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Österreichische Luftstreitkräfte

Die Luftstreitkräfte unseres südlichen Nachbarn Österreich begingen im vorigen Jahr ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Seit ihrer Aufstellung im Frühjahr 1956 haben sie sich im Laufe der Zeit zwar als kleine, aber dennoch bedeutsame Komponente in der Luftraumüberwachung und -verteidigung Österreichs erwiesen.

Am 9. Dezember 1955 startete von der Piste des halb zerstörten Fliegerhorsts Langenlebarn ein Propellertrainer des sowjetischen Typs Jak-18 als erstes Militärflugzeug Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg. Dies war der Beginn eines mühsamen Aufbaus, der in seiner Anfangsphase teilweise mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden war. Immerhin mußte der Nachholbedarf eines flugtechnisch hochaktiven Jahrzehnts bewältigt werden. Man war sich von Anfang an völlig darüber im klaren, daß für das neutrale Österreich lediglich eine kleine, aber dennoch starke Fliegertruppe in Frage kam.

Als Startkapital dienten seinerzeit acht sowjetische Schulflugzeuge der Typen Jak-18 (4) und Jak-11 (11), die von den Sowjets in demontiertem Zustand geschenkt worden waren. Hinzu kamen noch einige Offiziere und Techniker, die sich unter heute kaum vorstellbaren Provisorien an die schwere Aufgabe heranwagten. Tatsächlich wurde im April 1956 auf dem Fliegerhorst Langenlebarn die Fliegerschule für Offiziers- und Unteroffiziers-Flugzeugführer eröffnet und gleichzeitig der erste Einweisungskurs begonnen. Erster Ausbildungsleiter war Obstlt. Gustav Hauck, der ein "alter Hase" war und sich u. a. auch persönlich für die Beschaffung von Hubschraubern einsetzte. Er überführte z. B. im Februar 1956 den ersten österreichischen Hubschrauber, einen Bell 47G (H-13), selbst von Paris nach Langenlebarn.

Als nächste Aufbaustufe galt nun insbesondere die Ausbildung von Fluglehrern. Für diesen Zweck wurden vier tschechische Zlin Z. 126 angekauft, die vorwiegend für die Kunstflugausbildung eingesetzt wurden. Danach erfolgte auf dem Fliegerhorst Zeltweg die Aufstellung einer für die fliegerische Grundausbildung erforderlichen Einheit. Ihr Trainerbestand wurde seinerzeit um zwei Piper PA-18 und im Sommer 1957 um fünf Fiat G.46 erweitert, wobei letztere in erster Linie für das Fortgeschrittenentraining dienten.

Sie waren jedoch auch eine gute Übergangslösung zur Ausbildung auf Strahlflugzeugen, denn die bereits 1956 beschlossene Indienststellung des zweisitzigen Strahltrainers DH.115 Vampire (Mk.55) führte im Mai 1957 zur Aufstellung einer Jabo-Schulstaffel auf dem Fliegerhorst Thalerhof bei Graz. Diese mit doppelten Leitwerkträgern und einem 1585 kp-Triebwerk des Typs de Havilland Goblin 35 ausgerüstete Maschine erwies sich jedoch in der Ausbildung junger und noch unerfahrener Piloten als zu schwierig, so daß man schon Anfang 1959 auf den französischen Strahltrainer Potez/Fouga CM 170 Magister umrüstete. Nach einer dreiwöchigen Umschulung in Frankreich landeten am 13.Februar 1959 die ersten von zwölf Maschinen auf dem Fliegerhorst Zeltweg. Sie standen bis 1968 im aktiven Truppendienst und bildeten die Ausgangsbasis für die Ausbildung und das Routinetraining von Strahlpiloten.

Was die weitere Ausrüstung der Österreichischen Fliegertruppe anbetraf, so war auch die Indienststellung des italienischen Erdkämpfers Fiat G.91 vorgesehen. 1958 war die Beschaffung von dreißig Maschinen geplant, von der man jedoch aus politischen Gründen wieder Abstand nehmen mußte. Zweifellos handelte es sich dabei nach heutigen Erkenntnissen um eine echte Fehlentscheidung, denn die G.91 war seinerzeit das einzig brauchbare, taktische Kampfflugzeug, das selbst heute noch im aktiven Truppendienst stehen würde.

Man befand sich damals in einer äußerst schwierigen Situation, in der für Österreich u. a. auch der Starfighter, die Phantom II und sogar die MiG-21 im Gespräch waren, entschied sich jedoch letztlich für die schwedische Saab J 29F Tunan. Von diesem Mehrzweck-Kampfflugzeug der 1. Generation wurden insgesamt dreißig Maschinen beschafft, deren erste am 7. Juli 1961 in Wien-Schwechat landeten.

Doch zurück zur fliegerischen Ausbildung, die man ab Ende 1957 mit zwölf NAA T-6G Texan in erster Linie für das Instrumentenflug-Training zu vervollständigen versuchte. Diese Maschinen standen bis Ende 1965 im Truppendienst, bis sie im Rahmen einer allgemeinen Typenbereinigung ab Oktober 1964 durch das schwedische Muster Saab 91D Safir abgelöst wurden. Von diesem Viersitzer der Gewichtsklasse um 1200 kg erwarb Österreich für seine Luftstreitkräfte insgesamt 24 Maschinen, die noch heute fliegen und sich gut bewährt haben.

Mit der Truppeneinführung der J 29F wurde am 1. Juli 1961 auch die Jabo-Staffel 1 aufgestellt, die jedoch schon zwei Jahre später zu einem Geschwader mit drei Staffeln umfunktioniert wurde. Bei der Suche nach einem leistungsfähigeren und vor allem kostenwirksameren Nachfolgemuster der DH Vampire und Fouga Magister fiel die Wahl schließlich auf die schwedische Saab 105 XT, deren sekundäre Eignung für taktische Einsätze im österreichischen Luftraum gute Möglichkeiten bot.

Bei der mit Saab 105 Oe bezeichneten Version, von der ab Juli 1970 insgesamt vierzig Maschinen in Dienst gestellt wurden, handelt es sich um die mit zwei J85-Triebwerken ausgerüstete Exportvariante der Sk 60 XT. Sie hat ein normales Startgewicht von 5770 kg und erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 960 km/h. Entsprechend ihrer Aufgabenstellung läßt sich die zweisitzige Saab 105 Oe mit den verschiedensten militärischen Außenlasten bewaffnen. So kann sie nicht nur für Erdkampfeinsätze, sondern in beschränktem Maße auch für die Abfangjagd und taktische Aufklärung verwendet werden. Das zum Fliegerregiment 1 gehörende Jagdbombergeschwader verfügt über drei mit Saab 105 Oe ausgerüstete Staffeln. Zwei von ihnen sind auf dem Fliegerhorst Vogler in Hörsching/Linz stationiert, während eine dritte vom Fliegerhorst Nittin in Thalerhof/Graz ihre routinemäßigen Einsätze durchführt.

Saab 105 Oe
Saab 105 Oe

Die Beschaffung der Saab 105 Oe stieß seinerzeit in Österreich auf erheblichen Widerstand und auch über ihr potentielles Nachfolgemuster gibt es unterschiedliche Auffassungen. Mittlerweile waren nicht nur die Saab 37 Viggen und Northrop F-5E Tiger II im Gespräch, sondern auch das israelische Muster IAI Kfir-C2. Ein Prototyp dieser mit einem amerikanischen J79-Triebwerk ausgerüsteten Maschine wurde bereits in Österreich vorgeführt. Man darf auf die diesbezügliche Entscheidung in Wien sehr gespannt sein oder legen die USA erneut ihr Veto ein? Es hat jedenfalls bis heute den Anschein, daß die moderne Kfir-C2 den Anforderungen Österreichs vollauf genügen würde.

Wie bereits erwähnt, befaßte man sich schon in der frühen Aufbauphase mit der Einführung leistungsfähiger Hubschrauber. Den Anfang machte im Februar 1956 ein Bell 47G, dem nach und nach weitere folgten. Sie dienten vorerst zur Ausbildung von Hubschrauber-Piloten und ab November 1958 begann dann schließlich ein gezielter Aufbau. Vom Bell 47G wurden insgesamt 21 Maschinen in Dienst gestellt. Es zeigte sich aber bald, daß man auch in Österreich auf den Hubschrauber wegen dessen vielseitiger Verwendbarkeit nicht mehr verzichten konnte und der Ruf nach leistungsfähigeren Mustern wurde immer lauter. So kam es ab 1958 zur Indienststellung von zwölf SE.3130 Alouette II und zehn Westland S55. Als erster Einsatzverband wurde seinerzeit die Hubschraubergruppe 1 mit je einer Staffel in Langenlebarn und Hörsching aufgestellt. Ab 1963 wurden die Muster Alouette II und S-55 nach und nach durch den moderneren Agusta/Bell Ab.204B (24) und ab 1967 durch den SE.3160 Alouette III (24) ersetzt. Beide Hubschrauber stehen seitdem im aktiven Truppendienst und sie haben sich bei Transport- und Katastropheneinsätzen hervorragend bewährt. Im Jahre 1970 kamen noch 24 Maschinen des AB.206 Jet Ranger und zwei Sikorsky S-65 Oe hinzu. Auf dem AB.206 erfolgt die komplette Grundausbildung österreichischer Hubschrauberpiloten. Der S-65 Oe dient dagegen in erster Linie für den Transport schwerer Nutzlasten. Alle Hubschrauber der österreichischen Luftstreitkräfte sind seit Januar 1966 dem Kommando des Fliegerregiments 1 in Hörsching unterstellt.

Zur Erfüllung verschiedener Transportaufgaben wurden 1960 sechs DHC-2 Beaver in Dienst gestellt. Sie dienten auch zum Absetzen von Fallschirmspringern und wurden 1969 teilweise durch die britische Short Skyvan 3M ersetzt, von der zwei Maschinen beschafft wurden. Die restlichen Aufgaben der Beaver übernahmen ab Anfang 1970 zwölf Maschinen des Musters Pilatus PC-6 Turbo-Porter. Redemann


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Last updated 30 September 2002
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