 April 2002
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