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EASTERNS ERSTE AIRBUS-BILANZAnläßlich der Auslieferung des vierten Airbus A300B4 im Dezember 1977 berichtete das mit der Einführung des europäischen Großraumflugzeugs betraute Management von Eastern Airlines Inc. an seinem Firmensitz Miami geradezu enthusiastisch über die als äußerst positiv bezeichnete Einführungsphase.Eastern, die auf ihrer Rennstrecke New York-Miami in einem äußerst harten Konkurrenzkampf mit ihren Wettbewerbern Delta Air Lines und National Airlines stehen, haben den A300 Whisperliner (Firmenslogan) voll in dem am 13. Dezember begonnenen Weihnachtsflugplan eingesetzt, der allein zwischen Miami/Fort Lauderdale und den drei New Yorker Flughäfen John F. Kennedy, LaGuardia und Newark 26 Verbindungen mit den seit Mitte November in Kraft getretenen Super-No-frills-Tarifen zu 55 Dollar (montags bis mittwochs) und 75 Dollar (donnerstags bis sonntags) bringt. Eastern vermeidet in ihrer Werbung die Bezeichnung Airbus, weil sich damit ihrer Ansicht nach der Begriff des unbequemen Billigreisens verbindet. Angepriesen werden statt dessen die Wirtschaftlichkeit und operationelle Zuverlässigkeit der leisen und rauchfreien General Electric-Triebwerke sowie die Bequemlichkeit und Freundlichkeit der Passagierkabinen mit ihren 26 40" Pitch-Sesseln in der Ersten Klasse und 203 Plätzen mit 35"/36" Pitch in der Economy-Klasse, mit den großen geschlossenen Gepäckbehältern oberhalb der Sitze und den drei Bordküchen. Die vier Airbusse in Eastern-Farben (N201EA bis N204EA) haben seit dem 24. August 200 Flüge mit mehr als 600 Flugstunden absolviert. Nach Auskunft des für den Flugbetrieb verantwortlichen Vizepräsidenten Paul M. Johnstone sind dabei die zumeist schlechten Erfahrungen, die bei der Einführung neuer Flugzeugtypen gemacht wurden, über den Haufen geworfen. Bei 45 Trainingsflügen gab es vier Ausfälle aus technischen und zwei aus betrieblichen Gründen sowie zwei Verspätungen. Bei 18 weiteren Erprobungsflügen kam es zu einer Verspätung, bei 22 Werbeflügen zu einem Ausfall und bei mehr als 100 Linienflügen zu zwei geringfügigen Verspätungen. Die erzielte Zuverlässigkeitsrate von 99.05 Prozent", sagte Johnstone, stellt einen Leistungsbeweis dar, den wir nicht für möglich gehalten hätten." Mit dem Airbus Vorsprung vor der Konkurrenz Begeisterung zeigen auch die für den Flugbetrieb, das Marketing und die Public Relations verantwortlichen Eastern-Manager. Flugkapitän William Preissner, der als erster amerikanischer Pilot die Airbus-Lizenz erwarb: Ich habe bei meinen Kollegen im Cockpit noch keinen vergleichbaren Enthusiasmus erlebt." David B. Künstler, dem der Verkauf und die Werbung für die täglich fast 1500 Esstern-Flüge obliegt: Wir haben mit der A300 einen deutlichen Vorsprung gegenüber unserer schärfsten Konkurrenz Delta erzielt, die statt eines brandneuen Flugzeugs die seit Jahren gebaute Boeing 727-200 bestellt hat." Und Michael J. Fenello, der für die Zuverlässigkeit und Sicherheit des zwischen mehr als 100 amerikanischen Städten abgewickelten Flugbetriebs verantwortlich ist: Nach der äußerst kurzen Probezeit bin ich äußerst zufrieden und hoch erfreut. Wir haben, soweit ich mich erinnere, nie weniger Probleme und Ärger mit einem neuen Flugzeuggehabt. Die auf Anhieb erreichte Flugzeit von neun Stunden pro Tag wird in Kürze auf zehn Stunden steigen. Das ist ein staunenswerter Auslastungsgrad für ein Mittelstreckenflugzeug." Den Airbus-Bauern in Toulouse und München muß es wie Musik in den Ohren klingen, was Vizepräsident Morton Ehrlich, der Chef der Planungsabteilung von Eastern, berichtet. Er verweist darauf, daß ein Großteil der aus 240 Düsenflugzeugen bestehenden Eastern-Flotte als Folge der vom Luftfahrtbundesamt erlassenen strengeren Lärmvorschriften bis 1990 ausgemustert oder auf leisere Triebwerke umgerüstet werden müsse. Das betreffe in erster Linie die DC-9 und die Boeing 727-100, von denen Eastern mehr als 200 Maschinen in Betrieb hat. Der zunehmende Passagieransturm auf den dichtbeflogenen Strecken des Eastern-Netzes lasse innerhalb dieses Zeitraums den Kauf von 50 Großraumflugzeugen des Typs A300 geboten erscheinen. Eastern betreibt die vier A300 auf der Basis eines in der Branche neuartigen Finanzierungs-Experiments. Über die Bank of America hat Airbus Industrie die vier Testmaschinen an die eigens von ihr gegründete Airbus Leasing Corporation verliehen, die sie wiederum Eastern kostenlos zur Verfügung stellt. Den Zinssatz von jährlich vier Prozent auf die Gesamtkaufsumme von 108 Millionen Dollar bringt Airbus Industrie auf. Um die Ersatzteil-Lieferungen zu gewährleisten, wurde zusätzlich die Airbus Service Corporation in Miami errichtet, die Eastern mit technischem Rat und Tat zur Seite steht. Eigene Mittel in Höhe von sieben Millionen Dollar setzte Eastern bisher für zusätzliche Flugzeugausrüstung und die Umschulung von bisher 1370 Firmenangehörigen, darunter 28 im Cockpit, ein, von denen die ersten neun bei der Aeroformation in Toulouse ausgebildet wurden. Bestellt wurde auch ein Airbus-Flugsimulator, der bis Sommer 1979 in Dienst gestellt werden soll. Inzwischen sind auch die Finanzierungsgespräche für die ersten Airbus-Käufe eingeleitet worden. Eastern-Präsident Frank Borman unternahm Anfang Dezember eine Europareise, die ihn auch nach Bonn führte. Ein Indiz für eine positive Kaufentscheidung sind die Airbus-Baunummern 65 bis 69, die in der Endmontagehalle von Toulouse bereits mit dem Eastern-Zeichen versehen worden sind. Text: Rudolf Metzler
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