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Porträt einer Airline EL ALEL AL, das ist hebräisch und heißt aufwärts". Und aufwärts ist es ohne Zweifel in den letzten 30 Jahren mit Israels nationalem Carrier stetig gegangen - auch wenn vielleicht keine andere Luftverkehrsgesellschaft so oft gegen so widrige Winde anfliegen mußte wie die EL AL. Die abenteuerlichen Anfänge des staatlichen Unternehmens gehen bis zum Jahr 1949 zurück, als das Land Israel mit allen Kräften um seine Unabhängigkeit kämpfte.Die ersten EL AL-Passagiere, die noch in umfrisierten" Militärmaschinen befördert wurden, waren weder Geschäftsleute noch Touristen - es waren Emigranten, die aus vielen Teilen der Welt in die belagerte Heimat strömten. Jahrelang waren Baumuster wie die Douglas C-54 Skymaster (Zivilbezeichnung DC-4), Curtiss C-46 Commando und Lockheed Constellation im Einsatz. Erst 1956 konnte die Regierung damit beginnen, EL AL zu einer bedeutenden internationalen Liniengesellschaft aufzubauen. Schon ein Jahr später setzte EL AL als zweite Airline der Welt Turboprop-Flugzeuge (Bristol Britannia) nach New York ein. 1967 bestand die Flotte nur noch aus Jets. Heute bedienen die16 blau-weißen Boeing-Flugzeuge vier Kontinente. Keine Prestige-Airline Wenn in diesen Tagen immer mehr kleine Länder eigene Flotten im internationalen Luftverkehr betreiben wollen, dann befriedigen sie damit oft nur ihr Prestigebedürfnis. Diese Eitelkeit wird dann aus Steuergeldern bezahlt oder aus Entwicklungshilfe, die den Bürgern fremder Länder abgenommen wird. Israel hatte nur 600000 Einwohner, als EL AL gegründet wurde. Es ging dem Land aber nicht darum, die Flagge zu zeigen. Die Notwendigkeit, sich mit eigenen Flugzeugen im Liniendienst internationale Zufahrtstraßen der Luft zu sichern, schien den Israelis lebenswichtig. Heute hat Israel etwa 4 Millionen Einwohner, und proportional zu den Bevölkerungszahlen und Flotten anderer Länder liegt EL AL an der Spitze. Als Devisenbringer wird EL AL nur von der Schiffahrtslinie ZIM übertroffen. Die widrigen Winde, gegen die EL AL jahrelang anfliegen mußte, kamen aus unterschiedlichen Richtungen. Der Yom Kippur-Krieg vergraulte auf lange Zeit viele Touristen. Über mehrere Jahre zeigte die Gesellschaft keine nennenswerten Wachstumsraten. Bombendrohungen trugen nicht zur Bereitschaft mancher Kunden bei, mit EL AL zu fliegen. Und die hohen Beträge, die man in die Durchführung von Sicherheitsmaßnahmen investieren mußte, zehrten an den Einnahmen. Aber nach einiger Zeit begannen sie doch, sich zu amortisieren. Viele Passagiere bevorzugen jetzt EL AL auf Flügen nach Israel. Und zwar aufgrund des vorzüglichen Security-Service. Die Wahl der Gesellschaft fällt beim Abflug von Tel Aviv nicht ins Gewicht. Dort unterliegen alle Gesellschaften den gleichen, sorgfältigen EL AL-Kontrollen. (So mancher Passagier vermißt diese Disziplin an anderen Internationalen Flughäfen.) Aber es gibt auch viele Kunden, die mit EL AL aus Loyalität fliegen. Selbst in den unruhigsten Zeiten konnte die Airline 80% des Passagegeschäfts zwischen New York und Tel Aviv buchen. Junge Israelis entdecken Deutschland EL AL fliegt seit 1962 Deutschland an und hat in der Zwischenzeit den Linienverkehr auf sieben wöchentliche Frequenzen nach Frankfurt und zweimal wöchentlich nach München ausgebaut. Verkaufsbüros bestehen in Frankfurt, München, Köln und Berlin. Unter den europäischen Ländern führt jetzt Deutschland mit fast 100000 Touristen im Jahr nach Israel. In umgekehrter Richtung bevorzugen israelische Touristen bisher noch England und die Schweiz. Aber die Jugend fängt an, Deutschland zu entdecken. Die Kette der Herausforderungen Eines der vielen Handicaps für EL AL, meinte kürzlich EL AL-Chairman Mordechai Ben Ari, bestand in der Tatsache, daß EL AL keine besonders guten Beziehungen zu Nachbarländern hat (der Warenaustausch war gelegentlich nur auf Granaten beschränkt). Außerdem trug die hohe Inflationsrate des Landes - zeitweise bis zu 50 Prozent - nicht zur Gewinnsteigerung bei. Trotzdem gelang es der Gesellschaft, dem israelischen Steuerzahler nicht zur Last zu fallen. Zu allen Schwierigkeiten mußte sich EL AL wiederholt mit Streiks abplagen. Sie kosteten dem Unternehmen im Zeitraum 1977/78 insgesamt 15 Mio. Dollar. Einer der vielen Gründe für die Industrial Unrest könnte - neben der Inflation - die bei EL AL ungewöhnlich große Kluft zwischen den Einkommen ihrer Groß- und Kleinstverdiener sein. Monatliches Topgehalt für zwei Senioren des Cockpits ist US $ 10000, wovon 60 Prozent in Dollar ausgezahlt werden. Dem steht das Gehalt einer Sekretärin in der Hauptverwaltung am Ben Gurion-Flughafen mit US $ 170,00 gegenüber - selbstverständlich in lokaler Währung. Ein Verhältnis also von 100 zu 1,7! In Europa zeigen vergleichbare Zahlen ein Verhältnis von etwa 100 zu 10. Immer wieder hochgerappelt Kriegen, Terrorismus, Inflation und Streiks zum Trotz arbeitet sich die vielgeprüfte Gesellschaft immer wieder hoch. Der Erfolg ist, besonders in letzter Zeit, auffällig. Erstmals wurden im vergangenen Jahr weit über eine Million Passagiere befördert. Der Passagier-Ladefaktor war 69 Prozent. Ein vorzügliches Ergebnis! Und verglichen zum Vorjahr stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 323 Mio. Dollar. Bis 1982 will EL AL den Umsatz sogar verdoppeln. Finanzierungen aus Eigenmitteln wurden mit einer Höchstsumme von 26 Mio. Dollar durchgeführt. Für die Anschaffung von neuem Fluggerät stellt EL AL im Lauf des Jahres - ebenfalls durch Selbstfinanzierung - 51 Mio. Dollar bereit. Die produzierten Sitz/Tonnen-km erhöhten sich im abgelaufenen Finanzjahr um 23,5 Prozent, wobei die Zahl der Beschäftigten mit etwa 5500 konstant blieb. Der Finanzbericht analysiert außerdem, welche Veränderungen die Gesellschaft in ihren Finanzierungsgeschäften in den letzten 10 Jahren getroffen hat. Demnach stellt EL AL ca. 380 Mio. Dollar für den Kauf von neuem Fluggerät und andere Investitionen zur Verfügung. 97 Prozent dieser Summe stammen aus Eigenmitteln, der Rest aus langjährigen Anleihen, die ELAL mit Zinsen zurückzahlt. Nur 3 Prozent der Gesamtinvestitionen wurden von der israelischen Regierung, dem Hauptaktionär der Gesellschaft, in Form von Aktienkapital und Anleihen beigesteuert. Kein anderes Unternehmen in Israel und keine andere Fluggesellschaft haben in einem solchen Zeitraum derart hohe Mittel für Investitionen im Rahmen von Eigenfinanzierung aufgebracht. Die Flotte der EL AL besteht zur Zeit aus folgenden Flugzeugmustern: * zwei Boeing 720-058 mit Pratt & Whitney JT3-Triebwerken; * acht Boeing 707, fünf davon mit Pratt & Whitney JT3- und drei mit Rolls-Royce Conway-Triebwerken; * sechs Boeing 747 mit Pratt & Whitney JT9D-7A-Triebwerken. Zwei dieser Maschinen sind C-Versionen, die im Sommer Touristen und im Winter Fracht fliegen. Eine 747 ist eine F-Version, also ein Nur-Frachter. Eine 747F kommt im Frühjahr 1979 dazu, und die 747-Flotte der Gesellschaft soll noch weiter aufgestockt werden. Wann man sich stufenweise von den älteren 720 und 707 trennen wird, steht noch nicht fest. Airbus Industrie bekam kürzlich von EL AL eine Absichtserklärung" für den Kauf von zwei A300. Aber zur Zeit der Niederschrift dieses Manuskripts munkeln Marktkenner, daß Lockheed versucht, diesen EL AL-Bedarf auf sich zu lenken. Im Winter Fracht Die Konfiguration in der 747Flotte mit ihrem Akzent auf teuren Combi-Flugzeuge unterstreicht die Bedeutung des EL AL-Frachtgeschäftes. Im Sommer werden Touristen aus Amerika und aus Europa befördert und im Winter landwirtschaftliche Produkte nach Europa, vornehmlich nach Deutschland. Die Frachtgesellschaft CAL brachte im vergangenen Winter 50000 Tonnen Gemüse und Blumen nach Deutschland. In diesem Winter werden 100000 Tonnen anvisiert. Beim CAL-Management gab es in der Vergangenheit viel organisatorisches Hin und Her. Es ging um Abtrennung von EL AL und um Rückkehr in den Schoß des nationalen Carriers, der ohnehin Flugzeuge, technische Betreuung und Besatzungen stellt. Aber ob EL AL das expandierende Exportgeschäft decken kann, ist noch nicht sicher. Agrar-Exporteure liebäugeln seit einiger Zeit mit der Idee, dem Staat Konkurrenz zu machen. Industrie und Air Force als Stütze der Technik EL ALs Technik profitiert von der unmittelbaren Nähe der Firma Israel Aircraft Industries, einem 20000-Mann-Hersteller-Betrieb. Hier gibt es unter anderem einen Prüfstand für die JT9-MotorenTriebwerke der EL AL-747 Flugzeuge und eine Vielfalt von Spezialwerkstätten wie z. B. Galvanisierungsanlagen, die sich kleine Gesellschaften nicht in dieser Form leisten können. EL ALs Triebwerke werden allerdings noch zur Überholung in die USA und nach England geschickt. Die EL AL-Technik hat aber noch zwei weitere Vorteile auf ihrer Seite: Bei dem guten Klima lassen sich viele Wartungsarbeiten im Freien durchführen. (Fremdaufträge übrigens und Consulting entfallen für EL AL, da diese Arbeiten von Israel Aircraft Industries wahrgenommen werden). Ein zweiter Pluspunkt: EL ALTechniker und -Piloten sind Schüler der israelischen Luftstreitkräfte (siehe den ausführlichen Bericht in FR 11 /78). Jede Menge Stewardessen Einen ähnlichen wirtschaftlichen Vorteil zieht die Gesellschaft aus ihrer Beschäftigungspolitik für die Kabinenbesatzung. Stewardessen werden nur für eine Saison angeworben. Falls man sie eine zweite und dritte Saison gebrauchen kann, bekommen sie die Möglichkeit einer festen Anstellung. Und im Gegensatz zu Europa ist der Andrang zu diesem Beruf enorm. EL AL kann sich scharfe Auswahl leisten. Bei rigorosem Training werden viele Anwärterinnen nach Hause geschickt. Es bleiben - trotz des kleinen Gehalts von nur US $ 400 im Monat (50 Prozent davon allerdings in begehrten Devisen) genügend hübsche junge Damen für den Dienst übrig. Dritte Klasse bei EL AL Lange bevor Mr. Laker einen Austerity Service" einrichtete, plädierte EL AL - gegen die Meinungsströmung in der IATA - für die Einführung einer Dritten Klasse. Aber erst vor kurzer Zeit konnte die Gesellschaft endlich eine Holiday-Klasse anbieten. Da 90 Prozent ihrer Passagiere Touristen sind, war dieser Schritt - so meint das Management - längst überfällig. Andererseits hat man sich bei EL AL jahrelang gegen Charterflüge von USA nach Israel gesträubt. Präsident Carters Politik der Open Skies" zwingt nun auch Israel zum gründlichen Umdenken. Zwischen Israel und den Vereinigten Staaten wurde kürzlich ein neues Luftverkehrsabkommen unterzeichnet. Wichtigste Punkte in diesem Abkommen sind einmal die Freigabe für Charterflüge nach Israel von allen amerikanischen Städten ab November 1978 und eine Expansion des Streckennetzes der EL AL innerhalb der USA nach vier weiteren Zielen. Demnächst werden voraussichtlich Miami und Los Angeles sowie Boston und Chicago angeflogen. EL AL wird außerdem die Möglichkeit eingeräumt, zwischen Alternativzielen in den USA zu wählen und Maschinenwechsel vorzunehmen. Ferner hat EL AL Rechte der 5. Freiheit der Luft von Rumänien nach Amerika erworben. Über Verkehrsrechte von Spanien und Portugal nach USA wird mit beiden Ländern noch verhandelt. Darüber hinaus nimmt Israels Fluggesellschaft seit längerer Zeit im Rahmen von Transitvereinbarungen Weiterflüge von den USA nach Nachbarländern wie Kanada und Mexiko vor. Mexico City soll in Zukunft über Miami hinaus angeflogen werden. Als Gegenleistung hat Israel einmal - wie erwähnt - das partielle Charterverbot von Amerika vollständig aufgehoben und einer Open Rate"-Situation zwischen beiden Ländern zugestimmt, nach deren Inkrafttreten jedem Land im ersten Jahr allerdings ein Vetorecht eingeräumt ist. Endlich die Pyramiden sehen Ob der von USA erzwungene Strukturwandel in der zivilen Luftfahrt EL AL finanziell nutzen wird, steht vorerst, genau wie bei vielen anderen internationalen Konkurrenten, in den Sternen. Das Ziel Israels aber, mehr Touristen in das Land zu bringen, das neben gutem Klima und schönen Stränden den Fremden einzigartige Attraktionen auf historischen und religiösen Sektoren bietet, wird sicher erreicht werden. Auch in umgekehrter Richtung wird das Reisegeschäft Israels weiter angekurbelt werden. Am Tag der Erfolgsmeldung von Camp David hörte man in Israel immer wieder den Satz: Jetzt können wir uns endlich mal die Pyramiden ansehen! Der Name EL AL bedeutet himmelwärts oder voran und nach oben". Freunde Israels wünschen der vielgeprüften Gesellschaft weitere Erfolge in diesem Sinn. Aber allein mit Tüchtigkeit geht es nicht aufwärts. Der Entscheidung über langfristigen Erfolg ist eingebettet in ein einziges Wort: Shalom. Mit Shalom wird der Gast an Bord bei EL AL begrüßt. Shalom bedeutet Frieden. . . Text: W. H. Kuhl
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