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BILLIG-FLUGPREISE: TRAUM UND ALPTRAUMPräsident Carter meinte es gut. Er befreite die Luftfahrt vom Korsett vieler Vorschriften und Preisbindungen, die den Wettbewerb einengten. Ob sich aber Erfahrungen im Erdnuß-Business auf die Luftfahrt übertragen lassen, wird von Fachleuten bezweifelt. Sie fürchten, daß die Orgie der Billig-Flugpreise auf Verbraucher und Industrie als Bumerang zurückkommt.Die US-Fluggesellschaft TWA stellt dazu fest, daß standby"- und budget"-Preise zwar umsatz-, aber nicht profitfördernd seien. Fusionsbestrebungen amerikanischer Gesellschaften beweisen, daß sie allein nichts mehr verdienen können. Und innenamerikanische Strecken, die wegen schlechter Erträge gestrichen werden könnten, sollen mit Steuergeldern subventioniert werden! Erste Signale Carterscher Fehlplanung. Die Luftfahrtgesellschaften sind jetzt weltweit gezwungen, neue Antworten auf steigende Kosten und sinkende Preise zu finden. Dabei sind 80 Prozent ihrer Kosten kaum beeinflußbar: Gehälter, Treibstoff, Technik, Airport-Gebühren. Der Spielraum für Einsparungen ist sehr klein! Was bleibt also? Rationalisieren? Wie naiv! Schon das Wort ist bei uns verpönt. - Mr. Kahn, Chef der US-Luftfahrtbehörde CAB, dementierte zwar kürzlich seine Behauptung, die Lufthansa hätte 9000 überflüssige Beschäftigte. Aber auch wenn es sie gäbe: Nur in Amerika ließen sich solche Zahlen reduzieren. Oder die Produktivität steigern? Flugzeuge stärker nutzen? Bei nächtlichen Start- und Landeverboten recht schwierig. Oder: Die Lebensgewohnheiten der Kunden so manipulieren, daß sie auch zu unbequemen Tageszeiten, in unbeliebten Jahreszeiten reisen? Was hat man nicht schon alles auf diesem Sektor vergeblich versucht! Oder gar auf Flugpläne, also auf zuverlässige Abflugzeiten verzichten? Nur noch Charter? Qualitätsminderung wäre möglich: Zähneknirschend bieten die Leader" jetzt Nordatlantik-Dritte-Klasse an. Und sicherlich werden die Optionen zwischen niedriger und guter Dienstleistung vorerst weiter wachsen. Ob es aber gelingt, Qualität kostensparend zu senken, ohne daß es der Kunde fühlt, ist zweifelhaft. Cheap is never beautiful! Einsparungen in der Technik? Man könnte wohl in einigen Fällen überflüssigen Perfektionismus abbauen, ohne natürlich den Sicherheitsstandard anzutasten. Man könnte Instandhaltungsarbeiten in Billigländer mit hohem technischen Know-how - wie Singapur, Hongkong, Taiwan - verlegen. Freunde der Mitbestimmung wären nicht begeistert. Expandieren bei gleichem Personalstand? Sicher keine schnelle Lösung der Misere. Der Sturm bläst der Luftfahrt ins Gesicht. Die Gefahr droht, daß eines Tages nur Multis und staatlich subventionierte Konkurrenten im planmäßigen Flugverkehr überleben. Das wäre das Ende vom Traum des Billigfliegens. Der Cartersche Sieg würde zum Pyrrhus-Sieg. W. H. Kuhl
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