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AIRBUS: LUFTFAHRT-EUROPA RÜCKT NÄHERDie Nachricht, die Verhandlungen bezüglich des britischen Beitritts zum europäischen Airbus-Programm seien endlich zu einem Abschluß gekommen - zu einem positiven Abschluß -, sollte man mit Erleichterung hinnehmen: Ab 1. Januar 1979 wird der verstaatlichte'' englische Luft- und Raumfahrt-Konzern British Aerospace offiziell Mitglied der Airbus Industrie - mit einer Beteiligung von 20 Prozent und dem gleichen Stimmrecht wie die bisherigen Programm-Partner.Eine Mittlerrolle, die nicht hoch genug bewertet werden kann, hat dabei die deutsche Verhandlungs-Seite gespielt, auch wenn man im Wirtschaftsministerium geradezu bescheiden keine diesbezüglichen Angaben machen möchte. Ich glaube, sie steht der deutschen Regierung und der deutschen Industrie gut zu Gesicht, diese Mittlerrolle. Sie kennzeichnet ein Verhalten des Ausgleichs und der Toleranz, das selten genug in den letzten Monaten von seiten der beiden Kontrahenten Großbritannien und Frankreich an den Tag gelegt wurde. Wir alle kennen die bitterbösen Worte, die dies- und jenseits des Kanals seit August, als der britische Antrag einerseits und die Boeing-Bestellung durch British Airways andererseits erfolgten, gefallen sind. Natürlich darf man die französischen Bedenken nicht achtlos beiseiteschieben, ist doch dem energischen Engagement der Franzosen ein Großteil dessen zu verdanken, was den unzweifelhaften Airbus-Erfolg ausmacht. Das Funktionieren der Airbus-Mannschaft, so mutmaßt man in Frankreich, die so glänzende technische und verkäuferische Leistungen vorgelegt habe, könnte durch Reibungsverluste auf britischer Seite in Mitleidenschaft gezogen werden. Und: Durch langwierige Umstrukturierungen könnte sich das Tempo, von dem die Airbus-Arbeiten bisher geprägt waren, verlangsamen. - In einer Phase, in der sich diese Organisation angesichts der gewaltigen Anstrengungen der Firma Boeing, ihre 757/767/777-Flugzeuggeneration auf dem Weltmarkt in eine dominierende Position zu bringen, befinde, könne man ganz einfach keinerlei Verzögerung mehr verkraften. Ich glaube, man kann alles auch etwas weniger hektisch, weniger besorgt sehen. Ohne den britischen Beitritt wären die ehrgeizigen Airbus-Terminziele ohnehin gar nicht mehr zu halten, und die Glaubwürdigkeit der Airbus Industrie bei potentiellen Kunden ist durch den britischen Neuzugang zweifellos gestiegen. Um die Zusammenarbeit mit Amerika - auf welche Weise, wird die fernere Zukunft zeigen -, der sich die deutsche Regierung nach wie vor verschrieben hat, kommt letztendlich auch die französische Seite nicht herum. Man weiß doch, daß die USA die Europäer als gleichberechtigte Partner nur dann akzeptieren, wenn die Konkurrenzfähigkeit stimmt. Die ist durch Großbritanniens Beitritt gewachsen. Und näher gekommen ist damit auch etwas, was doch allen Beteiligten am Herzen liegen muß: ein geeintes Luftfahrt-Europa. Dietrich Seidl Airbus-Beitritt: lebenswichtig für EnglandDer verstaatlichte britische Luft- und Raumfahrt-Konzern British Aerospace ist der Ansicht, bis zum Jahre 1980 ca. 6000 Facharbeiter einstellen zu müssen. Sogar noch bevor es klar war, daß Großbritannien am 1. Januar 1979 Mitglied des Airbus-Konsortiums werden würde, war die Auslastung bei British Aerospace eindrucksvoll: Nach Angaben des British Aerospace-Vorsitzenden Lord Beswick finden in allen 17 bedeutenden Werken der Gruppe Neueinstellungen statt.Die Dynamics-Gruppe des Unternehmens, die sich mit Raumfahrt- und Lenkwaffen-Projekten beschäftigt, ist zur Zeit extrem gut im Geschäft und wirft hohe Gewinne ab. Die Belegschaft von nahezu 17000 Beschäftigten muß zur Zeit verstärkt werden, um die mehr und mehr anwachsenden Arbeiten an Satelliten und Lenkwaffen zu bewältigen. Der Airbus Industrie-Beitritt, der dem British Aerospace-Konzern bis zum Jahr 1983 Kosten in Höhe von £ 250 Mio. auferlegen wird, wird das Auftragsbuch des Unternehmens noch günstiger und ausgeglichener aussehen lassen: Der Anteil an zivilem Geschäft wird anwachsen. Aber bereits jetzt sind darin seit Anfang des Jahres Aufträge im Wert von £ 2283 Mio. verzeichnet. Das British Aerospace-Werk in Hawarden in der Nähe von Chester wird zuallererst in den Genuß des Airbus-Beitritts kommen. Bereits heute fertigen hier 3500 Arbeiter die Tragflächen für die jetzige Airbus-Versionen, und es scheint nach britischer Ansicht festzustehen, daß auch der Flügel der kleineren Airbus-Variante A 310 hier gebaut werden soll: Das bedeutet eine Vielzahl weiterer Arbeitsplätze. Zwar erklärte Lord Beswick, vier oder fünf Jahre lang werde es dauern, bis die hohen Investitionen, die in das Airbus-Programm gemacht werden müssen, zurückzufließen beginnen. Aber er fügte auch hinzu, angesichts der Tendenz, daß die Zivilarbeiten das Militärgeschäft zu überholen scheinen, sei die neue europäische Partnerschaft geradezu lebenswichtig für das Unternehmen geworden. A. J. Wallis
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