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Nach der Verstaatlichung geht Philippine Airlines völlig neue Wege

DIE EHRGEIZIGEN FILIPINOS

In der Reihe „Airline-Porträt“ der FLUG REVUE geht es diesmal um die Philippine Airlines. Die nationale Fluggesellschaft der Philippinen, die auch Frankfurt anfliegt, wird zur Zeit von ihrem dynamischen Präsidenten Roman A. Cruz voll auf Expansionskurs gesteuert.

„Mabuhay“ - jeder Besucher der Philippinen hört dieses Grußwort spätestens, wenn er auf dem Flughafen der Hauptstadt Manila erstmals den Boden des zwischen Japan und Indonesien gelegenen 7000-Insel-Staates betritt. Kam er allerdings mit einem der Jets der Philippine Airlines ins Land, so ist ihm der Filipino-Gruß, der in etwa mit „Langes Leben!“ zu übersetzen ist, bereits geläufig: Die freundlichen Stewardessen haben ihn auf diese Weise bereits an Bord willkommen geheißen, und in den Sitztaschen der Verkehrsflugzeuge des philippinischen „Flag Carriers“ steckt die Bordzeitschrift, die ebenfalls den Schriftzug „Mabuhay“ auf der Titelseite trägt.

„Mabuhay“ stand auch auf einem Transparent geschrieben, unter dem am 29. November 1979 auf dem internationalen Flughafen von Manila ein eindrucksvolles Begrüßungszeremoniell stattfand: für den von Toulouse über Bahrein und Bangkok im Flug überführten ersten Airbus A300 der philippinischen Fluggesellschaft. Bevor das farbenprächtige lokale Ereignis zur Freude der philippinischeu Bevölkerung ablief, hatten - einen Tag vorher - die symbolischen Goldschlüssel zur ersten PAL-A300 in Toulouse bereits die Besitzer gewechselt: aus den Händen von Airbus Industrie-Generaldirektor Roger Beteille („Dieser Auftrag bedeutet nichts anderes als eine mindestens zwanzigjährige kontinuierliche Verbindung zwischen unseren beiden Unternehmen“) zu Martin Bonoan, dem Executive Vice President der Philippine Airlines, der sie stellvertretend für den Philippine-Vorstandsvorsitzenden und -Präsidenten Roman A. Cruz, Jr. in Empfang nahm. Mittlerweile folgte im Dezember letzten Jahres der zweite PAL-Airbus. Die dritte, vierte und fünfte Maschine gelangen in den Jahren 1981 und 1982 zur Auslieferung.

Roman Cruz: der „Motor“ der PAL-Pläne

Nach Toulouse zur Übergabefeier war PAL-Präsident Cruz (42) nicht erschienen, konnte er gar nicht erscheinen, hatte er doch in der philippinischen Hauptstadt an der im noblen Manila Hotel stattfindenden IATA-Generalversammlung 1979 teilzunehmen (Cruz war im Zeitraum 1978/79 IATA-Präsident; sein Nachfolger ist jetzt Air Canada's Claude Taylor).

Im Manila Hotel traf ich mit Roman Cruz zu einem Gespräch zusammen. „Ja“, meinte er, „der Airbus spielt im Umstrukturierungs-Programm, das zur Zeit bei uns in vollen Zügen läuft, eine entscheidende Rolle."

Dazu muß man wissen, daß Philippine Airlines - 1941 von einer Gruppe von Geschäftsleuten unter Leitung von Andres Soriano gegründet - eine für ein Land der Dritten Welt geradezu typische, äußerst wechselhafte Geschichte hinter sich hat: Die internationalen Flugdienste, 1946 aufgenommen, wurden 1954 gleich wieder eingestellt und erst 1962 wieder ins Leben gerufen. Soriano war von 1945 bis 1961 Präsident des Unternehmens; inzwischen war der Staat zum Hauptaktionär der Firma geworden.

1965 ging PAL erneut in Privatbesitz über, aber 1977 erwarb das regierungseigene Government State Insurance System 74 Prozent des von der Firma Rubicon - Besitzer: der nach Soriano zweite PAL-Präsident Benigno Toda - gehaltenen Aktienpaketes. Dieser Anteil wurde sehr bald auf 99,7 Prozent gesteigert: Die PAL ist also heute praktisch voll im Besitz des philippinischen Staates.

Damit scheint einerseits die allzu turbulente Firmengeschichte der Philippine Airlines ruhigere Luftschichten erreicht zu haben. Und: Ein Hauptproblem der Gesellschaft - die Unterkapitalisierung - scheint erstmals überwunden. Denn neben einer allzu heterogenen Flugzeugflotte, einem unvollständigen, unausgewogenen internationalen Streckennetz und einem durch die Insellage des Landes notwendigen, dicht beflogenen, aber unpünktlichen und teuren Regionalverkehr war die schwache Kapitalausstattung (25 Mio. Pesos oder 6,25 Mio. DM) Haupthindernis für die volle Entfaltung des Unternehmens.

Das hat sich mit der Regierungs-Übernahme geändert. Inzwischen ist eine Kapital-Aufstockung auf 250 Mio. Pesos (62,5 Mio. DM) erfolgt; Langfrist-Ziel ist aber eine Kapitaldecke von 1 Mrd. Pesos (250 Mio. DM). Geändert hat sich auch der Mann auf dem Präsidentschafts-Sessel der PAL: Philippinen-Staatspräsident Ferdinand Marcos besetzte den höchsten PAL-Posten mit einem Topmanager, mit dem er bereits in früheren bedeutenden Regierungsämtern gute Erfahrungen gemacht hatte: Roman Cruz. Es ist der Mann, dem ich jetzt im Manila Hotel gegenübersitze.

Airbus: wichtig für die Flotten-Umstrukturierung

Der Airbus, mit dem ich nach Manila kam, erinnert in seiner Bemalung und mit seiner Bezeichnung „Love Bus“ an die karnevalbunt bemalten Jeepneys, einer Kreuzung aus Jeep und Bus, die in Manila zum Schrecken ausländischer Besucher den öffentlichen Verkehr abwickeln. Trotz haarsträubender Erlebnisse muß man diesen wilden Gefährten zugestehen: Sie tun dies durchaus mit Erfolg.

Heitere Bemalung, ernsthafter Kern - so will Roman Cruz auch den Airbus verstanden wissen: als wichtigstes Element der künftigen Planung der philippinischen Airline. Und die ist beeindruckend, geradezu atemberaubend. - Man ist versucht zu urteilen: sogar allzu ehrgeizig?

* Eine Summe von $ 400 Mio. will Roman Cruz in den Kauf neuer Flugzeuge investieren.
* PAL baut zur Zeit eine große Wartungshalle (Wert fast 7 Mio. $) für Großraum-Fluggerät wie Boeing 747, McDonnell Douglas DC-10 und Airbus am Manila International Airport.
* Im Bau ist ferner ein sogenanntes „Inflight Services Center" (Kosten nahezu $ 4 Mio.), in
dem eine Großküche für Bordmahlzeiten, die auch an Fremdgesellschaften geliefert werden sollen, Büros und Räume für die Ausbildung von Flugbesatzungen Platz finden sollen.

Die fünf Airbusse A 300 (sie sind vom Typ A 30013-4), so Cruz, sind hauptsächlich für den Einsatz auf den internationalen Asien-Strecken gedacht, wobei aber auch die Möglichkeit besteht, sie auf Regionalstrecken hohen Passagieraufkommens operieren zu lassen, wenn die Passagiere (zum Großteil Geschäftsleute) die mit einem Airbus-Einsatz naturgemäß Hand in Hand gehenden Frequenz-Reduzierungen akzeptieren.

Aber Cruz' Pläne betreffen auch die Langstrecken-Dienste der Gesellschaft. Sie werden heute von 11 Flugzeugen bedient: von drei McDonnell Douglas DC-10-30, einer McDonnell Douglas DC-8-5517, zwei McDonnell Douglas DC-8-53 und fünf McDonnell Douglas DC-8-51. Möglichst schnell, so erklärt Cruz, möchte er die acht veraltenden DC-81os sein. Auch bei den Langstreckenjets hat deshalb die Zukunft schon begonnen. Ab Dezember 1979/Januar 1980 haben die ersten drei von insgesamt vier fest bestellten Boeing 747-20013 den Transpazifik-Dienst aufgenommen, und eine weitere DC-10-30 ist in Auftrag gegeben.

Umwälzungen auch im PAL-Regionalluftverkehr

Der ehrgeizige Roman Cruz machte auch vor einer Sanierung des Regionalflug-Bereiches seiner Gesellschaft nicht halt, der zur Zeit bereits Gewinn abzuwerfen beginnt. „Aber“, so sagt er, „hier herrscht noch ein allzugroßer Typen-Wirrwarr, und mein Ziel ist es, auf ein einziges Baumuster umzustellen.“

Und tatsächlich fliegen auf den „Domestic Routes“ der Philippine Airlines so unterschiedliche Flugzeugtypen wie die strahlgetriebene BAC One-Eleven (10 Stück), die zweimotorigen Turbopropmaschinen Hawker Siddeley 748-2A und Nihon YS-11 (jeweils 10 Exemplare), während die PAL-Tochtergesellschaft PATI insgesamt 10 zweimotorige Kolbenmotorflugzeuge Britten Norman Islander für 9 Passagiere betreibt.

Hier scheint sich Cruz noch nicht klar zu sein, ob man künftig auf dem aufkommensstarken Teil des PAL-Regionalnetzes einen reinen Jet oder ein Turboprop-Baumuster einsetzen wird. Im Gespräch ist u. a. auch die 200sitzige A 310 der Airbus Indiustrie.

Man sieht: Bei PAL sind alle Zeichen auf Wachstum gestellt. Die nationale Fluggesellschaft der Philippinen, die eine Beschäftigtenzahl von über 9000 (davon 405 Piloten und 858 Mann Kabinenpersonal) aufweist und 1978 insgesamt 3411637 Passagiere beförderte, hat unter Cruz' Leitung eine Weiterentwicklung sämtlicher Firmen-Aspekte im Auge. Dazu zählt auch der Plan, möglichst bald wartungstechnisch autark zu werden. Allerdings: Wenn man einen Besuch der technischen Einrichtungen der Firma auf dem Gelände der Manila International Airport absolviert, scheint manches noch unausgegoren, fast primitiv. Hier muß die Cruz-Airline noch einen weiten Weg zurücklegen, bis sie am Planziel ist. So bat man beispielsweise im Dezember 1979 für die neuen Boeing 747 einen Revisions-Vertrag mit dem in Kalifornien beheimateten Werkstätten der United Airlines abgeschlossen bzw. abschließen müssen.

PAL-Devise: Ausbau des Streckennetzes

Mit 41 Destinationen, die von PAL im Regionalverkehr angeflogen werden und 41 weiteren Punkten, die mit dem Islander der PAL-Tochter PATI bedient werden, ist das Inlandflugnetz der Gesellschaft bemerkenswert dicht. Roman Cruz' Expansionspläne hinsichtlich des Streckennetzes konzentrieren sich somit verständlicherweise auf die Auslandsrouten, von denen zur Zeit, als dieser Artikel recherchiert wurde (Jahresende 1979) 19 Destinationen angeflogen wurden. Der Löwenanteil der internationalen PAL-Flüge führt zur Zeit noch in asiatische Länder und nach Australien, aber im Flugplan sind auch europäische Städte wie Athen, Frankfurt, Amsterdam und Rom zu finden. An die Stelle von Amsterdam wird 1980 London treten, und es scheint, als ob bald weitere bedeutende europäische Flughäfen von Jets mit dem charakteristischen Farbschema Blau-WeißRot bedient werden.

Weniger einfach ist die Streckennetz-Ausbauplanung im Fall der USA, die der PAL zur Zeit nur eine Destination anzufliegen gestatten - San Francisco. Cruz ist verärgert darüber, daß die unbeugsame Politik des amerikanischen Civil Aeronautics Board seiner Gesellschaft heute nur sieben wöchentliche Frequenzen nach der Stadt am Golden Gate einräumt, während die US-Gesellschaften Pan Am und Northwest Orient deren 10 befliegen, wobei zusätzlich noch die betriebsame Texas-Airline Braniff Manila bedienen möchte. Nicht verwunderlich also, wenn Roman Cruz sich nicht nur um einen weiteren PAL-Destination (es ist Los Angeles) bewirbt, sondern auch eine Verdoppelung der Frequenzen anstrebt.

Beste Airline Südostasiens?

Während unseres Gespräches wird mir klar: Falls jemand die ehrgeizigen, aggressiven, manchmal hochfliegend anmutenden Ziele, die die Regierung Marcos mit dem nationalen Carrier hegt, in die Wirklichkeit umsetzen kann, muß er aus jenem Holz geschnitzt sein wie jener Roman Cruz, mit dem ich in Manila sprach. Wie sagt man auf den Philippinen? „Mabuhay“ - das heißt auch, wie ich in der PAL-Bordzeitschrift lese, „alle guten Wünsche!“. Text: Dietrich Seidl
 


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Letzte Änderung: 14. März 2005
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