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Ein Beispiel europäischer Zusammenarbeit

WESTLAND LYNX

Die Entwicklung moderner Mehrzweckhubschrauber trat in den letzten Jahren in eine neue Phase ein und für die großen Herstellerfirmen brach eine Zeit der Hochkonjunktur aus. Dank neuer Technologien konnte man einige aufsehenerregende Fortschritte erzielen und vor allem die Zuverlässigkeit des Hubschraubers entscheidend erhöhen. Als Musterbeispiel gilt diesbezüglich der von Westland konzipierte und gemeinsam mit der Aerospatiale realisierte Lynx. Seine Serienfertigung läuft auf vollen Touren und seit Anfang 1978 stehen die ersten Maschinen im aktiven Truppendienst.

Bei dem mittleren Mehrzweckhubschrauber Westland Lynx handelt es sich um eines der drei Muster, deren gemeinsame Entwicklung im Rahmen eines Abkommens zwischen den Regierungen Großbritanniens und Frankreichs am 2. April 1968 beschlossen wurde. Man übertrug der in Yeovil beheimateten Firma Westland mit 65 Prozent die Federführung im Entwicklungsprogramm. Außerdem einigte man sich auf eine Taktstraße und die Fertigung von mindestens 300 Maschinen für die Streitkräfte der beiden Länder und den Export.

Lynx

Schon lange vordem Regierungsbeschluß hatte Westland die Phase 1 begonnen, die vor allem die Ausarbeitung des land- und bordgestützten Lynx-Grundentwurfs WG.13 bis zur Konstruktion beinhaltete. Die Phase 2 umfaßte dagegen Konstruktion und Fertigung von insgesamt dreizehn Prototypen und Mustermaschinen für die Serienfertigung. Am 21. März 1971 startete der mit einem gelben Anstrich versehene erste Lynx-Prototyp (XW835) zu seinem Jungfernflug. Er wurde in der Folgezeit ausschließlich für Flugeigenschafts- und Schwingungsversuche verwendet, diente jedoch nach einer harten Landung nur noch als statischer Erprobungsträger.

Am 28. September 1971 flog der dritte Lynx-Prototyp (XW837), den man in erster Linie zur Erprobung der automatischen Flugsteuerung einsetzte. Ihm folgte sechs Monate später, am 9. März 1972, der vierte Lynx (XW838). Er verfügte bereits über den Rotorkopf, wie er für die Serienmaschinen vorgesehen war. Außerdem war er mit einem Luft-Boden-Telemetriesystem ausgestattet. Als Haupterprobungszweck galten die Flugleistungen, doch wurde mit dem XW838 auch ein umkehrbarer Heckrotor untersucht. Die Maschine ging wegen eines technischen Defekts zu Bruch und wurde nicht repariert.

Als vierter Lynx flog am 24. März 1972dermiteinemgrauenAnstrich versehene zweite Prototyp (XW836). Er wurde ausschließlich für Schwingungsversuche verwendet und danach als Attrappe der zivilen Lynx-Version Westland 606 umgebaut, die man jedoch nicht realisierte. Am 12. April 1972 startete der XX 153 als fünfter Lynx zu seinem Erstflug. Er war mit dem Mehrfarben-Sichtschutz der britischen Heeresflieger versehen und wurde von Westland und dem A&AEE in Boscombe Down für Flugeigenschafts- und Flugleistungsversuche verwendet. Im Juni 1972 konnte dieser Lynx, mit Testpilot Roy Moxam am Steuer, zwei anerkannte Rekorde aufstellen: 321,74 km/h auf der geraden und 318,50 km/h auf der geschlossenen 100 km-Strecke.

Lynx auch für die Navy

Während der XX153 als erster Lynx den Forderungen der britischen Army entsprach, galt der XX469 als erstes Entwicklungsmuster für die Royal Navy. Er flog am 25. Mai 1972 und wurde auf dem Gelände des RAE Bedford entsprechend erprobt. Zu Versuchen im südfranzösischen Marignane gehörten auch solche an Bord der Tourville. Die Maschine wurde jedoch bei einer harten Landung völlig zerstört. Als zweiter Navy-Lynx galt der XX510, der am 5. März 1973 flog und ebenfalls für die verschiedensten Versuche verwendet wurde. Dazu gehörten im Juni 1973 auch Starts und Landungen von einer Plattform der RFA Engadine sowie Schießversuche mit der von BAC entwickelten Luft-See-Lenkwaffe Sea Skua.

Der dritte Navy-Lynx (XX910) flog am 23. April 1974. Das A&AEE in Boscombe Down führte mit dieser Maschine eine Reihe von Versuchen durch, die in erster Linie die Navigationausrüstung betrafen, während Westland mit ihr die Rettungswinde erprobte. Der als Mehrzweckversion für die britischen Heeresflieger ausgelegte neunte Lynx (XX907) flog am 20. Mai 1973. Er wurde danach der Bristol Engine Division von RollsRoyce in Patchway übergeben.

Als erster Aeronavale-Lynx galt der zehnte Prototyp (XX904), der mit den französischen Zivilkennzeichen F-ZKCU - später 0503 - versehen war und am 6. Juli 1973 flog. Die Aerospatiale untersuchte ihn gemeinsam mit dem zweiten Aeronavale-Lynx (XX911) gemäß seiner Aufgabenstellung als ASW-Hubschrauber. Er führte die Zivilkennzeichen F-ZKCV - später 0504-und flog am 18. September 1973 erstmals. Mit dem fünften Lynx Prototyp (XW839) wurden nunmehr alle Neuerungen eingehend untersucht, die sich im Laufe der langjährigen Mustererprobung ergeben hatten. Dazu gehörte insbesondere ein überarbeiteter Heckausleger mit Rotor.

Die Maschine flog am 19. Juni 1974 erstmals und Ende 1975 wurde sie dem A&AEE in Boscombe Down für weitere Versuche übergeben. Der dreizehnte Lynx (XZ160) galt als Ersatz des zerstörten XX469. Er flog am 5. März 1975 und wurde als letztes Entwicklungsmuster der Royal Navy erprobt. Mit ihm setzte man auch die begonnenen Waffenversuche fort. Soweit die Übersicht aller dreizehn Lynx-Prototypen und -Mustermaschinen, deren Erprobung vier Jahre dauerte und in deren Verlauf es naturgemäß auch einige Rückschläge gab. Trotzdem waren die erflogenen Leistungen der Beweis dafür, daß man mit der Entwicklung des Lynx auf dem richtigen Weg war. Dies zeigte sich nun auch in der ständig steigenden Nachfrage aus dem Ausland.

Nach der Auftragserteilung durch das Army Air Corps, die Royal Navy und Aeronavale lief die Serienfertigung des Lynx Ende 1975 an. Am 10. Februar 1976 flog die erste Maschine (XZ229), ein Lynx HAS Mk.2 für die Royal Navy, die 1977 ihre No.2 Squadron auf das neue Muster umrüstete. Hauptaufgabe des Navy-Lynx ist die Suche und Bekämpfung von U-Booten. Er ist für diesen Zweck in seiner Rumpfspitze mit dem Such- und Verfolgungsradar Seaspray von Ferranti ausgerüstet und kann eine Vielzahl modernster Waffen mitführen.

Am 11. Februar 1977 konnte auch der erste, für die britischen Heeresflieger bestimmteLynxAHMK1 (XZ710) seinen Erstflug absolvieren. Primärer Verwendungszweck des Army Lynx ist der taktische Truppentransport und Nachschub, aber auch der bewaffnete Begleitschutz anderer Hubschrauber.

Die Aeronavale übernahm am 28. September 1978 den ersten von 26 Lynx, die weitgehend der britischen Navy-Version entsprechen und auch für die gleichen Aufgaben vorgesehen sind.

Als erster ausländischer Halter gaben die Marineflieger der Niederlande den Lynx schon 1976 in Auftrag und am 15. November 1976 wies man ihnen dieersteMaschine zu. Anfangs waren es sechzehn Navy-Lynx, heute sind es bereits 24 Maschinen. Sie führen die Bezeichnung UH-14A (Mehrzweckversion) und SR-14B (ASW-Version). Dank weiterer Bestellungen - Dänemark (sieben Navy-Lynx), Norwegen (sechs Navy-Lynx), Brasilien (neun Navy-Lynx, Argentinien (drei Navy-Lynx) und Ägypten (zwanzig Army-Lynx) - soll die monatliche Fertigungsrate von sechs auf elf Maschinen gesteigert werden. Der gegenwärtige Auftragsbestand liegt bei fast 300 Lynx der Army- und Navy-Versionen. Außerdem soll dieser Hubschrauber in Ägypten in Lizenz gefertigt werden und zwar nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Bei Westland wird gegenwärtig ein serienmäßiger Army-Lynx als ziviler und militärischer Demonstrator (G-LYNX) entsprechend umgebaut. Außerdem steht eine völlig neue Lynx-Version unmittelbar vor ihrer Fertigstellung. Es handelt sich um den WG. 30 der mit zwei 1120 WPS Turbinen des Typs RollsRoyce RS.360-4 Gern ausgerüstet ist und überein einziehbares Fahrwerk verfügt. Dem Vernehmen nach soll diese Maschine auf dem Aero Salon 1979 in Le Bourget gezeigt und vorgeführt werden. Text: Hans Redemann
 


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Letzte Änderung: 3, Mai 2004
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