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Eine DC-3 fliegt für Deutschland

DEMINEX

In drei Elementen heimisch ist die Deminex Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft: Die von deutschen Erdölgesellschaften gegründete Firma führt Erdölsuche zu Land und zu Wasser aus. In der Luft tut das Transportmittel Flugzeug Dienst, wie unten im Bild eine DC-3 auf dem Flugfeld Ras Gharib am Golf von Suez.

Dr. H. Westerhausen, GeschäftsführerfürExplorationund Operationen der Deminex Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH, Essen, erläutert die Ziele und Aufgaben seines Unternehmens: Die Deminex ist eine Gründung deutscher Erdölgesellschaften mit der Aufgabe, Erdöl und Erdgas in der ganzen Welt zu suchen und zu fördern, um damit auch einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Versorgung der Bundesrepublik mit Primärenergieträgern zu leisten.

DC-3 in Ärypten
DC-3

Um dieses Ziel erreichen zu können, unterstützt die Bundesregierung die Deminex durch die Bereitstellung von Darlehen, die bei erfolgreicher Exploration zurückgezahlt werden müssen. Im Rahmen der Zielsetzung führt die Deminex unter anderem Erdölsuche zu Lande im Iran und im Oman, zu Wasser in der Nordsee, im Golf von Suez, vor den Küsten Trinidads, Jugoslawiens und Argentiniens durch. In der Luft werden die Erdölsucher der Deminex unterstützt durch Fluggesellschaften, von denen im folgenden Bericht die Rede sein wird.

Die Sonne am immerblauen Himmel Agyptens brennt auch erbarmungslos auf Ras Gharib - Wahlheimat der Deminex -, ein weltferner Wüstenflecken am Golf von Suez, sechs Autostunden südöstlich der Pyramiden von Gizeh. Die Bewohner verdanken ihre Existenz den Ölsuchern, die schon seit 30 oder 40 Jahren die dortigen Küsten nach dem schwarzen Gold abbohren.

Im Golf wimmelt es von Bohrinseln. Bohrschiff „Discoverer II“, Frühjahr 1978, Endteufe 3829 m, Öl! Nomen est omen - mit der Discoverer ist die ,. Deminex fündig geworden. Nach dreijähriger Exploration und insgesamt sieben Aufschlussbohrungen - im Fachjargon „Wildcats" genannt - ist jetzt bei mehreren Bohrungen das langerwartete Öl gefunden worden: für die Deminex, für die staatliche ägyptische Ölgesellschaft EGPC und für die Konsorten Shell und BP. Nur wenige Kilometer von der Küste der Halbinsel Sinai entfernt liegt der hoffnungsvollste Fund der Deminex, die Bohrung EE 85-1, aus deren Erträgen zunächst die riesigen Anlaufkosten für die Exploration abgetragen werden müssen: Anlaufkosten für den Erwerb und die Vorbereitung der Bohrkonzessionen, für die geologische Untersuchung der einzelnen Gebiete und Schichten, für deren Auswertung, sowie für den jahrelangen Bohrbetrieb und den damit zusammenhängenden Rattenschwanz von Kontraktorenleistungen. Auf die Frage, wer das bezahlen soll, braucht die Deminex jetzt nach einer Antwort nicht mehr zu suchen.

Am Anfang war das Flugzeug. Verzicht auf moderne Transportmittel bei der Exploration entlegener Gebiete könnte katastrophale Auswirkungen auf die Regelmäßigkeit und damit auf die Kosten des Bohrbetriebes haben. Spätestens wenn das Bohrgerät auf „Lokation" gebracht wird, muß auch der Flugbetrieb stehen. Pionierarbeit und eine Exploration besonderer Art waren vonnöten, als im Frühjahr 1975 die Landbasis, das Rollfeld und der Hubschrauberlandeplatz im Wüstensand abgesteckt wurden - damals von Kairo fast eine Tagesreise auf erbärmlichen Wüstenstraßen durch Dutzende von Militärkontrollen.

Nachdem die Steine vom Rollfeld geräumt waren und sich ein Windsack im nimmermüden Nordost blähte; kamen die nächsten schon mit der DC-3. M. J. (Patty) McCarthy, Executive Director der Pyramid Airlines, weiß das aber alles viel genauer: „Vorweg, was wir hier vor uns haben, ist eigentlich eine C-47 - große Frachtraumtür, höheres Abfluggewicht, verstärktes Fahrwerk - aber wir wollen bei der Bezeichnung DC-3 bleiben, jeder hier nennt sie so.“

Die N3176Q hat er 1968 von der Deutschen Luftwaffe gekauft. Insgesamt betreibt das Unternehmen acht Maschinen dieses Typs in Ägypten - Eigentümer ist die Malta International Aviation Company Ltd. Auf die zweifelnde Frage, wie es denn um die Ersatzteile bestellt sei, schien er geradezu gewartet zu haben: „Überhaupt kein Problem - erstens haben wir eine große Anzahl ausgemusterter Maschinen aufgekauft, die wir ausschlachten können, und zweitens gibt es in den Staaten ein halbes Dutzend Verkaufsstellen, die jedes benötigte Ersatzteil herbeischaffen können - auch Instrumente und Reifen - alles!"

Ein geruhsames Fliegerleben

Dem Lebenslauf der NQ nach zu urteilen, hat die Maschine nicht nur ein ordentliches, sondern auch ein geruhsames Fliegerleben geführt. Geburtsjahr 1944, Jugend bei der US Air Force in den Vereinigten Staaten. Nach Kriegsende bis 1968 Dienst bei der Luftwaffe und Überführung von Wunstorf nach Malta, seit 1975 in Ägypten. Mit ihren 9220 Gesamtstunden hat die NO weniger als die Hälfte dessen erreicht, was einige der amerikanischen Piloten, die zusammen mit ägyptischen Piloten diese Maschine fliegen, an Erfahrung aufzuweisen haben - nämlich 25 000 Flugstunden!

Patty McCarthy kommt auf technische Einzelheiten zu sprechen, auf die Flugleistungen der DC-3, auf deren ideale Eignung für diese Aufgabe, auf Einsätze im Zuge der seismischen Messungen in den unwegsamen und zerklüfteten Wüstenregionen beiderseits des Nils. Hier die wichtigsten Daten der NO: Leergewicht: 8200 kg Abfluggewicht: 11 885 kg; Spannweite: 28,95 m; Länge: 19,60 m; Höhe: 5,15 m; Reisegeschwindigkeit: 235 km/h; Landegeschwindigkeit: 137 km/h; Tankinhalt: 30281; Flugdauer: 7,5 Stunden; Motoren: 2 Pratt & Whitney 1830/92 mit je 1400 PS.

Die Deminex hat nichts dagegen, daß McCarthy den Namen des Unternehmens groß und deutlich auf die DC-3 gemalt hat. Schließlich gilt auch - oder gerade- im Orient die Formel „sehen und gesehen werden". Dr. Ch. Roedel, der Chef der Deminex Egypt Branch, legt besonderen Wert auf ein gutes Verhältnis und gute Zusammenarbeit mit Behörden und Bewohnern des Gastlandes. Der aus Wien stammende Bohrbetriebsleiter der Deminex, Alfred Weidinger, spricht mit Hochachtung von seiner DC-3: „Da müßte erst ein anderer mit einem vergleichbaren Angebot kommen! Wer bietet denn noch bequemen Platz für 28 Passagiere zu so günstigen Preisen?

Außerdem ist die DC-3 äußerst anspruchslos und mit unbefestigten Landebahnen knapp unter 1000 m zufrieden. Die DC-3 fliegt täglich einmal von Kairo nach Ras Gharib und wieder zurück. 28 Passagiere hin und 28 her - macht im Jahr 20 000 Personen: Allein diese Zahl bestätigt und rechtfertigt neben vielen anderen Vorzügen den Einsatz eines Fluggerätes unter eigener Regie.

Wer gehört nun eigentlich zu den Passagieren, die sich von weiß Gott woher über Kairo, DC-3 und Hubschrauber für zwei, drei oder vier Wochen in der blauen Langeweile des Golfs von Suez zu harter Arbeit zusammenfinden? Herr Weidinger braucht mehr als seine zehn Finger, um die vielen Gruppen von Mitfliegern aufzuzählen: Zunächst der Stab der Deminex - die Geologen, die Geophysiker, die Bohringenieure, die Chefs und Spezialisten aus Kairo und aus Essen, die Besatzung der Versorgungsbasis Ras Gharib. Dann die Kontraktoren: Spülungs-, Zementierungs-, Bohrlochvermessungs-, Test- und Taucherfirmen. Weiter: Behördenvertreter, Personal der Versorgungsschiffe und, last but not least, die Hubschrauberpiloten und -techniker.

Halt, da sind noch zwei wichtige tägliche Mitflieger - die Post und die Zeitungen. Bei den nicht vorhandenen Telefon- und Telexverbindungen der einzige regelmäßige Kontakt mit der Außenwelt. Selbst die Kommunikation für den Bohrbetrieb kann nur über eigene HF-Funkstationen abgewickelt werden. Alles andere, was in dieser Zeit noch Zeit hat oder für den Lufttransport zu schwer und damit zu teuer ist, wird per Lastwagen und Schiff geliefert - von Zement und Chemikalien über Rohre bis hin zur Verpflegung.

Für den Weiterflug zu den jeweiligen Bohrlokationen und Produktionsplattformen sorgen die Hubschrauber. Unter Vertrag stehen zwei Alouette 3 der Stuttgarter Heli Air Hubschraubergesellschaft (früher Nordhelikopter). Die Aufgaben des Hubschraubers reichen vom Mannschafts-Austausch über Außenlasttransporte, Kontroll- und Kurierflüge bis hin zu Rettungseinsätzen. Gerade für die Notfallrettung hat die Deminex ein vorbildliches System geschaffen, welches auch anderen in der Region tätigen Unternehmen zur Verfügung steht. Neben der Grundausstattung der Hubschrauber mit Krankentragen und den erforderlichen Installationen für medizinisches Gerät hält die Deminex eine komplette mobile Notarztausrüstung vor. Für die ärztliche Versorgung eines Patienten während des Fluges steht eine medizinische Bordausrüstung bereit, die den Normen für Rettungshubschrauber entspricht. Die Liste der Sonderausrüstungen wird durch einen Überlebenskoffer für Flüge über Wüstengebiete ergänzt.

Ungewöhnliches gehört zur Tagesordnung

Die tägliche Wartung und auch große Überholungen der Hubschrauber werden in bestausgestatteten Anlagen durchgeführt. Neben Hangar, Werkstatt, Tankstelle und Flugbetriebsbüro wird ein umfangreiches Ersatzteillager unterhalten. Wartung und Inspektion ist Aufgabe deutscher Techniker. Darüber hinaus beschäftigt das Unternehmen ägyptische Angestellte als Flugbeobachter, die den deutschen Piloten zur Seite stehen, und Mechaniker. Die Überwachung des Flugbetriebs obliegt den örtlichen Behörden wie auch der deutschen Luftfahrtbehörde. Jahresnachprüfungen zur Bescheinigung der Lufttüchtigkeits-Prüfung der Hubschrauberwerden durch in der BRD zugelassene Prüfer vollzogen. Man hat den Eindruck, daß in diesen Breiten das Ungewöhnliche normal ist.

Ein Hauch von Abenteuer ist spürbar. An den Vorfall „Rasenmäher" erinnert sich Th.-R. Kunath, der Flugbetriebsleiter Ägypten der Heli Air: Eines Abends vor dem Rückflug der DC-3 nach Kairo Anlassschwierigkeiten -Motor Nr. 2 bockt - der Anlasser schafft's nicht mehr. Man greift zum Notbehelf, der jedem Hobbygärtner geläufig ist: Ein Seilende sechs- bis achtmal um die Propellernabe gewickelt, das andere Ende an der Stoßstange eines Jeeps befestigt: Kurz anfahren - Motor voll da - Rollen zum Start. Ein Tag in der Routine von Ras Gharib.
Text und Fotos: W Spirandelli
 


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Letzte Änderung: 22. September 2003
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