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F R 6 - 1 9 8 0 |
Wintermanöver der NATO in Nord Norwegen ANORAK EXPRESS 80Vom 28. Februar bis 27. März 1980 fand im Gebiet nordöstlich von Tromsoe das mit Anorak Express 80 bezeichnete Wintermanöver der NATO statt. Mehr als 18000 Soldaten verschiedener Waffengattungen aus acht Ländern nahmen daran teil. Hauptaufgabe von Anorak Express 80" war die simulierte Abwehr eines mit amphibischen Truppen und Luftunterstützung durchgeführten Angriffs aus nördlicher Richtung. Die FLUG REVUE war eingeladen, das Manöver zu beobachten und die strategische Situation demonstriert zu bekommen. Nachfolgend ein kurzer Überblick über diese großangelegte Übung, die für Mensch und Material unter widrigsten Wetterbedingungen ablief.Es ist seit langem bekannt, daß Westeuropa über das dünnbesiedelte und geographisch zerklüftete Nord-Norwegen die besondere Gefahr einer zangenartig durchgeführten Intervention aus dem Nordosten droht. Zur Abwehr eines solchen, jederzeit möglichen Angriffs auf die nördliche Flanke der NATO fand im März d. J. das Wintermanöver Anorak Express 80 statt. Norwegen ist sich seiner geopolitisch ungünstigen Lage durchaus bewußt und es unternimmt entsprechende Anstrengungen zur wirksamen Verteidigung des Landes. Die Luftstreitkräfte verfügen in Bodoe über eine Abfangjägerstaffel (331.) mit 29 Maschinen des Typs F-/TF-104G Starfighter und eine weitere Staffel (334.) mit 22 CF-104G/D Starfighter zur Bekämpfung von Seezielen mit Bullpup-Flugkörpern. Beide Staffeln beginnen noch in diesem Jahr mit der Umrüstung auf den neuen Luftkampfjäger F-16, von dem die norwegischen Luftstreitkräfte 72 Maschinen der Versionen A und B erhalten werden. Hinzu kommen noch drei Staffeln (336. in Rygge, 338. in Oerland und die 717. in Rygge), die mit 59 Northrop F-5A/B und RF-5A ausgestattet sind und in erster Linie für taktische Einsätze verwendet werden. Die meisten dieser Flugzeuge sind in Rock Hangars" untergebracht, die sie bei Alarmstarts in Minutenschnelle verlassen können. Über ganz Nordnorwegen verteilt ist die 339. Staffel mit 16 Hubschraubern des Typs Bell UH-1B Huey. Zur Überwachung der großen Seegebiete ist in Andoya/Lofoten die 333. Staffel mit fünf ASW-Flugzeugen des Typs Lockheed P-3B Orion stationiert. Sie wurden 1969 in Dienst gestellt und im letzten Jahr modernisiert, d. h. dem letzten der elektronischen Technik angepaßt. Mit einem Aktionsradius von fast 2500 km können diese Maschinen nahezu das gesamte Norwegische Meer bis hinauf zur Barentssee kontrollieren. Transportaufgaben erfüllen in Norwegen sechs Lockheed C-130H Hercules der 335. Staffel in Gardermoen und für ECM-Einsätze stehen drei Maschinen des zweistrahligen französischen Typs Dassault Falcon 20 zur Verfügung. SAR-Aufgaben übernimmt die in Bodoe stationierte 330. Staffel mit zehn Westland Sea King Mk.43. Soweit die fliegerische Komponente der norwegischen Landesverteidigung, die natürlich im Ernstfall auf die sofortige Hilfe aller NATO-Partner angewiesen ist. Letzteres war schließlich auch der eigentliche Grund von Anorak Express 80, das bereits Mitte 1978 geplant und danach ausgearbeitet wurde. Am 28. Februar erfolgte aus nördlicher Richtung der Angriff des Gegners und zwar in Form einer kombinierten See-Luft-Operation der 36th Marine Amphibious Unit auf der Halbinsel Malangen, mehr als 200 km nördlich des Polarkreises. Diese Spezialeinheit der US Marines hat eine Kampfstärke von mehr als 2000 Mann. Sie ist mit den modernsten Waffen ausgerüstet, zu denen u. a. auch Kampfhubschrauber des Typs Bell AH-1T Cobra gehören. Die 36th MAU steht derzeit unter dem Kommando von Col. P. L. Cacace, einem erfahrenen Offizier, der auch in Südostasien dabei war. Sie ist normalerweise in Norfolk, Virginia, stationiert und wurde mit drei Spezialschiffen in die Gewässer nördlich Norwegens gebracht. Die USS Saipan (LHA-2) stellt das modernste von ihnen dar, denn sie wurde erst im Oktober 1977 in Dienst gestellt. Ihre Wasserverdrängung liegt bei 40000 ts und sie ist eine gelungene Kombination von Hubschrauberträger und Mutterschiff für Landungsboote. Immerhin haben auf ihrem 250 m langen und 43 m breiten Flugdeck bis zu 35 Hubschrauber der Typen Sikorsky CH-53D Sea Stallion, Vertol CH-46F Sea Knight, Bell UH-1N Huey und AH-1T Cobra Platz. Letzterer ist mit TOW-Flugkörpern bewaffnet und in erster Linie zur Bekämpfung gepanzerter Bodenziele während der kritischen Landungs- oder Rückzugsphase vorgesehen. Des öfteren hat sie aber auch VSTOL-Jagdbomber des Typs AV-8A Harrier an Bord. In ihrem Bauch kann die USS Saipan u. a. bis zu fünfzig Landungsboote mitführen. Dank ihrer hervorragenden Ausrüstung ist sie außerdem auch als Hospitalschiff vorgesehen und kann täglich 300 Patienten verarzten". Zur Selbstverteidigung verfügt die 20 knots schnelle USS Saipan über drei 12,7 mm-Flakgeschütze, sechs 20 mm-Kanonen und zwei Werfer für Sea Sparrow-Lenkwaffen. Soweit die angreifenden Nordtruppen, denen im Süden außer einigen norwegischen Verbänden vor allem die als schnelle Eingreifreserve geltende Allied Command Europe (ACE) Mobile Force gegenüberstand. An diesem auch mit AMF bezeichneten, brigadestarken und gemischten Verband beteiligen sich die Luft- und Landstreitkräfte von acht NATO-Ländern. Während die Nordtruppen am Tage ihrer Invasion Boden gutmachen konnten, wurden sie schon einige Tage später von den Einheiten der AMF gestoppt. Diese erhielten wiederum Luftunterstützung von der 53rd TFS aus Bitburg (F-15A Eagle) und der l0th TFS aus Hahn (F-4E Phantom II), die während des Manövers zusammen mit der 314. Staffel aus Eindhoven (NF-5A/B) auf dem Luftstützpunkt Bodoe stationiert waren. Hinzu kam noch die mit Harrier-Senkrechtstartern ausgerüstete No. 1 Squadron aus RAF Whittering, die vom Flugplatz Tromsoe täglich bis zu dreißig Einsätze flog. Damit konnte u. a. zum wiederholten Male nachgewiesen werden, daß der Harrier auch unter widrigsten klimatischen Bedingungen ein zuverlässiger Jagdbomber ist. Außer Soldaten aus Norwegen, Kanada, Italien, Belgien, Luxemburg, Großbritannien und den USA gehörte während des Manövers auch ein deutscher Verband zu den Südtruppen. Aus politischen Gründen bestand dieser jedoch nicht aus Kampftruppen, sondern aus einigen Hubschraubern Bell UH-1D und einem hervorragend ausgestatteten Feldhospital mit insgesamt hundert Betten. Fazit: Das in vier Phasen aufgeteilte Wintermanöver Anorak Express 80 dauerte vier Wochen. Mit ihm konnte der Beweis erbracht werden, daß es durchaus möglich ist, einen Angreifer aus dem Norden in Nord-Norwegen aufzuhalten. Allerdings müßten dafür auch einige Voraussetzungen auf dem logistischem Gebiet geschaffen werden, denn die Anmarschwege der anderen NATO-Partner sind relativ lang und die Vorwarnzeiten kurz. Norwegen bietet sich aufgrund seiner dünnen Besiedlung für die Lagerung von schwerem Rüstungsmaterial geradezu an, die obendrein noch eine abschreckende Wirkung hätte. Nur so wird im Fall einer Krisensituation ein sofortiger Einsatz alliierter Truppen gewährleistet sein. Anorak Express 80 hinterließ nicht nur den Eindruck eines schnellen Eingreifens der ACE Mobile Force im Ernstfall, sondem es wurden vor allem auch eindeutige Zeichen gesetzt, dem ständig wachsenden sowjetischen Druck auf Norwegen Einhalt zu gebieten. Text und Fotos: Hans Redemann
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