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DORNIER LSK

Leichtes schwebefähiges Kampfflugzeug für Panzerbekämpfung und Schiffsdeck-Einsatz

Wir setzen unsere in FR 1 und 3/78 begonnene Serie über neue Flugzeug-Projekte fort mit dem von Dornier seit einigen Jahren untersuchten Konzept eines leichten schwebefähigen Kampfflugzeugs (LSK). Ausgangspunkt war zunächst im wesentlichen die Unterstützung von Bodentruppen, vor allem gegen Panzerstreitkräfte. Als interessante neue Mission kommt jedoch. auch der Einsatz auf Fregatten gegen Seeziele ins Gespräch.

Das militärische Kräfteverhältnis zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt in Mitteleuropa ist hinreichend bekannt. Die starke östliche zahlenmäßige Überlegenheit von Panzern erfordert von westlicher Seite aus in der überschaubaren Zukunft eine schnell verfügbare Unterstützung der Bodentruppen aus der Luft, um die Bodenstreitkräfte in Krisenabschnitten zu entlasten. Dem steht eine immer wirkungsvollere und dichtere Flugabwehr des Warschauer Paktes durch radargesteuerte Rohrwaffen und Boden-Luft-Flugkörper gegenüber. Dies erfordert Maßnahmen, um die Verlustzahl der Luftnahunterstützung in tragbaren Grenzen zu halten.

Aufgabe

Im Bedarfsfall wird von der Führung der Bodentruppen Unterstützung aus der Luft angefordert. Dann muß nach kürzest möglicher Reaktionszeit in den Kampf eingegriffen werden. Der Anflug erfolgt im Tiefflug, um eine frühzeitige Erfassung durch gegnerische Überwachungsradars zu erschweren. Ist während des Heranführens an das Ziel ein Kontakt mit feindlichen Jagdflugzeugen nicht zu vermeiden, muß Bekämpfung oder mindestens Selbstverteidigung möglich sein.

Im Einsatzgebiet muß das Ziel verzuglos aufgefaßt und bekämpft werden. Das Flugzeug soll beim Kampf dem gegnerischen Beschuß so wenig wie möglich ausgesetzt sein. Der Rückflug zum Versorgungspunkt muß ebenso schnell und sicher sein wie der Hinflug. Als Ziele werden definiert:
- Panzer
- Luftverteidigungswaffen
- Überwachungs- und Feuerleitradars
- Kampfhubschrauber
- Transporthubschrauber
- Unterschall-Kampfflugzeuge.
Dabei muß Verteidigungsmöglichkeit gegen
- Jagdflugzeuge
- Flugabwehrwaffen
bestehen.

Konzept

Es wird ein Waffensystem untersucht, bestehend aus dem Flugzeug, panzerbrechenden Waffen (launch and forget) und einem Flugführungssystem.
Ein schwebefähiges Flugzeug (LSK) wird unter Einhaltung extremen Tiefflugs, bei dabei noch möglicher Geschwindigkeit, durch ein. taktisches Flugführungssystem an das aufgeklärte Ziel herangeführt. Aus dem strahlgestützten Flug (Langsam- bzw. Schwebeflug) werden Distanzwaffen so eingesetzt, daß ein Überfliegen des gegnerischen Abwehrbereichs weitgehend reduziert wird.

Dornier LSK

Im Normalfall bringt das Flugzeug die Waffen aus einem schnellen Zielanflug heraus ins Ziel. Daneben sind auch Kampfsituationen denkbar, in denen es vorteilhafter ist, die Waffen aus dem Schwebe- oder Langsamflug zu verschießen. Ein Beispiel dafür ist die Panzerjagd mit Lenkwaffen, wie sie heute von Hubschraubern durchgeführt wird. Andere Aufgaben, die gute Manövrierfähigkeit bei geringen Geschwindigkeiten erfordern, sind der Begleitschutz eigener und der Abschuß feindlicher Hubschrauber Das LSK ist ein Flugzeug, das diese Eigenschaften und Leistungen in sich vereinigen wird.

Wichtiges Problem, um bei hohen Unterschallgeschwindigkeiten senkrechtes Starten und Landen sowie längere Schwebeflüge bei tragbarem Kraftstoffverbrauch zu ermöglichen, ist ein geeigneter Antrieb.

Ein solcher Antrieb liegt prinzipiel bereits vor in den Gebläsen der Firma General Electric, wie sie in der Ryan XV-5A als Hubgebläse verwendet werden. Diese einstufigen Gebläse besitzen am Umfang angeordnete Blattspitzen-Turbinen, die von einem Gasgenerator angetrieben werden. Solche Gebläse können Druckverhältnisse bis 1,5 erreichen. In einer strömungsgünstig geformten Gebläsemantel gesetzt, sind sie für Geschwindigeiten bis nahe zur Schallgeschwindigkeit geeignet. Ein verstellbares Umlenkgitter im Strahlaustritt erlaubt das Schwenken des Schubvektors bis zu 90 Grad für Senkrechtstart und Übergangsflug.

In dem Konzept des „Leichten schwebefähigen Kampfflugzeuges" werden zwei dieser Mantelgebläse unter der Flügelwurzel eines Schulterdecker-Flugzeuges zu beiden Seiten des Rumpfes eingebaut. Dabei werden die Gebläsemäntel soweit wie möglich in den Flügel integriert. Dadurch wird beim Flug mit etwas nach unten abgelenktem Strahl ein Superzirkulationseffekt wie bei einer Strahlklappe erzeugt, der Auftrieb und Widerstand günstig beeinflußt. Die Möglichkeit der Strahlumlenkung erlaubt nicht nur den Flug bei sehr geringer Geschwindigkeit bis zum Schwebeflug, sie steigert auch die Manövrierfähigkeit im Schnellflug und erlaubt spezielle Flugmanöver, die konventionellen Flugzeugen unmöglich sind.

Ein in der Rumpfnase eingebautes Zusatzgebläse, welches nur im Schwebe- und Übergangsflug in Betrieb ist, dient der Nicktrimmung und -steuerung in diesem Flugbereich, während beim Schwebe- und Übergangsflug die Rollsteuerung durch Schubdifferenzierung der Hauptgebläse und die Giersteuerung durch gegensinniges Ausschlagen der Umlenkkaskaden erreicht wird. Zur Steuerung im flügelgetragenen Flug dienen konventionelle Steuerflächen.

Der wichtigste Auslegungsparameter ist das Gebläsedruckverhältnis. Die heißgasgetriebenen General Electric-Gebläse sind z. B. für Druckverhältnisse zwischen 1,15 und 1,5 geeignet. Mit wachsendem Gebläsedruckverhältnis nehmen Gasgeneratorleistung und Kraftstoffverbrauch im Schwebeflug zu. Dafür verbessern sich aber Schnellflugleistungen, Manövrierbarkeit und Aktionsradius.

Das Bewaffnungskonzept des LSK wurde nach Auswertung der einschlägigen Entwicklungsvorhaben der Flugkörper-Industrie aufgestellt. Es umfaßt panzerbrechende Launch- and Forget-Waffen, Kanonen, Flächenwaffen und Luft-Luft-Lenkwaffen.

Das Führungssystem baut auf fliegenden Sensorenträgern auf, die in der Lage sind, durch angehobene Sensoren die gegnerischen Bodenbewegungen zu überwachen, feindliche Waffenradars zu erkennen und zu orten und die eigenen Luftnahunterstützungsflugzeuge zu orten und zu führen. Dabei kann weitgehend auf laufende Entwicklungen zurückgegriffen werden (z. B. Dornier, Kiebitz/Argus).

Die eingangs beschriebene Aufgabenstellung hat zum dargestellten LSK-Entwurf geführt. Das Flugzeug ist einsitzig, hat ein Tandem-Fahrwerk mit seitlichen Stützrädern und eine fest eingebaute Kanone im Rumpfbug. Es verfügt' bei Senkrechtstart mit einer Waffenlast von über 1000 kg über einen Aktionsradius von 200 km. Dabei fliegt es mit hoher Geschwindigkeit im Tiefflug. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt nahe der Schallgeschwindigkeit. Dank seines hohen Schubes und der Möglichkeit der Schubschwenkung besitzt es ausgezeichnete Wendigkeit im gesamten erfliegbaren Geschwindigkeitsbereich.

Planung

Nach Feststellender Durchführbarkeit des Flugzeugkonzepts wurden Windkanalversuche durchgeführt. Die Ergebnisse lagen über den Erwartungen. Der nächste Schritt war die Untersuchung einer Gebläseeinheit, bestehend aus Triebwerk, Übertragungswellen und Getrieben, Einstufengebläse und Umlenksystem. Mittelfristiges Ziel ist es, die Eigenschaften des LSK nachzuweisen und die Technologie für die Realisierung des Vorhabens bereitzustellen. Dabei dienen die mit dem Dornier-Aerodyne im Experiment erflogenen Ergebnisse als Ausgangsbasis. Text: Josef Zweier. Abbildungen: Dornier
 


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Letzte Änderung: 26. Mai 2003
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