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Alpha Jet für die US Navy?

Nach mehreren Jahren des Desinteresses hat die Lockheed Corporation in Burbank, Kalifornien, ihr Augenmerk wieder auf Europa gerichtet und sich zu einer Zusammenarbeit mit Frankreich und der Bundesrepublik entschlossen: Es wurde mit Dornier und Dassault-Breguet eine internationale Partnerschaft eingegangen, um sich mit dem deutsch-französischen Alpha Jet an der Ausschreibung für den nächsten Trainer der US Navy zu beteiligen. Lockheeds Rolle dabei ist, sicherzustellen, daß der Alpha Jet die Navy-Forderungen erfüllt. Sollte die Maschine von der Navy ausgewählt werden, könnte Lockheed sie in seinem Werk in Burbank unter Lizenz der europäischen Hersteller fertigen.

Das US-Unternehmen hat durch die Marineflugzeuge P-2, P-3 und S-3A große Erfahrungen bezüglich der Herstellung und der Entwicklung nach Navy-Forderungen. Und sein Trainerrekord ist einmalig: In den Jahren 1948 bis 1959 wurden 5694 Maschinen der T-33 gefertigt und 150 T2V und T1A - die Navy-Version der T-33. Im Zeitraum 1962 bis 1967 kamen 160 TF-104G, die zweisitzigen Trainer des Starfighters, für die deutsche Luftwaffe hinzu.

Die Möglichkeit einer Wahl des Alpha Jet scheint gut zu sein: Die US-Hersteller haben keinen Trainer in dieser Klasse. Ferner könnte das Projekt ein Beispiel für weitere internationale Zusammenarbeit bieten, um die Bereitschaft der USA zu demonstrieren, auf der Zweibahnstraße weiterzumarschieren.

So stieg bereits die US Army in das Roland-Projekt ein, um die NATO-Solidarität voranzutreiben. Nachdem die erfolgreiche Testphase der US-Roland nun langsam abgeschlossen ist und die Auslieferung beginnt, braucht Amerika ein Nachfolge-Programm bei einer anderen Teilstreitkraft - der Navy stände dieses Vorhaben gut zu Gesicht. Allerdings würden die Alpha Jet-Partner gut daran tun, sich die Probleme, die zu Beginn des Roland-Programms auftraten, vor Augen zu halten, um nicht die Fehler der Geschichte zu wiederholen.

Die Hughes Missile System Group in Canoga Park, Kalifornien, und die Boeing Aerospace Company in Seattle, Washington, unterzeichneten 1975 den Kooperationsvertrag aus dem Bestreben heraus, eine Standardisierung der amerikanischen Waffen mit denen der NATO-Partner zu erzielen. Die Roland ist das erste fremde Lenkwaffen-System (Boden-Luft-Rakete mit geringer Reichweite), das gemeinsam entwickelt und getestet wurde, um anschließend in großem Maßstab an die US-Bodentruppen ausgeliefert zu werden. Der Technologie-Transfer für die Roland kostet dem Missile Research and Development Command (MIRADCOM) der US Army $ 265 Mio. Im Vergleich dazu gab die Euromissile, das französischdeutsche Konsortium von SNIAS und MBB, für die Entwicklung des rein europäischen Roland-Systems $ 700 Mio. aus. Bei der US-Roland war gefordert, daß die Hardware der Lenkwaffe mit den Teilen, die schon zum Inventar der US-Streitkräfte gehörten, standardisiert sein müsse und dass sowohl die amerikanische als auch die europäische Roland in White Sands, New Mexico, getestet werden sollten, um die Austauschbarkeit und Interoperabilität der Systeme zu erproben.

Hughes sagt, daß von den 68 230 Roland-Bauteilen 40 000 exakt oder in etwa mit amerikanischen militärischen Standard-Teilen übereinstimmen. 18 200 sind genau oder fast identisch mit amerikanischen zivilen Teilen, und nur 9430 entsprechen dem rein europäischen Standard. Nur diese letzteren mußten von den USA neu entwickelt werden.

Die US Army führt aus, daß die Übernahme und die Akzeptierung der französisch-deutschen Roland-Entwicklung sowie die Erstellung einer amerikanischen Produktions-Basis für die Fertigung von Zeichnungen und Werkzeugen insgesamt $ 1,8 Mrd. kosten. Darin eingeschlossen sind $ 265 Mio. für den TTF&T-Prozeß (TTF&T = Technology, Transfer, Fabrication and Test).

Das US-Roland-Projekt läuft jetzt - nach einem äußerst schwierigen Start - sehr gut, und auch die Kommunikation zwischen den verschiedenen amerikanischen, französischen und deutschen Partnern hat sich bewährt. Die Wahl des europäischen Entwurfs ersparte den USA mehr als $ 500 Mio., schätzt man. Das Roland-Programm bereitete neue Wege der internationalen Kooperation; das Alpha Jet-Programm wird von den gemachten Erfahrungen profitieren. Norman Lynn
 


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Letzte Änderung: 10. Oktober 2003
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