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Gemeinschaftsentwicklung geht in Erprobung

MBB/KAWASAKI BK 117

Großer Bahnhof bei MBB: Am 11. Juli 1979 wurde der in deutsch-japanischer Zusammenarbeit entwickelte Mehrzweckhubschrauber BK 117 der Öffentlichkeit vorgestellt. Nachdem genau vier Wochen vorher, am 13. Juni, der Erstflug in Ottobrunn erfolgreich vonstatten gegangen war, ist nun das umfangreiche Erprobungsprogramm voll angelaufen.

Begonnen hat das Programm eigentlich schon vor fünf Jahren mit einem Telefongespräch: Boeing-Vertol fragte beim MBB-Unternehmensbereich Drehflügler an, ob man an einer Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines 8-10sitzigen Hubschraubers mit gelenklosem Rotor interessiert sei. Dipl.-Ing. Kurt Pfleiderer, UD-Bereichsleiter, griff sofort zu, und noch in der zweiten Hälfte des Jahres 1974 begann die erste Verhandlungsrunde, erweitert um einen dritten Partner, die japanische Firma Kawasaki Heavy Industries. Von März bis Mai 1975 wurden von den drei Partnern zusammen in Philadelphia verschiedene Konfigurationen untersucht und erste Marktstudien durchgeführt. Aber wenige Wochen später stieg Boeing-Vertol wieder aus: Die Entwicklungsmannschaft war durch die dringenden Arbeiten am UTTAS-Wettbewerb (den später allerdings Sikorsky gewann) so sehr in Druck geraten, daß man alle Kräfte darauf konzentrieren mußte.

BK 117 (erster Prototyp)

MBB und Kawasaki machten weiter und wählten Ende 1975 nach einer Vergleichsstudie zwischen zwei Konfigurationen das endgültige Konzept aus. Das Jahr 1976 verging mit intensiven Arbeiten für den Vorentwurf, die Vorbereitung des Kooperationsvertrages, für weitere Marktuntersuchungen und die Hauptspezifikation. Beide Programmleitungen, die deutsche und die japanische, legten Anfang 1977 ihren Firmen-Vorständen das beschlußreif ausgearbeitete Programm-Konzept vor, und am 25. Februar 1977 wurde der Kooperationsvertrag in Ottobrunn unterzeichnet. Damit war der Weg für die Entwicklung der BK 117 (BK = Bölkow-Kawasaki) frei.

Nach dem Prinzip der gleichberechtigten Partnerschaft wurden sowohl die Gesamtentwicklungskosten in Höhe von rund DM 100 Mio. als auch die Arbeitspakete zwischen den beiden Firmen paritätisch aufgeteilt. MBB übernahm allerdings die Federführung für das Gesamtsystem des BK 117 und bearbeitet die Baugruppen Hauptrotor, Heckrotor und -antrieb, Heckausleger mit Leitwerk, Hydraulik, Steuerung zwischen Hydraulik und Hauptrotor und etwa die Hälfte der Ausrüstung. Kawasaki ist verantwortlich für das Hauptgetriebe, die Zelle einschließlich des Kraftstoff- und Elektriksystems und der Steuerung im Rumpf sowie für den Triebwerkseinbau und die andere Hälfte der Ausrüstung. In der BK117-Projektleitung bei MBB wird betont, daß die Zusammenarbeit mit den. Japanern ausgezeichnet sei. Kawasaki halte alle Abmachungen äußerst korrekt ein, aber auch die Bereitschaft zur Diskussion bei auftretenden Problemen sei sehr erfreulich.

Jede Firma hat ständig einen Vertreter beim jeweiligen Partner, und etwa alle drei Monate werden bei einem „joint meeting" alle aktuellen Probleme durchgesprochen. Mit ausschlaggebend für die relativ schnelle Realisierung des Projekts ist aber auch die Tatsache, daß man auf bewährte Komponenten des MBB-Hubschrauberprogramms Bo 105 zurückgreifen konnte. So wurden der Titan-Rotorkopf und die GFK-Rotorblätter sowie der Heckausleger mit dem Heckrotor mit z. T. nur geringen Änderungen von der Bo 105 übernommen, obwohl das Fluggewicht des BK 117 um 500 kg höher liegt.

Gesteigert werden mußte natürlich die Triebwerksleistung. Anstelle der zwei Allison 250-C20B in der Bo 105 CB mit je 313 kW (420 shp) werden in der BK 117 zwei Lycoming LTS 101-650 mit je 448 kW (600 shp) Startleistung eingebaut. Damit konnten die Leistungen sogar deutlich verbessert werden.

Ein wichtiges Plus der BK 117 ist der sehr geräumige Rumpf mit einer Sitzplatzkapazität von maximal zwölf Personen. Wie bei der Bo 105 kann die Kabine durch eine Flügeltüre von hinten beladen werden, wobei in der BK 117 allerdings ein wesentlich größerer Türquerschnitt zur Verfügung steht. Zugunsten dieser Hecktüre wurde in Kauf genommen, daß sich - ähnlich wie bei der Bo 105 - Strömungsablöse-Erscheinungen einstellen können.

Wie ernst man bei MBB schon im jetzigen Programmstadium die möglichst gute Wartungsfreundlichkeit der BK 117 nimmt, zeigt die Tatsache, daß der Prototyp P2 Ende Juli für 14 Tage aus dem Flugbetrieb genommen wurde, um Wartbarkeitsuntersuchungen durchzuführen.

Wenn diese FR-Ausgabe erscheint, dürfte der zweite Prototyp P3 bei Kawasaki in Gifu bereits seinen Flugbetrieb aufgenommen haben. Denn nachdem das erste Ziel, innerhalb von 28 Monaten nach der Entwicklungsfreigabe den Erstflug zu schaffen, eingehalten werden konnte, wollen beide Partner auch den nächsten Meilenstein pünktlich erreichen: 18 Monate nach Erstflug die Musterzulassung! Peter Pletschacher
 


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Letzte Änderung: 30. September 2004
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