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Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie PROGRAMME FÜR DIE 80ER JAHREDie Internationale Luftfahrt-Ausstellung ILA'78 in Hannover wird wie in den vergangenen Jahren wieder zum wichtigsten Schaufenster der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Im Freigelände stellen die Prototypen und Vorserienmaschinen der Programme MRCA Tornado und Alpha Jet die Leistungsfähigkeit auf dem militärischen und der Airbus A 300 auf zivilem Gebiet unter Beweis. Auf den Firmenständen in den Ausstellungshallen werden aber darüber hinaus erstmals Hinweise auf neue Vorhaben für die achtziger und neunziger Jahre zu finden sein, die als Folgeprogramme der heutigen Serien in Zukunft von ;größter Bedeutung werden dürften. Wir berichten in folgender kompakter Zusammenfassung über die wichtigsten Vorhaben dieser deutschen Schlüsselindustrie.Nach vielen Jahren zermürbender öffentlicher Diskussionen über die großen Programme der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie scheint nun eine Phase der Konsolidierung eingetreten zu sein. Zwar mußte das hoffnungsvoll gestartete Vorhaben VFW 614 Ende letzten Jahres auf Betreiben der neugebildeten Geschäftsführung des Bereichs Bremen mangels Aufträgen eingestellt werden, um das Überleben der Firma VFW-Fokker sicherzustellen, aber das wesentlich gewichtigere Airbus-Programm, an dem VFW-Fokker ebenso wie MBB maßgeblich beteiligt ist, zeigt in den letzten Monaten eine erfreulich ansteigende Verkaufstendenz. Auf militärischem Gebiet sind die Serien für das MRCA Tornado und den Alpha Jet angelaufen und sichern bei MBB, VFW-Fokker und Dornier bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein einen wichtigen Teil der Auslastung im Produktionsbereich. Kleinere Programme wie der Hubschrauber MBB Bo 105 und die Dornier Skyservant erzielen nach wie vor beständige Verkaufserfolge in aller Welt. In den Projektabteilungen wird an neuen Vorhaben gearbeitet, wie z. B. an der kleineren Airbus-Variante A 300 B10, an neuen MBB-Hubschrauber-Mustern wie dem Panzerabwehr-Hubschrauber der 2. Generation (PAH-2) und dem deutsch-japanischen BK-117 und bei Dornier an einer Verbreiterung der Palette von zweimotorigen Kurzstart-Mehrzweckflugzeugen. Darüber hinaus stehen Experimentalgeräte in Erprobung, die in absehbarer Zukunft auch in die Produktionsphase führen könnten, so z. B. der Fantrainer von Rheinflugzeugbau/VFW-Fokker und die gefesselte Rotorplattform Do 34 Kiebitz von Dornier. Zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben auf dem Kampfflugzeugsektor gehören die bei allen drei deutschen Firmen laufenden Studien für das taktische Kampfflugzeug (TKF) der neunziger Jahre, über die wir bereits in FR 4/78 erstmals ausführlich berichtet haben. Diese große Bandbreite an Aktivitäten auf dem Luftfahrtgebiet wird ergänzt durch die Raumfahrtprogramme Spacelab, Ariane, und verschiedene neue Forschungs- und Anwendungssatelliten. Auf den folgenden Seiten geben wir einen Überblick über die Produktions- und Entwicklungsprogramme bei den einzelnen deutschen Unternehmen. DORNIER Schwerpunkt der Flugzeugproduktion ist das in vollem Umfang anlaufende Alpha Jet-Programm. Anfang April flog die erste Maschine aus der Serie für die deutsche Luftwaffe in Oberpfaffenhofen. Diese A1 wird in Hannover zusammen mit dem Prototypen 03 zu sehen sein. Die A2 folgt dann Ende Mai, die A3 wird im Juli aus der Halle rollen und dann bis September zur Ausbildung des technischen Luftwaffen-Personals in Oberpfaffenhofen dienen, anschließend geht sie zur Technischen Schule der Luftwaffe. Bis Ende 1979 wird die Ausstoßrate auf 10 Maschinen pro Monat gesteigert, davon rollen je vier in Frankreich und sechs in Deutschland aus der Endmontage. Die Ausrüstung der Luftwaffe wird bis Ende 1981 abgeschlossen sein, während Frankreich bis 1985 beliefert wird. Die erste Maschine für Belgien fliegt im kommenden Sommer in Frankreich erstmals, die weiteren der 33 bestellten Maschinen sollen in Belgien endmontiert werden. Weitere Exportaufträge kamen aus Marokko (25), Elfenbeinküste (6 plus 6 Optionen) und Togo (5), so daß Gesamtbestand an Festbestellungen für den Alpha Jet nun bei 469 Maschinen liegt. Etwas pessimistischer als noch im Vorjahr werden bei Dornier derzeit die Chancen beurteilt, bei der VTX-Ausschreibung für einen Trainer der US Navy zum Zuge zu kommen. Das Erprobungsprogramm des Alpha Jet SKF (= superkritischer Flügel) dürfte erst im kommenden Jahr anlaufen, es soll wichtige Aufschlüsse über die Eignung dieses transsonischen Profils für künftige Kampfflugzeuge liefern. TKF und Turbo-Skyservant Weitere Schwerpunkte im Bereich von Kampfflugzeugen liegen bei den Studien- und Experimentalarbeiten für das LSK (=leichtes schwebefähiges Karriplflugzeug), ein Bericht über dieses Vorhaben ist auf Seite 68 dieser Ausgabe zu finden. Darüber hinaus beschäftigt sich Dornier parallel zur Arbeitsgruppe MBB/ VFW-Fokker mit eigenen Entwürfen für das TKF-90 (= Taktisches Kampfflugzeug der 90er Jahre). Über diese Arbeiten haben wir bereits ausführlich in FR 4/78 berichtet. Dornier hat für das TKF ein interessantes neuartiges Trapezflügel-Konzept vorgeschlagen, das in Wind- und Wasserkanalversuchen dem Vernehmen nach sehr gute Resultate erbracht hat (siehe Farbphoto auf Seite 29). Ein Modell dieses Konzepts wird in Hannover ausgestellt. Die Auftragslage für das Stol-Mehrzweckflugzeug Dornier Skyservant entwickelt sich weiter sehr positiv. Derzeit sind mehr als 240 Maschinen bestellt und etwa 230 ausgeliefert. Zu den jüngsten Kunden zählen Malawi (6) und ein nicht genanntes Land in Fernost (2). Als neues Aufgabengebiet für dieses vielseitige Flugzeug wird die Hagelabwehr in baden-württembergischen Obstbaugebieten diskutiert. Als Überraschung zeigt Dornier in Hannover eine auf Turboproptriebwerke Lycoming LTP-101 umgerüstete Skyservant, die zunächst nur als Erprobungsträger dient. Erst nach Abschluß der Versuchsprogramms und bei entsprechendem Marktbedarf soll darüber entschieden werden, ob diese Turbo-Skyservant neben der bekannten Kolbenmotorversion in Serie gehen wird. Neues Zivilprojekt LTA Im nächsten Jahr ist mit dem Erprobungsbeginn einer weiteren Experimentalmaschine auf der Basis der Skyservant zu rechnen, die mit einem Tragflügel neuer Technologie (TNT) und zwei Propellerturbinen des Typs Garrett-AiResearch TPE-331 ausgerüstet wird. Der TNT-Flügel wird ein von Dornier selbst entwickeltes superkritisches Profil (Do A-5) aufweisen und aus numerisch gefrästen Bauteilen bestehen. Die Erprobungsergebnisse dieser TNT-Skyservant werden in ein völlig neues Zivilflugzeug einfließen, das bei Dornier schon seit geraumer Zeit intensiv verfolgt wird. Es handelt sich dabei um ein zweimotoriges PTL-Flugzeug der 6t-Klasse für etwa 19-25 Passagiere (derzeitige Arbeitsbezeichnung LTA = Light Transport Aircraft) mit einer Spannweite von 18 m, einer Länge von 16 m und einer Flügelfläche von 34 m2. Die Rumpfinnenbreite soll bei etwa 2,5 m liegen, so daß die Passagiersitze in Dreierreihen mit Mittelgang untergebracht werden können. Erste Marktuntersuchungen haben offenbar sehr positive Resultate ergeben, und dem Vernehmen nach liegen bei Dornier bereits mehr als 50 Optionen für dieses vielversprechende Flugzeug vor. Noch in diesem Jahr dürfte deshalb die endgültige Entscheidung über den Start dieses Programms fallen, das eine beachtliche Verstärkung des Dornier-Angebots an Zivilflugzeugen neben dem wohl noch lange Jahre laufenden Skyservant-Programm darstellen würde. Auch die Überlegungen für ein hochseefähiges Amphibien-Flugboot laufen bei Dornier nach wie vor weiter, und es zeigt sich für den derzeitigen Projektvorschlag Do 24A (FR 2/78) großes Interesse in Ländern Mittel- und Südamerikas sowie im Mittelmeerraum. Eine endgültige Programmentscheidung ist jedoch nach wie vor offen. Eine gewisse Spezialisierung der Dornier-Aerodynamik auf moderne Flügelauslegungen bestätigt sich (neben den bereits erwähnten Experimentalarbeiten Skyservant-TNT und Alpha Jet SKF) durch einen Tragflügelentwurf für den Airbus A 300 B10, der bei Dornier im Auftrag des Bundesforschungsministeriums derzeit erarbeitet wird. Unbemannte Fluggeräte Ein beachtlicher Schwerpunkt der wehrtechnischen Arbeiten liegt bei Dornier bei unbemannten Geräten verschiedener Aufgabenstellungen. Neben einer Reihe von Mini-RPVs (= Remotely Piloted Vehicles), unbemannten Kampfflugzeugen (UKF), Zieldarstellungs- und Aufklärungsflugkörpern entwickelte Dornier in den letzten Jahren zwei ungewöhnliche Rotorplattformen für Aufklärungs- und Beobachtungszwecke. Der schon in mehreren Experimentalgeräten erprobte Do 34 Kiebitz ist eine gefesselte Rotorplattform mit einem Allison 250C20 Triebwerk und Kaltgas-Blattspitzenantrieb, die eine Nutzlast von 140 kg auf etwa 300 m Höhe heben kann (siehe auch Aktuelle Luftfahrt S. 12). Mit einem französischen LCT Orphée-Radar ausgerüstet, soll die Do 34 zum deutsch-französischen Aufklärungssystem Argus entwickelt werden. Ein wesentlich einfacheres System ist die erst in jüngster Zeit erprobte Dornier-Spähplattform 80. Dieses Fluggerät besitzt selbst keinen Eigenantrieb. Es besteht aus einem Rotor mit einem massiven Stahl-Drallring am Umfang, der von einer im Bodenfahrzeug installierten Antriebsanlage auf hohe Drehzahl gebracht wird. Nach Lösen der Fesselseilbremse steigt das Fluggerät auf Einsatzhöhe. Der Rotor bezieht sein Antriebsmoment dabei lediglich aus der Schwungenergie des Drallrings und baut seine Drehzahl laufend ab. Steigen, Schweben, Sinken und Landen werden mit Hilfe der Seilwinde gesteuert. Mit diesem einfachen Gerät können Sensoren, wie z. B. Kameras für die Dauer von etwa einer Minute auf eine Höhe von bis zu 50 m gehoben werden. Die Raumfahrtaktivitäten des Unternehmens, konzentriert in der Dornier System GmbH, umfassen neben der Entwicklung von Nutzlasten für Höhenforschungsraketen und Satelliten vor allem die maßgebliche Mitarbeit an bisher sieben internationalen Satellitenprogrammen, teils als Hauptauftragnehmer (z. B. ISEE-B zur Erforschung der Magnetosphäre)teils als Mitauftragnehmer (z.B. GEOS, ebenfalls ein Magnetosphären-Satellit). Weitere firmeneigene Vorschläge für Satelliten-Projekte stehen in der Planung. Darüber hinaus spezialisiert sich Dornier System auch auf Bodenstationen (z.B. Empfangsstationen für Meteosat und andere Anwendungs-Satelliten). Im Unterauftrag von VFW-Fokker/ERNO arbeitet Dornier System maßgeblich am Spacelab-Programm mit und ist verantwortlich für das Lebenserhaltungs- und Umweltkontrollsystem, die Instrumentenplattform mit Feinstabilisierung und das zentrale Datenmanagementsystem. Für die europäische Trägerrakete Ariane baut Dornier die Tankstrukturen der 2. Stufe. MBB In Hannover wird MBB im Rahmen der Panavia-Organisation zwei Mehrzweck-Kampfflugzeuge MRCA Tornado zeigen, und zwar die Prototypen 04 (in der Ausführung für die Bundesmarine) und 08 (Luftwaffe). Dieses bedeutendste Kampfflugzeugprogramm Europas, an dem die drei Länder Großbritannien, Italien und Bundesrepublik Deutschland beteiligt sind, steht nun bereits in der Serienphase. In allen Partnerfirmen ist die Produktion der ersten Baulose angelaufen. Die Flugerprobung ist mit derzeit 12 Flugzeugen (9 Prototypen und 3 Vorserienmaschinen) in die Abschlußphase getreten, wobei es sowohl um den Nachweis einzelner Flugleistungsdaten wie auch insbesondere um die Funktion des für die Hauptmission entscheidenden Terrain-following-Radars und verschiedener Waffensysteme geht. Ab Seite 40 dieser Ausgabe berichten wir speziell über den Stand des Tornado-Programms. Tornado für Kanada? Die Tornado steht auf der Liste der sechs Kampfflugzeuge, unter denen Kanada sein NFA (= New Fighter Aircraft) auswählen wird. Ein entsprechendes Angebot, das die Firma Panavia auf die kanadische Ausschreibung vom September 1977 hin ausarbeitete, ist fristgerecht unlängst in Ottawa eingereicht worden. Die kanadische Entscheidung für das NFA ist gegen Ende dieses Jahres zu erwarten. Einschließlich Kreislaufreserve und Trainern liegt der Bedarf in Kanada bei 120 bis 150 Flugzeugen. Sollte die Tornado gewählt werden, nähert sich der Gesamt-Auftragsbestand für dieses Flugzeug schon der 1000er Marke. Die Panavia GmbH hat zusammen mit allen Partnerfirmen und Unterauftragnehmern ein interessantes Kompensationsgeschäft für Kanada vorgeschlagen, das sich nicht nur auf zivile und militärische Luft- und Raumfahrtprodukte, sondern auch auf branchenfremde Kooperationsvorhaben bezieht. Was das Tornado-Programm selbst betrifft, so bietet Panavia der kanadischen Industrie eine gewichtige Beteiligung an der Produktion an, von der Teile- und Baugruppenfertigung bis zur Endmontage und Auslieferung kompletter Flugzeuge in Kanada. Dabei würde sich zwar die Endmontage und Auslieferung auf die kanadischen Tornados beschränken, aber die Teilelieferung auch auf die europäischen Flugzeuge erstrecken. Desgleichen bot die TurboUnion (Rolls-Royce, MTU-München, Fiat) als Hauptauftragnehmer für die Triebwerke Kanada einen beträchtlichen Produktionsanteil an, der ebenfalls Montage und Tests kompletter Triebwerke und auch eine Teilefertigung über den kanadischen Bedarf hinaus einschließt. Wichtig wäre beim Zustandekommen der Kooperation mit Kanada auch die Möglichkeit, daß deutsche, britische und italienische Besatzungen in Kanada transsonisches Tiefflugtraining mit Waffen durchführen könnten, was unter den dichtbesiedelten europäischen Verhältnissen sehr schwierig ist. Auch nach Meinung der Firma MBB wäre ein kanadischer Auftrag der Durchbruch" für dieses Programm und würde die Beschäftigung in den MBB-Werken Augsburg und Manching bis Anfang der neunziger Jahre sichern. Es wäre damit auch eine Signalwirkung für andere potentielle Kunden wie Australien, Länder Südamerikas und eventuell die Türkei verbunden. Als Vorbereitung für den Anschluß an das Tornado-Programm betrachtet MBB die anlaufenden Studienarbeiten für das TKF-90 (siehe FR 4/78). MBB wird möglicherweise in Hannover weitere Detail-Informationen über dieses taktische Kampfflugzeug der 90er Jahre bekanntgeben und arbeitet dabei, wie berichtet, eng mit VFW-Fokker zusammen. Falls für das TKF-Programm weitere Partnerländer über den bisherigen Panavia-Rahmen hinaus gewonnen werden sollten, müßte allerdings die entsprechende multinationale Management-Organisation modifiziert werden, wobei z.B. eine Panavia-II denkbar ist. Auf dem Militärflugzeug-Sektor entwickelt MBB eigene Vorstellungen für einen Transall-Nachfolger, allerdings dürfte hier noch geraume Zeit verstreichen, bis entsprechende Forderungen nicht nur der deutschen, sondern auch anderer Partner-Luftwaffen definiert werden. Schwerpunkt des zivilen Flugzeugbaus ist für MBB natürlich die Beteiligung am europäischen Airbus-Programm (siehe Seite 48). Aufgrund der steigenden Nachfrage kann die monatliche Produktionsrate wieder auf zwei Einheiten hochgefahren werden. Dies bedeutet vor allem für den Bereich Hamburg eine spürbare Verbesserung der Auslastungslage. Großes Drehflügler-Programm Im Entwicklungsbereich laufen die Arbeiten für die kleinere Airbus-Version B 10 und für das ebenfalls in europäischer Kooperation geplante Kurz- und Mittelstreckenflugzeug JET der Schmalrumpf-Kategorie. Auf dem Drehflügler-Sektor beschäftigt sich MBB mit sehr vielseitigen Programmen für Hubschrauber der Klassen unter 10t für den zivilen und militärischen Markt. Für den seit vielen Jahren im Serienbau stehenden Hubschrauber Bo 105 liegen nun etwa 400 Aufträge vor, davon sind bereits 370 Maschinen ausgeliefert. Pro Jahr werden rund 100 Bo 105 gebaut. Boeing hat für den Markt in Nord-, Mittel- und Südamerika inzwischen rund 60 Bo 105 S von MBB übernommen. Über die kurz bevorstehende Serie für die Bundeswehr als VBH (Verbindungs- und Beobachtungs-Hubschrauber) und PAH-1 (Panzerabwehr-Hubschrauber 1) haben wir in vergangenen Ausgaben laufend berichtet. Zusammen mit der japanischen Firma Kawasaki entwickelt MBB den acht- bis zwölfsitzigen Mehrzweck-Hubschrauber BK 117, dessen erster Prototyp 1979 fliegen soll. Die ersten Lieferungen sind für 1981 vorgesehen. Die zwischen Deutschland und Japan im Verhältnis 50:50 aufgeteilten Entwicklungskosten für den BK 117 liegen bei rund DM 100 Mio. Gewisse Detail-Neuentwicklungen für den BK 117 dürften im Rahmender Modellpflege später auch auf den Bo 105 übertragen werden, wie z. B. der Übergang zur on-condition-Wartung durch verbesserte Technologie des dynamischen Systems. In eine entscheidende Phase sind die MBB-Arbeiten für den PAH-2 getreten, der Zusammen mit Aerospatiale verwirklicht werden soll. Dabei wird es nach Meinung von MBB nicht zur Gründung einer gemeinsamen Managementfirma nach dem Panavia-Muster kommen, sondern man wird das Hauptauftragnehmer-Konzept (ähnlich wie beim Alpha Jet) anwenden. MBB rechnet damit, die Führungsrolle übernehmen zu können. Noch in einem relativ frühen Stadium stehen dagegen die Entwicklungsarbeiten für den Transporthubschrauber TH 3/Bo 125 als Ersatz für die Bell UH-1). Mit einer Einführung ist nicht vor 1982 zu rechnen. Mehrzweckwaffe MW-1 Neben den bekannten Lenkwaffen-Programmen Milan, HOT, Kormoran, Roland etc. entwickelte MBB in den letzten Jahren ein neuartiges Konzept von Streu- und Flächenwaffen. Über diese konventionelle Mehrzweckwaffe MW-1, die mit zur Standardbewaffnung des Tornado gehören wird, wurden nun erste Einzelheiten bekannt. Aus bis zu vier unter dem Rumpf mitgeführten Teilbehältern, im Regelfall nach dem Einsatz abgeworfen, wird hierbei Submunition verschiedener Art seitlich ausgestoßen. Das System MW-1 kann im Tiefstflug eingesetzt und das Belegungsfeld der zu bekämpfenden Ziele vom Flugzeugführer exakt bestimmt werden. MW1 dient vor allem zur Panzerabwehr und zur Flugplatzbekämpfung. Was den Raumfahrtbereich betrifft, so hat sich die Beschäftigungslage nach dem Tief der letzten Jahre infolge des Verlustes des Spacelab-Wettbewerbs wieder konsolidiert. MBB arbeitet an einer ganzen Reihe von interessanten Forschungs- und Anwendungssatelliten teils im Hauptauftrag, teils als Unterauftragnehmer. Eine gewisse Unsicherheit besteht über die Situation bei Nutzsatelliten, da es fraglich erscheint, ob die europäische Raumfahrtorganisation ESA als Auftraggeber auftreten kann. Eine entsprechende kommerzielle Organisation wie in den USA, wo sich die NASA nicht mit Anwendungssatelliten befaßt, ist nicht in Sicht. Sehr intensiv bemüht sich MBB um Aufträge für die künftige Spacelab-Nutzung. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Spacelab-Nutzung (ASN), an der daneben auch Dornier, VFW-Fokker/ERNO und die DFVLR beteiligt sind, werden interessierten Stellen in Industrie und Forschung Dienstleistungen für Beratung, Planung, Tests und Integration für künftige Spacelab-Experimente angeboten. Abgerundet wird das MBB-Raumfahrtprogramm durch die Entwicklung von Nutzlasten für die amerikanische Venus-Sonde. VFW-FOKKER Nach der Aufgabe des VFW 614Programms bemüht sich VFW-Fokker intensiv um neue Aufgabengebiete. Man versteht sich in Bremen als Technologiezentrum des Nordens und betont die dort geleisteten wichtigen Arbeiten für Entwicklung und Fertigung, für Integration und Systemtechnik auf vielerlei Gebieten. Die Aktivitäten des Unternehmens umfassen alle Schwerpunktbereiche moderner und hochwertiger Technologie. Im Mittelpunkt der Darstellung in Hannover stehen Systeme für die nächste Flugzeuggeneration wie die Entwicklung eines superkritischen Flügels, für den VFW-Fokker wichtige Grundlagenarbeit im Hinblick auf die kleine Airbus-Version A 300 B10 geleistet hat. Am gegenwärtigen Airbus-Programm ist VFW-Fokker mit großen Rumpfbaugruppen beteiligt. Die derzeit relativ günstige Absatzsituation des Airbus kommt der schwachen Auslastung im Produktionsbereich bei VFW-Fokker besonders zugute. Wesentlicher Bestandteil des Technologieprogramms ist der Bereich der Wehrtechnik. In Hannover will das Unternehmen seine maßgebliche Beteiligung an Entwicklung und Produktion des MRCA Tornado herausstellen. Für das Folgeprogramm eines taktischen Kampfflugzeugs (TKF) hat VFW-Fokker schon vor der Zusammenarbeit mit MBB eigene Vorstellungen entwickelt und Windkanalversuche mit verschiedenen Auslegungen durchgeführt (siehe FR 4/78 und Seite 29 dieser Ausgabe). VFW-Fokker rechnet damit, im Falle der Realisierung dieses Vorhabens einen nicht unbedeutenden Entwicklungs- und Produktionsanteil bearbeiten zu können. Auf dem Gebiet von Trainingsflugzeugen bieten sich für Rheinflugzeugbau, ein Tochterunternehmen von VFW-Fokker, mit dem Fantrainer (FR 2/78) gute Chancen für eine Beschaffung durch die deutsche Luftwaffe. Dies hängt allerdings noch vom erfolgreichen Abschluß der Erprobung ab und auch davon, ob die Luftwaffe dieses neuartige Konzept mit integrierter Mantelschraube tatsächlich gegenüber einem bereits serienmäßigen konventionellen PTL-Trainer bevorzugt. Zu den ebenfalls schwerpunktmäßig militärischen Vorhaben gehört das auf Ideen von Alexander Lippisch basierende Stauflügelgerät X 114, das in der Erprobung schon sehr weit fortgeschritten ist. Es bieten sich dafür interessante Anwendungsmöglichkeiten im Marinebereich an. Mit den Firmen Rheinflugzeugbau und Sportavia Pützer verfolgt VFW-Fokker auch sehr betont Interessen im Leichtflugzeugbau. Während der zweisitzige Fantrainer, ebenfalls mit dem Konzept der integrierten Mantelschraube, noch erprobt wird, bereitet Sportavia Putzer bereits die Produktion des Viersitzers RF-6 180 Sportsman vor. Die Serienversion wird ebenso wie der Fantrainer in Hannover ausgestellt. Es wird interessant zu beobachten sein, ob dieser erneute Anlauf, eine Leichtflugzeugproduktion in Deutschland aufzuziehen, mehr Erfolg haben wird als die bisherigen Versuche. Schwerpunkt Spacelab VFW-Fokker erhebt auch nach wie vor den Anspruch, auf dem Hubschraubersektor ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn es demnächst um die Entscheidung für den künftigen Kampfhubschrauber PAH-2 geht. Im Vorjahr hatte die Firma beim Aerosalon Paris überraschend das Projekt P.227 vorgestellt (FR 8/77), das in Zusammenarbeit mit der britischen Firma Westland vorgeschlagen wird. Die Raumfahrtprojekte des Tochterunternehmens ERNO haben sehr zur Festigung des Rufes der Firma als technologisches Zentrum im nördlichen Bereich der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie beigetragen. VFW-Fokker/ERNO führen das Firmenkonsortium aus zehn europäischen Ländern beim Entwicklungs- und Bauprogramm Spacelab an. In den letzten Wochen ist hier ein bedeutender Meilenstein erreicht worden. Während einer kritischen Entwurfsüberprüfung haben der Auftraggeber, die europäische Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) und die amerikanische NASA die Freigabe für die Fertigung der Flugeinheit erteilt. Neue Satelliten Im Raumfahrtbereich ist das Unternehmen weiter mit Management-, Entwicklungs-, Integrations- und Trägertechnologie maßgeblich beteiligt. Die europäischen Kommunikationssatelliten-Programme haben wie Spacelab und die Trägerrakete Ariane die Fertigungsphase erreicht. Kurz vor Beginn der ILA '78 wird der experimentelle Nachrichtensatellit OTS (Orbital Test Satellite) gestartet, der Vorläufer einer Satellitengeneration, die für Europa und den weltweiten Markt entwickelt und gebaut wird. Erster anwendungsorientierter Nachfolger dürfte der maritime Nachrichtensatellit MAROTS werden, der eventuell noch in diesem Jahr in seine Umlaufbahn gebracht wird. VFW-Fokker stellt sich heute mit seinen Tochterunternehmen als eine Firmengruppe dar, die nach Kräften um eine Konsolidierung bemüht ist. Nach erfolgreicher Sanierung dürfte die seit langem diskutierte Fusion mit MBB endgültig vor der Tür stehen. Text: Peter Pletschacher. Fotos und Zeichnungen: Dornier, Messerschnitt-Bölkow-Blohm, VFW-Fokker.
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