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Erfahrungen mit dem Anti-Tank-Flugzeug

A-10 IN EUROPA

Mit der Verlegung einer A-10-Einheit nach Bentwaters in Großbritannien unterstreichen die USA, welche Bedeutung sie diesem Flugzeug im Fall eines bewaffneten Konfliktes im europäischen Raum beimessen. Die A-10 soll mit dazu beitragen, etwaige erste Panzervorstöße aus dem Osten möglichst rasch zu stoppen. Inwieweit das hauptsächlich für den Schönwettereinsatz ausgelegte Flugzeug diese Rolle auch bei dem schwierigen Europawetter voll erfüllen kann, wollte die US Air Force in verschiedenen Verlege-Übungen vorab erproben.

Der Erdkampfunterstützung aus der Luft kommt im Fall eines bewaffneten Konfliktes - gerade auch in dessen erster Phase-entscheidende Bedeutung zu. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen hält, daß zu diesem Bereich auch die Bekämpfung von Panzern zählt und daß die Überlegenheit des Warschauer Paktes hinsichtlich der Anzahl der Panzer ein Mehrfaches dessen darstellt, was die NATO aufzubieten hat. Da man weiter davon ausgehen muß, daß ein etwaiger Angriff in erster Linie von Panzern vorgetragen würde, ist abzuschätzen, wie wichtig die rasche und wirksame Bekämpfung von Panzervorstößen ist.

Schon im Zweiten Weltkrieg hatte man für diese Aufgabe mit einem Spezialflugzeug beachtliche Erfolge erzielt - mit der Junkers Ju 87, dem legendären „Stuka". Basierend auf der gleichen Taktik. nämlich das Ziel im „Einzelkampf" mit Spezialbewaffnung anzugreifen, entwickelte man bei der US-Firma Fairchild den modernen „Stuka" - die A-10 Thunderbolt II. Sie zeichnet sich durch enorme Robustheit und Wendigkeit aus und besitzt als Standardbewaffnung eine siebenläufige 30 mm-Kanone des Typs GAU-8/A von General Electric, die 6,4 m lang ist und deren Feuerlinie in der Flugzeuglängsachse liegt. Ihre Leistungsstärke speziell gegen gepanzerte Ziele ist so enorm, daß A-10-Piloten geneigt sind, ins Schwärmen zu geraten, wenn sie über Erfahrungen mit ihr berichten. So beträgt ihre Streuung 30 cm auf 305 m (1 ft auf 1000 ft).

Diese Kanone wird im Kampf gegen Panzer zweifelsohne die Hauptwaffe der A-10 sein, auch wenn das Flugzeug an seinen Außenstationen eine Vielzahl anderer Kampfmittel mitführen kann. Allerdings hat die GAU-8/A einen problematischen Aspekt, der für Europa mit seinem relativschlechten Wetter von einiger Bedeutung ist- sie ist eine „optische“ Waffe, d. h.: ihre Zielerfassung erfolgt mit Hilfe eines optischen Visiers im Cockpit. Da auch das Flugzeug selbst, was die Navigation betrifft, in erster Linie als Schönwetterflugzeug ausgelegt ist, muß man sich mit der Problemstellung Europa-Wetterauseinandersetzen. Man darf annehmen, daß die A-10 vornehmlich im europäischen Raum zum Einsatz kommen wird, da hier im Fall eines Krieges die Haupt-Kampfaktivitäten zu erwarten sind. Dem trugen die USA Rechnung, indem sie die Maschine mittlerweile in Großbritannien stationierten und sie im „rotierenden Verfahren“ von Plätzen in der Bundesrepublik aus einsetzen wollen.

Zur Vorbereitung sowohl der festen Europa-Stationierung als auch der möglichen Krisen-Verlegung von A-10-Verbänden aus den USA nach Europa wurden Teile verschiedener Einheiten zeitweilig im mitteleuropäischen Raum eingesetzt.

Vorläufiger Höhepunkt dieser Aktion war die komplette Verlegung einer Staffel des 354. Tactical Fighter Wing aus Myrtle Beach Ende Januar/Anfang Februar nach Nordholz. Besonders bei dieser Übung zeigte sich die angesprochene Problemstellung im entscheidenden Maß: Wegen schlechten Wetters konnte nur ein geringer Teil des geplanten Flugbetriebs durchgeführt werden. Das lag in erster Linie an den Bestimmungen, die zum einen von den Piloten einen Orientierungsflug verlangten, bevor diese Einsätze fliegen durften; zum anderen wurden deren Wetter-Minima für die Maschine nur selten erreicht. Selbst wenn aber im Ernstfall die se Regulierungen neu festgelegt würden, so daß die A-10 dann auch unter schlechteren Wetterbedingungen starten könnte: Der Einsatz der Kanone wäre bei schlechter Sicht, wie z. B. bei Nebel, Regen oder gar Schnneetreiben erheblich behindert, da die optische Zielerfassung beeinträchtigt wäre. Man hat zwar inzwischen das Suchgerät Pave Penny von Martin Marietta als serienmäßige Ausrüstung für die A-10 eingeführt, das auf Laserlicht-Zielansprache reagiert und somit auch Nacht-Einsätze ermöglicht.

Einen weiteren problematischen Aspekt stellt die Navigation dar: Die A-10 eignet sich hervorragend für das Navigieren unter VFR-Bedingungen. In Europa aber herrscht VFR-Wetter weit weniger häufig vor als z. B. im Süden der USA. Das Trainieren von Sichtnavigation gerade unter mäßigen Wetterverhältnissen ist also mitentscheidend.

Die Piloten erklärten dazu zwar, nach einer intensiven Einweisungszeit könne man die A-10 auch in Europa bei relativschlechtem Wetter problemlos nach Sichtflug navigieren -zumindest in der größeren Umgebung der Einsatzbasis -, da man ja praktisch jeden „Baum und Strauch" kenne; diesen Vorteil hätten in der ersten Krisen-Phase aber nur die A-10Einheiten, die in Europa stationiert sind, da nur sie vorab genügend lange eingewiesen worden sind. US-Einheiten würden eine solch zeitaufwendige Einweisung nicht erhalten können.

Über Lösungen der Probleme hat man sich aber schon intensive Gedanken gemacht. So könnte man die Zielerfassung wesentlich verbessern, wenn man die Einsätze zusammen mit Kampfhubschraubern fliegen würde, die einerseits selbst Zielbekämpfung durchführen, andererseits den A-10-Piloten Ziele zuweisen.

Dadurch würde das weiträumige Suchen für den Piloten entfallen, er könnte sich voll auf das Visieren konzentrieren. Solche kombinierten Einsätze haben sich schon hervorragend bewährt. Ferner erprobt man verschiedene A-10-Angriffs-Formationen, wobei der Doppel-Einsatz zunächst der Normalfall sein wird. Hierbei bekämpft der Pilot in der ersten A-10 ein ausgemachtes Ziel, während der schräg versetzt hinter ihm fliegende zweite Pilot mit seiner A-10 eventuelles Abwehrfeuer registrieren und bekämpfen kann oder sich ein weiteres Ziel sucht.

Der Verschuß von Lenkwaffen, hauptsächlich der Maverick von Hughes, wurde auch schon in Europa erprobt, war aber nicht problemfrei: Diese Lenkwaffe wird nämlich ebenfalls optisch gesteuert und unterliegt deshalb einer Schwächung ihrer Einsatzfähigkeit durch Wettereinflüsse.

Mittlerweile entwickelte man aber eine verbesserte Version der Maverick, die AGM-65D IIR (Imaging Infra-Red), die ein Infrarot-Bild erzeugt und danach gesteuert wird. Tests haben gezeigt, daß diese Lenkwaffe bei schlechter Witterung wesentlich effektiver ist als bisherige Varianten. Ferner sind navigationsseitig Verbesserungen vorgesehen, zumal die Maschine von Anfang an Raum zur Aufnahme zusätzlicher Elektronik, besonders für die Navigation, aufweist. Es gibt sogar Studien für eine doppelsitzige Version der A-10, die nicht nur verbesserte Zielauffassungs- und Waffeneinsatz-Systeme besitzen, sondern auch wesentlich präziser zu navigieren sein soll. Dies schließt ein Terrain-Folge-Radar mit ein. Die derzeitige Problematik der A-10 liegt ausschließlich bei den für Europa typischen, eingeschränkten Wetter-Lagen mit den daraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Navigation und der Einsatztaktik. Eine Optimierung der Maschine in dieser Hinsicht wird eine erhebliche Steigerung der Panzerbekämpfung aus der Luft auch bei mäßigen Wetterbedingungen bringen. Text: Odilo Mühling
 


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Letzte Änderung: 3. Mai 2004
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