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DAS KONFLIKT-COCKPITNur schleppend schien man unserer Aufforderung im Artikel Flugingenieure von Bord? in Heft 9/79 Folge zu leisten, in dem wir die Gegenspieler in der Auseinandersetzung um das Forward Facing Crew Cockpit darum baten, Stellung zu diesem umstrittenen Thema zu nehmen.Nun ist es so weit: Lufthansa-Vorstandsmitglied Werner Utter, bei der Lufthansa unter anderem auch für das Training und den Einsatz der Cockpit-Besatzungen zuständig, äußert sich in dieser Ausgabe zum heißen Eisen Forward Facing" in einem Interview. Es steht auf Seite 36. Auch von der Gegenseite, der Vereinigung Cockpit, erreichte uns eine Darstellung, in der die Ansicht des deutschen Pilotenverbandes ganz klar formuliert ist. Siehe Seite 38. Die Gegensätze, der Auffassungen, liest man beide Beiträge durch, ist erschreckend: Sehen wir uns an, was Werner Utter im FLUG REVUE-Interview dazu zu sagen hat. Überzeugend argumentiert der Lufthansa-Vorstand zugunsten des technischen Fortschritts: ... wenn diese Generation, die heute mit allen Mitteln dagegen motzt, damals schon gelebt hätte, wär's wahrscheinlich so gekommen, daß wir immer noch das alte Modell und die alte Technologie hätten. Voll spricht sich der Mann mit dem höchsten Pilotenrang der deutschen Fluggesellschaft für eine technologische Vorwärts-Strategie, für die Einsparung über die Technik und damit für größere Wirtschaftlichkeit und - als Folge - bessere Konkurrenzfähigkeit seines Unternehmens aus - bei seiner Meinung nach ungeschmälerter Sicherheit für die Arbeit im Cockpit. Gerade aber der Sicherheits-Aspekt scheint der Pilotenvereinigung Cockpit mit der neuen Technologie nicht gewahrt. Klipp und klar kommt die Gegenmeinung, jeder, der über die Technik der heute in aller Welt operierenden Flugzeuge informiert sei, wisse, daß es den Ingenieuren auch nach fünf- bis zehnjähriger Betriebszeit nicht gelungen sei, Fehlwarnungen der alten Technologie zu eliminieren. Skepsis gegen unerprobten neuen Technologien sei also sehr wohl angebracht - zumal jetzt nur noch zwei Mann mit ihr fertig werden sollen. Ein hartes Aufeinanderprallen von Meinung und Gegenmeinung, so scheint mir. Und die Dinge scheinen sich sogar noch weiter zuzuspitzen: Gerade, wenn dieses Heft 14 Tage am Kiosk hängt, am 11. Dezember, findet in Frankfurt eine Kundgebung statt, die vom europäischen Zweig des Weltpiloten-Verbandes IFALPA - der Europilote - veranstaltet wird und in der, wie es heißt, ca. 400 bis 500 Flugzeugführer und Flugingenieure gegen das neue Cockpit-Konzept der Zukunfts-Flugzeuggeneration Boeing 767 und Airbus A 310 Protest einlegen wollen. Auch eine Delegation aus den USA wird erwartet. Ein Wort in eigener Sache sei zum Schluß gestattet. Mancher unserer Leser mag sich wundern, warum wir in dieser Ausgabe Argumente und Gegenargumente in voller Heftigkeit auf ihn niederprasseln lassen, ohne - wie das journalistischer Brauch ist - unsere eigene Wertung wiederzugeben. Offen gestanden fällt es uns schwer, diese hochkomplexe Angelegenheit besten Wissens und Gewissens aufzuschlüsseln. Meiner Meinung nach ist das durchaus keine Schande: Selbst bei kompetenten Luftfahrt-Profis liegen ja die Meinungen, wie man sieht, weltenweit auseinander... Ein Wunsch an die Opponenten haben wir aber durchaus zu äußern: daß aus dem Forward Facing Crew Cockpit auf lange Sicht kein Konflikt-Cockpit wird. Dietrich Seidl
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