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Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 8/77 Amerikas Faustpfand bei den SALT-Verhandlungen CRUISE MISSILENachdem sich der amerikanische Kongreß für die Weiterentwicklung der Cruise Missile und für deren eventuelle Stationierung auf deutschem Boden ausgesprochen hat, wird nachstehend ein Überblick über das neue Waffensystem gegeben.Die erfolgreiche Entwicklung und die geplante Ausrüstung der US Navy und der US Air Force mit Cruise Missiles (Marschflugkörpern) stellen eine erhebliche qualitative Steigerung des strategischen Potentials der USA dar. Das ist einer der Gücnde für die sowjetischen Bemühungen, die Cruise Missile mit in die SALT-Verhandlungen einzubeziehen: Es wird eine Begrenzung der Reichweite und der Stückzahl gefordert.. Laut Admiral Holoway zeigen diese Anstrengungen unter anderem, daß die UdSSR nicht über ein gleichwertiges System verfügt. Im Arsenal der Staaten des Warschauer Paktes gibt es zwar einen Marschflugkörper mit der NATOBezeichnung Shaddock; dieser kann aber nur für taktische Operationen benutzt werden, da er nicht ein für strategische Einsätze geeignetes Leitsystem - vergleichbar dem des US-Systems TERCOM - besitzt. Nach Geheimdienstquellen ist die Entwicklung einer solchen Anlage in der Sowjetunion auch nicht zu erwarten. Ferner ist seine Reichweite von nur etwa 400 km zu gering, um erfolgversprechende atomare Flüge auf wichtige Landziele durchführen zu können. Man wird abwarten müssen, ob bei den SALT-II-Verhandlungen die Cruise Missile zur Disposition steht. Ganz sicher aber stellt die neue Waffe mit all ihren technischen und ökonomischen Erfahrungen und Ergebnissen einen vielversprechenden Weg zur Entwicklung neuer, wirtschaftlicher Waffensysteme dar, die zudem noch den Vorteil verminderter Pilotengefährdung mitbringen. Seinen Ursprung hat der Marschflugkörper in der Flügelbombe V-1, die im 2. Weltkrieg gegen London eingesetzt wurde, und in der Hound Dog von North American. Daß diese Waffe aber nicht schon früher eine entscheidende strategische Bedeutung erlangte, liegt daran, daß damals extrem miniaturisierte elektronische Bauteile zur Fertigung von Mikroprozessoren nicht verfügbar waren. Erst durch die Raumfahrt entstand ein dringender Bedarf an solchen Kleinstbausteinen. Die dadurch möglichen Rechner erlauben einen genau vorprogrammierten Flugablauf bis hin ins Ziel. Die Navy-Version Erste konkrete Schritte in Richtung auf einen Einsatz der SLCM (Sea Launched Cruise Missille) Tomahawk wurden 1974 unternommen, als General Dynamics und LTV unabhängig voneinanderje einen Vorschlag ausarbeiteten und einen entsprechenden Prototyp entwickelten. Zuvor hatte die Navy genaue Spezifikationen bekanntgegeben, die für beide Firmen Gültigkeit hatten. So wiesen die zwei Muster denn auch nur geringe Unterschiede auf, z. B. in der Form des Leitwerkes oder in generellen Überlegungen bezüglich der Struktur. Im November 1975 kam es zu mehreren Vergleichsflügen zwischen den Konkurrenten, in denen alle wichtigen Entscheidungskriterien genauesten Untersuchungen unterzogen wurden. So führte man Unterwasserausstöße und Starts vom Flugzeug durch - Trägermaschine war eine Grumman A-6 Intruder -, erprobte die aerodynamische Steuerung, stellte Stoßversuche zur Feststellung der Unempfindlichkeit gegen Unterwasser-Explosionen an und testete die wirksame Fläche der Radar-Abstrahlung. Nach Abschluß dieser Versuche im März 1976 ging die Firma General Dynamics als Gewinner aus dem Wettbewerb hervor. Der Weiterführungsauftrag umfaßte die gesamte Unteranlagen-Integrationsphase - ein Großteil der Systeme stammt von anderen Firmen - und belief sich auf ein Finanzvolumen von $ 34,8 Mio. Die anschließende Erprobung, die für den maritimen Bereich im Pacific Missile Test Center und für den landabhängigen Teil auf der White Sands Missile Range der US Army in der Wüste von New Mexico durchgeführt wurde, zeigte die volle Tauglichkeit des zur Anwendung gebrachten Konzeptes. Technische Beschreibung der SLCM Eine der Hauptforderungen der Navy ist, daß die Tomahawk auch aus normalen Torpedo-Rohren von U-Booten gestartet werden kann. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, erhielt der Rumpf kreisrunden Querschnitt mit einem Durchmesser von 0,53 m. Da im Einsatz mit starken Druckbelastungen durch Unterwasser-Explosionen gerechnet werden muß, stellte sich das Problem des strukturellen Schutzes gegen solche Einflüsse. Bei General Dynamics entschied man sich für ein Ummantelungsrohr, in dem sich der Flugkörper zur Aufbewahrung im Torpedorohr befindet. Diese Lösung erlaubt - im Gegensatz zur sonst notwendigen Strukturauslegung des Rumpfes - eine geringere Dimensionierung der Spanten und der Beplankung, was zu einer Gewichtseinsparung und somit zu einer Reichweiten-Erhöhung beiträgt. Ferner kann der Tubus gleichzeitig als Startplattform für den Einsatz von Überwasserschiffen bzw. von landgestützten Fahrzeugen aus benutzt werden. Letztere Variante ist deswegen von Bedeutung, weil so die Cruise Missile auch in Europa in großer Stückzahl stationiert werden kann und dadurch ein effektives Gegenstück zu den Mittelstreckenraketen des Warschauer Paktes darstellen würde. Im einzelnen besitzt der Marschflugkörper folgenden Aufbau: Im Kopf ist das Leitsystem untergebracht, das noch in einem gesonderten Abschnitt behandelt wird. Es schließt sich - durch einen Spant getrennt - der Gefechtskopf an, der bei der strategischen Version aus Nuklearsprengstoff besteht. Der taktische Flugkörper, der in erster Linie gegen feindliche Schiffe eingesetzt werden soll, besitzt hingegen einen konventionellen Gefechtskopf. Am darauf folgenden Spant sind die ausfahrbaren Tragflächen angelenkt. Der dritte Bereich beinhaltet den Haupttank, der in horizontaler Längsrichtung unterteilt ist, um dort die während des Transportes eingefahrenen Flügel aufzunehmen. Der äußere Raum des Sprengkopf-Abschnittes dient ebenfalls zur Treibstoff-Aufnahme, um so die geforderte strategische Reichweite erzielen zu können. In der vierten Sektion des Flugkörpers befindet sich im oberen Teil ein weiterer Tank, im unteren der ausfahrbare Triebwerkeinlauf. Es folgt das Turbofan-Triebwerk F107-WR100 der Williams Research Corp., das eine Länge von ca. 0,80 m, einen Durchmesser von 0,30 m und ein Gewicht von 59 kg aufweist. Der Jet ist ein Zweikreiser mit gegenläufigem Axial-Radial-Kompressor und rangiert in der 270-kp-Klasse. Die taktische Version der SLCM besitzt ein modifiziertes Turbojet-Triebwerk mit 181 kp Leistung, das von der Schiff-Schiff-Rakete Harpoon übernommen wurde. Die einzelnen Steuerflächen des Kreuz-Leitwerkes, das sich am Ende des fünften Abschnittes befindet, sind während der Bereitstellung umgelegt und werden erst bei der Startphase in ihre Endstellung gebracht. Um die Cruise Missile bei allen stationären Starts beschleunigen zu können, wird noch ein Booster-Triebwerk der Atlantic Research Corp. an ihr Ende angeflanscht, das den gleichen Durch messer besitzt wie der Flugkörper selbst und auf Feststoff-Basis arbeitet. Über alles hat die Tomahawk eine Länge von 6,40 m und ein Gewicht von etwa 1814 kg. Im nachstehenden Abschnitt soll der Startvorgang von einem getauchten U-Boot aus beschrieben werden. Der Booster wird gezündet und beschleunigt den Flugkörper aus dem Torpedorohr heraus. Gleichzeitig wird dabei das Schutzrohr abgestreift. Nach Durchstoßen der Wasserobefläche entfalten sich automatisch die Tragflächen, das Leitwerk und der Lufteinlaufstutzen. Der Beschleunigungsprozeß dauert so lange an, bis eine genügend hohe Geschwindigkeit erreicht ist, um den Turbofan starten zu können. Daraufhin wird die Boosterstufe abgeworfen und das Triebwerk in Marsch gesetzt, das den weiteren Antrieb übernimmt. Dieser Startvorgang kommt in ähnlicher Weise auch beim Einsatz von Schiffen oder von Landfahrzeugen aus zur Anwendung. Nur beim Start von einem Trägerflugzeug kann auf den Feststoffmotor verzichtet und der Flugkörper direkt mit Hilfe des luftatmenden Aggregates beschleunigt werden. Das Leitsystem TERCOM Um einen Flugkörper über große Distanzen im Tiefflug so exakt steuern zu können, daß auch stark befestigte Ziele mit relativ geringer Sprengkraft zerstört werden können, bedarf es eines äußerst präzisen Navigationssystems. Die Tomahawk erhielt deshalb ein neu entwickeltes Gerät der Firma McDonnell Douglas, das auf modernster Radar- und Computertechnik basiert. Dieses System wurde am 16. Juli 1976 erstmals erfolgreich erprobt. Die Navigationsdurchführung eines Fluges wird nach folgendem Plan abgewickelt: Im Bordcomputer ist die Bodenwelligkeit der gesamten Flugstrecke - in Sektionen aufgeteilt - als Impulsfolge gespeichert. Ebenso ist ein genügend breiter Streifen rechts und links der eigentlichen Bahn in gleicher Form festgehalten. Beim Abfliegen des ersten Streckenabschnittes nach dem Start mißt nun das Bordradar die genaue Höhe über Grund in Bezug auf eine vorher im Raum festgelegte Ebene. Die so gewonnenen Daten werden mit den gespeicherten Werten verglichen und so lange für Steuersignale benutzt, bis eine optimale Übereinstimmung hergestellt ist. Gleichzeitig stellt der Rechner am Ende des Abschnittes die Systembedingte Mißweisung der Trägheitsnavigationsplattform fest und nimmt die entsprechende Abgleichung vor. Dieser Vorgang wiederholt sich bei jeder Sektion. Durch jede dieser Abgleichungen wird die Fehlweisung des Gerätes geringer, da die Fehlerkomponente automatisch vom Computer mitberücksichtigt wird. Abwehrmöglichkeit kaum gegeben Unterteilt man nun die Flugstrecke in eine Reihe kleiner Bereiche und legt den letzten Abgleichungspunkt genügend nahe an das zu bekämpfende Ziel heran, so kann man eine Treffergenauigkeit erreichen, die innerhalb eines Radius von nur wenigen Metern liegt. Außerdem erlaubt diese Art der Steuerung eine durch Kurven beliebig geführte Flugbahn und die Durchführung von extremem Tiefflug. Die Tomahawk ist für eine Reichweite von mehr als 2800 km bei einer Marschgeschwindigkeit von über 1000 km/h und einer Flughöhe im Baumwipfelbereich ausgelegt. Dieser Umstand sowie die geringe äquivalente Radar-Rückstrahlfläche und die minimale Infrarotabgabe erschweren eine Entdeckung oder Bekämpfung des Flugkörpers extrem. Dies und die sehr hohe Treffgenauigkeit sind denn auch die Hauptgründe für die enorme strategische Bedeutung der Waffe. Bei der taktischen Variante der SLCM wird das TERCOM-Gerät durch das ebenfalls modifizierte Leitsystem der Harpoon ersetzt, das auch von McDonnell Douglas gebaut wird. Die Reichweite dieser Tomahawk-Version beträgt etwa 556 km. Die Air-Force-Version ALCM Sowohl der amerikanische Kongreß als auch General Dynamics hatten zeitweise den Vorschlag gemacht, eine abgewandelte Version der Tomahawk auch als ALCM (Air Launched Cruise Missile) einzuführen. Allerdings wären dazu umfangreiche Änderungen an der Struktur und bei der Länge erforderlich geworden, da eine der Haupteinsatzforderungen bezüglich der bordseitigen Unterbringung der Air Force Cruise Missile ist, daß die Absetz-Rotationswerfer in den Waffenschächten der B-52 bzw. der Rockwell B-1 benutzt werden sollen. Mit Hilfe dieser Werter werden auch die SRAM-Lenkwaffen gestartet. Ferner benötigt die ALCM nicht eine so große strukturelle Festigkeit wie die SLCM, da sie nicht gegen starke Druckwellen abgesichert werden muß. Unter anderem ließen es diese Punkte ratsam erscheinen, eine eigene Air-Force-Version zu entwickeln. Zudem erlaubt ein solcher Schritt eine aerodynamische Auslegung des Rumpfes, was zu einer größeren Leistungswirksamkeit führt. Als Hauptauftragnehmer dieser Entwicklung mit der Typenbezeichnung AGM-86 wurde Boeing benannt. Allerdings wurde aus Kostengründen die Auflage gemacht, daß wesentliche Untersysteme der beiden Marschflugkörper identisch sein sollen. Daher besitzt auch die ALCM das TERCOM-Navigationssystem, den Turbofan von Williams und die Hydraulik-Gruppe der SLCM. Technische Beschreibung der ALCM Der prinzipielle Aufbau der AGM-86 unterscheidet sich nur in drei wesentlichen Punkten von der See-Version. Zum einen ist der Flugkörper als Flachdecker ausgelegt, und seine Tragflächen werden nicht in den Rumpf eingefahren, sondern unter ihm zusammengelegt. Zum anderen klappt der Lufteinlauf des Triebwerkes nach oben aus und ist während der Bereitstellung auch nicht ganz eingefahren. Der dritte Unterschied ist die Leitwerksauslegung. Die ALCM besitzt ein einfaches Seitenleitwerk, das vordem Flug nach links eingeklappt ist. Das Höhenleitwerk ist ungedämpft und wird in der Ruhestellung nach oben angelegt, während es ausgefahren eine leichte V-Stellung aufweist. Das Entfalten des Leitwerkes geschieht unmittelbar nach dem Start über Hydraulik-Betätigung. Auf einen Booster kann verzichtet werden, da der Flugkörper direkt aus dem Flugzeug gestartet wird. Als Plattform hierfür dient der schon erwähnte Rotationswerter, der sich sowohl in der G- als auch in der H-Version der Boeing B-52 befindet und auch in der Rockwell B-1 zum Einbau gelangen soll. Die B-52 könnte acht Flugkörper im Waffenschacht transportieren und weitere 12 unter den Tragflächen. Die B-1 würde sogar in der Lage sein, in ihren drei Schächten 24 ALCM mitzuführen. O. Mühling Home | Update | LATEST ISSUE | Gallery | FR Inside | Datafiles | FR 8/77 Copyright 1977/2002 by Motor-Presse Stuttgart. All rights reserved. Last updated 5 August 2002 FLUG REVUE, Ubierstr. 83, 53173 Bonn, Germany |