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ALPHA JETDas in deutsch-französischer Zusammenarbeit entstandene Waffensystem Alpha Jet steht kurz vor der Einführung. Die ersten Serienmaschinen sind aus den Endmontagelinien in Toulouse und Oberpfaffenhofen gerollt. Wir berichten aktuell über den Stand dieses vielversprechenden Programms.Die Auslieferung des Waffensystems Alpha Jet aus den beiden Endmontagelinien Toulouse und Oberpfaffenhofen hat begonnen. Nach der Zuweisung der ersten Maschinen aus der Dornier-Produktion an die E-Stelle 61 in Manching (A1 und A2) und die Technische Schule der Luftwaffe in Faßberg (A3 und A4) beginnt mit der fünften Serienmaschine A5 ab Anfang 1979 die Umrüstung des leichten Kampfgeschwaders (LeKG) 49 in Fürstenfeldbruck, ab Mitte 1980 des LeKG 43 in Oldenburg und ab 1981 des LeKG 41 in Husum. Über die Entwicklung, technische Auslegung und Erprobung haben wir in den vergangenen Jahren mehrmals ausführlich berichtet. Darüber hinaus sind jedoch einige weitere Aspekte interessant genug, um näher beleuchtet zu werden. Zu den bemerkenswerten Vorgängen bei der Beschaffung neuer Muster in der Luftwaffe der Bundeswehr gehört die Tatsache, daß noch lange vor der Einführung in den betroffenen Verbänden sehr deutliche Vorbehalte zu spüren sind. Diese Negativ-Stimmung war auch gegen den Alpha Jet schon seit Jahren festzustellen. Diese offensichtliche Diskrepanz zwischen den von der Luftwaffenführung für dieses Waffensystem aufgestellten und von der Industrie zu erfüllenden Forderungen einerseits und von der deutlich reservierten Haltung der Geschwader andererseits, scheint zwar inzwischen durch intensive interne Informationsaktivitäten abgebaut worden zu sein. Aber vor noch nicht allzu langer Zeit wurde diese Kluft zwischen Oben" und Unten" in der Luftwaffe schlaglichtartig deutlich, wenn man der Wertung des Inspekteurs der Luftwaffe, General Limberg, mit dem Alpha Jet ist ein toller Wurf gelungen", so abwertende Beinamen gegenüberstellt wie schnellstes Sportflugzeug", wie sie in den Verbänden kursierten. Abgesehen von einem anfänglich sicher unbestreitbaren Informationsdefizit scheinen bei manchen Luftwaffenpiloten auch gewisse psychologische Gründe mitzuspielen, wenn sie ihre Vorbehalte gegen den Alpha Jet artikulierten, Sie hatten sich als Nachfolger der Fiat G.91 möglicherweise ein schnelleres und schwereres Muster vorgestellt, um mit der Umrüstung Aufstiegschancen" wahrnehmen zu können. Unabhängig aber von dieser zweifellos inzwischen verbesserten Stimmungslage muß festgehalten werden, wie die Konzeption der Luftwaffenführung für die achtziger und neunziger Jahre aussieht. Man geht davon aus, daß die verschiedenen feindlichen Ziele mit Waffensystemen unterschiedlicher Leistungen und unterschiedlichen Aufwandes bekämpft werden. Daraus leitet die Luftwaffe die Forderung nach einer gemischten Flotte" (Force Mix) aus schweren, mittleren und leichten Jagdbombern ab, die sich in der Aufgabenstellung ergänzen. Aufgrund dieser Überlegung hat sich die Luftwaffe für den Flottenmix Alpha Jet, Phantom, Tornado entschieden. Dabei soll der Alpha Jet in der Hauptsache die Aufgaben der Luftnahunterstützung, Gefechtsfeldaufklärung und Hubschrauberbekämpfung übernehmen. Für diese Missionen hat die Luftwaffenführung taktische Forderungen aufgestellt, aufgrund deren das Waffensystem Alpha Jet von der Industrie definiert und entwickelt wurde. Wenn man von dieser Tatsache ausgeht, muß nach allen verfügbaren Informationen festgestellt werden, daß der Alpha Jet diese Forderungen erfüllt, in einigen Punkten sogar übertrifft. Daß ein neues Kampfflugzeug bessere Leistungen haben sollte, als das abzulösende Vorgängermuster liegt auf der Hand, und es werden für den Alpha Jet im Vergleich zur Fiat G.91 vor allem zwei Kriterien genannt, nämlich dreifache Reichweite bei gleicher Waffenlast, bzw. eineinhalbfache Last bei doppelter Reichweite. Außergewöhnliche Wendigkeit Die Diskussionen entzünden sich allerdings mehr im Vergleich zu anderen modernen Flugzeugen ähnlicher Aufgabenstellung wie die Fairchild A-10, ein Muster, das aber einer völlig anderen Philosophie entstammt (höheres Gewicht und höhere Zuladung, geringere Geschwindigkeit und große Silhouette, dafür schwere Panzerung), die bezeichnenderweise auch in der US Air Force nicht unumstritten ist. Was die über dem Gefechtsfeld neben der Geschwindigkeit und kleinen Silhouette lebenswichtige Wendigkeit betrifft, so schneidet die A-10 nur bei Geschwindigkeiten bis etwa 600 km/h deutlich besser ab als die F-5E und F-4F, bei etwa 700 km/h hat sie bereits größere Kurvenradien als die beiden genannten Maschinen. In allen Geschwindigkeitsbereichen ist die Wendigkeit des Alpha Jet jedoch erheblich besser als die aller drei verglichenen Muster. Was die Waffenablieferungsgenauigkeit (CEP = Circular Error Probability) betrifft, so wird. der Alpha Jet mit seinem Doppler-System, Bi-Kreiselplattform und Waffenrechner nur übertroffen von den Typen F-111, MRCA Tornado und F-15, die jedoch mit einer Trägheitsplattform und Entfernungsmessung ausgerüstet sind. Dazu trägt ganz wesentlich das neue, hochmoderne Frontscheibensichtgerät (Kaiser/VDO) als Teil des Feuerleit- und Navigationssystems bei, das entscheidende Vorteile gegenüber allen herkömmlichen Head-up Displays (HUD)aufweist. Der Zielpunkt wird ständig neu berechnet und in das Frontscheibenbild eingegeben. Zur Rohrbewaffnung muß eine immer wieder auftauchende Fehlinformation korrigiert werden. Die deutsche LNU-Version des Alpha Jet ist nicht mit der DEFA-, sondern mit der Mauser-Kanone MK 27 ausgerüstet, ebenso wie das MRCA Tornado. Die DEFA-Kanone wird nur in der französischen Trainer-Version eingesetzt. Beachtliche Einsatzleistungen Bei den Einsatzleistungen sind vor allem die Aktionsradien der LNU-Version des Alpha Jets bemerkenswert. Mit 6-mal 250 kg Bomben und Bordkanone erreicht der Alpha Jet im Hi-Lo-Hi-Einsatz 520 km und im Lo-Lo-Lo 350 km jeweils ohne Außentanks und mit 5 Minuten Kampfzeit über dem Ziel bei maximaler Leistung. Mit 2 Raketenbehältern (je 36 Raketen) plus Bordkanone und zwei Außentanks von je 310 l liegt der Aktionsradius bei 910 km (Hi-Lo-Hi), bzw. 520 km (Lo-Lo-Lo). Die Überführungsreichweiten bei optimaler Geschwindigkeit in 12200 m Höhe betragen 2000 km nur mit internem Treibstoff (1900 l), 2600km mit zwei Außentanks von je 310 l und 2700 km, wenn die Tanks abgeworfen werden. Als Startstrecke werden bei einem Abfluggewicht von 5000 kg 490 m, bzw. bis 15 m Höhe 825 m angegeben, Die Landerollstrecke bei 3740 kg liegt bei 610 m. Mit diesen guten Start- und Landeleistungen kann der Alpha Jet im Verteidigungsfall eine große Zahl von Flugplätzen im Gebiet der Bundesrepublik nutzen. Mit maximalem Abfluggewicht von 7000 kg stehen 53 Plätze mit Betonpisten von mehr als 1525 m Länge zur Verfügung, darüber hinaus sechs Plätze mit befestigten Pisten von mehr als 670 m Länge, die mit einem Fluggewicht von 5,7t befliegbar sind und weitere 53 Graspisten von mehr als 915 m Länge, von denen allerdings nur ohne Außenlasten operiert werden kann. Herstellung der Versorgungsreife Ausschlaggebend für die erfolgreiche Nutzung eines Waffensystems bei der Luftwaffe ist die sogenannte Versorgungsreife, die im wesentlichen *die Erstellung der Dokumentation *die Ausbildung des technischen Personals *die Organisation der Ersatzteilversorgung beinhaltet. Das Problem liegt darin, daß die Entwicklungsingenieure den Konstruktionsstand möglichst spät einfrieren wollen, um Verbesserungen aus Erprobung und Fertigungsverlauf einfließen lassen zu können. Die Truppe jedoch braucht möglichst frühzeitig verbindliche Unterlagen, um Ersatzteile auszuwählen, zu bestellen und bereitzuhalten, die Dokumentation zu erarbeiten und auszuliefern und das Bodendienst- und Prüfgerät beschaffen zu können. Um diese von der bilateralen Zusammenarbeit noch erschwerten Probleme möglichst gut bewältigen zu können, hat das Verteidigungsministerium erstmals beim Alpha Jet-Programm mit der Firma Dornier einen Generalunternehmer für die Herstellung der Versorgungsreife beauftragt. Trotzdem ist die vollständige Herstellung der Versorgungsreife bei Auslieferung des ersten Flugzeugs noch nicht möglich. Abgesehen von den ersten vier Flugzeugen, die zunächst für andere Zwecke benötigt werden, muß das Flugbetriebsaufkommen in den ersten Monaten begrenzt bleiben. Die Luftwaffe rechnet im ersten halben Jahr nach Einführungsbeginn mit nicht mehr Flugstunden als ein G.91-Geschwader in einem Wintermonat fliegt, also weniger als 1000 Stunden. Ein tragbares Maß an Versorgungsreife ist damit jedoch erzielt worden, so daß die Luftwaffe mit vielen Sondermaßnahmen gerade das vertretbare Minimum für die Aufnahme des Flugbetriebs erreicht. Exportprobleme Das Interesse am Alpha Jet ist in vielen Ländern außerordentlich groß. Allerdings gibt es einen sehr harten Wettbewerb mit Trainer/ Erdkampfflugzeugen aus Großbritannien (Hawk), Italien (MB.339), und Spanien (C.101), die, wenn auch mit unterschiedlichem Leistungsspektrum, vor allem mit Preisargumenten kämpfen. Entscheidend ist in vielen Fällen natürlich auch die politische Konstellation. Während Exporte in NATO-Länder prinzipiell keine Schwierigkeiten bereiten, werfen Verkaufsabsichten in Nicht-NATO-Länder, geschweige denn in Spannungsgebiete Probleme auf. Die zurückhaltende Politik der deutschen Bundesregierung in Sachen Rüstungsexport wird von der Industrie akzeptiert. Allerdings wird der Export durch die Tatsache kompliziert, da ß es sich um ein binationales Kooperationsprogramm handelt und Frankreich in diesem Punkteine andere Haltung einnimmt als Deutschland. Auch die Bundesregierung hat diese in allen internationalen Waffen-Kooperationsprogrammen auftauchenden Schwierigkeiten erkannt, aber man sieht noch keine alle Seiten befriedigende Lösung. Die gelegentlich geäußerte Befürchtung, Frankreich könne für Exportaufträge den Dornier-Bauanteil selbst übernehmen, scheint - zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt - nicht begründet. In der deutschen Zulieferindustrie allerdings hält die Besorgnis an, daß sie bei Exportaufträgen vom Hauptauftragnehmer Dassault-Breguet zugunsten französischer Lieferanten benachteiligt werden könnte. Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß viele Zulieferteile keine deutschen Entwicklungen, sondern Lizenzproduktionen französischer Hersteller sind. Trotz aller dieser Probleme sind die bisherigen Exportaufträge beachtlich. Neben den Bedarfsanmeldungen der französischen und deutschen Luftwaffe für je 2000 Flugzeuge, liegen weitere 74 Bestellungen aus Belgien (33), Elfenbeinküste (12), Marokko (24) und Togo (5) vor. Während das Interesse der Türkei am Alpha Jet derzeit relativ gering zu sein scheint, gibt es Berichte aus der Arab Organization for Industrialization (AOI), einer Organisation der Länder Ägypten, Saudi-Arabien, Qatar und Vereinigte Arabische Emirate über einen Bedarf an 200 Alpha Jet. Zu den interessantesten Verkaufsbemühungen gehört jedoch die Beteiligung des Alpha Jet am Trainerwettbewerb (VTX) der US Navy. In der ersten Runde hat sich zwar die Navy zunächst dafür entschieden, vier US-Firmen mit Trainerstudien zu beauftragen, doch haben nach Bekanntwerden dieser Tatsache im April dieses Jahres die Firmen Dassault-Breguet und Dornier dagegen Einspruch erhoben, da die ursprüngliche Forderung nicht eine Neuentwicklung, sondern die Modifizierung eines existierenden Typs vorsah. Dassault/Breguet und Dornier haben inzwischen in Washington ein Alpha Jet-Büro gegründet.
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