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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 5/77 Neuer US-Kampfhubschrauber HUGHES YAH-64Anfang Dezember 1976 entschied sich die US Army für den neuen Kampfhubschrauber Hughes YAH-64, der während des AAH-Wettbewerbs (Advanced Attack Helikopter) mit dem Bell YAH-63 konkurrierte und einige Pluspunkte für sich verbuchen konnte.Die Forderungen der US Army nach einem modernen Kampfhubschrauber basieren weitgehend auf Erfahrungen aus dem Südostasienkrieg. Hier konnte der Hubschrauber schon während der Anfangsphase der Auseinandersetzungen seine Fähigkeiten als Träger panzerbrechender Waffen voll nachweisen. Als Rückgrat der amerikanischen Heeresflieger galt seinerzeit der Kampfhubschrauber Bell AH-1 Hueycobra, von dem einige neue Versionen für die US Marines und den Export nach wie vor gebaut werden. Die Erfahrungsberichte der Truppe in Vietnam ließen ganz klar erkennen, daß ein gepanzerter und allwettertauglicher Kampfhubschrauber mit noch höherer Feuerkraft für die Gefechtsfeldunterstützung vom größtem Wert sein könnte. Hinzu kam, daß sich etwa zur gleichen Zeit die von Hughes entwickelte, drahtgelenkte Panzerabwehr-Lenkwaffe BGM-71 (TOW) im Truppenversuch befand und ausgezeichnete Ergebnisse erzielen konnte. Die US Army arbeitete im Laufe der Zeit ihre Spezifikationen für ein neues Baumuster aus und gab sie im Rahmen des sogenannten AAH-Wettbewerbs (Advanced Attack Helicopter) an fünf Herstellerfirmen weiter: Boeing-Vertol, Sikorsky, Lockheed, Bell und Hughes. Eine Vorentscheidung fiel bereits nach der Vorlage und Überprüfung der eingereichten Entwürfe. Bell und Hughes erhielten im Juni 1973 den Auftrag zur Fertigung und Erprobung von jeweils zwei Prototypen ihrer Vorschläge YAH-63 und YAH-64. Vorgesehen ist die Beschaffung von 536 Maschinen, deren Auslieferung und Indienststellung bei der US Army 1979/80 beginnen soll. Bei Hughes lief die Mustererprobung des AAH-Bewerbers YAH-64 am 22. Juni 1975 mit ersten Bodenversuchen an und am 30. September startete der erste Prototyp vom Gelände des Flugplatzes Palomar/California zu seinem erfolgreichen Jungfernflug. Ihm folgte schon zwei Monate später die zweite Maschine und bis Ende 1975 hatten beide bereits über 60 Flugstunden absolviert. Nach einer elfmonatigen Werkserprobung wurden sie im Mai 1976 der US Army für weitere Versuche übergeben. Dazu gehörten auch solche unter Einsatzbedingungen, d. h. es wurden auch 2,75" Luft-Boden-Raketen verschossen sowie die neue, von Hughes entwickelte 30 mm-Kanone XM 230 demonstriert. Diese fanden nicht nur im Schwebeflug statt, sondern auch im Horizontalflug bei Geschwindigkeiten bis 240 km/h. Schon während seiner Werkserprobung beeindruckte der YAH-64 durch ausgezeichnete Flugleistungen. Seine Höchstgeschwindigkeit betrug dabei 350 km/h und die Steiggeschwindigkeiten in Bodennähe erwiesen sich mit über 17 m/s bedeutend besser als bei allen anderen vergleichbaren Mustern dieser Gewichtsklasse. Die Truppenerprobung des YAH-64 verlief zur vollen Zufriedenheit der US Army, die sich schließlich im Dezember 1976 für diesen Typ entschied und den Bell YAH-63 auf den zweiten Platz des AAH-Wettbewerbs verwies. Nach der gegenwärtigen Planung werden in der Entwicklungsphase II vomYAH-64 noch drei Vorserienflugzeuge gebaut. Zusammen mit den beiden Prototypen wird dann erneut eine zweijährige intensive Erprobung durch die Herstellerfirma und die US Army erfolgen. Erst dann fällt die endgültige Entscheidung für die Serienfertigung des modernen Nachfolgemusters des Bell AH-1 Hueycobra. Bei dem von Hughes entwickelten YAH-64 handelt es sich um einen Kampfhubschrauber der Gewichtsklasse um 8000 kg. Er ist in erster Linie für die Bekämpfung gepanzerter Bodenziele vorgesehen und dementsprechend ist auch seine Bewaffnung ausgelegt. Als primärer Bestandteil gilt die ebenfalls von Hughes entwickelte 30 mm Schnellfeuerkanone XM 230 Chain Gun, die unterhalb des Rumpfvorderteils schwenkbar aufgehängt ist und in erster Linie für das Niederkämpfen gegnerischen Bodenfeuers dienen soll. Sie hat eine Kadenz von 700 Schuß/min und wiegt nur 45 kg. Hughes hat diese moderne Bodenwaffe in dem relativ kurzen Zeitraum von nur drei Jahren entwickelt und zur Truppenreife gebracht. Ihre Zuverlässigkeit konnte durch Dauerversuche mit verschiedenen Munitionsarten voll nachgewiesen werden. Nach Angaben von Hughes beruht das Erfolgsprinzip der XM 230 auf ihrer einfachen und wartungsfreundlichen Ausführung. Außerdem besteht sie aus weniger als 150 Einzelteilen und zeichnet sich durch eine hohe Zuverlässigkeit aus. An den vier Außenstationen des 3,63 m spannenden Stummelflügels kann der YAH-64 entweder sechzehn BGM-71-Lenkwaffen (TOW) oder vier Werferbehälter mit zusammen 76 2,75"-Raketen mitführen. Bei Bedarf sind natürlich auch verschiedene TOW-Raketen-Kombinationen jederzeit möglich. Als Triebwerkanlage kommen beim YAH-64 zwei Wellenturbinen des General Electric-Typs T700 zum Einbau. Sie entwickeln eine Leistung von jeweils 1536 WPS und treiben einen Vierblatt-Hauptrotor an, dessen Durchmesser bei 14,63 m liegt. Im Gegensatz zum Zweiblattrotor des Bell YAH-63 erzeugt dieser Rotor weniger Lärm, was besonders bei Schleichflügen" in Bodennähe von größter Wichtigkeit sein dürfte. Jedes der vier Rotorblätter ist als fünfholmige Konstruktion relativ beschußsicher aufgebaut und mit einer Beplankung aus rostfreiem Stahl versehen. Sie sind am Rotorkopf mit dem von Hughes entwickelten Halterungssystem angeschlossen, das aus Federstahllamellen besteht und sich bei anderen Hughes-Hubschraubern hervorragend bewährt hat. Auch der Heckrotor des YAH-64, er hat einen Durchmesser von 2,54 m, ist vierblättrig. Er wird über eine zweifach gelagerte Welle angetrieben, die auf der Oberseite des Heckauslegers verkleidet angeordnet ist. Der Kraftstoffvorrat beläuft sich auf 1366 Liter in zwei geschützten Rumpfbehältern. Bei Beschußversuchen erwiesen sich die lebenswichtigen Komponenten des YAH-64 als äußerst standfest. Er hat somit eine hohe Überlebensfähigkeit, die ja zu den Hauptforderungen der US Army an den AAH gehörte. Dank einer modernen Bauweise konnte man auf eine Panzerung weitgehend verzichten und das Leergewicht bei wenig mehr als 4000 kg halten. Lediglich im Bereich des Cockpits, der Triebwerke und der Avionik griff man darauf zurück. Die zweiköpfige Besatzung, die im Rumpfvorderteil tandemartig untergebracht ist, verfügt über ausgezeichnete Sichtverhältnisse nach allen Seiten. Der vorn sitzende Copilot oder Bordschütze ist primär zuständig für die Bedienung der 30 mm-Kanone und die TOW-Lenkwaffen, während die 2,75"-Raketen vom Piloten ausgelöst werden. Der YAH-64 ist mit einem Nachtsichtsystem (PNVS) sowie einem Zielerfassungs- und Bahnfolgesystem (TADS) ausgestattet, so daß er auch bei schlechtem Wetter voll funktionsfähig ist. Die US Army forderte von dem neuen Kampfhubschrauber neben niedrigen Wartungszeiten auch eine gute Verladbarkeit in den Transportflugzeugen der US Air Force. Ohne die Heckausleger abzubauen, kann eine C-5A Galaxy bis zu sechs YAH-64 befördern und zwar sind dafür nur acht Mann erforderlich. Was die Wartung betrifft, so sind viele Teile vom Boden aus leicht zugänglich. Zur Wartung der Triebwerke können die Stummelflügel als Arbeitsplattformen benutzt werden. Nach Angaben von Hughes sind beim YAH-64 pro Flugstunde lediglich acht Wartungsstunden notwendig. Wie bereits erwähnt, beeindruckte der YAH-64 schon während seiner Abnahmeversuche durch ausgezeichnete Flugleistungen. Bei Hughes ist man davon überzeugt, diese im Laufe der nächsten Jahre weiter steigern zu können. Die US Army wird somit in den achtziger Jahren über einen Kampfhubschrauber modernster Konzeption verfügen, dessen Hauptaufgabe die Panzerjagd sein wird. Außerdem dürfte schon jetzt feststehen, daß die AAH-Entscheidung der US Army die weltweite Entwicklung von Kampfhubschraubern völlig neu beleben wird. Hans Redemann Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 5/77 Copyright 1977/2002 by Motor-Presse Stuttgart. All rights reserved. Last updated 21 May 2002 FLUG REVUE, Ubierstr. 83, 53173 Bonn, Germany |