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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 8/77 DIE DEUTSCHEN HEERESFLIEGERDie Vielseitigkeit der vor zwanzig Jahren neu aufgestellten Heeresflieger wird durch die Panzerabwehr in Zukunft erheblich erweitert.Als jüngste Waffengattung des deutschen Heeres gelten die Heeresflieger, die es im Zweiten Weltkrieg noch nicht gab. Ihre eigentlichen Anfänge reichen jedoch zurück bis in das Jahr 1911, als während der Kaisermanöver erstmals "Beobachtungsflieger" über dem Feld auftauchten. Seinerzeit saßen neben den Piloten Heeres-Kavalleristen, Der Erste Weltkrieg stellte den noch jungen "Heeresfliegern", die aus fast allen Waffengattungen des Heeres kamen, schnell neue Aufgaben. Zur Luftbeobachtung kamen die Erdkampfunterstützung und der Jagdeinsatz. Darüber hinaus wurden auch Infanterie- und Bombenfliegerstaffeln aufgestellt. So ging aus äußerst bescheidenen Anfängen eine Feldfliegertruppe hervor, ohne deren Unterstützung die Bodentruppen bald nicht mehr auskamen. Nach 1918 war es Deutschland untersagt, Militärflugzeuge zu besitzen, und erst mit dem Wiederaufbau der deutschen Wehrmacht konnten ab 1935 auch wieder fliegende Verbände aufgestellt werden. Als Folge der inzwischen größer und schneller gewordenen Flugzeuge und der sich daraus ergebenden neuen Möglichkeiten einer eigenen operativen Luftkriegsführung war das Flugzeug aus den Unterstützungsaufgaben für das Heer völlig herausgewachsen. Die fliegenden Verbände wurden in einem dritten Wehrmachtsteil - der Luftwaffe - zusammengefaßt. Dazu gehörten auch solche, die nach wie vor Heeresaufgaben zu erfüllen hatten. Ihre Einsätze wurden in den Führungsstäben größerer Heereseinheiten durch Verbindungsoffiziere bearbeitet, was in kritischen Situationen häufig zu Schwierigkeiten und Verzögerungen führte. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs mit dem umständlichen Verfahren der Anforderung von Luftunterstützung bei einem anderen Wehrmachtsteil sowie die Neukonstruktion leistungsfähiger Hubschrauber führten zur Gründung oder - wenn man so will - Wiederbegründung einer eigenen Heeresfliegertruppe. 1957 wurden in Niedermendig/Eifel die ersten Einheiten aufgestellt und mit der Ausbildung begonnen. Damit verfügte das Heer zur Erfüllung seiner besonderen Aufgaben wieder über eine eigene Fliegertruppe. Die neue Zauberformel lautete: Erhöhung der Beweglichkeit und Kampfkraft von Heeresverbänden durch Ausnutzung der dritten Dimension mit Hilfe eines von ausgebauten Flugplätzen unabhängigen Luftfahrzeugs. Dabei hatte der Hubschrauber im Rahmen aller Überlegungen absolute Priorität, denn dieser hatte seine militärische Einsatzreife in verschiedenen bewaffneten Konflikten voll nachweisen können. Wie bereits erwähnt, gingen die deutschen Heeresflieger in Niedermendig im Jahre 1957 ihre ersten Schritte. Fritzlar, Celle und weitere Standorte in der Bundesrepublik folgten. Sie waren zunächst noch den Führungstruppen zugeordnet. Ihre Aufgaben reichten von Verbindungs-, Überwachungs- und Erkundungsflügen bis hin zu Transporteinsätzen mit den verschiedensten Variationsmöglichkeiten. Zur Erstausstattung der Heeresflieger gehörten seinerzeit der leichte Mehrzweckhubschrauber Alouette II und das deutsche Flächenflugzeug Do 27. Letzteres konnte seinen Platz wegen ausgezeichneter STOL-Eigenschaften neben den Hubschraubern bis heute behaupten. Ferner kann es weite Entfernungen schneller überbrücken und eignet sich auch für Aufklärungseinsätze. Für den Lufttransport von Truppen und Material wurden schließlich noch die amerikanischen Hubschrauber Sikorsky H-34 Choctaw und Vertol H-21C Shawnee beschafft. Zunächst sah man in den Heeresfliegern in Verkennung ihrer Verwendungsmöglichkeiten nur so etwas wie ein militärisches Lufttaxiunternehmen. Doch von Manöver zu Manöver gewannen sie an Bedeutung und Ansehen. Hinzu kam ihre Bewährung bei Katastropheneinsätzen, in deren Verlauf die wahre Stärke des Hubschraubers jedermann bewußt wurde. Den eigentlichen Durchbruch brachten jedoch die Erfahrungen der amerikanischen "Luftkavallerie" in Vietnam. Es wurden neue Taktiken ausgearbeitet, wobei sich das Schwergewicht des Einsatzes der Heeresflieger auf den Transport von Truppen und Material verlagerte. Außerdem wurden sie in die Kampftruppen eingegliedert. Den einzelnen Divisionen unterstellte man Heeresfliegerbataillone mit einer Verbindungs- und Beobachtungsstaffel sowie einer Transportstaffel. Während der nachfolgenden Manöver stellte sich jedoch bald heraus, daß die bis dahin eingesetzten Hubschraubermuster den neuen Anforderungen nicht mehr gewachsen waren. Daraufhin wurde der vorhandene Transportraum im Jahre 1968 durch die Einführung des leichten Hubschraubers Bell UH-1D und vier Jahre später durch das mittelschwere Muster Sikorsky CH-53G erweitert. Beide Hubschrauber wurden in der Bundesrepublik in Lizenz gefertigt. Um diesen Transportraum im Gefecht zu Schwerpunkten zusammenfassen zu können, wurden die Heeresflieger 1971 erneut umgegliedert. Danach verfügt jedes der drei Korps über zwei Transportregimenter - je eins mit UH-1D (LTH) und CH-53G (MTH). Den einzelnen Divisionen stehen dagegen nach wie vor Verbindungs- und Beobachtungsstaffeln (VBH) zur Verfügung. Es bedarf hier wohl kaum schöner Worte, vorauszusagen, daß die Hubschrauber der Heeresflieger auf lange Sicht aus allen Operationen des Heeres nicht mehr wegzudenken sind. Allerdings kommt es diesbezüglich zu einer Erneuerung des Luftfahrtgeräts, und zwar sollen ab September 1979 insgesamt 227 Maschinen des Typs Bo 105M als Alouette II-Nachfolger beschafft werden. Darüber hinaus ist in den achtziger Jahren auch der Ersatz des Bell UH-1D dringend erforderlich. Man denkt dabei an die Einführung eines neuen allwettertauglichen Musters in der Größenordnung des amerikanischen UTTAS. MBB arbeitet schon seit einiger Zeit an einem solchen Transporthubschrauber (TH 3), der die Bezeichnung Bo 125 führt. Als nächste Aufgabe kommt auf die Heeresflieger die Panzerabwehr aus der Luft zu. Zahlreiche Planspiele und Truppenversuche in den vergangenen Jahren zeigten deutlich, daß ein mit Lenkwaffen ausgerüsteter Hubschrauber zum entscheidenden Faktor einer hochmobilen Panzerabwehr werden kann. Panzerabwehrhubschrauber in genügender Stückzahl sind im Zusammenwirken mit Panzerabwehrkräften am Boden durchaus in der Lage, auch massiert operierende Panzerverbände empfindlich zu treffen. So entstand im Laufe der Zeit der Begriff des Panzerabwehrhubschraubers (PAH), an dessen Verwirklichung MBB seit einiger Zeit ebenfalls arbeitet. Beim PAH I handelt es sich um eine entsprechende Ableitung aus dem Bo 105M. Als seine primären Ausrüstungsmerkmale gelten sechs PA-Lenkwaffen HOT mit einer Einsatzreichweite bis 4000 m. Von diesem auch mit Bo 105P bezeichneten Muster sollen ab 1979 ebenfalls mehr als 200 Maschinen in Dienst gestellt werden. Gleichzeitig mit der Entscheidung über die Truppeneinführung des PAH I wurde die Entwicklung eines Panzerabwehrhubschraubers der 2. Generation eingeleitet. Zu den Hauptforderungen der Heeresflieger an den PAH II, der in den achtziger Jahren zur Verfügung stehen soll, gehört insbesondere die Nachtkampffähigkeit. Als Vorläufer für dieses neue PAH-System gilt der Bo 115, dem allerdings im P 277 von VFWFokker/Westland ein ernstzunehmendes Konkurrenzmuster erwachsen ist. Hans Redemann Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 8/77 Copyright 1977/2002 by Motor-Presse Stuttgart. All rights reserved. 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