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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 7/77 MACCHI MB-339Das italienische Unternehmen Macchi hat zur Zeit einen beträchtlichen Anteil am Strahltrainer-Weltmarkt: Mehr als 700 Schulflugzeuge des Musters MB-326 wurden bisher verkauft bzw. in verschiedenen Ländern in Lizenz gebaut. Nach langen Jahren der Suche nach einem Ersatzmuster für die MB-326 wählte man den Entwurf MB-339 aus, der hier vorgestellt wird.Natürlich ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu früh, der MB-339 den Erfolg des kleineren Bruders MB-326 weissagen zu können. Aber zumindest stehen die Vorzeichen auf der technischen Seite günstig: Seit dem Erstflug des ersten Prototyps am 12. August 1976 gestaltet sich das Flugerprobungsprogramm sehr erfolgreich. Ein großer Bereich des Flugleistungsspektrums wurde erflogen, verschiedene Außenlasten mitgeführt. Piloten der italienischen Luftstreitkräfte äußerten sich zufriedenstellend über die Fluge genschaften des neuen Macchi-Jets. Keine negativen Uberraschungen also. Man wäre bei Macchi auch erstaunt über Probleme gewesen, basiert doch die MB-339 weitgehend auf der Aerodynamik der bewährten MB-326- wobei bereits die verstärkte Struktur der MB-326K zur Anwendung gelangte (50 Prozent der Flugelvorderkante bestehen aus Titanlegierung). Ferner profitiert der Entwurf von der. Erfahrungen in allen Kontinenten und unter den unterschiedlichsten Klimabedingungen. die man mit dem Vorgängermuster erworben hat. Auf der fliegerischen Seite jedenfalls entsprachen Steuerwirkung und Rollverhalten exakt den in den Unterschall-Windkanalversuchen in Venegono bei Varese ermittelten Eigenschaften. Man sagt manchmal von der MB-339. sie sei im Grunde eine MB-326K der man - für Kosten in Höhe von 12 Mrd. Lire - einen neuen Rumpfbug angemessen hätte weil es zu teuer gewesen wäre. ein vollkommen neues Flugzeug zu konstruieren. So einfach ist die Angelegenheit sicher nicht. Aber es steht fest, daß der realistische und konservative Geist des MB-339-Projektleiters Ing. Ermanno Bazzocchi und seines Projekt-Teams recht behielt, wenn er sich stark auf das Vorgängermuster stützte. Neu an der MB-339 ist immer noch genug: das modernere Triebwerk (ein Rolls-Royce Viper Mk 632-43 von 40001b Schub in Seehöhe), das rundum zu höheren Leistungen verhilft, wesentlich bessere Sicht im Cockpit, neue Flugsteuerung für bessere Manovrierfänigkeit bei hoheren Geschwindigkeiten. neue Avionik-Systeme und neue Ausrüstungs-Komponenten. Die MB-339 stellt eine Flugzeugformel dar die nach Ansicht von Macchi Leistungen ermöglicht. die einen undramatischen Ubergang zu Uberschall-Kampfflugzeugen sichern. In Italien wird die MB-339 1979 den Dienst bei der Aeronautica Mlitare Italiana, den italienischen Luftstreitkräften antreten und für die Piloten die Vorstufe zur Panavia Tornado und zu den Folgetypen der F-104S darstellen. Auf der anderen Seite bezeichnet man bei Macchi die MB-339 als eine Flugzeugformel, die das Optimum von Kosten und Effektivität sucht: mit dem Verzicht auf besonders hohe Leistungen bezüglich der Geschwindigkeit. durch die starke Betonung der Trainer- und Erdkampf-Fähigkeit bei Beibehaltung einer konventionellen Zellenkonstruktion (keine chemisch gefrästen Teile, keine Verwendung von Honeycomb), durch höchstmögliche Zugänglichkeit zu allen Systemen, durch Modulbauweise bei der Ausrüstung und durch Einfachheit und Robustheit des Entwurfs. Was die Grenzen des Entwurfs angeht, so liegen sie bezüglich der Belastbarkeit bei 8G im gesamten Flug-Envelope (in sauberer Konfiguration, also Klappen und Fahrwerk eingefahren). während die Geschwindigkeitsgrenze bei Mach 0.82 (gleichbedeutend mit einem Druck von 4760 kp/m2) liegt. In 30000 ft beträgt die Maximalgeschwindigkeit Mach 0.77. Die Kabine ist für 40 000 Druckzyklen ausgelegt. die operationelle Lebensdauer in der Trainerrolle beträgt 10 000 Flugstunden bzw 20000 Landungen. Selbstverständlich verringert sich in der Erdkampfrolle die Lebensdauer proportional zum Gebrauch. Haupteigenschaften der MB-339 sind die hohe Manövrierfähigkeit und das bedeutende Beschleunigungsvermögen in sauberer Koniguration - letzteres wird durch den Schubüberschuß des Rolls-Royce Viper-Triebwerks erzielt, das - bei einem Abfluggewicht vor 9590 lb - eine Schubleistung von 4000 lb liefert. Die hohe Strukturfestigkeit de, Zelle gestattet die außerordentlich gute Turn-Rate von 20 pro Sekunde (in Seehöhe) Als wichtige Sicherheitsfaktoren seien schließlich noch die Anflug- und Landegeschwindigkeiten erwähnt, die zu den niedrigsten der Klasse zählen: 181 km/h bzw. 165 km/h (beide über ein 15-m-Hindernis). Durch die sekundäre Eignung der MB-339 für die Erdkampf-Einsatzrolle glaubt man bei Macchi. den Weg zu einer Wiederholung ces MB-326K-Erfolgs gebahnt zu haben. Sechs Unterflügelstationen gestatten die Mitführung verschiedener Außenlasten bis zu einem Höchstgewicht von 3500 lb. Außerdem verfügt die MB-339 über zwei Rumpfstationen, auf Höhe des hinteren Cockpits. an denen ein 7.62-mm-Minigun GAU-2B A mit 1500 Schuß bzw. ein Behälter für eine 30-mm-DEFA-Kanone mit 120 Schuß transportiert werden konnen. Ferner können in einem Schacht im Rumpf wechselweise ein Foto-Aufklärungssystem untergebracht werden, das auch wahlweise in einem Behälter unter der Flügelstation 3 mitgeführt werden kann außerdem Avionikgerät für Spezialaufgaben und - eine von den Crews sehr geschätzte Möglichkeit bei Verlegungsflügen -das Gepäck der Besatzung. Den oben genannten Waffen entsprechen die zugehörigen Auslösemechanismen am vorderen und hinteren Bedienpult. Von den sechs Flügelstationen tragen die vier im inneren Spannweitenbereich je 1000 lb Last während die beiden äußeren für Außenlasten von je 750 lb ausgelegt sind. Der Maximaldurchmesser der Lasten ist auf 40.65 cm begrenzt Unter den verschiedenen Waffentypen nennt Macchi insbesondere zwei infrarotgelenkte Luft-Luft-Lenkwaffen des Typs Matra 550 Magic, die für den Luftkampf und die Selbstverteidigung ausgelegt sind. Die rechnerische Belastbarkeit der bewaffneten Versionen wurde mit 7 G und -3G für Außenlasten unter 650 kg und für ein Abfluggewicht von 5000 kg ermittelt. wahrend beim maximalen Abfluggewicht von 5895 kg diese Werte bei 5.5 G bzw. -2 G zu liegen kommen. Bei einem Abfluggewicht von 4350 kg und in sauberer Konfiguration ergeben sich rechnerische Lastgrenzen von 8 G bzw. -4G. Von den von Firmenseite aufgestellten Einsatzprofilen für die MB-339 haben wir die mit geringster und höchster Belastung ausgewählt wobei wir jeweils nur einen Piloten als Besatzung annahnnen. Selbstverständlich bildet der Vergleich der Konkurrenz-Entwürfe Hawker Siddeley HS.1182 Hawk und Dornier/Breguet-Dassault Alpha Jet mit der MB-339 den Schwerpunkt der Marketing-Politik vom Macchi. In den Unterlagen, die das italienische Unternehmen an potentielle MB-339-Kunden verteilt, müssen die Zahlenangaben - wie in allen "hausgemachten" Berechnungen - mit einiger Vorsicht genossen werden und würden wahrscheinlich anders aussehen, falls sie bei Hawker Siddeley und bei Dornier/Dassault-Breguet erstellt worden wären. Indessen bestreitet man bei Macchi nicht, daß die beiden genannten Konkurrenzmuster bezüglich einiger Leistungen - wie bei Steig- und Höchstgeschwindigkeit in Seehöhe oder bei der Machzahl in Höhe - besser aussehen als das eigene Projekt. Allerdings bezweifelt man, daß diese "Überlegenheiten am Rande", wie man es ausdrückt, die beträchtlich höheren Anschaffungskosten, die höheren Kosten pro Flugstunde, die höheren Instandhaltungskosten und die insgesamt höheren Ausbildungskosten pro Flugschüler im Vergleich mit der MB-339 aufwiegen, die nach Ansicht von Macchi ebenfalls einen ungestörten Übergang zum Überschall-Kampfflugzeug sichert. Die besseren Steiggeschwindigkeitswerte, deren sich die Hersteller-Unternehmen von Hawk und Alpha Jet im Vergleich zur MB-339 rühmen, wurden von Macchi mit 8000fpm bzw. 9000fpm ISA errechnet - der entsprechende Wert für die MB-339 liegt bei 6800 fpm. Bei Temperaturbedingungen wie ISA + 20° erreicht die Hawk 6800 fpm, der Alpha Jet 7700 fpm und die MB339 6000 fpm. Wirft man einen Blick auf die Höchstgeschwindigkeit in Seehöhe, so bietet sich ein ähnliches Bild: Hawk 500 kts, Alpha Jet 540 kts, MB-339 485 kts. Die höchste Machzahl in Höhe beträgt - in der gleichen Reihenfolge 0.84, 0.85 und 0.77. Die wirtschaftliche Rechnung, so sagt man bei Macchi, "ist eine andere Musik": Nimmt man den Kaufpreis von 1,5 Mio. Dollar für die MB-339 mit 1 an, so steigt der Preis für die Hawk schon auf 1,45, wogegen der Alpha Jet sogar bei der Marke 1,85 liegt. Weiter argumentiert man: Auf einer typischen Trainings-Mission (Aufstieg auf 40 000 ft, 25 Minuten Navigation, 3 Minuten Sinken, 15 Minuten Kunstflug, 5 Minuten Abstieg, 4 Minuten Touch-and-Go) verbrauche das Macchi-Baumuster zwar 100 lb mehr Kraftstoff als die Hawk und gleich viel wie der Alpha Jet (insgesamt 2000 lb). Aber die Vorteile der MB-339 würden eindeutig klar, wenn man die für die Wartung benötigte Zeit ins Verhältnis zur Flugstunde setze. Liegt dieser Wert für die MB-339 noch bei vier Wartungsstunden pro Flugstunde, so erreicht die britische Hawk sieben und der deutsch-französische Alpha Jet sogar acht Wartungsstunden pro Flugstunde. Und munter treibt man bei Macchi das Wirtschaftlich keits-Spiel weiter: Die Kosten für eine Flugstunde werden für die MB-339 mit 550 Dollar angesetzt, während Hawk mit 825 Dollar und Alpha Jet mit 940 Dollar wesentlich höher liegen sollen. Die Gesamt-Schulungskosten pro Flugschüler werden - wieder in der gleichen Reihenfolge wie oben - mit 125 000 Dollar, 180 000 Dollar und 212000 Dollar genannt. Vergleicht man die Manövrierfahigkeit der MB-339 mit ihren Konkurrenten, so wird der Macchi-Entwurf von Sprechern des italienischen Unternehmens immer mit höheren Lastfaktoren belegt als diese - sei es in Seehöhe, in 20 000 ft oder in 35 000 ft (Trainer-Konfiguration, 50 Prozent Kraftstoff-Zuladung). So wird für die MB-339 in Seehöhe ein Lastfaktor von 6,3G und eine Machzahl von 0.72 genannt, während für den Alpha Jet die vergleichbaren Zahlen mit 6,1G und Mach 0.81 und für den Hawk mit 5,6G und Mach 0.77 angegeben werden. In 20 000 ft liegen die Werte für die MB-339 bei 3,9G Lastfaktor und einer Machzahl von 0,76. Dagegen rangieren Alpha Jet bei 3,55G und Mach 0,82 bzw. Hawk bei 3,4G und Mach 0,83. In 35 000 ft Höhe schließlich sieht es folgendermaßen aus: MB-339 (2,45G, Mach 0.76), Alpha Jet (2 G Mach 0.83), Hawk (1,95 G, Mach 0.83). Bisher sind Vertreter der Luftstreitkräfte Australiens, Argentiniens, Tunesiens, Finnlands, Südafrikas, Venezuelas und Indonesiens in der Macchi MB-339 geflogen. Während sich - wie von FLUG REVUE + flugwett bereits gemeldet - Finnland für die britische Hawk entschieden hat, und es zu Beginn des Aero Salons in Paris, als diese Zeilen geschrieben wurden, so aussah, als würden von französischer und deutscher Seite erste Exportaufträge für den Alpha Jet gewonnen werden (siehe Bericht von der Luftfahrtschau Paris auf Seite 14), könnte die Zusammenarbeit der Indonesier mit Macchi über die Teilefertigung der MB-326K ins Rollen kommen. Ferner rechnet man italienischerseits in Ländern, wo Macchi bereits gut eingeführt ist - z. B. in Brasilien - mit guten Verkaufschancen für die MB-339. Nahe bevor steht auch die Wahl Australiens. Der zweite Prototyp war im Februar dieses Jahres fertiggestellt; mit dem Erstflug wurde zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichts gerechnet. Auf die beiden Prototypen soll ein Vorserienlos von acht Maschinen folgen. Was die Triebwerkanlage angeht, so hat man bei Macchi einen Vertrag mit Rolls-Royce bezüglich der Lieferung von 20 Einheiten des Viper 632-43 unterzeichnet. Obwohl man bei Macchi zur Zeit intensiv an der Erstellung von Fertigungsvorrichtungen und Werkzeugen für die MB-339 arbeitet, wird es, wie verlautet, auch möglich sein, das neue italienische Trainerflugzeug in anderen Ländern in Lizenz zu bauen. Fazit: Das MB-339-Programm hat das Ziel, ein einfach zu fliegendes Flugzeug zu schaffen, mit dem alle Flugmanöver zu schulen sind, die der Flugschüler für den Übergang zu überschallschnellen Kampfflugzeugen beherrschen muß, Die maximale Machzahl in Seehöhe mag zwar nur als mäßiger Leistungswert erscheinen, aber man darf nicht vergessen, daß dadurch ein voll kraftgesteuertes System und anderes kompliziertes Gerät überflüssig werden, die Anschaffungspreis und Wartungskosten in die Höhe treiben würden. Und nicht vergessen darf man die Tatsache, daß die MB-326, das Ausgangsmuster für die MB-339, den Ruf eines guten Piloten-Flugzeugs besitzt, das sich einfach und ohne künstliche Hilfsmittel steuern läßt. Mit der MB-339, da darf man sicher sein, wird man bei Macchi versuchen, sich ähnlich hohes Ansehen zu verdienen. Mittlerweile ist nun auch der zweite Prototyp geflogen, und zwar am 20. Mai dieses Jahres. Drei weitere werden zur Zeit endmontiert und sollen ebenfalls schon bald die Flugerprobung aufnehmen. Die italienische Armee hat im Februar formell ihre Bereitschaft bekundet, das Flugzeug zu beschaffen, womit das Programm zunächst gesichert sein dürfte, Aufgrund dieser Ankündigung wurde bei Aermacchi die Serienfertigung der Langfristteile der ersten 100 Maschinen begonnen. Es ist allerdings geplant, sowohl die MB339 als auch die MB-326 nebeneinander noch über längere Zeit weiter zu fertigen, da immer noch reges Interesse für das Vorgängermuster besteht. Die Voraussetzungen für einen Erfolg der 339 auf dem Weltmarkt sind also sehr günstig und dürften Macchi zurecht optimistisch werden lassen. Goffredo Silvestri Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 7/77 Copyright 1977/2002 by Motor-Presse Stuttgart. All rights reserved. Last updated 10 July 2002 FLUG REVUE, Ubierstr. 83, 53173 Bonn, Germany |