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Tragflügel Neuer Technologie geht in Erprobung DORNIER TNT-PROGRAMMIn wenigen Wochen ist bei Dornier in Oberpfaffenhofen ein Erstflug zu erwarten: Das TNT-Experimentalflugzeug (TNT = Tragflügel Neuer Technologie) geht in Flugerprobung. Mit dem neuen Flügelkonzept, kombiniert mit einem modifizierten Skyservant-Rumpf, sollen die bereits in der Theorie und im Windkanal ermittelten Verbesserungen für Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt durch ein ausgedehntes, bis 1980 andauerndes Flugversuchsprogramm in der Praxis nachgewiesen werden.Die Firma Dornier verstärkt ihre Aktivitäten im zivilen Flugzeugbau. Äußeres Anzeichen dafür ist der zu Jahresbeginn neugeschaffene Entwicklungsbereich Zivilflugzeuge, zu dessen Aufgaben neben der Modellpflege für die Do 28 D Skyservant die Bearbeitung des TNT-Experimentalflugzeugs, die Projektstudien für das auf der Basis des TNT-Flügels zu entwickelnde LTA (Light Transport Aircraft, ein Utility- und Commuter-Flugzeug der 6-7 t-Klasse siehe FR 6/78), aber auch Studien für Amphibien-Flugboote gehören. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt zur Zeit beim TNT-Flugzeug, das im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium (BMFT) geförderten Programms Tragflügel Neuer Technologie für Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt entsteht. Ziel dieses Vorhabens ist es, neue technologische Möglichkeiten zu entwickeln und zu erproben, mit denen die Leistung und Wirtschaftlichkeit und damit die Konkurrenzfähigkeit von Flugzeugen der Allgemeinen Luftfahrt im Geschwindigkeitsbereich bis 500 km/h wesentlich verbessert werden können. Dornier entwickelte ein neues Tragflügel-Konzept, das im wesentlichen drei Neuerungen aufweist
Die Querruder des TNT-Flügels wurden mit Spalt ausgeführt, so daß sie auch bei großen Anstellwinkeln das notwendige Rollmoment liefern und zur Erhöhung des maximalen Auftriebs beitragen. Zur Auftriebserhöhung werden die Querruder außerdem beim Ausfahren der Landeklappen bis maximal 10 Grad angestellt. Diese Querruder-Voranstellung bewirkt infolge der günstigeren Auftriebsverteilung eine erhebliche Verminderung des induzierten Widerstandes im Langsamflug. Das bedeutet auch einen Vorteil beim Durchstarten in der Landekonfiguration. Bei ILS-Anflügen ist wegen des geringeren Leistungsbedarfs eine entsprechende Lärmminderung zu erwarten. Neben dem Profil ist aber auch die Grundrißgestaltung eines Flügels von Bedeutung. Dabei standen folgende Kriterien im Vordergrund:
Soweit also die aerodynamischen Charakteristiken des TNT-Flügels. Was die konstruktive Auslegung betrifft, so stellte Dornier fest, daß bei Flügeln von Flugzeugen der mittleren und oberen Gewichtsklasse der Allgemeinen Luftfahrt bereits Blechdicken erforderlich werden, die eine Integralbauweise des Flügelkastens interessant werden lassen. Nach eingehenden Vergleichen alternativer Bauweisen kam man hinsichtlich Gewicht und Kosten zu sehr guten Ergebnissen zugunsten weitgehender Integralbauweise. Danach sind beim Integralflügel gegenüber der konventionellen Differentialbauweise in der Skyservant-Klasse Kostenvorteile von 7 % und eine Gewichtseinsparung von 11 % zu erreichen. So wurden also die Holme, Paneele und Anschlußrippen integral-(NC-) gefräst. Der Nasenkasten im Innenflügelbereich ist in konventioneller Blechbauweise gefertigt, die Hinterkastenverkleidung, die Flügelnasen im Außenflügel sowie die Randbögen sind GFK-Sandwichbauteile. Die weitgehende Anwendung der NC-Fertigungstechnik hat für eine Firma wie Dornier, die zunächst mit relativ kleinen Serien und der Auflage einzelner Fertigungslose je nach Auftragseingang rechnen muß, den weiteren Vorteil, daß die Lernkurve in der Produktion relativ flach verläuft und bei zeitweiligen Unterbrechungen der Fertigung zwischen den Losen keine Unstetigkeiten erfährt. Wenn das Programm für die NC-Maschinen einmal erstellt ist, kann jederzeit mit geringstmöglichem Zeitaufwand unabhängig von der aufgelegten Stückzahl kostengünstig produziert werden. Darüber hinaus wird der Aufwand für kostspielige Vorrichtungen reduziert, da sehr große Integralbauteile auf den NC-Maschinen hergestellt werden können, die deutlich reduzierte Zusammenbauarbeiten erfordern. Für die Flugerprobung des Tragflügels neuer Technologie wird eine modifizierte Dornier Skyservant verwendet. Da die Erprobungsergebnisse eine möglichst breite Anwendung finden sollen, sind die Triebwerke - wie bei zweimotorigen Flugzeugen dieser Klasse üblich - am Tragflügel angeordnet. Auf diese Weise kann auch das typische Verhalten im Luftschraubenstrahl untersucht und erprobt werden. Von der Serien-Skyservant unterscheidet sich das TNT-Experimentalflugzeug vor allem in folgenden Punkten:
Da Dornier im Rahmen des finanziellen Gesamtvolumens von DM 14,5 Mio. neben der Förderung des BMFT einen erheblichen Anteil an Eigenleistung aufgewendet hat, will man das TNT-Flugzeug auch über diese Ersterprobung hinaus als Versuchsträger weiterbetreiben. An erster Stelle steht dabei ein neuartiges Böenabminderungssystem, das von Dornier und der DFVLR im Rahmen des Zivilen Komponenten-Programms (ZKP) des BMFT mit dem Ziel entwickelt wird, den Passagierkomfort von Zubringerflugzeugen wesentlich zu verbessern. Auf dieses System mit der Bezeichnung OLGA (Open Loop Gust Alleviation = Böenabminderung mit offener Steuerkette) werden wir in einem späteren Bericht näher eingehen. Alle diese Studien- und Experimentalarbeiten sind natürlich anwendungsorientiert, d. h. man hat bei Dornier die Absicht, die Ergebnisse des TNT-Programms in ein marktfähiges Flugzeugprogramm einzubringen, in das bereits vorliegende, eingangs erwähnte Projekt LTA. Dieses Mehrzweck- und Zubringerflugzeug für 19 Passagiere soll mit Anwendung der neuen Technologien gegenüber bisherigen Mustern dieser Klasse ganz entscheidende Verbesserungen bei den Start- und Steigleistungen, sowie der Nutzlast- und Reichweiten-Charakteristik aufweisen und damit eine wesentlich höhere Wirtschaftlichkeit bieten als bisher möglich. Man ist bei Dornier davon überzeugt, mit diesen technologischen Fortschritten, der amerikanischen Industrie einen großen Schritt voraus zu sein. Text: Peter Pletschacher
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