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Kampfflugzeug für die Luftwaffe?

F-18L

Auf die deutsche Luftwaffe kommt eine Entscheidung zu, eine Entscheidung, die rechtzeitig getroffen werden muß. Auf welche Weise soll ein Kampfflugzeug der nächsten Generation beschafft werden? Der gegenwärtige Bestand an Luftwaffe-Flugzeugmustern des Typs McDonnell Douglas F-4E Phantom II wird nach 1980 veraltet sein. Die Luftwaffe muß bereits jetzt beginnen, die drohende Lücke mit einem fortgeschrittenen Kampfflugzeug zu schließen.

Northrop YF-17 alias F-18L

Die zahlreichen Wege, ein solches Kampfflugzeug zu beschaffen, die verschiedenen Projekte, die für die Bundesrepublik hier verfügbar sind, werden in diesem kritischen Jahr auf den redaktionellen Seiten von FLUG REVUE + flugwelt diskutiert. Es ist wahrscheinlich, daß die Entscheidung der Bundesrepublik bezüglich dieses Kampfflugzeugprojekts der nächsten Generation einen Meilenstein setzen, einen Wendepunkt markieren könnte: in der internationalen Zusammenarbeit und in der Bestrebung, die NATO-Waffen zu standardisieren und interoperabel - also im Einsatz miteinander verträglich - zu machen. Alle NATO-Partner im Bündnis streben dieses Ziel an.

Die Zweiweg-Straße der Standardisierung und Interoperabilität ist der Schlüssel dazu, die wirtschaftlichen Mittel des Bündnisses zu vereinen und die NATO zu einer echten Gemeinschafts-Streitmacht zusammenzuschweißen. Sie ist aber auch der Schlüssel zur Vermeidung von Verschwendung und unnötiger Doppelgleisigkeit: Die finanziellen Lasten und wirtschaftlichen Vorteile hinsichtlich der Arbeitsplätze und des technologischen Fortschritts der NATO-Verteidigung würden gerecht zwischen den Partnern aufgeteilt.

Die Rüstungspolitik der USA - das wurde in dieser Publikation bereits mehrfach gesagt - ist gegenwärtig voll auf die Unterstützung der Standardisierung ausgerichtet. In den USA wird heute Gerät konstruiert, das sicherstellt, von allen NATO-Streitkräften verwendet werden zu können. Die taktischen Waffensysteme der Amerikaner sind auf Standardisierung hin entworfen und im Einsatz mit der Ausrüstung der eigenen Teilstreitkräfte und der NATO-Verbündeten interoperabel.

Ein ausgezeichneter, auf Kooperation ausgelegter Kandidat für Deutschlands Kampfflugzeug der nächsten Generation ist die F-18L Cobra der Northrop Corporation, eine landgestützte Ableitung des F/A-18 Hornet-Programms für die US Navy. Die F-18L wurde als Flugzeug konzipiert, das nach Northrop-Angaben den Bedarf der deutschen Luftwaffe an einem leistungsstarken, fortschrittlichen Kampfflugzeug befriedigt, das in den komplexen, gefährlichen Umweltbedingungen der achtziger Jahre bestehen kann. Der hohe Anteil neuer Technologien in der F18L bietet ferner der deutschen Industrie reichlich Gelegenheit, an Entwurf, Erprobung, Qualifikation, Bearbeitung und Serienanfertigung von „Hartware" entscheidenden Anteil zu haben.

Sollte die Wahl der deutschen Regierung für das nächste Kampfflugzeugprojekt der Luftwaffe auf die F18L entfallen, dann würde dies nach Ansicht der Herstellerfirma Northrop einen kleineren Schritt bedeuten als der lange 10 Jahres-Sprung, den die deutsche Industrie unternehmen müßte, um die benötigte technologische Basis zu schaffen; ganz zu schweigen von dem darauf folgenden, auf fünf Jahre veranschlagten Detailkonstruktions-, Erprobungs-, Evaluations- und Produktionsprogramm, das erforderlich würde, wenn die deutsche Industrie einen Alleingang unternehmen würde.

In den USA ist man heute der Ansicht: Wenn die deutsche Regierung ihr Kampfflugzeugprojekt der Zukunft quasi von einem weißen Blatt Papierweg beginnt und die dafür notwendigen umfangreichen technischen Anstrengungen zusammen mit einer bedeutenden deutschen Luftfahrtfirma unternimmt, dann könnte das erste Flugzeug nicht vor 1990 bis 1995 einsatzbereit sein - auch nicht, wenn das Vorhaben in einem Konsortium mit französichen oder britischen Unternehmen in Angriff genommen würde.

Bereits 1982/1983 einsatzbereit

Im Gegensatz dazu könnte die F-18L, da sie auf der bewährten Technologie-Grundlage des anlaufenden US-Navy-Programms F-18 aufbaut, bereits in den Jahren 1982 bzw. 1983 bei der deutschen Luftwaffe Dienst tun, erklärt man bei Northrop. Die Kosten würden nach Angaben der US-Firma bedeutend geringer, die benötigte Zeitspanne kürzer sein, und es würden sich noch andere Vorteile ergeben, die in diesem Bericht noch dargestellt werden sollen.

Die F-1 8L ist eine landgestützte Ableitung aus den Kampfflugzeugprogrammen F-18/A-18 der US Navy. Die F-18 und die A-18 verfügen über internationales Marktpotential: als Mehrzweck- und Allwetter-Ersatzmuster der McDonnell Douglas F-4 Phantom II, von der 1 273 Maschinen (nicht eingerechnet die bei der US Navy und US Air Force Dienst tuenden Exemplare) bei den Luftstreitkräften der westlichen Welt im Einsatz stehen. Allerdings: Die F-18L-Landversion bietet als Extra-Vorteil ein noch zu erstellendes, beträchtliches Maß an Entwicklungsarbeit, das von deutschen Industrie-Partnern übernommen werden könnte.

Beide Flugzeuge besitzen die Allwetter- und Mehrzweckfähigkeit sowohl in der Luft-Luft- als auch in der Luft-Boden-Einsatzrolle. Die Außenabmessungen, Tragflügel und Triebwerke sind in beiden Baumustern die gleichen. Die F-18/A-18 Hornet wird - als Rückgrat der Marine-Luftfahrt der US Navy der nächsten Generation - als NATO-Flugzeug bei der US Navy und den US Marine Corps im südlichen NATO-Bereich Dienst tun.

Das US State Department hat sowohl die McDonnell Douglas Corporation als auch die Northrop Corporation ermächtigt, ihre Flugzeugmuster den NATO-Verbündeten zu präsentieren: Darunter befinden sich die Bundesrepublik, Kanada, Italien, Großbritannien, die Türkei und Griechenland. Beide Unternehmen unterbreiten gegenwärtig diesen Ländern sorgfältig ausgearbeitete Vorschläge.

Die Projekte F-18/A-18 und F-18L haben eine lange und gründliche Entwicklungszeit hinter sich: Parallel zur Konkurrenz zwischen der General Dynamics YF-16 und der Northrop YF-17 für das Lightweight-Fighter-Programm der US Air Force Ende 1974 vergab auch die US Navy eine Ausschreibung für das sogenannte NACF-Programm (Naval Air Combat Fighter = Marine-Luftkampf-Flugzeug). Die Navy forderte darin zwar ähnliche Luftkampfeigenschaften für ihr neues Kampfflugzeug, legte in ihren Forderungen aber umfangreichere Luft-Boden-Kampffähigkeiten fest, um so einen Ersatz sowohl für ihre McDonnell Douglas F-4 Phantom II als auch für die LTV A-7 Corsair II zu erhalten. Für die spezifischen NACF-Entwurfsvorschläge bildeten sich die Firmenteams Northrop/McDonnell Douglas und General Dynamics/LTV. Schließlich wählte die US Navy den McDonnell Douglas/Northrop-Vorschlag aus, weil die größere YF-17 ein höheres Maß an Luft-Boden-Kampffähigkeiten lieferte und am leichtesten zu einem Luftkampf-Jäger umgewandelt werden konnte, der für den Einsatz an Bord von Flugzeugträgern geeignet war.

Die F-18/A-18 wird von McDonnell Douglas als Hauptauftragnehmer gebaut, wobei Northrop und der Triebwerkhersteller General Electric als die größten Unterauftragnehmer fungieren. Northrop liefert dabei das Rumpfmittelstück, das Rumpfheck und die zugehörigen Untersysteme, während General Electric die F-404-Triebwerke und die Hughes Aircraft Company das Bordradar stellen.

Als bedeutender Unterauftragnehmer ist Northrop für 40 Prozent der Entwicklungs- und Produktionsaufgaben verantwortlich. Bei der Ableitung aus der F-18/A-18, der F-18L, sind die Rollen vertauscht: Northrop ist hier Hauptauftragnehmer, McDonnell Douglas wichtigster Unterauftragnehmer.

F-18/A-18 Hornet

Die Marine-Kampfflugzeuge F-18 und A-18 sind nahezu identische Flugzeuge, die die McDonnell Douglas F-4 Phantom II in der Einsatzrolle als Begleitjäger und die Vought A-7E Corsair II für leichte Erdkampfaufgaben ablösen sollen. (Die Version A-18 erhält ein Moving Map Display, also ein bewegliches Karten-Darstellungsgerät, für die Durchführung von Luft-Boden-Navigations- und Waffen-Verschuß-Aufgaben). Die Leistungen der beiden Varianten werden die ihrer Vorgängermuster F-4 und A-7E bei weitem übertreffen.

Es handelt sich dabei um einsitzige, zweistrahlige Flugzeuge - den Antriebliefern zwei General Electric F-404-GE-400- Zweikreistriebwerke niedrigen Nebenstromverhältnisses in der Schubklasse von 16 000 lbs (7 265 kp) -, die über ein charakteristisches Doppel-Leitwerk verfügen. Ferner befindet sich eine zweisitzige Trainerversion mit der Bezeichnung TF-18 in der Entwicklung. Die US Navy plant die Produktion von 800 Serienflugzeugen in den Jahren 1980 bis 1987 sowie zusätzlich 11 Erprobungsträger. Ferner sollen 200 weitere trägergestützte F-18 mit neuen Auf klärungs-Nasen ausgerüstet und für Aufklärungsaufgaben eingesetzt werden. Die gesamte von der Navy zu beschaffende Flugzeugzahl könnte sich auf 1400 F-18/A-18 Hornet belaufen.

Die trägergestützte Version wird ihren Erstflug im Herbst 1978 ausführen, nachdem bereits mehr als 500 Teststunden auf den Prototypen erflogen wurden. Die Erstauslieferung an die Marine-Geschwader wird Mitte 1981 erfolgen.

Die F-18/A-18 ist im Hinblick auf die hochkomplizierte, gefährliche Kampfflugzeug-Umwelt der neunziger Jahre ausgelegt. Die Überlebensfähigkeit in der erwarteten angespannten Situation auf dem Gefechtsfeld Mitteleuropa ist zuerst' einmal eine Funktion der aerodynamischen Leistung eines Flugzeugs, insbesondere was kontinuierliche Fluggeschwindigkeit und Beschleunigungsvermögen angeht, und zweitens eine Funktion der in den Entwurf eingeplanten Abwehrmaßnahmen wie intern installiertes, aktives und passives ECM-Gerät ausreichender Leistung, darunter auch Düppel (ECM = Electronic Countermeasures = elektronische Gegenmaßnahmen).

Hohe Überlebensfähigkeit

Ferner ist die F-18/A-18 als Kampfflugzeug konzipiert, das in einem einzigen Anflug seine sogenannten „smart weapons" zum Verschuß bringt, wobei es in Ergänzung dazu eine Vielfalt von anderen Waffen mitführen kann. Größere Oberlebensfähigkeit, Zuverlässigkeit und leichtere Wartbarkeit zeichnen den F-18/A-18-Entwurf gegenüber gegenwärtigen Flugzeugmustern aus. Das Bordradar Hughes APG-65, das speziell für die F-18-Kampfflugzeugfamilie entwickelt wurde, ist ein programmierbares Doppler-Gerät mit voll digitaler Datenverarbeitung. Neue Technologien auf dem Avioniksektor trugen dazu bei, daß die F-18 auf der Avionik-Seite flexibler ausgerüstet ist als jeder andere heutige Jäger: Sie verfügt über neun verschiedene Luft-Luft-Betriebsarten und über 10 Luft-Boden-Modes. Die Reichweite im Luft-Luft-Einsatz ist doppelt so groß wie bei der F-4 Phantom II und gestattet auch das Orten und Abschießen niedriger fliegender Flugzeuge mittels moderner Sparrow-Lenkwaffen („Look-downCapability").

Die ersten sechs F-18 Hornet befinden sich zur Zeit in St. Louis und in Kalifornien im Bau. Sieben der General Electric F-404-Triebwerke durchlaufen zur Zeit die Erprobung, und die Firma Hughes führt zur Zeit Tests mit den ersten beiden Vorserien-Ausführungen ihres Radargeräts durch.

Das gesamte Entwicklungsprogramm der US Navy wird zur Zeit mit $ 1,8 Mrd. finanziert. Die geplante Fertigungsrate wird mit 11 Navy- und Marine-Flugzeugen pro Monat angegeben. Der durchschnittliche Flyaway-Preis für die F18 der US Navy und des US Marine Corps liegt bei $ 6,1 Mio. (bezogen auf einen $-Wert wie 1975), was nach Einbeziehung der inflationären Erscheinungen einen Stückpreis von $ 10,2 Mio. in heutigen Dollars bedeutet. Bei einem Fertigungsumfang von 800 Maschinen und 11 Flugzeugen für Forschung und Entwicklung betragen die Programmkosten bei einem Dollarwert zur Zeit der Auslieferung im Jahre 1987 $ 15,8 Mio. pro Flugzeug. Eingeschlossen sind darin die militärischen Baukosten für die Modifikation bestehender Wartungs- und Service-Einrichtungen für den Betrieb der F-18A- und A-18-Maschinen. Im Vergleich dazu liegen die Flyaway-Kosten für die Grumman F14 Tomcat bei 12,4 Mio. 1975-Dollars, und die Betriebs- und Wartungskosten für dieses Flugzeugmuster werden um 50 Prozent höher als für die F-18 genannt.

F-18L Cobra

Die F-18L Cobra ist im wesentlichen eine modifizierte F-18 mit gleichen Triebwerken, dem gleichen Bordradar und vielen anderen gemeinsamen Elektroniksystemen, und auch äußerlich sind beide Flugzeuge identisch. Da die F-18L aus dem Trägerflugzeug F-18 Hornet zu einer Landausführung abgeleitet wurde, ist sie leichter, einfacher und mit mehr Leistungsüberschuß ausgestattet als diese. Gegenüber den mit $ 400 pro kg Flugzeug bezifferten Kosten für die F-18/A18 sind die in der F-18L erzielten Gewichts- und damit Kosten-Einsparungen eindrucksvoll. Das Gewicht der Basis-F-18L wird mit 27400 lbs (12 440 kg) genannt, verglichen mit 33 700 lbs(15300 kp) für die F-18. Mehr als 2 800 Ib (1 270 kg) Struktur- und Systemgewicht sind für die von Land aus durchgeführten Einsätze der F-18L unnötig geworden.

Das Fahrwerk der F-18L mußte nicht auf die harten Einsatzbedingungen auf dem Flugzeugträgerdeck ausgelegt werden (Controlled Crash Conditions), und so wurde die Fahrwerk-Tragestruktur in der F-18, die zur Aufnahme und Verteilung der durch die Landestöße auf dem Trägerdeck in den Rumpf eingeleiteten Kräfte dient, in der F-1 8L nicht mehr benötigt. Ferner konnte man auf den Fanghaken und auf den Anklapp-Mechanismus für die Tragflächen verzichten.

Das einfache Hauptfahrwerk der F18Lwiegt nur 780lbs (354 kg) im Vergleich mit dem 1280 lbs (580 kg) schweren Fahrwerk der F-18 und es ist um 66 Prozent billiger. Der Wegfall des Flügel-Klappmechanismus bringt eine weitere Gewichtsersparnis von 153 lbs (70 kg) ein: Die Elektromotoren, das manuelle Ersatzsystem dafür und der Gelenkanschluß konnten entfallen. Durch diese Vereinfachung ist die F-18L in der Lage, ebenso viele Außenstationen für die Mitführung von Waffenlasten zu erhalten wie das Erdkampfunterstützungs-Flugzeug Fairchild A-10 der US Air Force: Bis zu 16000 lbs (7265 kg) an Außenlasten kann die F-18L mitführen, um 17 Prozent mehr als die A-18.

Ausgezeichnete Kampfleistungen

Weil das Gewicht niedriger und deshalb auch die benötigte Treibstoffmenge geringer ist, macht das höhere Schub/Gewichts-Verhältnis der F-18L ihre Luft-Luft-Kampfleistung unvergleichlich größer wie bei jedem anderen Flugzeug der Welt, erklärt man bei Northrop. Die „Overall Performance", die Gesamtleistung der F-18L also, sei doppelt so groß als die der McDonnell Douglas F-4E Phantom II.

Der Vergleich wird noch weitergeführt: Gegenüber der F-4E ist die F18L um 40 Prozent leichter, das Schub/Gewichts-Verhältnis ist 50 Prozent höher, und die F-18L erzeugt um 100 Prozent mehr Auftrieb als die F-4E. Weniger als die Hälfte des von der F-4E verbrannten Treibstoffs benötige die F-18L und entwickle weit weniger Lärm, was sie zu einem besseren Nachbarn für die in Flugplatznähe wohnenden Bürger mache. Der Aktionsradius der F-18L bei einer Luftüberlegenheits-Mission sei 3,4 mal so groß . wie der der F-4E, und die Beschleunigung sei um 70 bis 100 Prozent besser.

Mißt man sie an der Trägerausführung F-18/A-18, so liegt sie hinsichtlich des Startgewichts um 15 Prozent besser und bietet einen 15 bis 19prozentigen Vorteil bezüglich' der Luft-Luft-Kampffähigkeit, meint man bei Northrop. Die F-18L ist gut für den Einsatz von den vielen in der Bundesrepublik vorhandenen 3000 ft-Startbahnen geeignet, erklärt man weiter: Die Startstrecke bei einer mitgeführten Waffenzuladung von 16 000 lbs (7265 kg) wird mit nur 1950 ft (595 m) genannt, während die Landestrecke vom Aufsetzen bis zum Anhalten 1800 ft (550) beträgt-ohne Bremsschirm und ohne Schubumkehr. Die Überziehgeschwindigkeit liegt bei 163 km/h.

Hauptziele: Wartungs- und Zuverlässigkeitsverbesserungen

Sowohl die F-18 als auch die F-18L bieten verbesserte Wartungs- und Zuverlässigkeitswerte - für beide Entwürfe waren dies zwei konstruktive Hauptziele. Das spezielle Augenmerk, das man Wartungs- und Zugänglichkeitsfragen bei der Konstruktion gewidmet hat, hat die direkten Wartungs-Mannstunden pro Flugstunde auf 16 Stunden gesenkt, verglichen mit noch 18 Stunden für die F-18A und 38 für die F-4E. Die Teilegleichheit der F-18L mit der F-18 sichert nach Meinung Northrops ausländischen Betreibern gut bestückte Ersatzteillager: Die US Navy bezieht die F-18L in ihr integriertes Unterstützungssystem ein, um gute Logistik-Bedingungen zu gewährleisten.

In der Luft-Boden-Einsatzrolle kann die F-18L eine große Vielfalt von Waffen für Interdiction-Missionen eines Radius von 700 miles (1127 km) mitführen. Die Waffen-Aufhängevorrichtungen können mit FLIRund LST-Systemen bestückt werden (FLIR = Forward Looking Infrared, LST = Laser Spot Tracker). Zur Bewaffnung zählen maximal 18 Maverick-Lenkwaffen, ein 30 mm-Kanonenbehälter und eine innen eingebaute 20 mm-Kanone. Zu einer normalen Bewaffnung einer F-1 8L zählen sechs Maverick-, drei Rockeye- und zwei Sidewinder-Lenkwaffen.

In der Luftnahunterstützungs-Mission verdankt die F-18L ihr hohes Maß an Überlebensfähigkeit dem Geschwindigkeits- und Wendigkeitsvorteil gegenüber langsameren Flugzeugtypen in dieser Einsatzrolle. Statt mit Panzerung gegen leichten Beschuß geschützt zu sein, fliegt die F-18L ihre Bodenziele mit einer Geschwindigkeit von Mach 0,92 an - von 150 miles (240 km) entfernten Stützpunkten aus. Sie kann sich 2,2 Stunden im Zielgebiet aufhalten. Für spezielle Panzerbekämpfungs-Einsätze ist sie mit drei 30 mm-Kanonenbehältern ausrüstbar, die die gleichen Geschosse wie die Fairchild A-10 zum Verschuß bringen. Nachdem die Waffenzuladung auf gepanzerte Bodenziele verschossen ist, zieht sich die F-18L mit einer Steigrate von 16 000 ft/min (ca. 80,9 m/sec) aus dem Zielgebiet zurück - die Nachbrenner.

Einladung an deutsche Industrie

Das F-18L-Programm bietet der deutschen Industrie nach Ansicht der Firma Northrop ein umfassendes technologisches Programm für Entwicklung, Erprobung, Qualifikation und Koproduktion. Eine beträchtliche Menge an eigenständigen Arbeiten muß noch durchgeführt werden, denn 25 bis 30 Prozent des Navy-Entwurfs F-18 werden noch modifiziert. Zu den Technologie-Aufgaben zählen statische und aerodynamische Tests mit unterschiedlichen Zuladungen; die Re-Integration von Avioniksystemen, die Konstruktion und die Qualifikation eines neuen Fahrwerks und Ersatz bzw.' die Eliminierung von Komponenten. Northrop weist ausdrücklich darauf hin, daß dieses F-18L-Entwicklungsprogramm sehr wohl mit kenntnisreichen, fähigen deutschen Industrie-Partnern geteilt werden könne.

Die Entwicklungskosten und der benötigte Zeitaufwand werden durch die Ableitungs-Verwandtschaft der F-18L zum F-18/A-18Programm reduziert. Wäre die F18L ein eigenständiges Flugzeugprogramm und kein Derivat des Navy-Programms F-18, so würden für seine Entwicklung ca. $ 800 Mio. bis $ 1 Mrd. erforderlich. Weil es aber in der unmittelbaren Nähe dieses vorzüglich unterstützten und gut finanzierten Navy-Programms angesiedelt ist, wird nur ein Bruchteil dieser Entwicklungsgelder für die Konstruktion, die Integration, den Bau und die Erprobung der vier Vorserlen-F-18L (ein- und zweisitziges Modell) benötigt.

Wie sagt man bei Northrop? Bereits 1980 bis 1990 könne ein „low energy airplane" (ein schwach motorisiertes Flugzeug) gegen die SAM-Boden-Luft-Lenkwaffen des Warschauer Paktes nicht mehr überleben. Nur ein leistungsstarkes Flugzeug (high energy airplane) wie die F-18L könne dies, nicht aber der Alpha Jet und die F-4E. 1982 bereits, so der US-Hersteller, könne die erste F-18L Cobra in der deutschen Luftwaffe Truppendienst tun.
Text: Norman Lynn
 


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Letzte Änderung: 27 März 2003
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