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VFW614: WAS NUN?Die Aufgabe des Programms VFW614 ist nach dem Stopp der deutschen Senkrechtstarter vor rund einem Jahrzehnt der zweite große, milliardenschwere Rückschlag für die deutsche Luftfahrtindustrie. Es gab wohl keine andere Wahl für die neue Geschäftsführung der VFW-Fokker-Betriebsgesellschaft in Bremen und für die Bundesregierung, denn - so wird argumentiert - bei Weiterführung der VFW614 wäre die Bremer Firma innerhalb kürzester Zeit vom Konkurs bedroht gewesen.So schmerzlich dieser Abbruch eines seit vielen Jahren mit großen Hoffnungen verfolgten Programms auch sein mag, nun ist nicht die Zeit, in selbstzerstörerischer Rückschau etwaige Schuldige an den Pranger zu stellen (VFW-Fokker-Vorstand Klapwijk wird nach unserer Meinung von vielen Seiten in wenig sachlicher Weise angegriffen!), sondern es müssen so schnell wie möglich Lehren gezogen und Weichen für die Zukunft gestellt werden. Für VFW-Fokker bedeutet dies, nicht nur marktschreierisch BlankoAuslastung zu fordern, sondern zu versuchen, sich noch vor der geplanten Fusion mit MBB im harten Wettbewerb mit den Konkurrenten zu bewähren. Uns scheint, daß der neue Bremer Geschäftsführer Kosegarten die Lage völlig illusionslos und realistisch sieht, wenn er feststellt: Wir müssen wieder ganz von vorne anfangen!" Selbstverständlich sind Überbrückungshilfen des Bundes dazu nötig, nicht zuletzt, weil in der ohnehin nicht aufgeblähten deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie Kapazitäten erhalten werden müssen, die wir morgen schon dringend brauchen, wenn der Airbus-Ausstoß nach dem Tief der letzten Jahre wieder hochgefahren werden muß und mit Anlaufarbeiten für die kleinere Version Bl0X zu rechnen ist. Diese Vorhaben nun zu finanzieren, ist die vordringlichste Aufgabe. Doch darin sollten sich die deutschen Zivilflugzeugbau-Aktivitäten nicht erschöpfen. Durch den Abbruch der VFW614 werden trotz der hohen Liquidierungskosten doch erhebliche Mittel frei, die für realistische Projekte der Industrie eingesetzt werden können. Dabei denken wir an den schrittweisen Ausbau der Hubschrauber-Familie bei MBB und an ein neues Commuter/Utility-Flugzeug mit 20-25 Sitzen aus dem Hause Dornier, das auf der Basis des vom Bund geförderten Tragflügels Neuer Technologie (TNT) mit großen Aussichten auf einen weltweiten Markterfolg in Angriff genommen werden sollte. Dieser Unterbau" an kleineren und mittleren Flugzeugen scheint dringend notwendig, um das nach wie vor latente Großrisiko im Airbus-Programm etwas zu mildern, denn - mit der VFW614 sind noch lange nicht alle Gefahrenpunkte in der Branche ausgeräumt! Und was die umherschwirrenden Ratschläge zur Strukturfrage betrifft: Man möge doch nicht schon wieder nach einer Einheitsgesellschaft rufen. Gesundes muß erhalten und Krankes isoliert davon saniert werden. Das Heil liegt nicht in der Unternehmensgröße - das sollten viele Beispiele der letzten Jahre gezeigt haben. Die Leistung entscheidet! pl Aus" für dle VFW 614Der Aufsichtsrat der Zentralgesellschaft VFW-Fokker mbH, Düsseldorf, paritätisch besetzt mit den deutschen und niederländischen Anteilseignern, hat Ende Dezember die Einstellung des Programms VFW 614 zum Jahresende 1977 beschlossen, da keine hinreichende Basis für die Weiterführung gegeben sei. Nach Bekanntwerden dieser Entscheidung reagierte die Belegschaft des Bremer Werkes mit spontanen Arbeitsniederlegungen und erzwang eine außerordentliche Betriebsversammlung.Aufsichtsrat und Geschäftsführung von VFW-Fokker begründen die Einstellung u. a. mit dem vorrangigen Ziel der Sicherung des Unternehmens. Auch in Kreisen des Wirtschaftsministeriums wird die Einstellung als Voraussetzung der anstehenden Hilfsmaßnahmen des Bundes gesehen. Mit dem Aus" in Bremen wird nach Ansicht unterrichteter Kreise auch die für Rumänien vorgesehene Produktionsstraße nicht verwirklicht werden können. Die dadurch entstehende Beeinträchtigung des deutsch-rumänischen Verhältnisses wird in Bonn mit Sorge betrachtet. Nachdem die Betriebsgesellschaft VFW-Fokker in Bremen erst vor wenigen Wochen den 614-Vertrieb in eigene Regie übernehmen konnte, gelten in Expertenkreisen die in dieser Zeit hereingeholten Verkaufsaussichten mehr als positiv. In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, daß auch nach den Erfahrungen von Fokker-VFW der Verkauf von Flugzeugen eine langatmige Sache sei. Beispielsweise hat Peru im Februar 1973 einen Vertrag für drei F.28 unterzeichnet, nachdem die ersten Präsentationen im April und Mai 1970 erfolgten. Oder: Die im Mai 1972 von Nigeria gekauften drei F.28 gehen auf eine Studie zurück, die 1968 in Angriff genommen wurde. Für die Fortführung des Programms wären nach Angaben aus Parlamentskreisen für einen Zeitraum von etwa 1 bis 2 Jahren etwa DM 150 Mio. bis max. DM 200 Mio. erforderlich gegenüber den DM 500 Mio. Abbruchkosten". Von anderer Seite wird dieses Zahlenspiel jedoch als unrealistisch hingestellt. So habe das Bundeswirtschaftsministerium eigene Untersuchungen über die VFW614 angestellt. Danach wären DM 100 Mio. allein für Verbesserungen erforderlich. Auch habe das Bonner Wirtschaftsministerium in dieser Sache Gespräche mit McDonnell Douglas und Boeing geführt, die die sogenannten negativen Berechnungen bestätigt hätten - ohne indessen das technische Konzept des Flugzeugs in Frage zu stellen!
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