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Kniefall vor dem Flugtreibstoff ?

Die Propheten taugen nichts. Der amerikanische Geheimdienst ließ sich vom Umsturz im Iran überraschen. Die Öl-Multis glaubten, daß Carter den Schah stützen würde. Kurz vor dem Debakel versicherte Joseph. Abs leitenden Bankiers noch, Persien sei stabil. Ähnlich ist es in der Luftfahrt:

Lufthansa-Budgetplaner errechneten für 2,2 Mrd. Liter Treibstoff in 1979 eine Preissteigerung von 5 Prozent: Gesamtkosten DM 580 Mio. Beim Ansatz von 10 Prozent Steigerung wäre für 1979 ein Verlust vorausberechnet worden. Heute liegt die Lufthansa-Schätzung über DM 700 Mio.! In Deutschland notieren die Preise schon 50 Prozent über dem Vorjahr. Und damit steigt der Treibstoffanteil an den Gesamtkosten von 14 auf 20 Prozent. Im Juni und Oktober wird die OPEC weiter erhöhen.

Dem bestürzenden Preisanstieg folgte eine zweite Schockwelle: Einkäufer müssen jetzt den Litern „nachlaufen“. An einigen Stationen geht man vor der Mangelware JET-A 1 auf die Knie. In Ägypten, in der Türkei und in Griechenland sind die Airlines gezwungen, Wucherpreise zu zahlen - 121 cents die Gallone. Im Januar waren es noch 52 cents ...

Am Weltmarkt herrscht heilloses Durcheinander. Täglich bekommen Piloten neue Anweisungen, wo sie maximal oder minimal tanken sollen. Hamsterkäufe für Langstrecken lohnen sich aber kaum, da man unterwegs zuviel Ware verbrennt.

Schuld ist nicht nur der Iran. Die Saudis drosselten ihre Leichtölproduktion - also die Basis für Jet Fuel. Die US Air Force stieg kürzlich auf A1 um, d. h. auf den Kraftstoff, der von den Luftverkehrsgesellschaften aus Sicherheitsgründen bevorzugt wird. Die „Deregulation“ löste in den USA einen Boom aus. Die Folge: mehr Passagiere, mehr Flugzeuge, erhöhter Treibstoffverbrauch.

Ein Ende der Verknappung ist nicht in Sicht. Öl ist zwar genug vorhanden, aber alle Öle, wie z. B. die Rohöle aus der Nordsee und aus Alaska, eignen sich nicht gleich gut für die Produktion von JET-A 1. Und um aus einem Faß Leichtöl 7 Prozent JET-A 1 zu gewinnen, benötigt man einen Energieaufwand, der einer Ölmenge von 4 Prozent entspricht. Will man im Hydrocrack-Verfahren das Doppelte herausholen, ist der Energieaufwand bedeutend höher.

Aber erstaunlicherweise liegt der Durchschnittspreis für Flugzeugtreibstoff immer noch 5 Prozent unter dem des Heizöls, das die Ölgesellschaften mühelos absetzen können. Sie machen also am Jet Fuel, der nur wenige Prozent ihres Gesamtumsatzes ausmacht, ein vergleichsweise schlechtes Geschäft. Hinzu kommen ihre hohen Kosten für Flughafen-Betankungsanlagen und Personal. Sie klagen jetzt über Hamsterkäufe einiger Kunden. So schlug sich die Panam kürzlich in England die Jumbo-Bäuche voll, bis London fast auf dem Trockenen saß. Es gibt schon Anzeichen dafür, daß die Vergabe von bilateralen Verkehrsrechten von Zusicherungen für Treibstofflieferungen abhängig gemacht wird.

Wie soll es weitergehen? Der Rat der ewig Naiven - zur Verstaatlichung - kann Mengenprobleme nicht lösen. Die Normalisierung erfolgt nur über den Preis. Aber nach den traurigen Leistungen der Propheten erscheinen Prognosen nicht ratsam. Trotzdem: In nicht ferner Zukunft ist eine nochmalige Verdoppelung der JET-A 1Preise möglich. Und da die Luftfahrt nicht auf andere Energiequellen ausweichen kann, müssen - als unausweichliche Folge - eben die Flugpreise entsprechend steigen. W. H. Kuhl
 


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