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DIE EQUATOR-FAMILIE

Nahezu fertiggestellt ist der Prototyp eines neuen Flugzeug-Konzepts der Firma Equator Aircraft GmbH in Ulm, das auf den Erfahrungen der Experimentalflugzeuge P-300 und P-400 aufbaut.

Equator P-300Nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit stellt die von Günther Pöschel geleitete Equator Aircraft GmbH ein Flugzeugprogramm vor, das zwar auf den Vorläufertypen P-300 und P-400 aufbaut, aber mit wesentlich geänderter Auslegung nun die Basis für die geplante Serienfertigung bieten soll.

Wie bei der P-300 und P-400 (über beide Maschinen haben wir in den letzten Jahren ausführlich berichtet) handelt es sich um ein Mehrzweck-Amphibienflugzeug in GFK-Bauweise. Das frühere Schulterdecker-Konzept wich jedoch einer Mitteldecker-Auslegung, und das Triebwerk sitzt nicht mehr im Rumpf (wie bei der Kolbenmotor-Maschine P-300), bzw. im Leitwerk (wie bei der PTL-Version P-400), sondern auf einem Pylon über dem Mittelrumpf.

Die neue Flügelanordnung gehört zu den bemerkenswertesten Eigenschaften der Equator: Beim Wassereinsatz taucht der Mittelflügel teilweise ein und sorgt so für außergewöhnliche Stabilität, ohne daß widerstandserzeugende Stützschwimmernotwendig wären. Dieser sogenannte „float wing" verhindert durch seinen Luftkisseneffekt auch, daß der Flügel bei hoher Geschwindigkeit die Wasseroberfläche berührt.

Eine vollständig einziehbare Querstufe unter dem Rumpf sorgt für gute Start- und Landeeigenschaften auf dem Wasser, läßt den aerodynamisch hochwertigen Rumpf im Reiseflug jedoch störungsfrei.

Die Triebwerksanordnung auf dem Pylon über dem Rumpf verspricht ebenfalls eine Reihe von Vorteilen. So erreicht der frei abstrahlende Druckpropeller einen sehr guten Wirkungsgrad, und die hohe Lage des Antriebs schützt ihn bei Landbetrieb vor Steinschlag, bei Wasserbetrieb vor Spritzwasser. Diese Eigenschaften tragen ganz wesentlich zu den angestrebten guten Einsatzmöglichkeiten auf unbefestigten Plätzen und unter ungünstigen Wasserverhältnissen bei.

Der Propellerstrahl trifft voll auf das Höhen- und Seitenleitwerk, so daß Stabilität und Steuerbarkeit auch jenseits der Überziehgrenze voll gewährleistet bleiben. Die von der übrigen Zellenstruktur völlig unabhängige Triebwerksinstallation nahe dem Schwerpunkt macht es möglich, Motorentypen verschiedenster Leistungsklassen bis hin zur Propellerturbine einzubauen, darüber hinaus sind auch ohne weiteres zwei Motoren in Tandemanordnung (mit Zug- und Druckschraube) möglich. Unsere nebenstehende Tabelle verdeutlicht die große Bandbreite an Versionen.

Die geräumige, durch große Türen zugängliche Kabine liegt, bedingt durch die Triebwerksanordnung, sehr tief, so daß die Einsteigmöglichkeiten für Passagiere, bzw. die Beladung mit Fracht ungehindert vor sich gehen können. Hinter dem Cockpit finden sechs Passagiere in zwei Dreierreihen Platz, auf Wunsch können im dahinterliegenden Rumpfabteil entweder ein Gepäckraum, eine Bordbar, bzw. eine Toilette oder zwei zusätzliche Passagiersitze untergebracht werden.

Die „Flaperons“ an den Tragflächen (kombinierte Landeklappen und Querruder) vergrößern die Flügelfläche um 25 % und sorgen zusammen mit dem hohen Schub der Triebwerksanlage für sehr gute Kurzstarteigenschaften. Der Propeller mit Umkehrschub macht steile Anflüge und gutes Manövrieren sowohl an Land wie auf dem Wasser möglich.

Zu den vielen, von der Equator-Aircraft GmbH geplanten Varianten gehören natürlich auch Ausführungen mit Druckkabine. Die Preise (Stand 1979) reichen von $ 187 000 für die Standardversion P-350 mit Kolbenmotor bis $ 433000 für die druckbelüftete Version P-550 mit Propellerturbine.

Der erste Prototyp der interessanten Equator-Familie steht kurz vor der Fertigstellung. Die Tragflächen wurden bei Glaser-Dirks in Bruchsal, der Rumpf bei Glasflügel in Lenningen gebaut. Die Rollversuche beginnen in den nächsten Wochen. Peter Pletschacher
 


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Letzte Änderung: 15. Oktober 2004
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