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FLUG REVUE sprach mit dem Raumfahrtpionier HERMANN OBERTH 85 JAHREDer Raumf ahrt-Pionier Prof. Dr. Hermann Oberth beging am 25. Juni 1979 seinen 85. Geburtstag. Aus diesem Anlaß gab die Hermann-Oberth-Gesellschaft (HOG) ihm zu Ehren einen Empfang in Salzburg, wo gleichzeitig der 28. HOG-Raumfahrt-Kongreß stattfand. Der seit 1943 in Feucht bei Nürnberg lebende Wissenschaftler wurde 1894 in Siebenbürgen/Rumänien geboren. Durch frühe grundlegende Arbeiten über Raketen- und Raumflugtechnik noch während seiner Studentenzeit wurde er zu einemFLUG REVUE: Sie haben als einziger Raumfahrtpionier die Entwicklung der Astronautik von der Stunde Null bis in die Gegenwart miterlebt. Hat Sie der stürmische Fortschritt auf diesem Gebiet überrascht? Oberth: Ich habe ungefähr das erwartet, was gekommen ist. Schon in meiner Doktorarbeit 1918 habe ich ja die Sätze aufgestellt: 1. Beim heutigen Stand der Wissenschaft und Technik ist der Bau von Maschinen möglich, die höher steigen können, als die Erdatmosphäre reicht. 2. Diese Geräte können so gebaut werden, daß sie im Weltraum die Erde umkreisen und sogar andere Planeten erreichen werden. 3. Solche Maschinen können so gebaut werden, daß Menschen wahrscheinlich ohne gesundheitlichen Nachteil mit emporfliegen können. Und 4.: Solche Verhältnisse können in einigen Jahrzehnten gegeben sein. Daß ich die Landung von Menschen auf dem Mond noch erlebe, habe ich gehofft. Meine Erwartungen etwas übertroffen haben die vielen unbemannten Flüge zu Merkur, Venus, Mars und Jupiter. Von der Hochfrequenztechnik hatte ich mir - ehrlich gesagt - nicht so viel versprochen. Auch daß selbst kleine Nationen aktiv an der Raumfahrt teilnehmen werden, hatte ich erwartet. Gberrascht war ich jedoch von dem geringen Interesse an der Raumfahrt, das anfangs in Deutschland bestand. FR: Welche Wissenschaftler aus der Raumfahrt würden Sie als besonders bedeutend hervorheben? Oberth: Wernher von Braun und Ziolkowski. Von Braun war ein Genie, besonders im Management. Wäre er nicht gewesen, wären wir alle nur bei der Theorie stehengeblieben: Die Leute hätten uns ausgelacht und vielleicht 200 oder 300 Jahre hindurch als Kuriosum erwähnt, daß es welche gab, die auf den Mond fliegen wollten. Ziolkowski war ein Mann, vor dem man den Hut ziehen muß. Er war in jeder Beziehung in Ordnung. FR: Arbeiten Sie heute noch an Raumfahrt-Projekten? Oberth: Nein, seit 19 Jahren eigentlich kaum mehr. Es ist für mich natürlich nicht möglich, ganz draußen zu bleiben, aber ich arbeite nicht an irgendwelchen astronautischen Ideen. Ich beschäftige mich jetzt überhaupt mit anderen Dingen. So habe ich ein Windkraftwerk für die Energieversorgung als Alternative zur Atomkraft vorgeschlagen, von dem ich mir ziemlich viel verspreche. Eines soll schon bald in der Steiermark auf einem hohen Berg in 2000 m Höhe aufgestellt werden. Ein anderes soll in Australien errichtet werden, dortige Stellen interessieren sich dafür. Für den Bau dieser Windkraftwerke gibt es bereits eine Gesellschaft mit Sitz in München, die Vorarbeiten laufen in Berlin. Aber sonst befasse ich mich eigentlich mehr mit meinen Hobbys Philosophie und Parapsychologie. Gesundheitlich bin ich zufrieden, daß es mir mit 85 nicht schlechter geht. FR: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Ihr Leben heute nochmals von vorn zu beginnen, würden Sie sich dann erneut der Raumfahrt zuwenden? Oberth: Wahrscheinlich nicht. Sie läuft jetzt ja auch ohne mich. FR: Welche Raumfahrt-Höhepunkte wird Ihrer Meinung nach die Zukunft bringen? Oberth: Eine Landung von Menschen auf dem Mars vor dem Jahr 2000 wäre nicht ausgeschlossen und von höchstem wissenschaftlichen Interesse. Unter dem politischen Aspekt wäre es besser, dieses Unternehmen in internationaler Zusammenarbeit durchzuführen. Etwa für den Zeitraum 2030 bis 2050 würde ich die Fertigstellung von Stationen auf dem Mond vorhersagen, die Forschungen vornehmen sowie Monderze fördern und verhütten. Ziemlich bald daran anschließend wird der Weltraumspiegel kommen; eine große Sache für die Zukunft, so weit man sie heute überblicken kann. Der Weltraumspiegel könnte zunächst einmal für die Nachtbeleuchtung großer Städte verwendet werden, dann zur Verhinderung von Halbwüsten und zur Eisfreihaltung von arktischen Häfen. Es ist ein glückliches Zusammentreffen, daß dabei gerade so viel Eis wegschmelzen würde, als die Sahara Regen braucht, damit wir sie bewohnbar machen können. Die Idee dieses Projektes eines Weltraumspiegels verfolge ich ungefähr seit dem Jahr 1921. Da habe ich nämlich in Heidelberg studiert und furchtbar gefroren und mir gedacht, daß es schon gut wäre, wenn man auf der Erde ein besseres Klima schaffen würde. Und was die Energie betrifft, wird man vielleicht Energiestationen im Weltraum errichten und die Energie durch Laserstrahlen der Erde zuführen. FR: Wie würde eine bemannte Raumstation Ihrer Idee aussehen? Oberth: Also wenn's nach mir ginge, dann würde ich eine Weltraumstation so bauen, daß ich zwei Flugkörper durch ein 4 bis 20 km langes Seil verbinde und sie umeinander kreisen lasse, so daß ich durch die Zentrifugalkraft die Schwerkraft vortäuschen kann. Diese Station würde sich alle ein bis zwei Minuten einmal um ihre waagrechte Achse drehen. Für den Personen- und Lastentransport zwischen den beiden Flugkörpern könnte man auch am Verbindungsseil eine Fahrstuhlkabine anbringen. Eine andere Variante einer Raumstation wären riesige Walzen von ungefähr 8 km im Durchmesser, die sich so schnell drehen, daß die Insassen das Gefühl haben, sie stehen auf festem Boden. Zur Lebensversorgung der Kosmonauten kann man dort einen künstlichen Kreislauf von tierischem und pflanzlichen Leben aufrechterhalten. Unter Bedingungen einer künstlich erzeugten Gravitation an Bord der Raumflugkörper sehe ich kaum eine zeitliche Grenze für den Aufenthalt des Menschen im Weltraum. Der Mensch kann dann so lange im All fliegen, wie er es für nötig hält. Interview: Rudolf Hofstätter
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