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BALKAN BULGARIAN AIRLINESDen staatlichen Ostblock-Fluggesellschaften wird vom Passagier hierzulande mancher Vorbehalt entgegengebracht. Im Fall der Balkan Bulgarian Airlines zu Unrecht, wie unser Airline-Test beweist.FR-Testflug a) mit LZ 146 von Istanbul nach Sofia und b) mit LZ 127 von Sofia nach Frankfurt/Main. Flugstrecke: a) 494 km b) 1463 km Flugzeit: a) 1 h 05 min b) l h 20 min Flugzeugtyp: a) Antonow An-24 b) Tupolew Tu - 134 Flugpreis: a) DM 267 b) DM 865 Istanbuls Airport bot in den Morgenstunden kein schönes Bild. Anscheinend fehlt es hier an jenen Kolonnen von türkischen Arbeitern, die bei uns in der Bundesrepublik überwiegend für Sauberkeit sorgen. Außer dem Schild Passport" und einem Kiosk Information gibt es in der Halle keine weiteren Hinweise. Die Abfertigungsschalter der internationalen Fluggesellschaften - Alitalia, Lufthansa, PanAm, KLM, Swissair, British Airways - sind leicht zu finden. Überdies herrschte um sieben Uhr 30 kein Andrang Dementsprechend zügig war das Einchecken. im geräumigen Warteraum mit Duty Free Shop und Basar eine große Anzeigentafel und grüne Schilder mit schwarzem Pfeil, die zum jeweiligen Gate eine Treppe tiefer wiesen. Man hat das Gefühl. nun geht es in den Keller: Zwei Verschläge trennen Männer und Frauen zur robust gehandhabten Taschen- und Leibeskontrolle in einer aber auch total verschmutzten Umgebung. Warum so muß man sich fragen, fällt den Inspektoren der Flughafenverwaltung dieser Dreck nicht auf? Mit dem Bus schließlich zum Flugzeug, einer alten Propellermaschine Antonow An-24. Wir hatten von Istanbul, nach Sofia und von dort zurück nach Frankfurt die Erste Klasse gebucht. Für sie waren im Heck der Antonow An-24 15 Plätze vorgesehen; besetzt wurden nur vier. Die Economy hingegen war gut frequentiert. Rein äußerlich machte die Kabine keinen sehr gepflegten Eindruck. Die blau bezogenen Sitze und die grünweiß gestreiften Gardinchen an den Ausblicken konnten die allgemeinen Alterserscheinungen nicht über- Lind verdecken. Beim Rollen zum Start, was immerhin neun Minuten und 25 Sekunden dauerte, schepperte die Maschine in ungewohnter Weise. Kein Wunder, denn sie gehört zu den Oldtimern der russischen Flugzeugindustrie: In anderthalb Minuten hob die Antonow ab, und die Propeller rotierten die eine Stunde und fünf Minuten Flugzeit ohne irgendwelche Ermüdungserscheinungen und vermittelten uns ein Fluggefühl, das wir seit 15 Jahren vergessen hatten. Der dreisprachigen Ansage des Kapitäns war zu entnehmen, daß wir in 5200 Metern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 600Stundenkilometern gen, Sofia flogen. Trotz mancher Nebengeräusche kam die Stimme des Kapitäns klar verständlich aus den Bordlautsprechern; in Bulgarisch, Englisch und - zu unserem großen Erstaunen - auch in Deutsch. Wir vermuten, dies geschah uns zuliebe, obgleich wir uns nicht als FR-Tester zu erkennen gegeben hatten. Um so mehr nachträglich ein Dankeschön ins Cockpit. Ungewöhnlich guter Service Uns wartete der Steward auf, als wären wir Respektspersonen. In Englisch fragte er, was wir zu trinken wünschten: Tee, Kaffee, Wein. Auf schön dekoriertem Teller reicht er eine Zitronenscheibe mit Kaviarkörnchen, Champignons Tomatenscheiben, Gurkensalat, mit Butter und Brötchen sowie Weintrauben und Mandeln - für ein frühes Frühstück unglaublich viel. Wir registrierten ferner Stoffservietten und Metallbesteck sowie einen extra für uns zubereiteten starken Filterkaffee. Ein ungewöhnlich guter Service, den wir beim Einsteigen in die alte Mühle nicht erwartet hatten. Im Vergleich zu den beiden heilblau . gekleideten Stewardessen, den Damen Draganova und Birakova, die nur Bulgarisch sprachen und eine geschäftige Mütterlichkeit an den Tag legten ließ der Steward, Herr Mintschev, einen Ausbildungsstand erkennen, der internationalem Maßstab entsprach. Als einige Passagiere noch schnell einen Kaffee wünschten, kam die Stewardeß mit einem Aluminiumkessel und goß heißes Wasser auf das Pulver in den Tassen. Das wirkte zwar irgendwie lustig, aber üblich ist eint solche Bedienung wohl nicht: Ein Wackeln der Maschine, und der heiße Strahl geht auf die Hose. Dennoch haben wir uns auf diesem Flugabschnitt sehr umsorgt gefühlt. Etwas wackelig ging es in Sofia auch runter: nachdem der Steward in Bulgarisch, Türkisch und Englisch, zum Angurten aufgefordert hatte. Glatte Landung von Kapitän Deribec und seinem Copiloten Aijoshs Mit im Cockpit saßen noch der Bordingenieur Petrov und der Funker Ivanov. Fünf Minuten und 45 Sekunden nach dem Aufsetzen stand die Antonow. Begierig auf frische Luft verließen wir die von bulgarisch-türkischem Männerschweiß gesättigte Kabine. Zwischenstation in Sofia-Bojurischte und Umsteigen nach Frankfurt/Rhein-Main. Das hieß, anderthalb Stunden Aufenthalt im Transitraum. Flughafen Sofia: unsauber Zeit für Momentaufnahmen dieser Art: Die Wartehalle übersichtlich, aber unsauber. Staub, wohin man faßt, worauf man sich setzt. Eine Flughafenbedienstete nimmt sich mit Strohbesen und angerosteter Handschaufel des gröbsten Schmutzes an. Der Staub wird nicht weniger. Nur die Toiletten sind in Ordnung. Im Duty Free Shop eine mürrische, fast widerwillige Bedienung. Die Kontrolle, bei der Ticket und Gepäckschein einbehalten werden, ist laut und unwirsch. An den Konntrollkabinen abgerissene, schmutzig-rote Plüschvorhänge. Altes in allem ziemlich trostlos. Auch Fluggesellschaften sollten mit dahinwirken, daß zumindest ihr jeweiliger Heimatflughafen zu einem präsenten Aushängeschild wird. Auf diesem Sektor ist noch viel zu tun, nicht zuletzt auch in Sofia. Erst nach Betreten der Maschine, einer Tu-134, konnte das Auge sich wieder erfreuen: roter Veloursboden, roter Polsterstoff, die Armlehnen der Sitze aus schwarzem Leder; die Stewardessen in gleich hellblauen Kostümen wie ihre Kolleginnen auf der Strecke Istanbul - Sofia, nur hübscher - nicht die Kostüme, aber die Mädchen. Alles in allem außerordentlich gepflegt. Gelungen im Design und auch hinsichtlich der Geräuschisolierung, die bei russischen Maschinen im allgemeinen selten als gelungen zu bezeichnen ist. Die Erste Klasse, diesmal vorn, war bei der Tupolew kleiner angelegt als in der Antonow: statt 15 nur acht Exklusiv-Plätze. Davon waren drei besetzt. Auf einem der 1,-Klasse-Sitze quirlte ein sechsjähriges bulgarisches Mädchen, das allem Anschein nach nicht zum erstenmal allein per Flugzeug reiste. Die Stewardeß Lilia Spasova wurde von dem Kind ständig in Trab gehalten. Wir wurden von Frälein Stanka Kovandjlska betreut, einer lebenswürdigen jungen Frau, die ein hartes aber sehr gutes Englisch sprach und für jede führende Fluggesellschaff ein Gewinn wäre. Dritte im Bunde des durchweg weiblichen Kabinenpersonals war Jolanka Velitchkova. Auch sie verdient uneingeschränktes Lob. Alle drei Damen boten nicht nur in ihren kniebedeckten Röckchen, den blau-blauen Schürzchen über dem properen Kostüm und dem dezenten Make-up einen erfreulichen Anblick. Auch ihre Aufmerksamkeit gegenüber den Passagieren an Bord, unabhängig von deren Nationalität und Status, war während des etwas über zweistündigen Fluges ohne Fehl und Tadel. Daß sie auch auf dieser Strecke mit dem Wasserkessel durch die Kabine gingen, muß an der Direktion liegen. Dank der umfassenden Präsenz ihres Kabinenpersonals, - das alle Durchsagen in Bulgarisch, Englisch und einem guten, verständlichen Deutsch erledigte, brauchten weder der Kapitän Juan Chikiov noch sein Copilot Metodi Baliev mit eigenen Ansagen zum Bordmikrofon zu greifen. Für den nicht zu beanstandenen Flugablauf sorgten übrigens im Cockpit noch der Ingenieur Georgi Videnov und der Navigator Peter Krustev. Wirschreiben die Namen so, wie sie den FR-Tester auf ihre Bitte hin auf einem Zettel notiert wurden. Souvenirs an Bord Zum Essen und Trinken an Bord: Angeboten wurden Tee, Kaffee, Wein, Orangensaft mit Schweppes. Das Kind bekam von Lili Kakao. Wir erhielten von Stanka auf einem Tablett einen bunten Teller, appetitanregend dekoriert, mit Salami, Mortadella- und Schinkenscheiben, mit Champignons und Weintrauben, mit feingeschnittenen Tomaten- und Gurkenstückchen; das alles mit Petersilie garniert, mit einer Zitronenoblate, auf der 14 Kaviarkörnchen plaziert waren, mit zwei Sorten Käse, mit einem abgepackten Butterportiönchen und Brötchen, Die Kleine bekam von Lili noch Nüsse und Schokolade. Wir erhielten statt dessen als Souvenir eine Kollektion ungestempelter bulgarischer Luftpostbriefmarken, insgesamt 39, unterschiedlich in, Motiv, Farbe und Wert- eine Aufmerksamkeit, die nicht nur Philatelisten zur Freude gereicht. Und das war es eigentlich, was diesen Flugabschnitt insgesamt ausmachte: eine richtige Freude. Wer bislang gegenüber den staatlichen Ostblock-Fluggesellschaften - mitunter berechtigte - Vorbehalte hatte, der kann sie in bezug auf die Balkan Bulgarian Airlines weltgehend vergessen. Zumindest hat unser Testflug, der naturgemäß als Momentaufnahme verstanden werden muß, unsere anfänglichen Vorbehalte gänzlich abgebaut Text: Dieter Riwola und Margot Weinert
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