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Aufwind für die deutsche Luft-und Raumfahrtindustrie

MIT SCHUBKRAFT INS NEUE JAHRZEHNT

Eine stabile Auftragslage, Vorarbeiten für die nächste Generation ziviler und militärischer Flugzeuge und nicht zuletzt die bevorstehende Nord-Süd-Fusion kennzeichnen die Lage der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie an der Schwelle der 80er Jahre. Die Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) in Hannover bietet der Öffentlichkeit einen repräsentativen Überblick über das weitgespannte Programm der heimischen Industrie. Es reicht von unbemannten Geräten über leichte Militärtrainer, Mehrzweck-Hubschrauber, Kurzstartflugzeuge und Zubringermaschinen bis zu den großen internationalen Programmen für Kampfflugzeuge und Großraum-Airliner.

Ein guter Standort für die Herstellung von Flugzeugen sei die Bundesrepublik Deutschland, stellte Martin Grüner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft fest, als er vor zwei Jahren die ILA '78 in Hannover eröffnete. Der Koordinator für die Luft- und Raumfahrt meinte damals auch, daß diese Industrie ihren Platz als Schlüsselindustrie in der Wirtschaft gefestigt habe. Die beiden letzten Jahre haben diese Auffassung Grüners voll bestätigt. Die Beschäftigtenzahl stieg allein im Jahr 1979 um 7,11% auf insgesamt knapp 66000 Personen.

Der Anteil der Systemfirmen dominiert dabei natürlich mit knapp 62% Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl, gefolgt von der Ausrüstungsindustrie mit 17,71% und der Triebwerksindustrie mit 13,16%. Der Rest entfällt auf die Zubehör- und Werkstofffirmen.

Innerhalb dieser Herstellergruppen liegt der militärische Bereich zwar anteilmäßig vorne, aber bei den System- und Ausrüstungsfirmen verzeichnet der zivile Sektor höhere Zuwachsraten. Umgekehrt ist es bei den Gruppen Triebwerke und Zubehör, hier steigt der militärische Anteil stärker als der zivile. Die Raumfahrt, fast ausschließlich in der Gruppe der Systemfirmen vertreten, muß einen leichten Beschäftigungsrückgang verzeichnen.

Wenn man alle vier Herstellergruppen zusammengefaßt betrachtet, so verteilen sich die Arbeitsgebiete wie folgt:
* Luft- und Raumfahrt 94,42% (Zuwachs 7,70%)
davon
* militärischer Bereich 64,48% (+7,67%)
* ziviler Bereich 25,53% (+9,82%)
* Raumfahrt 4,41% (-2,78%)
* fremde Gebiete 5,58% (-1,87%)

Wenn sich die Situation weiterhin günstig entwickelt, und bei der Raumfahrt der Trend wieder in Richtung Wachstum umschlägt, könnte schon Ende 1980 eine Gesamtbeschäftigtenzahl von 70000 erreicht sein.

Auch die Umsatzentwicklung zeigt nach einem leichten Rückgang vor fünf Jahren eine deutlich steigende Tendenz. Da die Bilanzen des Jahres 1979 noch nicht vorliegen, können hier nur die letztverfügbaren Zahlen des Geschäftsjahres 1978 angegeben werden. Danach konnten alle vier Herstellergruppen der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie insgesamt DM 5983,8 Mio. umsetzen, was einem Wachstum von 14,56% entsprach. Die einzelnen Arbeitsgebiete haben daran folgende Anteile:
* Luft- und Raumfahrt 90,25% (Zuwachs 13,68%) davon
* militärisch 57,93% (+23,93%)
* zivil 24,44% (+17,37%)
* Raumfahrt 7,77% (-33,61%)
* fremde Gebiete 9,75% (+23,39 % )

Interessant hat sich der Exportanteil (ohne Fremdgebiete) entwickelt, er lag 1978 bei 37,17% des Gesamtumsatzes. Allerdings zählen dabei auch die „Ausfuhren“ bei grenzüberschreitenden Kooperationen mit! Einziges Teilgebiet, das bei allen Herstellergruppen deutlich Umsatzeinbußen hinnehmen mußte, ist wieder die Raumfahrt.
Wie die Lage in den einzelnen Unternehmen aussieht, sei im folgenden kurz skizziert.

Dornier

Die Dornier-Gruppe beschäftigt rund 7000 Mitarbeiter. Davon sind etwa 43% im Fertigungsbereich, 32% in der Forschung und Entwicklung sowie rund 25% in der Wartung und Betreuung tätig. Der Umsatz des Unternehmens belief sich im Jahr 1978 auf DM 785,1 Mio und setzte sich nach Arbeitsgebieten folgendermaßen zusammen:
* Flugzeuge 25%
* Wehrtechnik 19%
* Flugzeugbetreuung 19%
* Raumfahrt, Neue Technologien, Elektronik 14%
* Maschinenbau 18%
* Sonstiges 5%

Der Anteil militärischer Aufträge lag bei 51%, der des öffentlichen Auftraggebers insgesamt bei 58%. Relativ hoch wird mit 52% der Exportanteil (inkl. Kooperation) beziffert. Die Ertragslage des nach wie vor voll in Familienbesitz stehenden Unternehmens ist mit dem Jahresüberschuß von nahezu DM 20 Mio. unverändert positiv. Im Geschäftsjahr 1979 dürfte der Umsatz eine Höhe von DM 1 Mrd. erreicht haben.

Den Hauptanteil an der Umsatzsteigerung in der Flugzeugfertigung trägt natürlich die hochgelaufene Serienproduktion des Alpha Jet. Rund 500 Maschinen wurden bisher von Luftwaffen in acht Ländern in Auftrag gegeben. Sämtliche Rumpfhinterteile, Trag- und Leitwerke des Alpha Jet werden bei Dornier gefertigt, darüber hinaus läuft die Endmontage für die 175 von der deutschen Luftwaffe bestellten Maschinen auf vollen Touren.

Das erste mit Alpha Jets ausgerüstete Einsatzgeschwader, das JaboG 49 in Fürstenfeldbruck wurde am 20. März 1980 in Dienst gestellt (siehe S. 54). Die großen Entwicklungsmöglichkeiten dieses Typs deuten sich mit der bevorstehenden Erprobung eines experimentellen superkritischen Flügels (siehe S. 60) und der Pylonklappen für die direkte Kraftsteuerung an. Im Hinblick auf einen Ausschreibungswettbewerb der U.S. Navy für ein künftiges Trainer-System arbeiten Dassault-Breguet und Dornier mit der amerikanischen Firma Lockheed zusammen.

Neue, breit angelegte Aktivitäten entfaltet Dornier auf dem Gebiet der Mehrzweck-/Zubringerflugzeuge für den zivilen Markt. Dabei spielt die Anwendung des vom Bundesforschungsministerium geförderten Tragflügels Neuer Technologie (TNT) eine Schlüsselrolle (siehe S.30). Zu diesem Zivilflugzeugprogramm gehört auch nach wie vor das Kurzstart-Mehrzweckflugzeug Do 28 D-2 Skyservant, für das seit 1966 insgesamt 260 Aufträge verzeichnet wurden.

Für den Bedarf der europäischen Luftwaffen in den 90er Jahren erarbeitete Dornier geschlossene, eigenständige Entwicklungsbeiträge. Mit MBB wird derzeit das Konzept des TKF-90 (taktisches Kampfflugzeug der 90er Jahre) abgestimmt.

Bei der Wehrtechnik entfällt der größte Anteil der Dornier-Arbeiten auf das Gebiet der unbemannten Fluggeräte, wie z. B. rotorgestützte Sensorplattformen, Aufklärungsdrohnen, ferngesteuerte Flugkörper und unbemannte Zieldarstellungssysteme.

Der Raumfahrtbereich war auch bei Dornier in den letzten beiden Jahren rückläufig. Nach den im Jahr 1977 erfolgreich gestarteten europäischen Forschungssatelliten Geos und ISEE-B sicherte sich Dornier auch einen Anteil am Fernsehsatelliten TV-Sat. Für das Weltraumlabor Spacelab entwickelt Dornier das Lebenserhaltungssystem und das universelle Plattformsystem für astronomische Beobachtungsaufgaben. Der Serienbau der Tankeinheiten für die 2. Stufe der europäischen Trägerrakete läuft nach Plan.

Messerschmitt-Bölkow-Blohm

Mit einem Umsatzanstieg um DM 316 Mio. auf DM 2,117 Mrd. konnte MBB im Geschäftsjahr 1978 wieder eine insgesamt positive Entwicklung verzeichnen. Auch der Jahresüberschuß ist gegenüber 1977 von DM 10,1 Mio. auf DM 26,8 Mio. beträchtlich
gewachsen. Belastungen aus dem zivilen Flugzeugbau (Airbus) konnten durch gute Ergebnisse in anderen Bereichen aufgefangen werden. Der MBB-Umsatz verteilte sich auf folgende Tätigkeitsbereiche:
* Flugzeugbau 44,4%
* Wehrtechnik 35,8%
* Drehflügler 10,1%
* Raumfahrt 4,6%
* Sonstiges 5,1%

Auf den Export entfielen etwa 53% des Umsatzes (auch hier ist zu berücksichtigen, daß als Export auch Lieferungen an ausländische Kooperationspartner gezählt werden. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich weiter auf 22290 Personen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 1979 rechnet man bei MBB mit einem Gesamtumsatz von rund 2,5 Mrd. mit weiter steigender Tendenz. Für 1983 sind DM 4 Mrd. prognostiziert.

Großen Anteil am Umsatzzuwachs, wenn auch nicht am Ertrag, hat die mit dem Verkaufserfolg des Airbus gestiegene Produktion. Zur Sicherung der Produktlinie muß MBB als Partner der Airbus Industrie den notwendigen Fertigungshochlauf von derzeit drei auf voraussichtlich acht Flugzeugen pro Monat zu weitgehenden Rationalisierungsmaßnahmen nutzen. Schon 1979 hat MBB deshalb im Unternehmensbereich Hamburg DM 250 Mio. investiert, für den Zeitraum 1980 bis 1983 sind weitere Investitionen in ähnlicher Größenordnung vorgesehen. Für die neue Airbus-Version A310 wird MBB im Rahmen seiner 65%Beteiligung an der Deutschen Airbus GmbH einen 10%igen Anteil aus Eigenmitteln einsetzen.

Im Unternehmensbereich Flugzeuge (militärisch) ist seit 1978 die Serienfertigung der von MBB für das europäische Kampfflugzeug MRCA Tornado zu liefernden Baugruppen voll angelaufen. Die ersten Serienmaschinen wurden bereits ausgeliefert. Für den Unternehmensbereich stellt sich die Aufgabe, in der Zeit des Serienanlaufs der Tornado den Entwicklungsanschluß mit dem taktischen Kampfflugzeug der 90er Jahre (TKF-90) sicherzustellen. Die erarbeiteten Studien geben MBB eine gute Ausgangsbasis, um mit ausländischen Partnern einen wesentlichen Anteil am TKF zu erringen. Auf Drängen des Bundesverteidigungsministeriums versuchen MBB und Dornier, ihre bisher getrennt laufenden Vorentwicklungsarbeiten zu koordinieren. Anfang März 1980 begannen die ersten Gespräche mit Industriepartnern in Frankreich und Großbritannien.

Zu den bei MBB durchgeführten Technologieprogrammen im Vorfeld der TKF-Entwicklung gehört u. a. ein neuartiges reglergestütztes Flugführungssystem, das die Leistungen und die Manövrierfährigkeit des TKF wesentlich verbessern könnte. Dieses CCV-Programm (Control Configured Vehicle) wird an einer F-104G erprobt. Theoretische Berechnungen und Windkanalversuche ergaben Hinweise auf die Realisierbarkeit der Steigerung der Manövrierbarkeit künftiger fliegender Waffensysteme.

In der Hubschrauberproduktion bei MBB wird die Kontinuität in den nächsten Jahren wesentlich durch die militärischen Versionen der Bo 105, den VBH (Verbindungshubschrauber) und PAH-1 (Panzer-Abwehrhubschrauber) sichergestellt. Der Prototyp des mit der japanischen Firma Kawasaki entwikkelten neuen Hubschraubertyps BK 117 nahm im Sommer letzten Jahres die Flugerprobung auf, und Anfang 1980 wurde die Serienproduktion freigegeben (siehe S. 28/29). Für den Panzer-Abwehrhubschrauber der zweiten Generation PAH-2 wurde eine gemeinsam mit den europäischen Partnern erarbeitete Konzeptstudie vorgelegt. MBB wird Hauptauftragnehmer in diesem zusammen mit Aerospatiale geplanten Programm.

Der MBB-Unternehmensbereich Raumfahrt konnte in den letzten Jahren im harten internationalen Wettbewerb eine Reihe von Ausschreibungen gewinnen, so daß sich die Auftragslage im Satellitenbereich wesentlich verbessert hat. Als Beispiel sei der deutsche direktsendende Fernsehsatellit TV-Sat genannt, dessen Definitionsstudie MBB als Leitfirma eines deutschen Konsortiums durchgeführt hat.

Die Flugkörper-Waffensysteme Milan, HOT, Roland und Kormoran werden in Serie produziert, die ersten drei im Rahmen des europäischen Lenkwaffenkonsortiums Euromissile.

Vereinigte Flugtechnische Werke

Herausragendes firmenpolitisches Ereignis ist die Anfang des Jahres erfolgte Trennung der mehr als zehn Jahre lang gemeinsam operierenden Firmen VFW in Bremen und Fokker in Amsterdam. Die beiden Betriebsgesellschaften werden in Zukunft wieder selbständig geführt. Diese Entflechtung war eine notwendige Voraussetzung für die seit langem geplante Fusion mit MBB. Allerdings sind in letzter Zeit Probleme dergestalt aufgetaucht, daß große Gesellschafter von VFW, nämlich die Krupp AG und der amerikanische Konzern United Technologies, wieder zunehmendes Interesse an dieser Bremer Technologiefirma zeigen und bei der Fusion ein deutlicheres Wort mitreden wollen.

Auch die seit der krisenhaften Situation Ende 1977 deutlich stabilisierte Lage des Unternehmens VFW trägt zu größerem Selbstbewußtsein in den Fusionsverhandlungen mit der Firma MBB bei. Schon der Jahresabschluß 1978 hatte nach einem mehrjährigen Absinken der Umsätze wieder einen erkennbaren Zuwachs auf DM 520 Mio. (Tiefpunkt im Jahr 1977: DM 480 Mio.) erfahren. Er verteilte sich auf folgende Programmgruppen:
* zivile Flugzeuge 35%
* Marinetechnik 20%
* Betreuung 15%
* Entwicklungsaufträge 15%
* Produktionsaufträge 6%
* Allgemeine Fertigung und Sonstiges 9%.

Die Zähl der Beschäftigten lag bei 10300. Die Belebung der VFW-Aktivitäten hat sich auch 1979 fortgesetzt. Vor allem die günstige Auftragslage des Airbus-Programms bedeutet für VFW eine Verbesserung der Auslastungssituation. VFW ist mit 35% an der Deutschen Airbus GmbH beteiligt.

Für das Flügelkonzept des Airbus A310 hatte VFW wichtige Vorarbeiten geleistet und wird an Entwicklung, Zusammenbau und Ausrüstung weiterhin beteiligt sein, obwohl British Aerospace seit dem wiedereintritt in das Airbus-Konsortium Anfang 1979 die Gesamtverantwortung für die Entwicklung der Tragflächen des kleineren Airbus übernommen hatte. In Partnerschaft mit Fokker fertigt VFW nach wie vor wichtige Baugruppen für die Verkehrsflugzeugtypen F 27 Friendship und F 28 Fellowship.

Schwerpunkt der wehrtechnischen Aufgaben ist die Beteiligung am europäischen Kampfflugzeug MRCA Tornado. Dieses Programm wird auch in den nächsten Jahren die Basis der Auslastung der wehrtechnischen Kapazitäten des Unternehmens sein.

Als Unterauftragnehmer ist VFW an der Einzelteilfertigung des für die Länder Belgien, Dänemark, Niederlande und Norwegen bestimmten Kampfflugzeugs F-16 beteiligt. Im Rahmen des Nachbauprogramms des Transporters Transall C 160, für den von der französischen Luftwaffe ein neuer Auftrag über 25 Maschinen vorliegt, hat VFW als Unterauftragnehmer einen Fertigungsanteil von 27%.

Im Vordergrund der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten standen auch 1978 die zusammen mit MBB durchgeführten Konzeptuntersuchungen für das TKF-90. In den vom Bundesverteidigungsministerium geförderten Phasenvorlauf- und Experimentalprogrammen wurden bei VFW neben dem Schwerpunktthema der Strukturtechnologie besondere Entwicklungsakzente auf zukunftweisende Technologieaufgaben mit Ausrichtung auf eigenständige Subsysteme für Navigation und Zielakquisition gesetzt. VFW hat das Ziel, solche klar abgrenzbaren Untersysteme mit hohem Technologiegehalt im Sinne eines wehrtechnischen Unternehmensschwerpunkts auszubauen.

Herausragender Arbeitsschwerpunkt der Tochtergesellschaft ERNO Raumfahrttechnik ist die Führung des europäischen Spacelab-Programms. Die Integrationsarbeiten und Systemtests der ersten Flugeinheit konnten abgeschlossen werden. Anfang 1980 gab die NASA eine zweite Flugeinheit in Auftrag. Damit wurde die große Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft in der Raumfahrt unterstrichen. Die Firma ERNO wird auch im Bereich der Spacelabnutzung wichtige Aufgaben übernehmen, so z. B. die Nutzlastintegration der europäischen Experimente, die für den ersten Spacelab-Flug 1982 ausgewählt worden sind.

Im europäischen Trägerraketenprogramm Ariane ist ERNO Hauptauftragnehmer für die gesamte zweite Raketenstufe. Die erfolgreich angelaufene Flugversuchsphase und die hoffnungsvolle Auftragslage für die Ariane sichern bei ERNO auch in diesem Bereich für die kommenden Jahre die Beschäftigung. ERNO ist weiterhin an einer Reihe bedeutender Satellitenvorhaben maßgeblich beteiligt. Zu den wichtigsten gehören die Nachrichtensatelliten ECS Fl und F2 sowie die maritimen Nachrichtensatelliten MARECS A und B. ERNO ist an diesen Programmen mit verschiedenen Untersystemen beteiligt.

Das Schwergewicht der Arbeiten bei der VFW-Tochtergesellschaft Rheinflugzeugbau liegt nach wie vor auf der Erprobung des militärischen Mehrzweckflugzeugs Fantrainer, auch wenn derzeit noch nicht abzusehen ist, ob sich die Luftwaffe endgültig für eine Beschaffung entschließen wird. Zusammen mit Vought bietet RFB den Fantrainer der USAF als T-37-Nachfolger an.

Motoren- und Turbinen-Union

Im Geschäftsjahr 1978 erhöhte sich der Umsatz dieses bedeutendsten deutschen Triebwerksherstellers in München um 8,4% auf DM 438,5 Mio. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich ebenfalls, und zwar um 4,7% auf 6092 Personen.

Der Umsatz der MTU-München (ohne den Bereich Friedrichshafen) teilte sich nach folgenden Bereichen auf:
* Fertigung (einschließlich Ersatzteile) 45,8%
* Reparaturen und Dienstleistungen 22,3%
* Entwicklung (einschließlich Prototypen) 31,9%

Nach Abnehmergruppen sieht die Umsatzaufteilung so aus
* Bundeswehr 70,4%
* sonstige inländische Auftraggeber 8,9%
* Export 20,7%

Tragende Basis für Fertigung und Entwicklung waren das trinationale Programm RB 199 sowie das deutsch-französische Produktionsprogramm Larzac 04. Im Fertigungsbereich kam 1979 das Wellentriebwerk Allison 250-C20 für den Hubschrauber Bo 105 hinzu, das von MTU in Lizenz produziert wird.

Das Fertigungsvolumen für zivile Triebwerke umfaßt Bauteile für das Airbus-Triebwerk CF6, an dessen Herstellung MTU neben den Firmen Snecma in Frankreich und General Electric in den USA beteiligt ist. Die Arbeiten für die Entwicklung des neuen Bläsertriebwerks Pratt & Whitney JT 10D wurden bei MTU fortgesetzt.

Gemeinsam mit der französischen Firma Turbomeca.entwickelt MTU das Wellentriebwerk MTM380 in der Leistungsklasse 800 kW, das für den geplanten deutsch-französischen Panzerabwehrhubschrauber PAH-2, aber auch für künftige Turboprop-Flugzeuge vorgesehen ist. Der Entwicklungsanteil von MTU umfaßt die Baugruppen Brennkammer, Gaserzeuger und Antriebsturbine. Für die Trägerrakete Ariane baut MTU die Turbopumpen für die Motoren der ersten und zweiten Stufe. Ein wichtiger Meilenstein in der Firmenpolitik war der Entschluß, in Hannover ein neues Werk für die Wartung und Überholung von zivilen Strahltriebwerken zu errichten.

Mit Schubkraft ins neue Jahrzehnt

Mit diesen sehr vielfältigen Entwicklungs- und Produktionsprogrammen hat die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie eine stabile Basis für die Beschäftigung in den nächsten Jahren. Die Luftfahrtindustrie gehört in Europa zu den wirtschaftlichen Bereichen, für die eine nationale Eigenständigkeit keine Alternative mehr ist. Sie ist eingebunden in eine Vielzahl bi- und multinationaler Projekt-Kooperationen mit zum Teil langfristigen Verpflichtungen. Eine qualitative, gleichberechtigte Partnerschaft erfordert jedoch die Fähigkeit zur Teilnahme am technologischen Wettbewerb mit angemessenen Beiträgen aus eigener Forschung und Entwicklung. Ohne diese Voraussetzung würde die deutsche Luftfahrtindustrie zwangsläufig in die Rolle eines mitzahlenden Unterauftragnehmers absinken. Die Bundesregierung ist nach eigenem Bekunden bestrebt,
  • die angemessene deutsche Beteiligung an der zivilen Luftfahrt als wesentlichen Bestandteil der nationalen und internationalen Infrastruktur sicherzustellen,
  • die Luftstreitkräfte in den Stand zu setzen, ihren wichtigen Beitrag zur Landesverteidigung leisten zu können, und ganz allgemein
  • die Luftfahrtindustrie mit ihrer breitausstrahlenden Spitzentechnik international wettbewerbsfähig zu machen.
Dazu hat die Bundesregierung in der Vergangenheit nützliche Leitlinien erarbeitet. Vor allem die Entwicklung, Produktion und Betreuung von modernen Waffensystemen setzen einen technologischen Standard voraus, der nur mit einer weit in die Zukunft reichenden Planung dieser Programme zu erreichen ist.

Wegen ihrer Internationalität wirkt die Luftfahrtindustrie als stabilisierendes und integrierendes Element - sowohl im zivilen, wie im militärischen Bereich. Allerdings sind noch nicht alle wichtigen Entwicklungsvorhaben unter Dach und Fach, die auch weit in die 90er Jahre hinein die Auslastung sichern könnten. So dürfte interessant sein, was Verteidigungsminister Apel bei der Eröffnung der ILA '80 zum Thema TKF-90 zu sagen hat: Man darf hoffen, daß die Bundesrepublik Deutschland oder besser gesagt, Europa, auch in Zukunft .,ein guter Standort" für den Flugzeugbau bleiben wird. Text: Peter Pletschacher
 


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Letzte Änderung: 10. Mai 2005
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