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PORTE AVIONS FOCH

Gegenüber der amerikanischen Flugzeugträger-Flotte sind Frankreichs „Foch“ und „Clemenceau“ sicher nur eine kleine Streitmacht. Aber mit ihrer jetzt modernisierten Flugzeugausrüstung und der hohen Einsatzbereitschaft stellen sie zweifellos einen respektablen militärischen Faktor dar.

Konventionelle Flugzeugträger gehören in Frankreich nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil, seit Mitte 1978 wird auf den beiden Trägern (französisch: porte-avions) „Foch“ und „Clemenceau“ eine moderne Flugzeuggeneration eingeführt: die Super Etendard von Dassault-Breguet. Damit unterstreicht' die französische Marine, daß sie noch auf lange Sicht an diesem schlagkräftigen, flexiblen Waffensystem festhalten will. Ob in Zukunft noch ein weiterer Träger gebaut wird, bleibt allerdings weiterhin offen. 1975 wurde zwar schon die vorläufige Planung dafür aufgenommen, aber - nicht zuletzt aus finanziellen Gründen - vorläufig wieder auf Eis gelegt. Man diskutiert allerdings weiterhin darüber, über die Frage Nuklear- oder konventioneller Antrieb und über die Beschaffung des britischen Sea Harrier (seit Einführung der Super-Etendard allerdings unwahrscheinlich geworden).

Dassault Super Etendard on Foch
Dassault Super Etendard

Die Aufgaben der französischen See-Luftstreitkräfte (Aéronavale) decken sich r denen der Marine: Abschreckung und Präsenz auf all Meeren, Verteidigung der Interessen Frankreichs. Darüber hinaus dient die Aéronavale, wie betont wird, auch öffentlich Aufgaben in französischen u benachbarten Gewässern und führt im Bedarfsfall Rettung und Hilfsmissionen durch.

An Flugzeugen stehen der Aeronavale zur Verfügung
  • Für Unterstützung und Schulung: Nord N262, Dassau-Breguet Falcon X, Piper Navajo, C-47 Dakota, Fouga Magister, Alouette II und III;
  • für Seeraumüberwachung und U-Boot-Bekämpfung; Dassault-Breguet Atlantic und L.ockheed Neptune;
  • für den Flugzeugträgereinsatz: Dassault-Breguet Super-Etendard (Nachfolger der Etendard IV), Vought Crusader F-8E und Breguet Alize sowie die Hubschrauber Super-Frelon, Lynx und Alouette III.
Doch zurück zur „Foch“: Es ist nicht das erste Schiff dieses Namens - schon 1931 gab es einen 10000-Tonnen-Kreuzer, der nach diesem französischen Marschall benannt wurde. Ferdinand Foch wurde 1851 in Tarbes geboren, er starb 1929 in Paris und ist als einer der großen Heerführer des 1. Weltkriegs im Invalidendom der französischen Hauptstadt bestattet. Im Beisein von Mitgliedern der Familie Foch lief der Flugzeugträger am 23. Juli 1960 in Brest vom Stapel und wurde dann im Sommer 1963 in Dienst gestellt.

Wenn auch nicht vergleichbar mit den riesigen amerikanischen Nuklear-Flugzeugträgern, sind seine Daten doch beachtlich. Die Länge über alles liegt bei 258 m, die größte Breite bei 50 m. An der Wasserlinie ist die „Foch“ 238 m lang und 32 m breit, und von der Wasserlinie bis zur Mastspitze sind es 58 m, bis zum Flugdeck 16 m. Der Tiefgang des einsatzklaren Schiffs beträgt 9 m und die Wasserverdrängung 32000 t. Angetrieben wird die „Foch" von ölbefeuerten Heißdampfturbinen, die mit 45 bar Druck und 450 Grad Temperatur arbeiten und ihre Leistung von insgesamt 126000 PS auf zwei je 20 Tonnen schwere vierflügelige Schrauben mit 5,50 m Durchmesser übertragen - übrigens die größte Schraubenleistung, die je in Frankreich zur Verwirklichung gelangt ist. Bei wirtschaftlicher Geschwindigkeit hat die „Foch“ einen Aktionsradius von 7500 nautischen Meilen.

Das gesamte Flugdeck ist 258 m lang und 46 m breit, das mit 8 Grad gegenüber der Schiffslängsachse versetzte Schrägdeck mißt 168 x 20 m. Zwei Dampfkatapulte von je 50 m Länge, eines am Schrägdeck, das zweite am Vorderdeck, sind in der Lage, Flugzeuge bis zu 15 t Abflugmasse mit einer Beschleunigung von 6 g bis auf eine Startgeschwindigkeit von 130 Knoten zu bringen.

Mit zwei großen Lift-Plattformen können Flugzeuge und Hubschrauber nach unten in den Hangar befördert werden, er ist 124 m lang, 24 m breit und 7 m hoch. Jedes der vier Fangseile am hinteren Decksbereich ermöglicht das Verzögern eines 15 t schweren Flugzeugs von einer Aufsetzgeschwindigkeit von 110 Knoten bis zum Stillstand auf einer Strecke maximal von 70 m.

Im Unterschied zu amerikanischen Trägerflugzeugen, die direkt am Bugrad vom Katapulthaken beschleunigt werden, benutzen die Franzosen ein starkes Stahlseil, dessen Enden an Haken unter den Flügelwurzeln eingehängt werden. Es fällt nach dem Startvorgang ins Wasser, so daß ein entsprechend großer Vorrat im Schiff mitgeführt werden muß. Wenn französische Maschinen einen US-Träger besuchen wollen, was ohnehin nur sehr selten vorkommt, müssen die Startseile mitgeführt werden. Umgekehrt können US-Flugzeuge jedoch nicht auf den französischen Trägern operieren (auch wegen der meist wesentlich höheren Gewichte der amerikanischen Trägerflugzeuge).

Die eingangs erwähnte Einführung der Super Etendard bringt gegenüber der bisherigen Etendard IV M ganz erhebliche Verbesserungen der Einsatzmöglichkeiten mit sich. Zunächst hatte man bei der Konzeption dieses neuen Flugzeugs die Absicht, 90% der Zelle und der Ausrüstung von der Etendard IV M zu übernehmen, aber mit dem Triebwerk Atar 8K50 (nachbrennerlose Version des 9K50 wie in der Mirage 50 und F-1), völlig neuen Systemen und wesentlichen aerodynamischen und produktionstechnischen Verbesserungen am Tragwerk ist die Super Etendard nun ein zu 90% neues Flugzeug. Das Atar 8K50 hat mit 49 kN einen um etwa 10% höheren Schub als das Atar 8, so daß Starts mit größerem Treibstoffvorrat möglich sind. Das erlaubt wiederum zusammen mit dem niedrigeren Treibstoffverbrauch einen deutlich verbesserten Einsatzradius (hi-lo-hi) von 720 km gegenüber 600 km der Etendard IV M. Die Höchstgeschwindigkeit ist nach wie vor etwa Mach 1.

Zur erheblichen Kampfwertsteigerung der Super Etendard tragen darüber hinaus die nein Avionik- und Waffensysteme bei. Das gemeinsam von Thomson-CSF und Electronique Marcel Dassault (EMD) entwickelte leichte Radarsystem Agave die zur Suche, Verfolgung, Identifizierung, Telemetrie und Navigation. Das Trägheitsnavigationsystem ETNA von Sagem ermöglicht sehr präzise Navigation und Zielbekämpfung.

Weitere neue Systeme sind das Thomson-CSF VE.120 Head-up-Display, das Crouzet Navigations-Display und Waffenkontroll-Panel und der Crouzet Luftwerterechner, der TRT Radio-Höhenmesser, das SFIM Dreiachsen-Anzeigegerät, das Micro-Tacan und IFF von LMT sowie ein SOCRAT-VOR.

Als Bewaffnung kann die Super Etendard außer den beiden 30 mm DEFA Bordkanonen an einer Rumpf- und vier Flügelstationen verschiedene Außenlasten mitführen. Für Luft-Luft-Missionen sind die Matra Magie vorgesehen, für die Bekämpfung von Seezielen die Aerospatiale Exocet AM 39. Raketenbehälter und Bomben gehören ebenfalls zu den Bewaffnungsmöglichkeiten.

An Innenkraftstoff führt die Super Etendard in Flügel- und Rumpftanks insgesamt 3200 1 mit. Für Überführungsflüge können ein Außentank unter dem Rumpf mit 6001 und zwei Tanks mit je 1100 1 unter den Flügeln montiert werden. Wie schon bei der Etendard IV M ist ein sehr flexibles Luftbetankungsverfahren möglich. An der Rumpfstation der Super Etendard wird ein Luftbetankungsbehälter aufgehängt, mit dem eine andere Maschine aufgetankt werden kann. Der ausschwenkbare Tankstutzen liegt zwischen der Cockpitfrontscheibe und der Radarnase. Somit sind keine speziellen Tankflugzeuge nötig.

Das neue Waffensystem Super Etendard übernimmt gegenüber der Etendard eine größere Aufgabenbreite. Während die Etendard im wesentlichen für die Bekämpfung von Boden- und Seezielen, für Luft-Nahunterstützung von Bodentruppen sowie für Aufklärung geeignet war, kann die Super Etendard folgende Missionen erfüllen
   * Sicherung des Luftraums für die eigene Flotte;
   * Schutz der Flotte gegen Angriffe von feindlichen Schiffen;
   * Bekämpfung von Bodenzielen;
   * Foto-Aufklärung.

Ein ganz entscheidender Vorteil dieses neuen Flugzeugmusters ist aber seine Nachtlandefähigkeit auf den Flugzeugträgern. Die neuen Avionik-Systeme tragen dazu ebenso bei wie das Auto-Throttle-System des Triebwerks. Bisher waren Nachtlandungen nur mit den Flugzeugtypen Alize und Crusader möglich, die aber in absehbarer Zeit ausgemustert werden. In Zukunft wird also der Kampfwert der französischen Flugzeugträger „Foch“ und „Clemenceau“ durch die volle Nachteinsatzfähigkeit ganz erheblich gesteigert.

Zur Sicherheit des Nachtflugbetriebs wird möglicherweise auch der Hubschrauber Westland Lynx beitragen. Bisher flog eine Alouette III für SAR-Aufgaben bei Start und Landung der Trägerflugzeuge neben dem Schiff, aber mit diesem veralteten Gerät sind nachts nur schwer Höhe, Kurs und Geschwindigkeit zu halten. So werden derzeit Versuche mit der Lynx durchgeführt, die mit ihren modernen Avionik-Systemen, vor allem mit dem automatischen Doppler-System für Schwebe- und Transitionsflüge wesentlich besser für diese Aufgabe geeignet erscheint.

Hauptmission der Lynx, die zum gemeinsamen Hubschrauberprogramm Frankreichs und Großbritanniens gehört, ist jedoch vor allem die U-Boot-Bekämpfung. Sie löst auf den französischen Trägern das veraltete Muster Alize mit Propellerturbinen ab. Die französische Marine hat 26 Maschinen dieses Typs bestellt, die im Jahr 1979 ausgeliefert wurden. Hochmoderne Avionik-Systeme für U-Boot-Suche, -Identifizierung und Bekämpfung sowie eine große Bandbreite von Bewaffnungsmöglichkeiten (von MG's über Raketenbehälter, Lenkwaffen, Torpedos und Wasserbomben) machen den Lynx zu einem außerordentlich wirksamen Kampfhubschrauber mit einem Aktionsradius von einigen hundert Kilometern je nach Zuladung. Die großräumige Seeraumüberwachung und U-Boot-Bekämpfung wird weiterhin von den landgestützten Typen Atlantic und Neptune durchgeführt.

Das bisher einzige bordgestützte Überschallflugzeug der französischen Marine, die amerikanische Vought F-8E Crusader dürfte in absehbarer Zeit ausgemustert werden. Der Mitte der sechziger Jahre in einer Stückzahl von 42 Maschinen bestellte Abfangjäger mit 12,8 t Fluggewicht ist bei der Aeronavale neben 20 mm Kanonen mit Luft/ Luft-Lenkwaffen der Typen Sidewinder und Matra 530 Magie ausgerüstet. Seine Aufgaben werden in Zukunft ebenfalls weitgehend von der Super Etendard wahrgenommen werden. Alle 71 bestellten Maschinen dieses Typs dürften bis Ende 1981 im Einsatz stehen. Text: Peter Pletschacher
 


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Letzte Änderung: 4. Februar 2005
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